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Brustkrebsrisiko und Gentest - Flop oder Fortschritt?

Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007, 33 Seiten
Autor: Prof. Dr. med. Hans Ernst Walter Wilhelm Sachs
Fach: Medizin

Details

Kategorie: Wissenschaftlicher Aufsatz
Jahr: 2007
Seiten: 33
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 55  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V80696
ISBN (E-Book): 978-3-638-82170-4
ISBN (Buch): 978-3-638-82575-7
Dateigröße: 193 KB
Anmerkungen :
Von der Redaktion der Zeitschrift Dr. Mabuse, Zeitschrift im Gesundheitswesen, erbetene Stellungnahme, deren aktualisierte Fassung vorgelegt wird.


Zusammenfassung / Abstract

Das Brustkrebsrisiko für Frauen wird medienwirksam immer wieder mit einer Mutation in den Chromosomen 13 und 17 für etwa 5 % der Fälle in Verbindung gebracht. Diese Veränderung kann molekulargenetisch bestimmt werden. Als Therapiemöglichkeit wird Betroffenen die operative Entfernung beider gesunder Brüste empfohlen. Dies ist nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht (mehr) zu rechtfertigen.


Textauszug (computergeneriert)

Brustkrebsrisiko und Gentest – Flop oder Fortschritt ?

von Prof. Dr. med. Hans, E. W.W. Sachs, Frauenarzt, Psychotherapeut, i.R.

Autor des Buches - „ Brustkrebs, Somatik, Psychosomatik,
Selbsthilfe, Prävention“ , akademos Verlag Hamburg, 2003, 1-559.

 

Die Schriftleitung von „Dr. Mabuse, Zeitschrift im Gesundheitswesen“ bat mich im Mai 2004 um eine Stellungnahme zu dem Artikel „Brust ? Krebs ? Gen ?“ von Frau U. Wagemann, Soziologin, der in Nr. 149, Heft Mai/Juni 2004, pg. 57-61 erschienen war.

Von meiner ausführlichen Antwort wurde aus redaktionellen Gründen (Platzgründen) nur die Zusammenfassung mit Hinweis auf mein Brustkrebsbuch gedruckt in Nr. 150, Heft Muli/August 2004, pg.12, ohne sonstige Literaturangaben, und zwar unter dem Titel „Bedarf nach Gentests geweckt“.

Nachfolgend der aktualisierte Text in vollem Wortlaut mit weiterführender Literatur.


Inhalt

Einleitung

Der Unterschied zwischen Mutation und Genregulation
Die Chromosomentheorie der Vererbung
Was ist ein Gen ?
Was ist Genregulation ?
Brustkrebs – eine Erbkrankheit ?
Die bio-psycho-soziale oder psychosomatische Sicht dieser Erkrankung
Neurobiologische Grundlagen
Das psychogene Risikoprofil von Brustkrebskranken

Literaturverzeichnis


Einleitung

In der Bundesrepublik leben heute wahrscheinlich mehr als 500 000 Frauen, die eine Behandlung wegen Brustkrebs überlebt haben. Das liegt daran, dass die Fünf-Jahres-Heilungsraten mit 70-80 % aller Fälle relativ hoch sind. Jährlich kommen zwischen 52 und 55 000 (zweiundfünfzig- und fünfundfünfzigtausend) neue Erkrankungsfälle hinzu, neuerdings steigt die Zahl der Neuerkrankungen angeblich nicht mehr an (vgl. Jänicke 2004, Katalinic et al. 2006, NN Heft 25 des Robert Koch Institutes/Statistisches Bundesamt Mai 2005).

Frau Wagemann argumentiert mit veralteten Zahlen und gibt 46 000 neue Brustkrebsfälle pro Jahr an. Sie vermittelt der interessierten Leserin außerdem ein Wissen über Genetik, das die Sicherheit suchenden Frauen auf den Standard des Augustinermönchs Gregor Johann Mendel (1822-1884, Versuche über Pflanzenhybriden) festhalten will. Er hatte als erster Regeln aufgestellt, nach denen erbliche Merkmale wie etwa Farbe oder Blütenform der von ihm untersuchten Erbsen von einer zur nächsten Generation weitergegeben werden.

Der Angstpegel vor dieser Erkrankung ist unter den Frauen der Industrieländer sehr hoch. Er wird auch bewusst manipulativ hoch gehalten z.B. durch Statements wie „Jede 10. Frau erkrankt an Brustkrebs“ (in den USA „hold the line at one of nine“, sorgt dafür, dass nicht noch mehr Frauen an Brustkrebs erkranken).

Diese Aussagen sind eine Täuschung. Statistiker berechnen die so genannte kumulierte Wahrscheinlichkeit für ein weibliches Neugeborenes bis zu einem bestimmten Alter an Brustkrebs zu erkranken unter der Annahme, vor Erreichen dieses Alters nicht an einer anderen Erkrankung verstorben zu sein. So legt (Frau) Mühlhausen (2001) dar, dass bei Frauen, die gerade das 50-zigste Lebensjahr erreichten, 1 von 40 (vierzig) in den nächsten zehn Jahren an Brustkrebs erkranken wird und nur 1 von 122 (einhundertundzweiundzwangzig) daran stirbt. Allein für Frauen, die das 80-zigste Lebensjahr erleben (80-85-jährige) gilt : 1 (eine) von 10 (zehn) erkrankt an Brustkrebs !

Zu kumulierte Wahrscheinlichkeit vgl. auch Gigerenzer, Direktor am Max Planck Institut für Bildungsforschung Berlin, 2002, von dem z.B. der Kernsatz stammt „Wenn man mündige Bürger haben will, muss man ihnen drei Dinge beibringen : Lesen, Schreiben und – statistisches Denken !

Nehme ich die Wahrscheinlichkeit dieser Kunstzahl (der 80-85-jährigen bzw. ihrer kumulativen Wahrscheinlichkeit zu erkranken von Statistikern für Versicherungen z.B. ermittelt) als reales Argument, so bedrohe ich gesunde Frauen, ängstige sie und erzwinge damit u.U. ein bestimmtes Verhalten wie z.B. die Teilnahme an präventiven Brustkrebsfrüherkennungsprogrammen.


Der Unterschied zwischen Mutation und Genregulation

Etwa seit 1986 kam die Hypothese auf, Brustkrebs können bei einem (kleinen) Teil der Patientinnen erblich sein. Ein „molekulares Mammogramm“ schien d e r Fortschritt zu sein (Batt, 1994, pg. 169). Ich denke, man muss heute Leserinnen und verängstigten Frauen auch sagen, was ist ein Gen und wie funktioniert es, wenn man von einer möglichen erblichen Bedingtheit der Brustkrebserkrankung spricht.

[...]


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