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Die Rolle der Frau im „Iwein“ von Hartmann von Aue

Seminararbeit, 2007, 17 Seiten
Autor: Dorina Kind
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Institution/Hochschule: Universität Leipzig
Tags: Rolle, Frau, Hartmann
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V81165
ISBN (E-Book): 978-3-638-86037-6
ISBN (Buch): 978-3-638-85979-0
Dateigröße: 155 KB

Zusammenfassung / Abstract

Da sich das Frauenbild in der Gesellschaft seit Menschengedenken im ständigen Wandel befindet, ist es auch immer ein aktuelles Thema, die Frau und ihre Stellung in dem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu sehen. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit den verschiedenen Rollen der Frauen im „IWEIN“ von Hartmann von Aue beschäftigen. Nicht nur die weiblichen Hauptfigur Laudine ist hierbei zu betrachten, auch ihre Zofe Lunete muss näher charakterisiert werden. Weiter Frauenrollen werden auch analysiert, hierbei sind besonders die Gräfin von Narison mit ihren beiden Dienerinnen, die Töchter des Grafen vom Schwarzen Dorn, die Tochter des Burgherren von Malaventiure und die dreihundert gefangenen Edelfrauen zu erwähnen. Das Hauptaugenmerk soll jedoch in der Deutung der zwei Erstgenannten liegen. Das Thema der Frauenrollen in der mittelalterlichen Epik ist von Interesse, da sich beinahe allen Abhandlungen nur mit den männlichen Helden beschäftigen und er häufig die Aufmerksamkeit der Wissenschaft für sich beansprucht. Dies ist sehr schade, da der Held ohne Frau an seiner Seite doch als etwas Unvollständiges wahrgenommen werden würde. Hat er eine Frau, so ist sie es oft, die ihn zu bestimmten Taten verführt oder er vollbringt die unterschiedlichsten Leistungen nur, um das Objekt


Textauszug (computergeneriert)

Die Rolle der Frau im „Iwein“ von Hartmann von Aue

von

Dorina Kind

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK... 1

1.1. QUELLEN UND HANDSCHRIFTEN... 2

2. DIE FRAUEN IM „IWEIN“... 2

2.1. DIE ROLLE DER LAUDINE... 4
2.2. DIE ROLLE DER LUNETE... 7
2.3. DIE GRÄFIN VON NARISON UND IHRE BEIDEN ZOFEN... 9
2.4. DIE TOCHTER DES BURGHERREN UND DER RIESE HARPIN... 11
2.5. DIE TÖCHTER DES GRAFEN VOM SCHWARZEN DORN (TEIL A)... 11
2.6. DIE 300 GEFANGENEN JUNGFRAUEN... 12
2.7. DIE TÖCHTER DES GRAFEN VOM SCHWARZEN DORN (TEIL B)... 14
2.8. DIE VERSÖHNUNG... 14

3. SCHUSSBEMERKUNGEN... 15

QUELLENANGABEN... 16

 

 

1. Einführung in die Thematik

Da sich das Frauenbild in der Gesellschaft seit Menschengedenken im ständigen Wandel befindet, ist es auch immer ein aktuelles Thema, die Frau und ihre Stellung in dem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu sehen. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit den verschiedenen Rollen der Frauen im „IWEIN“ von Hartmann von Aue beschäftigen. Nicht nur die weiblichen Hauptfigur Laudine ist hierbei zu betrachten, auch ihre Zofe Lunete muss näher charakterisiert werden. Weiter Frauenrollen werden auch analysiert, hierbei sind besonders die Gräfin von Narison mit ihren beiden Dienerinnen, die Töchter des Grafen vom Schwarzen Dorn, die Tochter des Burgherren von Malaventiure und die dreihundert gefangenen Edelfrauen zu erwähnen. Das Hauptaugenmerk soll jedoch in der Deutung der zwei Erstgenannten liegen.
Das Thema der Frauenrollen in der mittelalterlichen Epik ist von Interesse, da sich beinahe allen Abhandlungen nur mit den männlichen Helden beschäftigen und er häufig die Aufmerksamkeit der Wissenschaft für sich beansprucht. Dies ist sehr schade, da der Held ohne Frau an seiner Seite doch als etwas Unvollständiges wahrgenommen werden würde. Hat er eine Frau, so ist sie es oft, die ihn zu bestimmten Taten verführt oder er vollbringt die unterschiedlichsten Leistungen nur, um das Objekt seiner Begierde ganz für sich zu gewinnen. Das Bild, welches mittelalterliche Dichter in der höfischen Epik vermitteln, fasst Petra Kellermann-Haaf sehr treffend zusammen, „Die höfische Dame erhält ihre Daseinsberechtigung nur durch ihre Minnebindung an den Ritter. Ihre Werte und Eigenschaften haben dieser Funktion zu entsprechen. Gerade ihre Hilflosigkeit, ihre Herrschaftsunfähigkeit sind solche wichtigen Qualitäten, weil sie dem Ritter erlauben, die Rolle des tapferen uneigennützigen Retters anzunehmen“.1 Das eigentlich relevante politische Handeln der weiblichen Figuren geschieht oft nur unterschwellig und die Damen müssen sich einiger Tricks bedienen, damit sich der Held in die gewünschte Richtung lenken lässt und es somit zur Durchsetzung ihres Willens kommt. Die Fragestellung dieser Hausarbeit ist somit, ob und wenn ja, wie die weiblichen Figuren im „IWEIN“ ihr Handlungspotenzial ausschöpfen. Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: beginnen möchte ich mit einer epochalen Einordnung des Werks um auch kurz die gesellschaftlichen Frauenbilder dieser Zeit darzulegen. Darauf folgt ein Überblick über die weiblichen Hauptfiguren und ihr Rollenbeschreibung. Danach möchte ich die Charakterisierungen vertiefen und näher betrachten indem ich jede Frau in Bezug auf ihre Stellung im Werk und ihr Verhalten gegenüber den anderen agierenden Personen hin untersuche.

1.1. Quellen und Handschriften

Hartmann von Aue gilt als der erste Autor, der Artusromane in die deutsche Literatur eingeführt hat. Als Quellen für den Iweinroman diente ihm vermutlich die Abhandlung „LE CHEVALIER AU LION“2 von Chrétiens de Toyes. Diese Annahme setzt allerdings voraus, dass Hartmann von Aue sowohl französisch sprach als auch, dass er die Handschriften überhaupt zur Verfügung hatte. Diese Aspekte sind historisch nicht belegt, können aber laut Cormeau und Störmer nicht in Frage gestellt werden, da sich zu viel Parallelen zwischen den Vorlagen und den Texten von Hartmann von Aue ergeben.3 Der „deutsche Iwein“ ist aber keine reine Übersetzung, sondern von Aue wusste geschickt, seine eigenen Akzente zu setzen, ganz nach seinem literarischen Gespür. Er erweiterte die Vorlage um 20 %, bei diesen Erweiterungen handelt es sich hauptsächlich um die Ausschmückung der weiblichen Rollen, denen er mehr Handlungsspielraum gibt, als sie bei Chrétiens hatten. Primär waren die Artusromane Hartmanns als Bildungsliteratur für die gehobene Gesellschaftsschicht bestimmt. Dabei wurden die Texte meist einem jungen adligen Publikum vorgetragen. Bemerkenswert ist die große Zahl4 erhaltener Handschriften des Iwein, der somit also als mittelalterlicher „Bestseller“ angesehen werden muss. Die älteste Handschrift lässt sich auf das erste Jahrzehnt des dreizehnten Jahrhunderts zurückdatieren, die jüngsten Handschriften stammen aus dem sechzehnten Jahrhundert. Über dreihundert Jahre nach Ersterscheinung hatte das Werk nichts an seiner Bedeutung und Beliebtheit verloren.

2. Die Frauen im „IWEIN“

Ich werde in diesem Abschnitt die Frauenfiguren, die im Iwein vorkommen, kurz beschreiben und erst im späteren Teil der Arbeit näher auf ihre Charakterisierung eingehen. Hierbei folge ich der Architektur des Stückes und nicht der Bedeutsamkeit der Personen für die Abfolge der Handlung.
Lunete ist die erste Frau, der Iwein nach dem Kampf mit Askalon begegnet, er, hinter Gitter eingesperrt und sie, die rettende Hand, welche ihm zur Flucht verhilft.5 Hier schon wird auf die herausragende Rolle von Lunete verwiesen. Sie ist der „…gute Geist der Geschichte“.6 Die nächste Frau, mit der Iwein zusammentrifft, ist die wohl vielschichtigste und zugleich auch wichtigste im weiteren Verlauf, nämlich Laudine.7 Sie ist die Gemahlin des von Iwein erschlagenen Königs Askalon und somit in der sozialen Hierarchie nicht unter Iwein anzusiedeln. Sie ist nun Witwe und gleichzeitig Herrin über ein Land und die Leute, die in ihrem Herrschaftsgebiet leben. Laudine behält den Stand ihres verstorbenen Gatten, bis sie einen neuen Mann ehelicht, um dann dessen Stand anzunehmen.

[...]


1 Petra Kellermann-Haaf: Frau und Politik im Mittelalter. Untersuchungen zur politischen Rolle der Frau in den höfischen Romanen des 12., 13. und 14. Jahrhunderts, Göppingen, 1986. S.337

2 auch „Yvain“

3 Christoph Comerau/ Wilhelm Störmer: Hartmann von Aue. Epoche-Werk-Wirkung. München: Beck. 1993. S. 170

4 fünfzehn ganz oder größtenteils erhaltene und dreizehn fragmentarische Handschriften

5 Benecke, Lachmann und Wolff.(Hg): Hartmann von Aue: Iwein. Übersetzung und Anmerkung von Thomas Cramer. 3. durchgesehene u. ergänzte Auflage. Berlin und New York: De Gruyter. 1981. V. 1153 ff

6 Robert Braunagel: Die Frauen in der höfischen Epik des Hochmittelalters. Entwicklungen in der literarischen Darstellung und Ausarbeitung weiblicher Handlungsträger. Ingolstadt: Publishers Consults Ltd. 2001. S. 35

7 Benecke: V. 1307


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