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Diplomarbeit, 2007, 101 Seiten
Autor: Radoslaw Turulski
Fach: Dolmetschen / Übersetzen
Details
Tags: Lokalisierung, Filmen, Publikum, Filmpassagen
Jahr: 2007
Seiten: 101
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 54 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-84015-6
ISBN (Buch): 978-3-638-84040-8
Dateigröße: 1534 KB
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Zusammenfassung / Abstract
In einer globalen Welt, in der wir heute leben, konsumieren wir täglich Produkte, die ihren Ursprung in einer fremden Kultur haben -ohne dass wir es wissen oder überhaupt bemerken. Kellog's Smacks aber auch Coca Cola sind solche Produkte. Wir kennen diese jedoch nur in einer deutschen Verpackung, auf der die Nährwertangaben entsprechend der deutschen Konventionen dargestellt sind. Ähnliches gilt für Windows XP und Filme wie Matrix oder Titanic. Auch diese haben ihren Ursprung im Ausland. Obwohl Software überwiegend im englischsprachigen Raum produziert wird und eine Vielzahl von Kinofilmen aus den USA stammt, können wir sie im perfekten Deutsch genießen. Damit dies möglich wird, müssen diese Medien im entsprechenden Anpassungsprozess an unsere Sprache und Kultur angepasst werden. Der Begriff Kultur spielt bei Software und Filmen eine besondere Rolle, denn sie enthalten neben sprachlichen auch kulturelle Inhalte und länderspezifische Konventionen, die nicht nur in Texten sondern auch in Bildern auftauchen. Diese müssen bei der Anpassung unweigerlich berücksichtigt werden. Die auf die jeweiligen Medien spezialisierten Anpassungsprozesse sind unterschiedlich, dennoch verfolgen sie das gleiche Ziel. Das jeweilige Medium soll so angepasst werden, dass es der zielsprachige Nutzer problemlos aufnehmen kann. Unter dieser Prämisse können die Synchronisation von Filmen und die Softwarelokalisierung überhaupt gemeinsam betrachtet werden. Die vorliegende Diplomarbeit hat zum Ziel, die Synchronisation von Filmen für das deutsche Publikum aus der Perspektive der Softwarelokalisierung zu beleuchten. Dafür wird die Synchronisation als eine Form der Lokalisierung dargestellt. Dies ermöglicht eine völlig neue, bisher noch unbekannte Sicht auf die Synchronisation und macht deutlich, wie sehr sich diese Disziplinen ähneln. Diese Diplomarbeit umfasst die Darstellung: - der heutigen Synchronisationspraxis - der globalen Situation, die die Anpassung von Filmen notwendig macht - der Begriffe Kultur und interkulturelle Kommunikation - der in Deutschland gängigen Synchronisationsformen - der Einflüsse von Zensuranstalten, Auftraggebern und Endverbrauchern - der verschiedenen Arten der Synchronität - der Prozesse bei der tatsächlichen Synchronisationsarbeit Darüber hinaus enthält die Arbeit eine Untersuchung ausländischen Filmmaterials im Hinblick auf die Übertragung kulturspezifischer Inhalte sowie die Untersuchung der Synchronität bei besonders auffälligen Textstellen.
Textauszug (computergeneriert)
Lokalisierung von Filmen für das deutsche Publikum
anhand ausgewählter Filmpassagen
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Fachübersetzer (Fachhochschule)
eingereicht an der
Hochschule Anhalt (FH)
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Fachbereich Informatik
von
Radoslaw Turulski
Ausgabetermin: 30.04.2007
Abgabetermin: 20.06.2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 4
1.1 Intention und Aufbau der Arbeit ... 5
1.2 Begriffliche Abgrenzung ... 7
1.2.1 Globalisierung ... 7
1.2.2 Internationalisierung ... 8
1.2.3 Lokalisierung ... 8
1.2.3.1 Softwarelokalisierung ... 9
1.2.3.2 Website-Lokalisierung ... 9
1.2.3.3 Synchronisation ... 9
2 Globaler Markt ... 11
2.1 Lokalisierungsindustrie ... 11
2.2 Filmindustrie ... 13
3 Interkulturelle Kommunikation durch Synchronisation ... 16
3.1 Zum Kulturbegriff ... 16
3.2 Kultur und Kommunikation in Filmen ... 17
4 Einflussfaktoren bei der Synchronisation ... 21
4.1 Synchronisationsformen ... 21
4.1.1 Dubbing ... 22
4.1.2 Untertitelung ... 23
4.1.3 Voice-Over ... 23
4.2 Einfluss der Zensuranstalten ... 24
4.2.1 Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft ... 25
4.2.2 Filmbewertungsstelle Wiesbaden ... 27
4.3 Einfluss des Publikums ... 27
4.4 Einfluss des Auftraggebers ... 28
5 Arten der Synchronität ... 30
5.1 Lippensynchronität ... 30
5.1.1 Quantitative Lippensynchronität ... 31
5.1.2 Qualitative Lippensynchronität ... 31
5.1.2.1 Problematische Vokale ... 32
5.1.2.2 Problematische Konsonanten ... 3
5.2 Synchronität von Sprache und Gesten 33...
6 Synchronisationsprozess ... 34
6.1 Vorbereitung der Studioarbeit ... 35
6.1.1 Projektmanagement ... 35
6.1.2 Übertragung der Texte in die Zielsprache ... 36
6.1.2.1 Rohübersetzung ... 36
6.1.2.2 Synchronübersetzung ... 37
6.1.3 Vorbereitung der zu synchronisierenden Filmteile ... 37
6.1.3.1 Erstellung der Takes ... 38
6.1.3.2 Casting und Zeitplan der Sprecher ... 38
6.2 Arbeiten im Studio ... 39
6.2.1 Aufnahme der zielsprachigen Dialoge ... 40
6.2.2 Nachbearbeitung von Bild und Ton ... 41
7 Kontrastive Analyse ausgewählter Filme ... 42
7.1 Analysematerial ... 42
7.2 Zielstellung der Analyse ... 45
7.3 Analyse US-amerikanischer Spielfilme ... 48
7.4 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 91
8 Resümee und Ausblick ... 93
Bibliographie ... 97
1 Einleitung
In einer globalen Welt gehört der Konsum ausländischer Produkte zum Alltag. International tätige Unternehmen versuchen stets, ihre Produkte in der ganzen Welt zu vermarkten. So ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass die Verpackung von Kellogg’s Smacks oder Coca Cola in deutsch vorliegt und die Nährwertangaben in der in Deutschland üblichen Form bereitgestellt werden. Nur wenige Menschen sind sich darüber im Klaren, dass es sich bei diesen Marken um ausländische Produkte handelt. Einerseits liegt dies daran, dass diese Produkte schon seit Längerem in unseren Märkten erhältlich sind. Andererseits aber werden diese Produkte (in diesem Fall die Verpackung) gezielt an die Sprache und Kultur Deutschlands angepasst. Dabei ist die Anpassung häufig so gut, dass die Produkte nicht mehr fremd, sondern heimisch wirken. Diese gezielte sprachliche und kulturelle Anpassung geht weit über die Produktpalette von Supermärkten hinaus und findet sich in vielen anderen Wirtschaftszweigen wieder, u.a. in der Softwareindustrie.
Die Softwareindustrie hat in den letzten 20 Jahren eine starke Veränderung erfahren. Die rasante Entwicklung in dieser Branche hat dazu geführt, dass Benutzer von Software immer höhere Anforderungen an die Produkte stellen. Dass die Software und die dazugehörige Dokumentation in der Sprache der Nutzer vorliegen, gilt als selbstverständlich. Die sprachliche Anpassung beinhaltet gleichzeitig eine kulturelle Anpassung, die sich darin äußert, dass landesübliche Konventionen für die Darstellung von z. B. Datums- oder Währungsangaben berücksichtigt werden. Die aufwendige Anpassung schafft ein Produkt, das die sprachlichen und kulturellen Eigenarten des Zielmarktes möglichst authentisch wiedergibt. Nur beim näheren Hinsehen fällt auf, dass es sich bei der Software um ein Produkt handelt, das außerhalb nationaler Grenzen hergestellt wurde.
Ein gutes Beispiel für ein solches Produkt stellen die Internetbrowser Firefox der Mozilla Corporation und der Internet Explorer von Microsoft dar. In beiden Browsern befindet sich in der Navigationsleiste ein Haussymbol. Dieses Symbol steht im Deutschen für die Startseite. Die Verknüpfung von Haus und Startseite ist zwar nicht absolut abwegig, sie kann jedoch den eigentlichen Gedanken nicht wiedergeben, der von den amerikanischen Softwareherstellern beabsichtigt war. Das Haussymbol steht im Englischen für die vom Nutzer vordefinierte Homepage einer Website. Dieses Symbol hindert den deutschen Nutzer zwar nicht daran, den Internetbrowser korrekt zu benutzen. Es stellt aber eine Einschränkung hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit des Produkts dar und macht auf die Problematik aufmerksam, die mit der Anpassung ausländischer Software verbunden ist.
Diese Problematik liegt darin begründet, dass Software ein Produkt ist, das aus einem bestimmten Kulturkreis stammt. Bestimmte Inhalte (in diesem Fall die verwendeten Symbole) sind stark von der Ausgangskultur geprägt. Da sie nicht verändert werden können, muss ein Weg gefunden werden, dem zielsprachigen Nutzer diese kulturspezifischen Inhalte auf eine andere Art und Weise verständlich zu machen. Dies erfolgt auf der sprachlichen Ebene.
Die Anpassung ausländischer Filme steht vor dem gleichen Problem. Ausländische Filme enthalten kulturspezifische Inhalte, die dem deutschen Publikum möglicherweise unbekannt und somit unverständlich sind. Diese Inhalte kommen nicht nur auf der sprachlichen Ebene zum Vorschein. Bei Filmen sind sie vor allem in Bildern zu finden. Da die Bilder nicht verändert werden können, muss das Verständlichmachen der unbekannten Inhalte mit Hilfe sprachlicher Mittel erfolgen.
Die Parallele, die zwischen Software und Filmen besteht, ist der Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit. Die Annahme ist dabei, dass die unterschiedlichen Prozesse, in denen Software und Filme für ein Zielpublikum aus einem anderen Kulturkreis angepasst werden, vor ähnlichen Problemen und Schwierigkeiten stehen.
1.1 Intention und Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit soll eine Einführung in die Anpassung von ausländischen Filmen für das deutsche Publikum aus der Perspektive der Lokalisierung darstellen. Zur Feststellung der Kulturspezifika und ihrer Übertragung wird die Synchronisation im Laufe dieser Arbeit als eine Form der Lokalisierung von Filmen dargestellt. Die Lokalisierung ist ebenso wie die Synchronisation eine besondere Form der Übersetzung. Beide haben den reibungslosen Ablauf interkultureller Kommunikation zum Ziel. Darüber hinaus wird im Laufe der Arbeit auf Analogien zur Softwarelokalisierung eingegangen, mit denen zu rechnen ist, da es sich sowohl bei Software aber auch bei Filmen um technische Medien handelt, deren Anpassung an den Zielmarkt mit bestimmten Einschränkungen verbunden ist. Trotz der Parallele wird der technische Aspekt nicht weiter thematisiert. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den sprachlichen Teil der Übertragung kulturspezifischer Inhalte und Konventionen.
Ein Schwerpunkt liegt in der Darstellung der heutigen Synchronisationspraxis. Den Einstieg in die Thematik stellt die globale Situation dar, die die Anpassung von Filmen notwendig macht (Kap. 2). Da ausländische Filme nicht mehr aus den deutschen Kinos wegzudenken sind, müssen sie an unsere Sprache und unsere kulturellen Eigenheiten angepasst werden. Die Synchronisation, die diese Aufgabe der Anpassung übernimmt, wird zu einem Vermittler zwischen den Sprachen und Kulturen. Durch sie wird interkulturelle Kommunikation ermöglicht. Die Begriffe Kultur und Kommunikation werden in Kapitel 3 näher erläutert. In Kapitel 4 werden die verschiedenen, in Deutschland gängigen, Synchronisationsformen dargestellt. Darüber hinaus werden sowohl die Einflüsse von Zensuranstalten als auch die Anforderungen der Auftraggeber und die Wünsche der Endverbraucher dargelegt. Anschließend werden in Kapitel 5 Faktoren aufgeführt, die die Produktion der zielsprachigen Dialoge beeinflussen. Diese Faktoren betreffen die verschiedenen Arten der Synchronität. Die drei wichtigsten (Quantitative Lippensynchronität, Qualitative Lippensynchronität sowie die Synchronität von Sprache und Gesten) werden in diesem Kapitel demonstriert. Kapitel 6 beschreibt den Synchronisationsprozess. Dabei werden die einzelnen Etappen vom Projektmanagement bis zur abschließenden Mischung von Bild und Ton beleuchtet.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Untersuchung ausländischen Filmmaterials, das bereits einer Anpassung unterzogen wurde (Kap. 7). Ziel dabei wird es sein, anhand ausgewählter Dialoge und des Bildmaterials aufzuzeigen, wie die Übertragung kulturspezifischer Inhalte, die sich einerseits sprachlich und andererseits in Bildern äußern, realisiert wurde, ohne auf die Qualität der übertragenen Inhalte einzugehen. Da das besondere Augenmerk auf der Untersuchung der kulturspezifischen Inhalte liegt, wird sich die Untersuchung der Synchronität auf besonders auffällige Textstellen beschränken. Abschließend erfolgt eine vergleichende Analyse der Filme im Hinblick auf besondere Auffälligkeiten, zur weiteren Charakterisierung synchronisierter Filme. Als Analysematerial dienen zehn US-amerikanische Spielfilme, die zwischen 1999 und 2006 erschienen sind.
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