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Der Adel im frühneuzeitlichen Frankreich

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Daniela Scharnagl
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: Hauptseminar: Der Adel in der Frühen Neuzeit
Institution/College: LMU Munich (Institut für Neuere und Neueste Geschichte)
Tags: Adel, Frankreich, Hauptseminar, Adel, Frühen, Neuzeit
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V81400
ISBN (E-book): 978-3-638-86179-3

File size: 621 KB

Abstract

Die Betrachtung des Adels als gesellschaftlichem Stand ist seit langem ein begehrtes Forschungsobjekt der Geschichtswissenschaften. Doch die Perspektive, mit der man auf die verschiedenen Erscheinungsformen und Differenzierungen des Adels – nicht nur im Deutschen Reich – blickt, wandelt sich im Laufe der Zeit und eröffnet neue Gesichtspunkte und Betrachtungsweisen. Während im Hauptseminar „Adel in der Frühen Neuzeit“ überwiegend die Merkmale und Ausformungen der deutschen Adelslandschaft bzw. die diversen gesellschaftspolitischen Erscheinungsformen des niederen Adels im Deutschen Reich untersucht wurden, konnten den Eigenschaften und Besonderheiten von Adelspopulationen anderer europäischer Länder nur am Rande Beachtung geschenkt werden. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit soll es sein, die Kennzeichen, Strukturen, Entwicklungen und Besonderheiten des französischen Adels im Verlauf der frühen Neuzeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert aufzuzeigen. Da die Materie dafür geeignet wäre, eine Vielzahl an Detailthemen zu ergründen, soll mit den nachfolgenden Ausführungen der Versuch unternommen werden, den Adel Frankreichs als Ganzes in der Form einer Überblicksdarstellung zu charakterisieren und dem Leser so einen informativen Aufriß über die Eigenheiten des zweiten Standes des frühneuzeitlichen Frankreichs zu geben. Um den Überblick möglichst allumfassend zu gestalten, kann nicht nur – wie im Falle des Alten Reiches – der niedere Adel untersucht werden, sondern es wird versucht, ein anschauliches Schema der gesamten französischen Adelsstruktur zu eröffnen. Offensichtlich ergeben sich aus dem umfangreichen Themenspektrum eine Menge möglicher Fragestellungen, die hier verfolgt werden könnten. Davon sollen einige prägnante näher untersucht werden: Welche Struktur weist der französische Adel auf? Welches Selbstverständnis und welche Legitimierung legt sich der Adel Frankreichs zugrunde? Und schließlich: Wie verlief seine historische und gesellschaftspolitische Entwicklung während der Frühen Neuzeit?....


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Historisches Seminar, Abteilung Neuere und Neueste Geschichte
Hauptseminar: „Der Adel in der Frühen Neuzeit“

Der Adel im frühneuzeitlichen Frankreich

von

Daniela Scharnagl

 


INHALTSVERZEICHNIS

1 Die Relevanz einer Auseinandersetzung mit dem französischen Adel in der Frühen Neuzeit... 3

2 Der Adel im frühneuzeitlichen Frankreich... 4

2.1 Struktur und Organisation des französischen Adels... 4

2.1.1 Grössenangaben der französischen Adelspopulation... 4
2.1.2 Binnendifferenzierung der adeligen Gesellschaftsschicht... 6
2.1.3 Wege der Nobilitierung im Frankreich der Frühen Neuzeit... 9

2.2 Selbstverständnis und Legitimation des französischen Adels... 14

2.2.1 Privilegien des Adels... 14
2.2.2 Pflichten des Adels... 15
2.2.3 Begründung und Innensicht... 17

2.3 Verhältnis zwischen Adel und Krone in der Frühen Neuzeit... 20

2.3.1 Situation unter König Franz I. ... 20
2.3.2 Konstellation unter König Heinrich IV. ... 21

2.3.3. Situation unter Ludwig XIV. ... 22

3 Zusammenfassende Betrachtung des frühneuzeitlichen Adels in Frankreich... 24

4 Bibliographie... 26

 

 


1 DIE RELEVANZ EINER AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM FRANZÖSISCHEN ADEL IN DER FRÜHEN NEUZEIT

Die Betrachtung des Adels als gesellschaftlichem Stand ist seit langem ein begehrtes Forschungsobjekt der Geschichtswissenschaften. Doch die Perspektive, mit der man auf die verschiedenen Erscheinungsformen und Differenzierungen des Adels – nicht nur im Deutschen Reich – blickt, wandelt sich im Laufe der Zeit und eröffnet neue Gesichtspunkte und Betrachtungsweisen.
Während im Hauptseminar „Adel in der Frühen Neuzeit“ überwiegend die Merkmale und Ausformungen der deutschen Adelslandschaft bzw. die diversen gesellschaftspolitischen Erscheinungsformen des niederen Adels im Deutschen Reich untersucht wurden, konnten den Eigenschaften und Besonderheiten von Adelspopulationen anderer europäischer Länder nur am Rande Beachtung geschenkt werden.
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit soll es sein, die Kennzeichen, Strukturen, Entwicklungen und Besonderheiten des französischen Adels im Verlauf der frühen Neuzeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert aufzuzeigen. Da die Materie dafür geeignet wäre, eine Vielzahl an Detailthemen zu ergründen, soll mit den nachfolgenden Ausführungen der Versuch unternommen werden, den Adel Frankreichs als Ganzes in der Form einer Überblicksdarstellung zu charakterisieren und dem Leser so einen informativen Aufriß über die Eigenheiten des zweiten Standes des frühneuzeitlichen Frankreichs zu geben. Um den Überblick möglichst allumfassend zu gestalten, kann nicht nur – wie im Falle des Alten Reiches – der niedere Adel untersucht werden, sondern es wird versucht, ein anschauliches Schema der gesamten französischen Adelsstruktur zu eröffnen.
Offensichtlich ergeben sich aus dem umfangreichen Themenspektrum eine Menge möglicher Fragestellungen, die hier verfolgt werden könnten. Davon sollen einige prägnante näher untersucht werden: Welche Struktur weist der französische Adel auf? Welches Selbstverständnis und welche Legitimierung legt sich der Adel Frankreichs zugrunde? Und schließlich: Wie verlief seine historische und gesellschaftspolitische Entwicklung während der Frühen Neuzeit?
Zur Forschungslage läßt sich sagen, daß eine Fülle an qualitativ hochwertigem Material zur Verfügung steht. Zahlreiche renommierte Historiker haben sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Erforschung von europäischen und auch französischen Adelspopulationen beschäftigt. Insbesondere liegen reichhaltige Überblickswerke vor, deren objektives Daten-, Zahlen- und Faktenmaterial auch nach einigen Jahren stets noch Aktualität besitzt. Hervorzuheben sind meiner Ansicht nach die Autoren Wolfgang Mager und Ilija Mieck, deren deutschsprachige Literatur sehr gute Gesamtdarstellungen liefert, Roger Mettam und Julian Swann, deren Werke einen bedeutenden Beitrag der englischsprachigen Forschung liefern sowie Arlette Jouanna und Jean Meyer, die mit ihren französischen Veröffentlichungen ebenfalls hervorragenden Anteil an der Untersuchung des Adels Frankreichs haben. Es sollte allerdings auch noch Erwähnung finden, daß sich ein hohes Maß der bearbeiteten Sekundärliteratur wiederholt, d.h. daß die verschiedenen wissenschaftlichen Aufsätze oftmals den gleichen Stoff in äußerst ähnlicher Weise rekapitulieren. Doch im Gegenzug kann das verwendete Lektürematerial als umso gefestigter und allgemeingültiger angesehen werden.

2 DER ADEL IM FRÜHNEUZEITLICHEN FRANKREICH

Der Adel im frühneuzeitlichen Frankreich weist zahlreiche Eigen- und Besonderheiten auf, die einer näheren Betrachtung – auch im Vergleich zum Adel im Deutschen Reich – wert scheinen. Auch von daher gesehen, daß das Ideal beispielsweise der französischen Hofhaltung, Schloßbaukunst und höfischen Verhaltensweise weit über die Grenzen des Hexagons hinausstrahlte, kann die Arbeit als Untersuchung der adeligen Gesellschaft Frankreichs im gesamteuropäischen Kontext angesehen werden. Um zunächst eine Vorstellung vom Aufbau, der Dimension und den Wegen zur Adelswürde zu bekommen, wird im Folgenden eine möglichst strukturierte Übersicht über die Organisation des französischen Adels gegeben.

2.1 STRUKTUR UND ORGANISATION DES FRANZÖSISCHEN ADELS

2.1.1 GRÖSSENANGABEN DER FRANZÖSISCHEN ADELSPOPULATION

Sowohl durch zeitgenössische Erhebungen als auch durch aktuelle Forschungsprojekte können keine eindeutigen und genauen Zahlenangaben über die französische Adelspopulation in der Frühen Neuzeit festgestellt werden. Damalige Schätzwerte weisen bereits eine hohe Fluktuation auf, die anhand der folgenden Tabelle nachvollzogen werden soll und erste Anhaltspunkte einer Größenordnung vermitteln soll:

[...]


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