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Scholary Paper (Seminar), 2000, 16 Pages
Author: Magister Artium Yves Dubitzky
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Fall, Kostantinopels
Year: 2000
Pages: 16
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88539-3
ISBN (Book): 978-3-638-88913-1
File size: 86 KB
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Abstract
Glaubt man der These von Professor Johannes Helmrath, so löste die Eroberung von Konstantinopel am 29. Mai 1453 durch die Türken im lateinischen Westen unweigerliche einen tiefen Schock aus. Des weiteren bezeichnete dieser Untergang des Byzantinischen Reiches das Ende einer Epoche, wenn nicht sogar des gesamten Mittelalters. Allerdings lässt sich dieser Schock nirgendwo in Europa registrieren. Es ist nicht einmal eine Krise im Glauben der lateinischen Christen festzustellen. Gewiss, es werden Gedichte verfasst (Oliver de la Marche), die der angeblichen seelischen Qual Ausdruck verleihen sollen und gewiss finden zahlreiche Schwüre von Edelleuten statt, die es vorzogen, einzig die romantische Seite eines Kreuzzugsgedankens zu sehen und dies halt nur in rein theoretischer Natur. An den Höfen Europas ist man vorwiegend mit sich selbst beschäftigt. So ist in Deutschland Kaiser Friedrich III. viel zu schwach, ist finanziell alles andere als in der Lage, sich nach Konstantinopel zu begeben. Außerdem verfügt er über keinerlei Autorität bei den Fürsten. In Frankreich und England kommt noch der geographische Faktor hinzu, der Balkan und Konstantinopel sind weit entfernt, es werden also keine eigenen Interessensphären berührt. Zudem ist man in den Ländern von Karl VII. und Heinrich VI. noch zu sehr durch den Hundertjährigen Krieg geschwächt und hat mit seinen Nachwehen zu kämpfen. Als auf der britischen Insel 1455 die Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster ausbrechen, ist es dem Monarch aufgrund einer geistigen Umnachtung unmöglich, weiterhin den Regierungsgeschäften nachzugehen. Eine ständige Konkurrenz zu Burgund sorgt in Frankreich dafür, dass der König sich außerstande sieht, sein Land zu verlassen. Alfonso von Aragon sorgt lediglich für Verteidigungsmaßnahmen seiner Besitzungen in Italien und Herzog Philipp der Gute von Burgund begnügt sich mit einem pompösen Festbankett und dem anschließenden „Fasaneneid“, welcher aber nicht über den Abend hinaus kommt. Einzig Ladislaus von Ungarn hat berechtigten Grund zur Sorge, wird er doch unmittelbar von den Türken bedroht.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Chemnitz
Philosophische Fakultät
Geschichte des Mittelalters
Proseminar: Das Spätmittelalter als Krisenzeit
Der Fall Konstantinopels 1453
Yves Dubitzky
Politikwissenschaft/Neuere und Neueste Geschichte
Inhalt
1 EINLEITUNG 3
2 ENEA SILVIO PICCOLOMINI 4
3 DAS KONZIL VON FERRARA-FLORENZ 7
4 DAS PATRIARCHAT VON KONSTANTINOPEL 9
5 FAZIT 15
6 BIBLIOGRAPHIE 16
1 Einleitung
Glaubt man der These von Professor Johannes Helmrath, so löste die Eroberung von Konstantinopel am 29. Mai 1453 durch die Türken im lateinischen Westen unweigerliche einen tiefen Schock aus. Des weiteren bezeichnete dieser Untergang des Byzantinischen Reiches das Ende einer Epoche, wenn nicht sogar des gesamten Mittelalters. Allerdings lässt sich dieser Schock nirgendwo in Europa registrieren. Es ist nicht einmal eine Krise im Glauben der lateinischen Christen festzustellen. Gewiss, es werden Gedichte verfasst (Oliver de la Marche), die der angeblichen seelischen Qual Ausdruck verleihen sollen und gewiss finden zahlreiche Schwüre von Edelleuten statt, die es vorzogen, einzig die romantische Seite eines Kreuzzugsgedankens zu sehen und dies halt nur in rein theoretischer Natur. An den Höfen Europas ist man vorwiegend mit sich selbst beschäftigt. So ist in Deutschland Kaiser Friedrich III. viel zu schwach, ist finanziell alles andere als in der Lage, sich nach Konstantinopel zu begeben. Außerdem verfügt er über keinerlei Autorität bei den Fürsten. In Frankreich und England kommt noch der geographische Faktor hinzu, der Balkan und Konstantinopel sind weit entfernt, es werden also keine eigenen Interessensphären berührt. Zudem ist man in den Ländern von Karl VII. und Heinrich VI. noch zu sehr durch den Hundertjährigen Krieg geschwächt und hat mit seinen Nachwehen zu kämpfen. Als auf der britischen Insel 1455 die Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster ausbrechen, ist es dem Monarch aufgrund einer geistigen Umnachtung unmöglich, weiterhin den Regierungsgeschäften nachzugehen. Eine ständige Konkurrenz zu Burgund sorgt in Frankreich dafür, dass der König sich außerstande sieht, sein Land zu verlassen. Alfonso von Aragon sorgt lediglich für Verteidigungsmaßnahmen seiner Besitzungen in Italien und Herzog Philipp der Gute von Burgund begnügt sich mit einem pompösen Festbankett und dem anschließenden „Fasaneneid“, welcher aber nicht über den Abend hinaus kommt. Einzig Ladislaus von Ungarn hat berechtigten Grund zur Sorge, wird er doch unmittelbar von den Türken bedroht.1
Unter diesen Voraussetzungen und den Verpflichtungen durch das Konzil von Ferrara-Florenz 1439 blieb als einzige Kreuzfahrerpartei das Papsttum. Wenn man also von einer Krisenzeit im Europa des ausklingenden Mittelalters spricht, so verlangt es danach, die Situation des Bischofs von Rom zu beschreiben, die keineswegs viel versprechend war. Ungenügend mit eigenen Mitteln ausgestattet, ohne jede Autorität bei den jungen Nationalstaaten und noch geschwächt durch das Große Schisma sah sich Rom außerstande, zeitgleich mit der Halosis, dem Untergang der Stadt Konstantins, die Initiative zu ergreifen. Oder wie sich Alain Ducellier ausdrückt: „Warum also beklagte sich Piccolomini, dass die Christenheit kein Haupt habe, dem sich alle beugten? Weil, wie er sich ausdrückte, Könige, Fürsten und Städte, besonders nach dem Großen Schisma, Gefallen an der Unabhängigkeit gefunden hatten und den Papst – vom Kaiser gar nicht zu reden – nicht mehr als Autorität anerkannten. In den großen geeinten Königreichen Frankreich, England und Kastilien entwickelten sich unterschiedliche Formen eines kirchlichen Partikularismus und eines Primats der Politik über die Religion.“.2 Wie also lässt es sich erklären, dass das einstige Zentrum der christlichen Welt vor den Augen Europas verschwand und keineswegs dem Abendland einen Schock versetzte.
Mit der Problematik der Halosis fallen unweigerlich drei Punkte zusammen: Die Person des Humanisten und späteren Papstes Enea Silvio Piccolomini (Pius II.), dem Konzil in Florenz und die Herleitung des Selbstverständnisses des Patriarchats von Konstantinopel gegenüber dem „Konkurrenten“ Rom.
2 Enea Silvio Piccolomini
„Als aber Euryalus ihren Augen entschwunden war, sprach er unterwegs mit keinem der Seinen. Seine Gedanken jedoch waren bei Lucretia: er konnte sich von ihr nicht trennen. Und schließlich kam er nach Perugia, wo der Kaiser wartete. Und mit ihm ging er weiter nach Ferrara, Mantua, Trient, Konstanz und Basel und endlich nach Ungarn und Böhmen.“3
So endet die tragische Geschichte zwischen Euryalus und Lucretia („De duobus amantibus historia“), der einzigen belletristischen Arbeit des Enea Silvio. In diesem Schlussteil nimmt er, natürlich unbewusst, Ereignisse der Zukunft vorweg, auf denen er entweder selbst zugegen sein wird (Mantuaner Tag 1459) oder die entscheidend für die Weiterentwicklung der Kirche sein werden (Tridentinum 1545-63, nach welchem 1566 die Gegenreformation einsetzte). Zudem werden mit den Städten Konstanz, Basel und Ferrara (also Florenz) die wichtigsten Konzile des 15. Jahrhunderts genannt beziehungsweise der häretische Krisenherd Böhmen erwähnt.
Als Enea Silvio diese Geschichte herausgibt, ist er 39 Jahre alt. In Siena geboren ist er zunächst Anhänger der konziliaren Idee (Episkopalismus), bis er eine Laufbahn als Kleriker einschlägt und künftig Verfechter des päpstlichen Herrschaftsanspruches, des zentralistischen Kurialismus ist.4 1442 wird er als Gesandter zum Reichstag in Frankfurt geschickt und wird der Sekretär des Königs Friedrich III. von Habsburg, dem späteren Kaiser. Nach dieser weltlichen Mission lässt er sich 1447 zum Priester weihen und wird noch im gleichen Jahr Bischof von Triest. Trotz alledem bleibt er auch weiterhin Humanist und kennzeichnet damit die neue Ära der Renaissance. Sein Hauptaugenmerk gilt dem römischen Dichter Vergil (70-19 vor Christus) und seinem Werk der „Aeneis“, worüber er schon an der Universität von Wien Vorträge gehalten hatte.
1 Die Ungarn werden auch auf längere Zeit die einzigen sein, die für kurze Zeit den Vormarsch der Osmanen stoppen können, da es unter der Führung von Johannes von Hunyad gelingt, 1456 vor Belgrad den Türken eine empfindliche Niederlage beizufügen.
2 Vgl. Venard, Marc: Geschichte des Christentums. Bd.7. S.
3 Vgl. Piccolomini, Enea Silvio: Euryalus und Lucretia. S.115.
4 Vgl. Borgolte, Michael: Die mittelalterliche Kirche. S.39.
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