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Die Bronzezeit in Palästina am Beispiel von Megiddo

Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006, 68 Seiten
Autor: Andreas Freye
Fach: Archäologie

Details

Kategorie: Wissenschaftlicher Aufsatz
Jahr: 2006
Seiten: 68
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 26  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V80859
ISBN (E-Book): 978-3-638-87953-8
ISBN (Buch): 978-3-638-87954-5
Dateigröße: 2695 KB

Zusammenfassung / Abstract

In der vorliegenden Arbeit wird die Bronzezeit in Palästina vorstellt. In einem ersten Schritt stelle ich die Chronologie Palästinas dar. Dazu gehe ich zuerst auf die allgemeine Problematik einer Chronologie Palästinas ein, um dann die Geschichte Palästinas vom Neolithikum bis zur Spätbronzezeit darzustellen. In einem zweiten Schritt stelle ich den bronzezeitlichen Tell von Megiddo vor. Dies beruht auf folgenden Gründen: Megiddo wird als wichtigste archäologische Stätte der biblischen Periode in Israel und als eine der bedeutendsten Forschungsstätten des Nahen Ostens angesehen. Megiddo war während einer Zeitspanne von mehr als fünf Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt (von ungefähr 6000 bis 500 v.Chr.). In einem dritten Schritt betrachte ich die schriftlichen Quellen zur Bronzezeit. Dabei unterteile ich die Quellen in biblische und außerbiblische Quellen.


Textauszug (computergeneriert)

Die Bronzezeit in Palästina am Beispiel von Megiddo

von

Andreas Freye

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung... 3

2 Chronologie Palästina... 4

3 Das Neolithikum (ca. 8500-4000 v.Chr.)... 8

4 Das Chalkolithikum (ca. 4000-3200 v.Chr.)... 10

5 Die Bronzezeit (ca. 3200-1200 v.Chr.)... 12

5.1 Die Frühbronzezeit (ca. 3200-2200 v.Chr.)... 12

5.1.1 Frühbronzezeit I (ca. 3200-3000 v.Chr.)... 15
5.1.2 Frühbronzezeit II (ca. 3000-2600 v.Chr.) und Frühbronzezeit III (ca. 2600-2200 v.Chr.)... 16
5.1.3 Frühbronzezeit IV – Mittelbronzezeit I (ca. 2200-2000 v.Chr.)... 18

5.2 Die Mittel- und Spätbronzezeit (ca. 2000-1150 v.Chr.)... 22

5.2.1 Mittelbronzezeit II (ca. 2000-1550 v.Chr.)... 23
5.2.2 Spätbronzezeit (1550-1150 v.Chr.)... 29

6 Name und Bedeutung Megiddo... 34

7 Forschungsgeschichte und Ausgrabungskampagnen... 35

8 Die Anlage von Megiddo... 36

8.1 Der Tell... l36
8.2 Die Befestigungsanlagen... 39
8.3 Die Palastanlagen... 41
8.4 Die Tempelanlagen... 44
8.5 Wohnhäuser... 47
8.6 Gräber... 49
8.7 Besondere Funde... 51

8.7.1 Das Gilgamesch-Fragment... 51
8.7.2 Der Elfenbeinschatzfund... 52
8.7.3 Spitze eines zeremoniellen Speers... 54

9 Das bronzezeitliche Megiddo in schriftlichen Quellen... 56

9.1 Das bronzezeitliche Megiddo in der Bibel... 57
9.2 Megiddo in außerbiblischen Quellen... 59

10 Literaturverzeichnis... 65

11 Abbildungsverzeichnis... 68


 

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Bronzezeit in Palästina vorstellt. In einem ersten Schritt stelle ich die Chronologie Palästinas dar. Dazu gehe ich zuerst auf die allgemeine Problematik einer Chronologie Palästinas ein, um dann die Geschichte Palästinas vom Neolithikum bis zur Spätbronzezeit darzustellen. In einem zweiten Schritt stelle ich den bronzezeitlichen Tell von Megiddo vor. Dies beruht auf folgenden Gründen: Megiddo wird als wichtigste archäologische Stätte der biblischen Periode in Israel und als eine der bedeutendsten Forschungsstätten des Nahen Ostens angesehen. Megiddo war während einer Zeitspanne von mehr als fünf Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt (von ungefähr 6000 bis 500 v.Chr.). In einem dritten Schritt betrachte ich die schriftlichen Quellen zur Bronzezeit. Dabei unterteile ich die Quellen in biblische und außerbiblische Quellen.

2 Chronologie Palästinas

Die Chronologie der Bronzezeit in Palästina basiert im wesentlichen auf der ägyptischen Chronologie.1 Dies liegt darin begründet, dass die Dynastien für das Alte Reich mit einiger Wahrscheinlichkeit und die für das Mittlere und Neue Reich mit großer Sicherheit chronologisch bestimmt werden können. Durch die zahlreichen ägyptischen Funde in Palästina können sie abgeglichen werden und somit in das chronologische Gerüst der Geschichte Ägyptens eingebunden werden. Trotzdem ist dieses Verfahren mit Schwierigkeiten und Unsicherheiten behaftet, die stets nur eine ungefähre Annäherung erlaubt. Die ermittelten Daten für die Regierungsjahre der Pharaonen ergeben sich im wesentlichen aus folgenden Elementen:

1. Der Überlieferung des Manetho2,
2. Dem Turiner Königspapyrus3,
3. Den Annalen des Alten Reiches (Palermostein4 und weitere Fragmente),
4. Den Königslisten von Abydos, Karnak und Saqqara des neuen Reiches.

Mit diesen Quellen kann eine relative Chronologie der Dynastien gewonnen werden, die mit Hilfe von astronomischen Daten und Synchronismen mit den altorientalischen Reichen zu einer absoluten Chronologie geführt werden kann.5 Dadurch kann für die Zeit bis einschließlich dem 2. Jahrtausend v.Chr. eine sehr genaue Chronologie erstellt werden, die aber ab dem 3. Jahrtausend v.Chr. aufwärts immer ungenauer wird. Somit sind diese Daten nur noch Annäherungswerte aber keine absoluten Daten mehr.
H. Kantor und B. Hennessy haben dafür eine systematische Sammlung aller ägyptischer Funde in Palästina und im Vorderen Orient und den Denkmälern in Ägypten erstellt um eine zeitliche Bestimmung für die Bronzezeit zu ermöglichen.6 Daraus lassen sich folgende Erkenntnisse gewinnen:
Die Frühbronzezeit I7 entspricht der letzten Phase der Neqada-Kultur8. Dies lässt sich vor allem aus den zahlreichen Übereinstimmungen in der Keramik, wie Leistenhenkel und Ösenhenkel (Esdralon- Ware) erkennen. Die Funde von Arad und Tell es-Seh Ahmed el-Areni zeigen, dass diese Phase mit dem Beginn der 1. Dynastie endet.9 In dieser Zeit ist ein gewisser Namer König von Arad. Nach unterschiedlichen Forschungsmeinungen ist er entweder ein vordynastischer König (H.Kantor) oder der erste König der 1. Dynastie, der dann häufig mit dem König Menes laut der Überlieferung des Manetho gleichgesetzt wird.
Die Frühbronzezeit II entspricht im wesentlichen der frühdynastischen Zeit (ca. 2970-2640 v.Chr.). Die Funde der so genannten Abydos-Ware belegen dies: Kannen und Krüge von Importware in Gräbern aus der 1.Dynastie in Abydos und Saqqara, wie sie im Kontext der Keramik der Frühbronzezeit II in Palästina vorkommt.10
Die Frühbronzezeit III umfasst ungefähr die Zeit der 3. - 5. Dynastie (ca. 2640-2325 v.Chr.) des Alten Reiches.11 Besonders der Fund ägyptischer Gefässe aus Alabaster und Terrakotta in Ai12 zeigt die engen Kontakte zwischen beiden Regionen in dieser Zeit. Die Importware aus Ägypten mit Kammstrich ist für diese Epoche typisch und kann in ihrer Herkunft eindeutig bestimmt werden. Auch umgekehrt worden Funde gemacht, doch die Funde palästinischer Herkunft in Ägypten brechen am Ende der 5. Dynastie weitestgehend ab.
Auf die Frühbronzezeit III folgt eine Epoche, die als Mittelbronzezeit bezeichnet wird. In dieser Zeit findet gerade im urbanen Bereich ein Niedergang der bisherigen Kultur statt, der in eine Neugründung von Städten führt. Die Benennung dieser Epoche ist umstritten, da W.F. Albright die so genannte 1. Zwischenzeit in Ägypten in die Frühbronzezeit III B und IV (2400-2100 v.Chr.) und Mittelbronzezeit I (2100-1900 v.Chr.) aufteilte und K. Kenyon diese Epoche als nomadisch geprägte Zwischenzeit verstand und so als Frühbronze-Mittelbronze-Zwischenzeit bezeichnete. E.Oren und W.G.Dever haben deshalb für diese gesamte Epoche die Bezeichnung Frühbronzezeit IV vorgeschlagen um bis zu einen endgültigen Neuordnung der Terminologie eine unnötige Verwirrung zu verhindern.13
Der Neubeginn eine urbanen Kultur in Palästina fällt in etwa mit der Gründung des Mittleren Reiches um ca. 2000 v.Chr. zusammen, wobei beide Ereignisse in keinem offensichtlichen Zusammenhang zueinander stehen. Die Unterteilung in eine Mittelbronzezeit II A und II B ergibt sich aus dem deutlich erkennbaren kulturellen Einschnitt um 1750 v.Chr. mit der Herrschaft der Hyksos („Herrscher des Fremdlandes“), die in Ägypten die so genannte 2. Zwischenzeit kennzeichnet.
In dieser Zeit gibt es keine direkt nachweisbaren kulturellen Beziehungen zwischen Palästina und Ägypten, wie noch in der Frühbronzezeit, obwohl in beiden Ländern mit der so genannten Yehudiye-Ware eine gemeinsam vorkommende Keramikgattung existiert.14 Der Beginn des Neuen Reiches mit der 18. Dynastie ab 1552 v.Chr. markiert den Übergang zur Spätbronzezeit. In dieser Epoche kommt es zur ägyptischen Herrschaft über Palästina. Dank guter literarischer Überlieferungen ist somit eine Datierung verschiedener Strata15 in verschieden Orten möglich. Des weiteren kann die mykenische Importware für die Chronologie dieser Epoche herangezogen werden (Mykene III A und III B), die aber wiederum durch die ägyptische Chronologie datiert wird. Das Ende der Spätbronzezeit kann auf 1150 v.Chr. angesetzt werden, da der Name des Pharao Ramses VI. (1142-1135 v.Chr.) auf einem Fundstück in Megiddo genannt wird. Da um 1200 v.Chr. bereits die früheisenzeitliche Kultur einsetzt, ist auch hier mit einer gewissen Überschneidung zu rechnen.16 Aus diesem Überblick ergibt sich nun die folgende Datierung der Epochen in Palästina:

Neolithikum 8000-3600 v.Chr.
Chalkolithikum 3600-3150 v.Chr.
Frühbronzezeit I 3150-2950 v.Chr.
Frühbronzezeit II 2950-2650 v.Chr.
Frühbronzezeit III 2650-2350 v.Chr.
Frühbronzezeit IV 2350-2150 v.Chr.
Mittelbronzezeit I 2150-1950 v.Chr.
Mittelbronzezeit II A 1950-1750 v.Chr.
Mittelbronzezeit II B 1750-1550 v.Chr.
Spätbronzezeit I 1550-1400 v.Chr.
Spätbronzezeit II 1400-1150 v.Chr.

Israelische, amerikanische und englische Chronologien unterscheiden sich in der Forschung jedoch von dieser, da man teilweise auf andere Berechnungen der ägyptischen Chronologien und auf
andere Abgrenzungen der Epochen der ägyptischen Geschichte zurückgreift. Zudem gibt es teilweise eine andere Bezeichnung für die Epochen. Diese verschiedenen Einteilungen werden in der Forschung nebenher bis heute gebraucht, da sich ein gemeinsamer Konsens nicht abzeichnet.17 Die nachfolgende Tabelle zeigt hierzu die Unterschiede zum in Deutschland gebräuchlichen Modell auf:

Tabelle zu verschiedenen Systemen der Epocheneinteilungen18 [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

3 Das Neolithikum (ca. 8500-4000 v.Chr.)

[...]


1 FRITZ, Einführung, S. 69.

2 Manethos Werk, die Geschichte Ägyptens, ist frühzeitig untergegangen und nur das Verzeichnis der Dynastien, ein Drittel der Königsnamen und einige Fragmente sind erhalten. Aber auch diese Reste existieren nur in Auszügen aus zweiter und dritter Hand, die durch Flavius Josephus und die christlichen Geschichtsschreiber Iulius Africanus und Eusebius angefertigt worden sind und aus deren ebenfalls verlorenen Werken durch Georgios Synkellos (im 8. Jahrhundert) überliefert. Wenn also in der Forschung von Manetho (Josephus), Manetho (Africanus) oder Manetho (Eusebius) die Rede ist, dann ist mit dem jeweiligen zweiten Namen in der Klammer die indirekte Quelle der eigentlichen Aussage des ägyptischen Priesters Manetho gemeint.

3 Der Königspapyrus Turin ist eine altägyptische Königsliste. Sie befindet sich heute im Museo Egizio in Turin und wird von Gustaf Seyfartth rekonstruiert, da das Original stark fragmentiert ist. Der Königspapyrus entstand zur Zeit Ramses II. und war bereits bei Erstellung in hieratischen Schriftzeichen nachlässig auf die Rückseite einer nicht mehr benötigten Abgabenliste geschrieben. In mindestens 11 Kolumnen werden die einzelnen Dynastien dabei aufgeführt. Besondere Bedeutung wird der Tatsache beigemessen, dass auch die Herrscher der Zwischenzeiten genannt werden, wobei allerdings den Namen der Fremdherrscher nicht die königliche Titulatur voran steht, sondern ein besonderes Zeichen für „Ausländischer Herrscher“, bzw. „Großer Fremder“.

4 Der Palermostein ist ein ägyptischer Annalenstein. Er enthält die Namen der Pharaonen aus prädynastischer Zeit bis zur 5. Dynastie. Seinen Namen erhielt er aufgrund seines jetzigen Aufbewahrungsortes in Palermo. Als ursprünglicher Aufstellungsort wird das Sonnenheiligtum des Pharao Niuserre (5.Dynastie) in Abusir vermutet.

5 FRITZ, Einführung, S. 69.

6 FRITZ, Einführung, S. 71.

7 Vor der Frühbronzezeit I währte das Chalkolithikum von ca. 3600-3100 v.Chr. Eine klare Abgrenzung zwischen beiden Zeiten ist nicht möglich, da nirgends eine Epoche zeitgleich an allen Orten endet und eine neue Epoche einsetzt, auch eine Überschneidung beider Zeiten ist möglich. Der Beginn des Chalkolithikum liegt unbestimmt in der Zeit von frühestens 3600 v.Chr. bis spätestens 3500 v.Chr. und endet, gesichert durch C 14-Daten, zwischen 3200-3100 v.Chr. Das Neolithikum hingegen kann für die beiden akeramischen Stufen durch C 14-Daten besser eingegrenzt werden, wobei man auch hier einen Spielraum von mehreren hundert Jahren berücksichtigen muss. Das akeramische Neolitikum setzt um 8000 v.Chr. mit den Stufen Pre-Pottery Neolithic A und B ein und dauert bis ungefähr 6000 v.Chr. Für die folgenden gut 1000 Jahre herrscht für die Forschung eine Besiedlungslücke vor. Das keramische Neolithikum setzt dann ungefähr um 5000 v.Chr. ein und endet mit dem Beginn der chalkolitischen Kultur.

8 Die Neqada-Kultur existierte von 4600-3050 v.Chr. und wird von Flinders Petrie 1894 in der Qena-Region entdeckt und zeichnet sich durch Funde wie verschieden kolorierte Töpferwaren und Kupfer- und Silberwaren aus.

9 FRITZ, Einführung, S.71.

10 WEIPPERT, S.150f.

11 FRITZ, Einführung, S.71.

12 FRITZ, Lexikon, S. 19f.

13 FRITZ, Einführung, S. 72.

14 FRITZ, Einführung, S. 73.

15 Strata: Plural von lateinisch „Stratum“, welches eine Siedlungsschicht bezeichnet (VIEWEGER, S. 97.)

16 FRITZ, Einführung, S. 73.

17 Vgl. ZWICKEL, S.52-62.

18 FRITZ, Einführung, S. 75.


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