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Scholary Paper (Seminar), 2002, 16 Pages
Author: Magister Artium Yves Dubitzky
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Walther, Vogelweide, Sänger, Tätigkeit
Year: 2002
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88551-5
ISBN (Book): 978-3-638-88914-8
File size: 81 KB
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Abstract
Die literarische Erfahrung des Mittelalters hatte einen gänzlich anderen Anspruch als man ihn heutzutage antreffen mag. Der Vortrag oder der Gesang im Rahmen einer höfischen Festlichkeit oder Geselligkeit gestaltete sich als literarisches Erlebnis. Der Buchdruck sollte erst 2 Jahrhunderte später entwickelt werden. Der Zugang zu Literatur beschränkte sich damit auf einige wenige Schichten, die sich aus Vertretern des Adels bzw. dem Tross des fürstlichen Hofes und vor allem aus Geistlichen zusammensetzten. Das Erleben von Literatur war damit ein gemeinsamer gesellschaftlicher Akt, der dem Publikum in allererster Linie froide bereiten sollte. Bei der Interaktion zwischen Sänger und Zuhörenden kam dem Publikum eine tragende Rolle zu, da es in den Liedern meist angesprochen wurde bzw. dessen Interesse durch rhetorische Fragen geweckt werden sollte. Dieses Verhältnis von Sänger und Publikum soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein, an deren Anfang eine kurze Beschreibung seines Lebensweges Walthers stehen wird. Die Biographie wird dann zu seinem Minnekonzept überleiten bevor das eigentliche Thema der Aufführungspraxis zum Tragen kommt. Elementare Fragen werden dabei sein: In welcher Beziehung standen Sänger und Zuhörer zueinander? Wie sah der Status des Sängers aus? Wie wirkte sich dieses wechselseitige Verhältnis auf die Texte aus bzw. inwiefern forderten die Texte zur Interaktion auf?
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Chemnitz
Philosophische Fakultät
Professur für Deutsche Literatur des Mittelalters
Proseminar: Walther von der Vogelweide: Der Minnesänger
Walther von der Vogelweide:
Der Sänger und seine Tätigkeit
Yves Dubitzky
Politikwissenschaft/Neuere und Neueste Geschichte/Literaturwissenschaft
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Zum Leben Walther von der Vogelweide 4
3. Minnekonzeption bei Walther 6
4. Der gesellschaftliche Status des Sängers 9
5. Die Interaktion zwischen Sänger und Publikum 12
6. Fazit 14
7. Bibliographie 16
1. Einleitung
Walther von der Vogelweide gehört zweifelsohne zu den größten Lyrikern des Mittelalters im deutschsprachigen Raum. Er war sowohl Minnesänger und aufgrund des Ablebens seines Gönners Herzog Friedrich I. auch Sangspruchdichter, der nicht immer die Gesellschaft eines Hofes vorfand, sondern sich meist auch an der strazen (L 105,28) betätigte. Er vereinte damit in fast einzigartiger Weise die Figur eines Wanderers (oder Fahrenden) und die eines am höfischen Leben teilnehmenden Sängers. Dementsprechend vielschichtig gestaltete sich auch sein Schaffen, das sich eben nicht nur auf den Minnesang bzw. die höfische Liebeslyrik beschränkte. Das politische Feld zählte ebenso zu seinen inhaltlichen Stoffen wie der kontinuierliche Ausbau der Minne, indem er sich von der "Hohen Minne" ab- und der "Niederen Minne" zuwandte und somit auch die Ansprüche bezüglich der Angebeteten deutlich anhob. Die vollständige Unterwerfung der "Hohen Minne" sollte also einem Entgegenkommen der Frau angeglichen werden, zumal sich der gesellschaftliche Radius der Frau nun nicht mehr nur allein auf die höfische Gesellschaft bezog, da Walther seine Minnekonzeption auch auf Frauen niederen Ranges ausweitete.
Die literarische Erfahrung des Mittelalters hatte einen gänzlich anderen Anspruch als man ihn heutzutage antreffen mag. Der Vortrag oder der Gesang im Rahmen einer höfischen Festlichkeit oder Geselligkeit gestaltete sich als literarisches Erlebnis. Der Buchdruck sollte erst 2 Jahrhunderte später entwickelt werden. Der Zugang zu Literatur beschränkte sich damit auf einige wenige Schichten, die sich aus Vertretern des Adels bzw. dem Tross des fürstlichen Hofes und vor allem aus Geistlichen zusammensetzten. Das Erleben von Literatur war damit ein gemeinsamer gesellschaftlicher Akt, der dem Publikum in allererster Linie froide bereiten sollte. Bei der Interaktion zwischen Sänger und Zuhörenden kam dem Publikum eine tragende Rolle zu, da es in den Liedern meist angesprochen wurde bzw. dessen Interesse durch rhetorische Fragen geweckt werden sollte. Dieses Verhältnis von Sänger und Publikum soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein, an deren Anfang eine kurze Beschreibung seines Lebensweges Walthers stehen wird. Die Biographie wird dann zu seinem Minnekonzept überleiten bevor das eigentliche Thema der Aufführungspraxis zum Tragen kommt. Elementare Fragen werden dabei sein: In welcher Beziehung standen Sänger und Zuhörer zueinander? Wie sah der Status des Sängers aus? Wie wirkte sich dieses wechselseitige Verhältnis auf die Texte aus bzw. inwiefern forderten die Texte zur Interaktion auf?
2. Zum Leben Walther von der Vogelweide
Wie den meisten seiner Kollegen lassen sich sowohl seine Herkunft (einschließlich seines Namens) als auch sein Geburtsdatum nur erahnen. Sein Geburtsjahr wird um das Jahr 1170 angenommen. Vermutlich ist er in Niederösterreich geboren und entstammte dem ärmeren Adel. Zumindest war Walther finanziell nicht sorgenfrei, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass er wahrscheinlich Zweit- oder Drittgeborener war und damit auf keinen Grundbesitz zurückgreifen konnte. Denn das Erbe ging nur an den Erstgeborenen über, der dann die Verwaltung übernahm.
[...]
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