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Bachelor Thesis, 2007, 73 Pages
Author: Johanna El Karrioui
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Tags: Debatte, Unterschiede, Euthanasie, Zeit, Nationalsozialismus, Sterbehilfe
Year: 2007
Pages: 73
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 55 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-84746-9
File size: 279 KB
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Abstract
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich zum einen mit dem Thema der „Euthanasie“ während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, der etwa 185.000 Menschen zum Opfer fielen. Zum anderen handelt sie von der zurzeit geführten so genannten aktuellen Euthanasiedebatte. Darin geht es um die Abtreibung behinderter Föten, die Sterilisation so genannter geistig behinderter Menschen und die Forderung nach Sterbehilfe für schwerkranke Personen. Der erste Teil der Arbeit behandelt die aktuelle Euthanasiedebatte. Ich stelle verschiedene Methoden der pränatalen Diagnostik vor. Die Probleme, wenn festgestellt wird, dass der Embryo sich nicht wie gewünscht entwickelt sowie das oftmalige Resultat, die Abtreibung, werden erörtert. Danach lege ich die aktuelle deutsche Rechtslage zur Sterilisation bei Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung dar und erläutere sie. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf der Diskussion über die Sterbehilfe. In einem Rückblick in die Geschichte stelle ich vor, wie sich die Einstellung zu dieser Frage seit der Antike gewandelt hat. Danach wird die Rechtslage in Deutschland und in den Niederlanden, als ein Beispiel für ein Land, in dem es eine legale Möglichkeit der Sterbehilfe gibt, vorgestellt. Ich lege dar, wie die Gesellschaft in Deutschland zu diesem Thema steht und welche Organisationen sich gebildet haben, die die Idee der Sterbehilfe unterstützen oder ablehnen. Als Abschluss dieses Kapitels stelle ich eine mögliche Alternative zur Sterbehilfe vor: Hospize, in denen Menschen beim Sterben begleitet werden. Das Thema des zweiten Teils ist die Sterilisation und Tötung so genannter erbkranker Menschen oder von so genanntem lebensunwerten Leben. Ich stelle die Vorgeschichte – den Sozialdarwinismus und die soziale Frage – und die verschiedenen Vorschläge zur „Lösung des Problems minderwertiger Menschen“ dar. Es folgen der Ablauf der verschiedenen Maßnahmen und die Reaktionen darauf. Ich suche nach einer Erklärung, warum viele Ärzte und Schwestern, die zum Wohl der Menschen in den Anstalten hätten arbeiten sollen, Tötungen durchgeführt oder dabei mitgeholfen haben. In diesem Teil der Bachelorarbeit berufe ich mich häufig auf ein Buch, das schon vor 20 Jahren geschrieben wurde, das aber sehr ausführlich die Geschehnisse und die Entwicklung dorthin schildert. Damit tue ich es vielen Autoren gleich, die ihre Bücher erst in den letzten Jahren verfasst haben, sich aber ebenfalls auf das Buch „Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie“ von Hans–Walter Schmuhl beziehen. Hier tauchen viele Begriffe, die heute so nicht mehr gesagt würden. Beispiele sind die Wörter Insassen oder Idiotie. Ich nutze sie trotzdem, auch wenn sie heute nicht mehr korrekt sind, um dem Leser ein besseres Bild der damaligen Zeit vermitteln zu können. Zum anderen gibt es Begriffe, die von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurden und die heute aus diesem Grund vermieden werden. Diese habe ich in Anführungsstriche gesetzt. Beispielsweise sind dies die Begriffe lebensunwert, erbkrank oder minderwertig, aber auch das Wort Euthanasie, wie es von den Nationalsozialisten genutzt wurde. Der dritte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der beiden vorgestellten Themenkomplexe. Die Frage hierbei ist, ob die derzeit geführte Diskussion etwas grundlegend anderes fordert, als vor 70 Jahren in Deutschland durchgeführt wurde. Hat die Gesellschaft aus der Geschichte gelernt, oder wird hier nur mit dem Wort der Sterbehilfe beschönigt, dass es die gleiche „Euthanasie“ wie 1939 bis 1945 ist?
Excerpt (computer-generated)
Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Fachbereich Integrative Heilpädagogik –
Inclusive Education
Die aktuelle „Euthanasie“ - Debatte
Ähnlichkeiten und Unterschiede zur
Euthanasie während der Zeit des
Nationalsozialismus
Bachelorarbeit
vorgelegt von: Johanna Elisabeth El Karrioui
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 6
A Die aktuelle Euthanasiedebatte ... 8
1 Die pränatale Diagnostik (PND) ... .. 8
2 Die Abtreibung: rechtliche Situation in Deutschland ... 10
2.1 Die Abtreibung aufgrund einer diagnostizierten Behinderung….. 10
2.2 Die Kritik an der Neuregelung des §218 StGB ... . 11
3 Die Einbecker Empfehlungen ... .. 12
4 Die rechtliche Möglichkeit der Sterilisation von einem Menschen mit geistiger Behinderung ... 13
5 Die Sterbehilfe ... .. 15
5.1 Die Bewertung der Sterbehilfe in verschieden Epochen ... 15
5.2 Die Erläuterung von Begriffen ... 17
5.3 Die Sterbehilfe in Deutschland ... 18
5.3.1 Die gesetzlichen Regelungen zur Sterbehilfe ... .. 18
5.3.2 Die Einstellung der Bevölkerung zur Sterbehilfe........................... 18
5.3.3 Verschiedene Organisationen, die Sterbehilfe ablehnen, fordern oder anbieten ... 5.3.4 Die Verbindlichkeit der Patientenverfügung als Willenserklärung ... 21
5.4 Die Sterbehilfe in den Niederlanden ... 21
5.4.1 Die rechtliche Grundlage und die Durchführung der Sterbehilfe ... 22
5.4.2 Eine kritische Würdigung des Artikels 293 und 294 ... 23
5.4.3 Einige Organisationen, die die Durchführung von Sterbehilfe unterstützen oder ablehnen ... 24
5.5 Die Argumente von Befürwortern und Gegnern von Sterbehilfe.. 25
5.6 Hospize und Palliativmedizin als Alternativen zur Sterbehilfe….. 26
B „Euthanasie“ während der Zeit des National- sozialismus ... 28
1 Die Begriffsbedeutung und –wandlung von „Euthanasie“…. 28
2 Die Entwicklung zur “Euthanasie“ ... . 29
2.1 Der Sozialdarwinismus ... 29
2.2 Die soziale Frage ... 30
2.3 Das Leben der Anstaltsinsassen vor 1933 ... 31
3 Die Vorschläge um die „Entartung“ der Gesellschaft zu verhindern ... 33
3.1 Die Idee der negativen Eugenik ... 33
3.2 Der Vorschlag der Sterilisation ... 34
3.3 Die NS-Familienpolitik ... 34
4 Die Verbreitung der Sozialeugenik in der Öffentlichkeit ... 35
5 Die Idee der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ ... 36
5.1 Die gedanklichen Anstöße zur „Euthanasie“ ... 36
5.2 Ein Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe bei unheilbar Kranken ... .. 38
6 Die konkreten Vorbereitungen der „Euthanasie“ ... 39
6.1 Die gesetzliche Grundlage und Hitlers Geheimschreiben ... 40
6.2 Die Erfassung der Betroffenen ... 41
6.3 Die Planung der Euthanasiemaßnahmen und deren aus- führende Organisationen ... 42
7 Die Durchführung der Euthanasiemaßnahmen ... 42
7.1 Die (Zwangs-)Sterilisation ... 42
7.2 Die Kindereuthanasie in den Kinderfachabteilungen ... . 43
7.3 Die Aktion T4: das Töten erwachsener Behinderter ... 44
7.4 Die wilde Euthanasie und die Aktion Brandt ... . 46
8 Das Anstaltspersonal ... 47
8.1 Die Möglichkeit, Bewohner zu schützen ... 47
8.2 Die Motivation des Personals. Ein Erklärungsversuch ... 48
9 Die Reaktionen der Bevölkerung auf die „Euthanasie“…49
10 Die Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg ... 50
10.1 Was wurde aus überlebenden Opfern? …50
10.2 Die Folgen für die Täter ... 51
C Vergleich von „Euthanasie“ im Zweiten Weltkrieg und der zurzeit geführten Debatte um PND, Abtreibung, Sterilisation geistig behinderter Menschen und Sterbehilfe ... 53
1 Die pränatale Diagnostik im Gegensatz zur willkürlichen Bestimmung „erbkranken Lebens“ durch die National- sozialisten ... 53
2 Die Abtreibung eines behinderten Fötus, heute eine freie Entscheidung? …54
3 Die Sterilisation eines geistig behinderten Menschen: 1937 und 2007 ... 55
4 Abgrenzung von Sterbehilfe und „Euthanasie“ …57
4.1 Die offensichtlichen Motive für die Gewährung von Sterbehilfe ... 58
4.2 Als verdeckte Motive: Denkprozesse und Ideologien ... .... 60
Glossar ... 63
Abkürzungsverzeichnis ... . 65
Literaturangaben ... 66
English abstract ... . 73
Einleitung
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich zum einen mit dem Thema der „Euthanasie“ während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, der etwa 185.000 Menschen zum Opfer fielen. Zum anderen handelt sie von der zurzeit geführten so genannten aktuellen Euthanasiedebatte. Darin geht es um die Abtreibung behinderter Föten, die Sterilisation so genannter geistig behinderter Menschen und die Forderung nach Sterbehilfe für schwerkranke Personen.
Der erste Teil der Arbeit behandelt die aktuelle Euthanasiedebatte. Ich stelle verschiedene Methoden der pränatalen Diagnostik vor. Die Probleme, wenn festgestellt wird, dass der Embryo sich nicht wie gewünscht entwickelt sowie das oftmalige Resultat, die Abtreibung, werden erörtert. Danach lege ich die aktuelle deutsche Rechtslage zur Sterilisation bei Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung dar und erläutere sie.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf der Diskussion über die Sterbehilfe. In einem Rückblick in die Geschichte stelle ich vor, wie sich die Einstellung zu dieser Frage seit der Antike gewandelt hat. Danach wird die Rechtslage in Deutschland und in den Niederlanden, als ein Beispiel für ein Land, in dem es eine legale Möglichkeit der Sterbehilfe gibt, vorgestellt. Ich lege dar, wie die Gesellschaft in Deutschland zu diesem Thema steht und welche Organisationen sich gebildet haben, die die Idee der Sterbehilfe unterstützen oder ablehnen. Als Abschluss dieses Kapitels stelle ich eine mögliche Alternative zur Sterbehilfe vor: Hospize, in denen Menschen beim Sterben begleitet werden.
Das Thema des zweiten Teils ist die Sterilisation und Tötung so genannter erbkranker Menschen oder von so genanntem lebensunwerten Leben. Ich stelle die Vorgeschichte – den Sozialdarwinismus und die soziale Frage – und die verschiedenen Vorschläge zur „Lösung des Problems minderwertiger Menschen“ dar. Es folgen der Ablauf der verschiedenen Maßnahmen und die Reaktionen darauf. Ich suche nach einer Erklärung, warum viele Ärzte und Schwestern, die zum Wohl der Menschen in den Anstalten hätten arbeiten sollen, Tötungen durchgeführt oder dabei mitgeholfen haben.
In diesem Teil der Bachelorarbeit berufe ich mich häufig auf ein Buch, das schon vor 20 Jahren geschrieben wurde, das aber sehr ausführlich die Geschehnisse und die Entwicklung dorthin schildert. Damit tue ich es vielen Autoren gleich, die ihre Bücher erst in den letzten Jahren verfasst haben, sich aber ebenfalls auf das Buch „Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie“ von Hans–Walter Schmuhl beziehen.
Hier tauchen viele Begriffe, die heute so nicht mehr gesagt würden. Beispiele sind die Wörter Insassen oder Idiotie. Ich nutze sie trotzdem, auch wenn sie heute nicht mehr korrekt sind, um dem Leser ein besseres Bild der damaligen Zeit vermitteln zu können. Zum anderen gibt es Begriffe, die von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurden und die heute aus diesem Grund vermieden werden. Diese habe ich in Anführungsstriche gesetzt. Beispielsweise sind dies die Begriffe lebensunwert, erbkrank oder minderwertig, aber auch das Wort Euthanasie, wie es von den Nationalsozialisten genutzt wurde.
Der dritte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der beiden vorgestellten Themenkomplexe. Die Frage hierbei ist, ob die derzeit geführte Diskussion etwas grundlegend anderes fordert, als vor 70 Jahren in Deutschland durchgeführt wurde. Hat die Gesellschaft aus der Geschichte gelernt, oder wird hier nur mit dem Wort der Sterbehilfe beschönigt, dass es die gleiche „Euthanasie“ wie 1939 bis 1945 ist?
A Die aktuelle Euthanasiedebatte
Zurzeit wird verstärkt über die ethische Vertretbarkeit, Embryonen aufgrund einer vermuteten Behinderung abzutreiben oder schwerbehinderte Neu- geborene unversorgt sterben zu lassen, debattiert. Ebenso, ob es ethisch vertretbar ist, behinderte Menschen zu sterilisieren, damit sie keinen Nachwuchs bekommen, oder schwerkranke Menschen durch Sterbehilfe von ihrem Leiden zu erlösen.
1 Die pränatale Diagnostik (PND)
Durch vorgeburtliche Untersuchungen kann heutzutage bereits viel über den Gesundheitszustand des Embryos ausgesagt werden. Dies birgt, neben der möglichen Beruhigung der werdenden Eltern, aber auch die Gefahr, sich für oder gegen ein behindertes Kind entscheiden zu müssen, wenn der Arzt eine Anomalie feststellt.
Es gibt verschiedene Methoden, vorgeburtlich etwas über den Gesundheitszustand des Fötus herauszufinden. Dazu zählen unter anderem die Ultraschall- oder die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese), die Untersuchung des Chorionzottengewebes sowie Blutuntersuchungen. Je nach Untersuchungsart können unterschiedliche Erkenntnisse gewonnen werden, die Methoden können zu unterschiedlichen Zeitpunkten angewandt werden und bergen individuelle Risiken, eine Fehlgeburt auszulösen. (Vgl. Mattisseck–Neef 2006, 124ff)
[...]
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