Die Entwicklung der Doppelnamigkeit im mittelalterlichen Regensburg

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Details
Autor: M. A. Andreas Wutz
Fach: Germanistik - Linguistik
Institution/Hochschule: Universität Regensburg (Institut für Germanistik)
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 36 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 321 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-86279-0
ISBN (Buch): 978-3-638-86284-4
Zusammenfassung / Abstract
Das heute selbstverständliche System der Doppelnamigkeit ist nur in seiner Geschichtlichkeit zu begreifen. Die Herausbildung der Familiennamen ist ein soziologisch und sprachwissenschaftlich komplexer Prozess, dessen Ursachen und Verlauf in dieser Arbeit erörtert werden sollen. Zugleich soll auf der synchronen Ebene die Semantik und Typologie ausgewählter Belege schlaglichtartig beleuchtet werden. Als Materialgrundlage wähle ich die drei, von Josef Widemann edierten Urkundenbücher der Stadt Regensburg, die den Zeitraum von ca. 760-1378 umfassen und sich auf Grund ihres umfangreichen Korpus an Urkunden als Quellen anbieten. Regensburg hatte bei dem Wandel der Personennamengebung eine Vorreiterrolle inne, da sich hier die onomastischen Umwälzungen verdichteten und in das deutsche Sprachgebiet ausstrahlen konnten. Über das Nameninventar liegen einige Monographien und Aufsätze vor. Besonders hervorzuheben ist die ausführliche linguistische Analyse von Volker Kohlheim, der die Struktur der Regensburger Rufnamen des 13. und 14. Jhdts. akribisch untersucht hat.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Regensburg
Wintersemester 03/ 04
Institut für Germanistik
Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft
Hauptseminar: Namen (in der Öffentlichkeit)
Die Entwicklung der Doppelnamigkeit
im mittelalterlichen Regensburg
Andreas Wutz
Germanistik, Politologie, Archäologie
3. Semester
Einleitung 2
1. Terminologie 3
2. Herkunft und Bildung der Familiennamen 5
2.1 Das althochdeutsche Sprachgut 5
2.2 Die onomastischen Umwälzungen und der Bedarf für Familiennamen 6
3. Die historische Situation im mittelalterlichen Regensburg 11
4. Kriterien für die Festigkeit der Beinamen 13
5. Die Beinamen-Kategorien in den Regensburger Quellen 15
5.1 Beinamen aus Rufnamen 15
5.2 Beinamen nach der Herkunft 16
5.3 Beinamen nach der Wohnstätte 18
5.4 Beinamen nach dem Beruf, Amt und Stand 19
5.5 Beinamen aus Übernamen 21
Schluss 24
Einleitung
Der Vorname begleitet uns von der Taufe bis zur Bahre und ist sprachliches Zeichen unserer Individualität und Einzigartigkeit. Von den Eltern ausgewählt und im Standesamt unter die Aufsicht staatlicher Bürokratie gestellt, dient er zur Befriedigung der kommunikativen Grundbedürfnisse einer Sprachgemeinschaft, die in vielen Fällen der mündlichen Sprachverwendung von der appellativen Funktion Gebrauch macht. Bei offiziellen Anlässen und der schriftlichen Kommunikation genügt die Identifizierungsfunktion des Vornamens allein nicht und erst in Verbindung mit dem Familiennamen konstituiert sich der vollständige Name in einem rechtlichen Kontext. Das heute selbstverständliche System der Doppelnamigkeit ist nur in seiner Geschichtlichkeit zu begreifen. Die Herausbildung der Familiennamen ist ein soziologisch und sprachwissenschaftlich komplexer Prozess, dessen Ursachen und Verlauf in dieser Arbeit erörtert werden sollen. Zugleich soll auf der synchronen Ebene die Semantik und Typologie ausgewählter Belege schlaglichtartig beleuchtet werden. Als Materialgrundlage wähle ich die drei, von Josef Widemann edierten Urkundenbücher der Stadt Regensburg1, die den Zeitraum von ca. 760-1378 umfassen und sich auf Grund ihres umfangreichen Korpus an Urkunden als Quellen anbieten. Regensburg hatte bei dem Wandel der Personennamengebung eine Vorreiterrolle inne, da sich hier die onomastischen Umwälzungen verdichteten und in das deutsche Sprachgebiet ausstrahlen konnten. Über das Nameninventar liegen einige Monographien und Aufsätze vor.2 Besonders hervorzuheben ist die ausführliche linguistische Analyse von Volker Kohlheim, der die Struktur der Regensburger Rufnamen des 13. und 14. Jhdts. akribisch untersucht hat.3
1. Terminologie
Bereits in mittelhochdeutscher Zeit begegnen zahlreiche Bezeichnungen des Beinamens: zuoname, lūtname, nāchname, übername, mitename, unname, undername, wandelname.4 Die Belege in den Regensburger Quellen „spiegeln allerdings eine frühe Phase der Familiennamenentwicklung (12. - 14. Jh.) wider“5, da sie sich in wesentlichen Aspekten von den modernen Familiennamen unterscheiden: Merkmale wie Erblichkeit und Festigkeit sind beim Übergang von der Einnamigkeit zum neuen onomastischen System der Doppelnamigkeit6 „noch nicht durchgehend nachweisbar“7, was das mhd. wandelname zum Ausdruck bringt.8 Die vorliegende Arbeit orientiert sich an der gebräuchlichen Terminologie und bezeichnet mit Familienname einen fest und erblich gewordenen Beinamen, der dem Rufnamen hinzugefügt wird. Ob aber bei einem Namenbeleg tatsächlich schon ein Familienname in unserem Sinne vorliegt, lässt sich im konkreten Fall nicht immer eindeutig klären.
1
Regensburger Urkundenbuch. 1 Band. Urkunden der Stadt bis zum Jahre 1350. Hrsg. von Josef Widemann. München: Verlag der K. Akademie 1912 (= Monumenta Boica 53). Im Folgenden als RUBI zitiert. Regensburger Urkundenbuch. 2 Band. Urkunden der Stadt 1351-1378. Hrsg. von Josef Widemann. München: C.H. Beck 1956 (= Monumenta Boica 54). Im Folgenden als RUBII zitiert. Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram. Hrsg. von Josef Widemann. München: C.H. Beck 1942 (= Quellen und Erörterungen zur Bayerischen Geschichte 8). Im Folgendenden als TE zitiert.
2
Für eine knappe Übersicht der Forschungsliteratur vgl.: Kohlheim, Rosa: Regensburger Beinamen des 12. bis 14. Jahrhunderts. Beinamen aus Berufs-, Amts- und Standesbezeichnungen. Hamburg: Buske 1990 (= Bayreuther Beiträge zur Dialektologie 6). S. 1.
3
Kohlheim, Volker: Regensburger Rufnamen des 13. und 14. Jahrhunderts. Linguistische und sozio-onomastische Untersuchungen zu Struktur und Motivik spätmittelalterlicher Anthroponymie. Wiesbaden: Steiner 1977 (= Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik Beiheft 19).
4
Vgl. Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde. Band. 1. Die deutschen Personennamen. Heidelberg: Winter 19532. S. 73.
5
Kohlheim, Rosa: Regensburg. Ein frühes Beispiel für die Entstehung der Doppelnamigkeit im deutschsprachigen Raum. In: Namenkundliche Informationen 52. (1987). S. 1.
6
Rosa Kohlheim verwendet synonym den Terminus „Zweinamigkeit“, in der Forschung hat sich jedoch die
Bezeichnung Doppelnamigkeit durchgesetzt. Dieser Terminus ist nicht mit dem Doppelnamen, unter dem man zwei, mit einem Bindestrich verbundene Familiennamen versteht, zu verwechseln. Vgl. Kohlheim, Rosa: Die Beinamenführung bei Frauen im spätmittelalterlichen Regensburg. In: Blätter für die oberdeutsche
Namenforschung 22. (1985). S. 47.
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