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Diplomarbeit, 2007, 230 Seiten
Autor: Inka Lezius
Fach: Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Details
Tags: Kritik, Zeigefinger, Studie, Satire, Fernsehmagazinen
Jahr: 2007
Seiten: 230
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 120 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-01457-1
Dateigröße: 913 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Arbeit befasst sich mit politischer Satire im Fernsehen. Im theoretischen Teil der Arbeit wird ein Überblick über die Definition und Geschichte der Satire gegeben. Außerdem werden die verschiedenen Stilmittel der Satire im allgemeinen untersucht und Theorien zur Rezeption von Satire vermittelt. Der praktische Teil befasst sich mit der Inhaltsanalyse der Politischen Satire in vier Fernsehmagazinen und untersucht, welche Stilmittel verwendet werden, welche Intentionen die Satire-Macher haben und wie die Satire-Beiträge letztendlich beim Publikum ankommen. Dies wurde anhand von Gruppendiskussionen bei einer Gruppe von Senioren, bei Auszubildenden und bei Studenten untersucht. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass politische Satire im Fernsehen ein gutes Mittel ist, ein breites Publikum zu erreichen und das Image der Sendung aufzubessern, allerdings nur dann, wenn die Satire konsequent angewendet wird und Humor und Schärfe besitzt.
Textauszug (computergeneriert)
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Diplomstudiengang Journalistik
Diplomarbeit
„Kritik ohne Zeigefinger“
Eine qualitative Studie zu politischer Satire in Fernsehmagazinen
vorgelegt von:
Inka Lezius
Eichstätt, 14. April 2007
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG ... 6
2. SATIRE UND IHRE TRADITION ... 7
2.1. Etymologie und Definition ... 7
2.2. Elemente der Satire ... 11
2.2.1. Angriff ... 11
2.2.2. Norm, Ideal und Wirklichkeit ... 11
2.2.3. Indirektheit ... 12
2.3. Formen der Ästhetik ... 14
2.3.1. Komik ... 14
2.3.2. Komik- und Humortheorien ... 16
2.3.3. Funktionalisierbarkeit für die satirische Tendenz ... 20
2.3.4. Ironie ... 21
2.4. Exkurs: Die Unterscheidung von Glosse und Satire ... 22
2.5. Geschichtliche Entwicklung der Satire ... 24
2.6. Zusammenfassung ... 27
3. POLITISCHE SATIRE ... 27
3.1. Die Geschichte der politischen Satire ... 27
3.2. Das Kabarett ... 30
3.3. Entwicklung politischer Satire im Fernsehen ... 31
3.4. Satiresendungen in den 90er Jahren ... 34
3.5. Die satirische Fernsehlandschaft heute ... 36
3.5.1. Exkurs: Politische Fernsehmagazine ... 36
3.5.2. Beispiele für politische Satire in Magazin-Formaten ... 39
3.6. Das Konkurrenzprodukt Comedy ... 44
3.7. Zusammenfassung ... 45
4. DAS PUBLIKUM ... 45
4.1. Cultural Studies ... 46
4.2. Das „Encoding-Decoding-Modell“ von Hall ... 47
4.3. Annäherung an den Rezipienten ... 49
4.3.1. Der Magazinrezipient ... 49
4.3.2. Der Humorrezipient ... 50
4.4. Die Wirkungsdiskussion ... 51
4.5. Wirkung auf das Publikum ... 52
4.6. Zusammenfassung ... 56
5. POLITISCHE SATIRE IN FERNSEHMAGAZINEN – EINE QUALITATIVE STUDIE ... 56
5.1. Methoden ... 57
5.2. Gruppendiskussion ... 58
5.2.1. Vorgehen während der Gruppendiskussion ... 59
5.3. Leitfadengespräche ... 61
5.3.1. Auswahl des Untersuchungssamples ... 62
5.3.2. Interviewmethodik ... 62
5.4. Inhaltsanalyse ... 64
5.4.1. Film- und Fernsehanalyse ... 64
5.4.2. Definition des Samples ... 65
5.4.3. Kategorien der Analyse ... 66
5.5. Die Operationalisierung der Hypothesen und Forschungsfragen ... 67
5.6. Vorstellung der Untersuchungsergebnisse ... 69
6. DIE BEITRÄGE ... 70
6.1. Stilmittel der Beiträge ... 70
6.2. Humor ... 73
6.3. Hilfsmittel ... 77
6.4. Das Gefäß ... 78
6.5. Der Gegner ... 79
6.6. Das Vorwissen der Zuschauer ... 81
6.7. Zusammenfassung ... 82
7. DIE SATIRE-MACHER ... 83
7.1. Zwischen Technik und Talent ... 83
7.2. Definition von Satire ... 85
7.3. Bedeutung der Satire ... 86
7.4. Bedeutung der Satire für die Sendung ... 88
7.5. Redaktionsabläufe und Produktionsfreiheit ... 89
7.6. Zuschauerwissen ... 90
7.7. Zusammenfassung ... 92
8. DAS PUBLIKUM ... 93
8.1. Vorstellung der Gruppen ... 93
8.2. Rezeption von politischer Satire in Fernsehmagazinen ... 95
8.3. Reaktionen auf die gezeigten Beiträge ... 96
8.4. Das Humorverständnis ... 99
8.5. Zusammenfassung ... 100
9. DISKUSSION DER ERGEBNISSE ... 101
9.1. Fazit ... 101
9.2. Verbesserung des Untersuchungsdesigns und weiterführende Untersuchungen ... 104
9.3. Perspektive von Politsatire im Fernsehen ... 105
10. LITERATUR ... 107
1. Einleitung
"Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten. Nicht nur die Satie hat es schwer, erst recht die Satire im Fernsehen."
(vgl. Weigelt 1988: 3).
Ob Kommentar, Bericht oder Reportage, ein guter Journalist kennt sich in jedem dieser Genres aus und hat bestenfalls schon alles einmal gemacht. Bei Satire ist das anders: Sie ist ein Stiefkind der journalistischen Formen, besonders im Fernsehen. Zwar wussten die großen Journalisten des 20. Jahrhunderts Kurt Tucholsky und Karl Kraus um den Wert der Satire. So schrieb Tucholsky 1919: "Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den." (vgl. Tucholsky 1975: 42 f.) Doch wie damals traut sich auch heute kaum ein Journalist an diese Darstellungsform heran und wenn doch, dann sagt man ihm ein angeborenes Talent nach, eine besondere Fähigkeit, die Leser oder Zuschauer zum Lachen zu bringen. Besonders in dem vergleichsweise jungen Medium Fernsehen gibt es keinerlei Anleitungen, außer die mündlich überlieferten in den Redaktionen, die erklären, wie man gute Satire herstellt. Und selbst hier ist die einzige Vorgabe meist, dass sie bitte witzig sein soll. Aber ist das alles?
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Vielfältigkeit der Satire. Sie soll zeigen, welche historische Bedeutung diese Gattung hat und welche Möglichkeiten sich heute bieten, sie zu nutzen. Besonderes Augenmerk gilt der politischen Satire. Anders als der politische Kommentar besitzt nämlich die politische Satire die Fähigkeit, den Rezipienten nicht nur zu informieren, sondern auch zu unterhalten und sogar in Zeiten der Unterdrückung und Diktatur ist es möglich durch sie Kritik zu üben. Diese besonderen Eigenschaften machen die politische Satire allemal zu einem Gegenstand von wissenschaftlichem Interesse. Bisher beschäftigte sich jedoch fast nur in der Literaturwissenschaft mit Satire. Meist wurden höchstens bestimmte Aspekte behandelt, wie Satiretheorie, einzelne Epochen, oder es wurde versucht, satirische Elemente in einem literarischen Werk aufzuzeigen (vgl. Einsporn 1985: IIIX; Arntzen 1967: 235).
Untersuchungen, die speziell politische Satire im Fernsehen behandelten, gab es bisher dagegen kaum. Eines der weinigen Werke ist die Dissertation von Sven Behrmann, der sich mit der politischen Satire im deutschen und französischen Rundfunk beschäftigt (vgl. Behrmann 2002).
Angelehnt an dieses Werk befasst sich die folgende Arbeit im ersten Teil ausführlicher mit den Elementen der Satire, besonders mit dem Humor und Humortheorien. Diese sollen neben der Definition der der Satire im Kapitel 2 dargestellt werden. Das dritte Kapitel befasst sich mit politischer Satire und ihrer Entwicklung im Fernsehen. Im vierten Kapitel wird die Wirkung der Satire auf den Rezipienten diskutiert.
Im zweiten, empirischen Teil der Arbeit wird untersucht, was politische Satire in Fernsehmagazinen ausmacht, welche stilistischen Merkmale sie besitzt und wie sie auf die Zuschauer wirkt. Hierzu wurden die einzelnen Satire-Beiträge in politischen- und einem Satiremagazin untersucht und Satire-Macher und Fernsehzuschauer befragt. Ziel war es, herauszufinden, ob das Verständnis der Zuschauer von Satire mit dem der Macher übereinstimmt und wie Satire im Fernsehen am besten präsentiert werden sollte, damit sie vom Zuschauer rezipiert wird. In Kapitel 5 werden die Methoden genauer vorgestellt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in den Kapiteln 6 bis 8 präsentiert.
Die Arbeit soll so als theoretische Grundlage für zukünftige Satire-Macher und Sendungsplaner dienen, um gute Satire als festen Bestandteil in das Fernsehprogramm zu integrieren. Anregungen hierzu sollen im Kapitel 9 dargestellt werden.
2. Satire und ihre Tradition
2.1. Etymologie und Definition
Der Begriff "Satire" kommt von dem lateinischen satura lanx und bedeutet "mit Früchten gefüllte Schale" oder im übertragenen Sinne "bunt gemischtes Allerlei" (vgl. Arntzen 1989: 3). Früher wurde der Name fälschlicherweise auf den griechischen Begriff satyros zurückgeführt. Die ältere Schreibweise "Satyre" ist daher falsch (vgl. Elliott 1975: 68). Schon sehr früh befasste man sich mit der Definition von Satire und ihrem Aufbau. So beschrieb Martin Opitz bereits 1624, was eine Satire ausmacht:
"Zue einer Satyra gehören zwey dinge: die Lehre von gueten sitten und ehrbarem wandel, und höffliche reden und scherzworte. Ir vornemstes aber und gleichsam als die seele ist, die harte verweisung der laster und anmahnung zue der tugend: welches zu vollbringen sie mit allerley stachlichen und spitzfindigen reden, wie mit scharfen pfeilen, umb sich scheusst." (Opitz 1882 zit. nach Müller 1973: 23)
Der Begriff Satire hat jedoch weitaus mehr Bedeutungen. "Man kann an der Möglichkeit, eine allgemeingültige Definition der Satire zu geben, mit Recht zweifeln", gibt Tschizewskij daher zu bedenken (Tschizewskij 1976: 271). Ebenso wie ein allgemeingültiger Kunstbegriff - jedenfalls in einer bündigen Definitionsformel - nicht möglich ist, kann es auch keine Definition der Satire geben, denn der "Begriff Satire ist von irritierender Vieldeutigkeit." (vgl. Brummack 1971: 275) Er kann "eine historische Gattung aber auch ein Ethos, einen Ton, eine Absicht, sowie die in vielerlei Hinsicht höchst verschiedenen Werke, die davon geprägt sind", (ebd.) bezeichnen. Erstens kann Satire als "historische Gattung" verstanden werden. Hierher gehören die historischen Formen der römischen Satire und eine Prosaform griechischen Ursprungs (siehe Kap. 2.5. Geschichtliche Entwicklung der Satire). Diese Formen sind heute lediglich von historischer Bedeutung und können für diese Arbeit vernachlässigt werden. Die zweite Verwendungsart, die dem heutigen modernen Sprachgebrauch vor allem entspricht, ist die Bedeutung der Satire im Sinne einer gattungs-übergreifender Darstellungsart: "die Verwendung von Sarkasmus, Ironie und Spott usw. in Wort und Schrift, um Laster, Torheit, Missbräuche und Übel aller Art aufzuzeigen, bloßzustellen oder lächerlich zu machen; anders gesagt: jede Art von Persiflage auch außerhalb der Literatur, ganz gleich in welchem Medium sie sich ausdrückt." (Hodgart 1969: 9) Die satirische Darstellungsweise drückt sich also in verschiedensten medialen Formen aus, wie in einem literarischen oder journalistischen Text, als Zeichnung, als Kabarettprogramm, im Film, als Sendung im Fernsehen oder Hörfunk oder auf einer Website und ebenso in verschiedensten Darstellungsformen, zum Beispiel als gefälschte Nachricht, fiktives Interview, fiktive Reportage, Glosse, Roman, Gedicht und vielen anderen Spielarten. Bei dieser Definition wird Satire nicht als künstlerische Gattung verstanden, sondern als "eine künstlerische Methode der kritischen Erfassung und Wirklichkeit", die sich die verschiedensten künstlerischen Gattungen zum Gefäß wählen kann (vgl. Grimm/ Hinck 1982: 16). Zu guter Letzt bezeichnet Satire auch ein einzelnes künstlerisches Werk, das von der satirischen Schreibweise Gebrauch macht oder der Gattung angehört. Gemeint sind vorwiegend literarische Werke, die ganz oder überwiegend durch das satirische Element gekennzeichnet sind. Brummack schließt sich daher der Ansicht Tschizewskijs an und stellt fest: "Der Satirebegriff lässt sich nicht ein für alle Mal festlegen. Nur als offener ist er für die historische Forschung und die Literaturkritik brauchbar und fruchtbar." (Brummack 1971: 331)
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