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Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Kevin Francke
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: University of Potsdam (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Privat, Eine, Arendt’sche, Betrachtung, Honneth’scher, Anerkennungssphären, Privat, Konzeptionierung, Dichotomie
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-83346-2
ISBN (Book): 978-3-638-91950-0
File size: 115 KB
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Abstract
Das höchste Ziel des Menschen ist seine individuelle Selbstverwirklichung. Jegliches menschliche Handeln hat das Ziel, schließlich etwas Dauerhaftes zu schaffen, in dem sich das Individuum wieder erkennt und zugleich verewigt. Zugleich soll ein jeder aber so handeln, dass andere dadurch nicht behindert werden, gleichsam sich an allgemeinen Normen orientieren. Der deutsche Philosoph und Soziologe Axel Honneth stellt ein normatives Modell auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Freiheit zu haben und das Selbstbewusstsein zu besitzen, dieses Ziel zu erreichen. Das von ihm formulierte Ideengebäude – in den Grundzügen basierend auf G. W. F. Hegel und George Her-bert Mead – setzt drei soziale Sphären, diejenige der Liebe, des Rechts sowie der Solidarität, der reziproken intersubjektiven Anerkennung voraus. Diese seien für die Herausbildung der „bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsform“ verantwortlich. Leider lässt Honneth einen Schritt außen vor; es bleibt uneindeutig, in welchem Bereich, dem des Privaten oder dem der Öffentlichkeit, die drei Sphären jeweils angesiedelt sind. Aufschluss gibt uns die Philosophin Hannah Arendt. In ihrem Werk Vita Activa widmet sie ein gesamtes Kapitel der Unterscheidung von Privat und Öffentlich und definiert deutliche Differenzen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Professur für Politische Theorie
Privat oder Öffentlich? -
Eine Arendt’sche
Betrachtung Honneth’scher Anerkennungssphären
Hausarbeit zum Seminar
Privat und öffentlich. Zur politiktheoretischen Konzeptionierung einer Dichotomie II
Wintersemester 2006/2007
vorgelegt von:
Kevin Francke
Magister, HF: Politikwissenschaft
10. Fachsemester
Mai 2007
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. HONNETHS ANERKENNUNGSMODELL 4
2.1. DREI ANERKENNUNGSSPHÄREN 5
2.1.1. LIEBE 5
2.1.2. RECHT 6
2.1.3. SOLIDARITÄT 6
2.2. EINFLUSS DES RECHTS 7
3. PRIVAT UND ÖFFENTLICH NACH ARENDT 10
3.1. ÖFFENTLICHKEIT 13
3.2. PRIVAT 14
4. EINORDNUNG DER ANERKENNUNGSSPHÄREN 16
5. ABSCHLIEßENDE ÜBERLEGUNGEN
LITERATURNACHWEIS 22
ANHANG 23
1. Einleitung
Das höchste Ziel des Menschen ist seine individuelle Selbstverwirklichung. Jegliches menschliche Handeln hat das Ziel, schließlich etwas Dauerhaftes zu schaffen, in dem sich das Individuum wieder erkennt und zugleich verewigt. Zugleich soll ein jeder aber so handeln, dass andere dadurch nicht behindert werden, gleichsam sich an allgemeinen Normen orientieren.
Der deutsche Philosoph und Soziologe Axel Honneth stellt ein normatives Modell auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Freiheit zu haben und das Selbstbewusstsein zu besitzen, dieses Ziel zu erreichen. Das von ihm formulierte Ideengebäude – in den Grundzügen basierend auf G. W. F. Hegel und George Herbert Mead – setzt drei soziale Sphären, diejenige der Liebe, des Rechts sowie der Solidarität, der reziproken intersubjektiven Anerkennung voraus. Diese seien für die Herausbildung der „bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsform“ verantwortlich.1 Leider lässt Honneth einen Schritt außen vor; es bleibt uneindeutig, in welchem Bereich, dem des Privaten oder dem der Öffentlichkeit, die drei Sphären jeweils angesiedelt sind. Aufschluss gibt uns die Philosophin Hannah Arendt. In ihrem Werk Vita Activa widmet sie ein gesamtes Kapitel der Unterscheidung von Privat und Öffentlich2 und definiert deutliche Differenzen.
Diese Arbeit will eine Verknüpfung von Anerkennungstheorie und Handelsbereichen leisten; quasi wird der von Honneth ausgesparte Schritt in dieser Arbeit nachgeholt. Zunächst rekapituliere ich Honneths Theorie der Anerkennungssphären; es folgt eine Betrachtung von Arendts Unterscheidung des privaten und des öffentlichen Bereichs. Daran anschließend nehme ich den Versuch vor, die drei Sphären in den „richtigen“ Bereich einzuordnen und gebe abschließend einen erläuternden Überblick über die Implikationen, die eine entsprechende Einteilung für das Modell hat.
2. Honneths Anerkennungsmodell
Seit Aristoteles wissen wir, dass der Mensch ein zoon politikon, ein Gemeinschaftswesen, ist, das nur in der Gemeinschaft bestehen kann und in dieser nach Selbstverwirklichung strebt. Daher müssen wir jenem Wesen ein Modell an die Hand geben, wie es diese erreichen kann. Ein gültiges Gesellschaftsmodell muss diesen Anspruch auf Verwirklichung der eigenen Ziele berücksichtigen. Axel Honneth hat ein Modell entwickelt, dass ebendiesen Sachverhalt erläutert.
Ein formales Konzept des guten Lebens, dass mehr ist als der bloße moralische Anspruch Kants kategorischem Imperativ, eben den Zweck der Subjekte in sich selbst zu suchen, aber doch zugleich weniger konkret, als es Hegel in seiner Sittlichkeitsvorstellung skizziert hat, und eben dadurch eine formale Vorlage, soll als normatives Modell für die Organisation von Gesellschaften anwendbar sein. Kants Moralitätsvorstellung bleibt nach Honneth zu abstrakt, als dass sich daraus konkrete Vorgaben entwickeln ließen, wie sich das Individuum in der Berücksichtigung jener verhalten sollte. Dagegen ist Hegels Entwurf historisch verankert und nicht übertragbar, denn er institutionalisiert die verschiedenen Prinzipien sogleich in Familie, bürgerliche Gesellschaft und Staat3 und verhindert so eine Verwendung als abstrakte Komplexe. Zumindest leistet Hegel gewisse Vorarbeit, denn Honneth greift auf diese dreiteilige Einteilung zurück, wenn er seine Anerkennungssphären definiert. Erst wenn die Moralprinzipien von der Sittlichkeit abhängen, wie Honneth sagt, der Konsens der Gesellschaft, was ein gutes Leben sei, zugleich moralische Grundsätze formuliert, wird die Moraltheorie zu einem konkreten Leitfaden, „zu einer unter mehreren Schutzvorrichtungen“ 4, ein gutes Leben führen zu können. Von besonderer Bedeutung sind aber, wie wir gerade gesehen haben, weniger die inhaltlichen Punkte von Sittlichkeit als vielmehr die strukturellen Elemente.5
Das von Honneth beabsichtigte Modell, das von beiden Theorie abweicht, integriert nun beides in ein „formales Konzept der Sittlichkeit“6. Es verweist stärker als durch Kants bloßen Selbstzweck des Menschen auf Wege zur Selbstverwirklichung, um zugleich auf abstrakte Bestimmungen zurückzugreifen, die keine konkreten Interpretationen des Lebens – wie bei Hegel – zulassen. Also ist seine Absicht, „die moralische Ordnung der Gesellschaft“ so zu erläutern, „daß sie als fragiles Gefüge aus gestaffelten Anerkennungsverhältnissen verständlich wird“7. Um zur Selbstverwirklichung zu gelangen, bedarf es einem gewissen Selbstvertrauen, das in liebevollen Intimbeziehungen erworben wird, der Achtung vor sich selbst vermittels egalitärer Rechtsprinzipien sowie der Selbstschätzung, verliehen durch Leistungsanerkennung und Solidaritätsbekundungen in Sozialbeziehungen.8
[....]
1 Honneth II, Kapitalistische Anerkennungsordnung…, S. 162
2 Arendt, S. 33-97
3 Hegel, §§ 142 – 360, S. 289 – 501
4 Honneth I, Kampf um Anerkennung, S. 276
5 Ebd., S. 274ff.
6 Ebd., S. 277
7 Honneth I, S. 161
8 Ebd., S. 168
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