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Aphasie bei Kindern

Magisterarbeit, 2007, 65 Seiten
Autor: Verena Roelvink
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 65
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 41  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V80844
ISBN (E-Book): 978-3-638-83362-2

Dateigröße: 1183 KB

Zusammenfassung / Abstract

Mit dieser Arbeit möchte ich ein - so weit es in diesem Rahmen möglich ist - ganzheitliches Bild der Aphasie bei Kindern zeichnen. Dafür ist es notwendig, im 1. Teil zunächst ausführlich das Krankheitsbild der Aphasie bei Erwachsenen zu veranschaulichen, um so die Grundlagen zum Verständnis der Fragestellungen und Problematiken kindlicher Aphasie zu schaffen. Weil es sich bei Aphasie um eine Sprachstörung handelt, die durch eine Beeinträchtigung von Nervengewebe im Gehirn zustande kommt, ist es außerdem unumgänglich, Wesentliches über den Aufbau des Gehirns und über neuronale Vorgänge zu vermitteln. Im 2. Kapitel wird das Krankheitsbild der kindlichen Aphasie, das sich deutlich von dem bei Erwachsenen unterscheidet, eingehend erläutert. In der dürftig zur Verfügung stehenden Literatur ist die meist diskutierte Frage, ob Aphasien bei Kindern aufgrund des jüngeren Alters eine generell günstigere Prognose haben als Aphasien im Erwachsenenalter. Diese Frage stellt den Kernpunkt dieser Arbeit dar und wird im 3. Teil behandelt. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Aphasien bei Erwachsenen und Kindern. Am Schluss werden die wesentlichen Punkte in einem Fazit zusammengefasst.


Textauszug (computergeneriert)

Aphasie bei Kindern

Magisterarbeit 

zur Erlangung des Grades Magistra Artium der
Philosophischen Fakultät der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

von

Verena Roelvink

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 4

1. Was versteht man unter Aphasie? 6

1.1 Definition 6
1.2 Ursachen 7
1.3 Abgrenzung von anderen Störungen 7
1.4 Symptome 9
1.4.1 Wie kommt es zu den Symptomen? – Neurologischer Exkurs 13
1.5 Begleiterscheinungen 15
1.6 Klassifikationen 17
1.6.1 Die Standardsyndrome 18
1.7 Hemisphärenspezialisierung 26
1.8 Verlauf und Prognose 28
1.9 Funktionelle Reorganisation 30

2. Aphasie bei Kindern 32

2.1 Definition kindlicher Aphasie 32
2.2 Ursachen kindlicher Aphasie 33
2.3 Abgrenzung von kindlichen Sprachentwicklungsstörungen und Erwachsenenaphasie 34
2.4 Symptome kindlicher Aphasie 35
2.5 Begleiterscheinungen und Folgen kindlicher Aphasie 38

3 Verlauf und Prognose kindlicher Aphasie 40

3.1 Prognosefaktor Alter 40
3.1.1 Altersbezogene Beobachtungen 40
3.1.2 Lateralisierung des Gehirns 42
3.1.3 Plastizität des Gehirns bei Kindern 45
3.2 Weitere Prognosefaktoren und ihre Wechselwirkung 47
3.3 Restsymptome und Langzeitfolgen 51

4 Diagnostik und Therapie bei Aphasie 54

Schluss 58

Literaturverzeichnis 62

 

 

Einleitung

Man stelle sich einmal vor, von heute auf morgen nicht mehr imstande zu sein, seine Gedanken, Bedürfnisse, Gefühle, Fragen, u.s.w. sprachlich ausdrücken zu können oder die Äußerungen anderer zu verstehen. Das ist nur sehr schwer vorstellbar, weil wir Sprache tagtäglich völlig unbewusst und selbstverständlich benutzen.

"Die Sprache ist unser treuer Vasall, der erst etwas von seinen Geheimnissen preisgibt, wenn er (...) nicht mehr gut funktioniert." (Levelt 1989, zitiert bei Loew & Böhringer 2002: 7)

Sprache ist eine wichtige soziale Funktion, unsere Verbindung zur Welt und zu den Mitmenschen. Ihr Wert wird uns erst dann bewusst, wenn Sprache zum Problem wird (Loew & Böhringer 2002: 8, 9). Das heißt, wenn man sich auf einmal selbst in der hilflosen Lage befindet, nicht mehr mit Sprache umgehen zu können oder einem Menschen in unserem Umfeld ein solches Schicksal widerfährt. Aber auch, wenn man sich als Arzt, Therapeut oder auf wissenschaftlicher Ebene intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt.

Bei einem plötzlichen Verlust der normalen Sprachfähigkeit, der für die Betroffenen eine schmerzliche Einschränkung in allen Lebensbereichen bedeutet, spricht man von Aphasie. Es handelt sich um eine erworbene, multimodale Störung der Sprachverarbeitung in Folge einer Erkrankung des Gehirns. Die Erforschung der Aphasie ist ein gemeinsames Feld der Neurologie, Neuropsychologie, Neurolinguistik und Neurobiologie. Vielen Menschen ist diese Krankheit immer noch unbekannt. Das ist bedauerlich und erschreckend zugleich, wenn man bedenkt, dass "...in Deutschland zu jedem gegebenen Zeitpunkt rund 85000 Menschen von einer Aphasie betroffen [sind]." (Huber, Poeck & Weniger 2006: 98)

Die Mehrzahl aller Aphasiker sind Erwachsene. Obwohl die ersten Beschreibungen kindlicher Aphasien bereits aus dem 19. Jahrhundert stammen, wurde ihrer Erforschung weniger nachgegangen als Sprachentwicklungsstörungen und Aphasien im Erwachsenenalter, was sicherlich mit daran liegt, dass es sich bei diesem Störungsbild um ein Unikum handelt. Nur etwa 2 % aller Kinder in klinischen Institutionen für Sprech- und Sprachgestörte haben eine Aphasie (Rothenberger 1986: 92). Lees (1993) spricht von ungefähr 4% bis 7% aller Fälle kindlicher Sprachstörungen, bei denen es sich um Aphasie handelt. Der "Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker" geht davon aus, dass jährlich circa 3000 Kinder bis zum 15. Lebensjahr eine Aphasie erleiden (www.aphasiker-kinder.de).

Es ist beklagenswert, dass im deutsprachigen Raum zwar viele Arbeiten über Aphasie bei Erwachsenen existieren, aber kaum etwas zu Aphasie bei Kindern vorliegt, so dass selbst viele Ärzte, Sprachtherapeuten und Pädagogen nicht mit dieser kindlichen Sprachstörung vertraut sind. In der Fachliteratur wird dieses Gebiet wenn, dann meist nur als Randthema behandelt. Aufgrund dessen bekommen viele Kinder nicht die richtige Diagnose gestellt und wenn doch, dann erfahren sie häufig keine oder keine angemessene Behandlung (Birkenbeil 1995: 405, 406).

Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich speziell mit Aphasie bei Kindern. Meine Intention, diese Arbeit zu verfassen, war zum Einen die Tatsache, dass mich dieses Thema sehr gefesselt hat, ich mir also gut vorstellen konnte, mich über einen längeren Zeitraum hinweg damit zu beschäftigen, und zum Anderen das Anliegen, auf diese spezielle Sprachstörung aufmerksam machen und über sie aufklären zu wollen. Es ist dringend erforderlich, kindliche Aphasie verstärkt zu thematisieren und weiter zu erforschen, damit den betroffenen Kindern entsprechend geholfen werden kann und sie nicht nur von Ärzten und Therapeuten, sondern auch von ihrem Umfeld adäquat behandelt werden.

Mit dieser Arbeit möchte ich ein - so weit es in diesem Rahmen möglich ist - ganzheitliches Bild der Aphasie bei Kindern zeichnen. Dafür ist es notwendig, im 1. Teil zunächst ausführlich das Krankheitsbild der Aphasie bei Erwachsenen zu veranschaulichen, um so die Grundlagen zum Verständnis der Fragestellungen und Problematiken kindlicher Aphasie zu schaffen. Weil es sich bei Aphasie um eine Sprachstörung handelt, die durch eine Beeinträchtigung von Nervengewebe im Gehirn zustande kommt, ist es außerdem unumgänglich, Wesentliches über den Aufbau des Gehirns und über neuronale Vorgänge zu vermitteln. Im 2. Kapitel wird das Krankheitsbild der kindlichen Aphasie, das sich deutlich von dem bei Erwachsenen unterscheidet, eingehend erläutert. In der dürftig zur Verfügung stehenden Literatur ist die meist diskutierte Frage, ob Aphasien bei Kindern aufgrund des jüngeren Alters eine generell günstigere Prognose haben als Aphasien im Erwachsenenalter. Diese Frage stellt den Kernpunkt dieser Arbeit dar und wird im 3. Teil behandelt. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Aphasien bei Erwachsenen und Kindern. Am Schluss werden die wesentlichen Punkte in einem Fazit zusammengefasst. Ich werde meine eigene Meinung mit einfließen lassen und denkbare zukünftige Ziele formulieren sowie damit verbundene erforderliche Forschungsschwerpunkte.

1. Was versteht man unter Aphasie?

1.1 Definition

Das Wort "Aphasie" kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie "Sprachlosigkeit" (Tesak 1997: 1).
Verwendet wurde dieser Begriff erstmals 1864 vom französischen Neurologen Armand Trousseau für eine "Sprachstörung nach Hirnschädigung" (Tesak 1997: 1). Über die zwei Gesichtspunkte dieser Definition herrscht heute weitestgehend Einvernehmen: Zum einen, dass der Grund für eine Aphasie eine Hirnschädigung ist und zum andern, dass dabei die Sprachleistung des Erkrankten betroffen ist (Tesak 1997: 1). Über alle weiterführenden Begriffsbestimmungen wird von den Autoren und Forschern, die sich mit dem Thema Aphasie beschäftigen, diskutiert. Eine universelle Definition, über die international Einigkeit besteht, gibt es bislang nicht. Bei den nachfolgenden Beschreibungen von Aphasie bei Erwachsenen handelt es sich um Hypothesen, von denen üblicherweise im deutschsprachigen Raum ausgegangen wird (Tesak 1997: 1). In unserem Sprachraum ist die Aphasie als eine Störung definiert, die nach abgeschlossenem Spracherwerb auftritt. Die Aphasie-Definition, von der in dieser Arbeit - zumindest vorläufig - ausgegangen wird, soll deshalb wie folgt lauten: Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung nach abgeschlossenem Spracherwerb infolge einer zentralen Schädigung des Gehirns.

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