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Ausgangspunkt Leerstelle

Subtitle: Eine Analyse der filmischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Albertina Carris "Los Rubios"

Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Anne Renner
Subject: Romance Languages - Latin American Studies

Details

Event: Strategien zur Aneignung von Geschichte im Film
Institution/College: Free University of Berlin (Lateinamerika Institut)
Tags: Geschichte, Film, Argentinien, Militärdiktatur, desaparecidos, Verschwundene, Los Rubios, Dokumentarfilm
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V81934
ISBN (E-book): 978-3-638-88548-5
ISBN (Book): 978-3-638-94908-8
File size: 109 KB

Abstract

Seit dem Ende der Militärdiktatur in 1983 setzen sich immer wieder argentinische Filme mit dieser Zeit auseinander. Auch 23 Jahre später ist die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht abgeschlossen und sind die Folgen der Diktatur in der Gesellschaft spürbar. Tausende von Argentiniern verschwanden unter General Videla. Sie wurden festgenommen, gefoltert und ermordet, und ihre Angehörigen in der Unsicherheit gelassen, was mit ihnen passiert ist. Rechtsprozesse gegen die Verantwortlichen werden immer wieder blockiert, die juristische und politische Aufarbeitung der Militärdiktatur ist äußerst schwierig. Wie das Kino mit dieser traumatischen Vergangenheit und auch der gesellschaftlichen Gegenwart umgeht, möchte ich in dieser Hausarbeit en einem rezenten Beispiel, dem Film Los Rubios (2003) von Albertina Carri, analysieren. Die junge Regisseurin setzt sich auf eine innovative Weise mit den Folgen der Militärdiktatur und ihrem eigenen Schicksal auseinander. Der Ausgangspunkt des Films ist sehr persönlich. Albertina Carri war drei Jahre alt, als ihre Eltern 1977 verschwunden wurden. Ihr Vater Roberto Carri war Schriftsteller, Soziologe und Journalist, ihre Mutter Professorin für Literatur und Latein an der Universidad de Buenos Aires. Beide gehörten der peronistischen Guerilla Montoneros an. Auffällig am Film ist, dass Carri sowohl fiktive und dokumentarische Elemente als auch Animation kombiniert. In meiner Analyse werde ich diese verschiedenen Elemente beschreiben. Einer der wichtigsten Gesichtspunkte dabei ist, wie Albertina Carri die filmischen Möglichkeiten für die Aufarbeitung ihrer persönlichen Vergangenheit nutzt. In welchem Zusammenhang stehen Form und Inhalt, und welche Aussagen ergeben sich aus dieser Umsetzung?


Excerpt (computer-generated)

Ü 33408: Wie ist es, wie kann es gewesen sein?- Strategien zur Aneignung von Geschichte im Film
Wintersemester 2005/06
Lateinamerika Institut
Freie Universität Berlin

 

Ausgangspunkt Leerstelle
Eine Analyse der filmischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in
Albertina Carris Los Rubios

Anne Renner

 

 

Inhaltsangabe:

1. Einleitung 3

2. Dokumentarfilm und Fiktionsfilm  3

3. Das argentinische Kino 6

    3.1 Der argentinische Film bis 1983 7
    3.2 Der argentinische Film nach 1983 8

4. Formale und inhaltliche Analyse von Los Rubios 10

    4.1 Einsatz einer Schauspielerin 11
    4.2 Die dokumentarische und die fiktionale Ebene 12
    4.3 Animation und Fotos 15
    4.4 Vom Persönlichen zum Allgemeinen 18

5. Schlussbetrachtung 20

Literaturliste 22

 

1. Einleitung

Seit dem Ende der Militärdiktatur in 1983 setzen sich immer wieder argentinische Filme mit dieser Zeit auseinander. Auch 23 Jahre später ist die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht abgeschlossen und sind die Folgen der Diktatur in der Gesellschaft spürbar. Tausende von Argentiniern verschwanden unter General Videla. Sie wurden festgenommen, gefoltert und ermordet, und ihre Angehörigen in der Unsicherheit gelassen, was mit ihnen passiert ist. Rechtsprozesse gegen die Verantwortlichen werden immer wieder blockiert, die juristische und politische Aufarbeitung der Militärdiktatur ist äußerst schwierig. Wie das Kino mit dieser traumatischen Vergangenheit und auch der gesellschaftlichen Gegenwart umgeht, möchte ich in dieser Hausarbeit en einem rezenten Beispiel, dem Film Los Rubios (2003) von Albertina Carri, analysieren. Die junge Regisseurin setzt sich auf eine innovative Weise mit den Folgen der Militärdiktatur und ihrem eigenen Schicksal auseinander. Der Ausgangspunkt des Films ist sehr persönlich. Albertina Carri war drei Jahre alt, als ihre Eltern 1977 verschwunden wurden. Ihr Vater Roberto Carri war Schriftsteller, Soziologe und Journalist, ihre Mutter Professorin für Literatur und Latein an der Universidad de Buenos Aires. Beide gehörten der peronistischen Guerilla Montoneros an. Auffällig am Film ist, dass Carri sowohl fiktive und dokumentarische Elemente als auch Animation kombiniert. In meiner Analyse werde ich diese verschiedenen Elemente beschreiben. Einer der wichtigsten Gesichtspunkte dabei ist, wie Albertina Carri die filmischen Möglichkeiten für die Aufarbeitung ihrer persönlichen Vergangenheit nutzt. In welchem Zusammenhang stehen Form und Inhalt, und welche Aussagen ergeben sich aus dieser Umsetzung? Bevor ich zu Los Rubios selber komme, werde ich als Hintergrund für die Analyse auf die Genres Dokumentation und Fiktion im Allgemeinen eingehen, und einen Überblick über das argentinische Kino geben.

 

2. Dokumentarfilm und Fiktionsfilm

Die Filmtheorie unterscheidet drei Erzählmodi: Fiktion, Dokumentation und Animation.1 Es gibt Berührungspunkte zwischen diesen drei filmischen Formen, und sie werden oft auch innerhalb eines Erzählzusammenhangs miteinander kombiniert. Der Schwerpunkt der Analyse von Los Rubios liegt auf den dokumentarischen und fiktiven Elementen, daher werde ich auf diese Modi im Folgenden am ausführlichsten eingehen. Dies ist weiterhin notwendig, weil sich jene zwei am schwierigsten bestimmen lassen, und viele Kriterien auf beide anwendbar sind. Ein wichtiges Merkmal, mit dem sich die Modi voneinander abgrenzen lassen, ist ihr Verhältnis zur Realität, oder wie Knut Hickethier es in dem Standardwerk Film –und Fernsehanalyse nennt, zum vor-filmisch Realen.2 Die Animation ist am unabhängigsten von der Wirklichkeit, sie modelliert sich ihre Realität selber. Der Fiktionsfilm dagegen spielt sich im Dekor der Realität ab. Das Setting gibt der Handlung für den Zuschauer Glaubwürdigkeit, die erzählte Geschichte hätte so geschehen können. Sie existiert jedoch nur im Film und nur als Film, nicht außerhalb davon in der realen Welt. Alles wird rein für die Kamera inszeniert, Schauspieler schlüpfen für die Dauer des Filmes in vorgegebene Rollen. Die Fiktion ist damit eine strukturierte, mimetische Narration.

Der Dokumentarfilm indessen bildet bestimmte Aspekte der uns umgebenden Welt mit der Intention ab, reale Zusammenhänge darzustellen oder zu untersuchen.3 Das vor-filmisch Reale ist hier unabhängig vom Film, das Geschehen dem Film gegenüber autonom. Die gezeigten Personen, Orte und Sachverhalte existieren über die filmische Momentaufnahme hinaus weiter. Ein anderer Aspekt des Dokumentarfilms ist, dass die Kamera eine viel mehr beobachtende Position einnimmt als im Fiktionsfilm. Sie hat weniger Einfluss auf das Geschehen als die fiktive Kamera.4 Dies ist allerdings nicht gleichzusetzen mit Objektivität.

[...]


1 Hickethier, Knut, Film-und Fernsehanalyse, 3. überarbeitete Auflage, Stuttgart: Metzler, 2001, S. 204

2 Hickethier 2001, S. 192

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentarfilm (eingesehen am 28.03.2006)

4 Hickethier 2001, S. 193


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