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Termpaper, 2007, 28 Pages
Author: Steffen Kroggel
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Warlords, Alternative, Staatlichkeit, Failed, States, Ursachen, Formen, Staatenzerfalls
Year: 2007
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89068-7
File size: 128 KB
Bewertung durch den Dozenten: "Sehr gut strukturierte Arbeit mit einer klaren, schlüssigen Argumentation. [...]".
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Abstract
In den letzten Jahren hat das Thema „Failed States“ in der politikwissenschaftlichen Literatur Hochkonjunktur. Zahlreiche Autoren beschäftigen sich unter anderem mit den Fragen, wie es zu Staatszerfall kommen kann, welche Maßnahmen Staatszerfall verhindern können oder - wie z.B. im Falle des Failed States Index des Fund for Peace - wie sich Staatszerfall messen und vorhersagen lässt. Einige Autoren - unter ihnen William Reno - stellen gar in Frage, ob der Failed-States-Begriff überhaupt geeignet ist, die Prozesse innerhalb der so genannten Failed oder Failing States angemessen zu erfassen, weil hierbei - implizit oder explizit - stets die frühere Existenz eines wie auch immer gearteten formalen Staatskonstrukts mitgedacht wird, von dem aus ein Zerfallsprozess einsetzt. Stabile formale Staatsstrukturen werden damit zu einem erstrebenswerten Ideal stilisiert, das es zu erhalten oder zu erreichen gilt, um Staatszerfall zu verhindern. Die Entstehung alternativer, non-formaler Herrschaftsformen wird damit per se als Gefahr für Staatlichkeit deklariert, ohne die entstandenen oder gerade entstehenden informellen Herrschaftsformen als - vielleicht überaus brauchbare - Alternative zu formaler Staatlichkeit betrachten zu können. Zieht man hingegen in Erwägung, informelle Herrschaftsformen als Alternative zu formalen Herrschaftsformen zu betrachten, stellt sich zunächst die Frage, ob und in wie weit die beiden Herrschaftsformen hinsichtlich ihres Outputs, d.h. ihrer Leistung für die Bevölkerung einerseits, aber auch für die Machteliten andererseits, vergleichbar sind. In der hier vorliegenden Arbeit soll ein erster Schritt zur Klärung der Frage unternommen werden, indem zunächst die funktionale Äquivalenz der beiden Herrschaftsformen hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit untersucht werden soll. Als eine der m. E. zentralsten informellen Herrschaftsformen soll dabei primär auf das sog. Kriegsfürstentum (engl. „warlordism“) rekurriert werden. Die Leitfrage der vorliegenden Arbeit lautet daher: Sind informelle Warlord-Strukturen hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit ein funktionales Äquivalent zu formaler Staatlichkeit? Zur Beantwortung dieser Frage soll im Kern auf den Rational Choice - Ansatz und das Handlungsmodell des Homo Oeconomicus in seiner erweiterten Fassung zurückgriffen werden. Die Bezugnahme auf Ansätze der Neo-Institutionenökonomie soll zudem den Zugriff auf die hier untersuchte Fragestellung erleichtern.
Excerpt (computer-generated)
Philipps-Universität Marburg
Institut für Politikwissenschaft
Seminar: Failed States – Ursachen und Formen des Staatenzerfalls
Sommersemester 2007
Warlords – eine Alternative zu Staatlichkeit?
Steffen Kroggel
Studienfächer:
Politologie (HF) 08 Semester
Pädagogik (NF) 03 Semester
Friedens- und Konfliktforschung (HF) 03 Semester
Abgabetermin:
30. August 2007
Gliederung
Warlords – eine Alternative zu Staatlichkeit? 1
Gliederung 0
1.) Einleitung 1
2.) Theoretische Grundannahmen 3
2.1.) Rational Choice, der erweiterte Homo Oeconomicus und Transaktionskosten 3
2.2.) Institutionen und ihre Funktionen 7
2.2.1.) Was sind Institutionen? 7
2.2.2.) Warum Institutionen? 7
2.3.) Eine Typologie der Institutionen und ihre Erweiterung 9
3.) Der Begriff der Sicherheit 12
4.) Warlords & Staatlichkeit 13
4.1.) Informelle Herrschaft 13
4.1.1.) Was sind Warlords? 13
4.1.2.) Vagabondary Warlords, Stationary Warlords & interne Institutionen 15
4.2.) Formale Herrschaft 18
4.2.1.) Was ist ein Staat? 18
4.2.2.) Autokratische Herrscher, demokratische Herrscher & externe Institutionen 20
5.) Fazit 23
6.) Literatur- und Quellenverzeichnis 26
1.) Einleitung
In den letzten Jahren hat das Thema „Failed States“ in der politikwissenschaftlichen Literatur Hochkonjunktur. Zahlreiche Autoren1 beschäftigen sich unter anderem mit den Fragen, wie es zu Staatszerfall kommen kann, welche Maßnahmen Staatszerfall verhindern können oder - wie z.B. im Falle des Failed States Index des Fund for Peace - wie sich Staatszerfall messen und vorhersagen lässt (vgl. Fund for Peace, 2002). Parallel dazu werden Versuche unternommen, die zahlreichen Definitionen und Operrationalisierungen rund um die Failed-States-Thematik zu systematisieren und auf ihren gemeinsamen Kerngehalt hin zu untersuchen. Trotz dieser - durchaus notwendigen - Bemühungen, ist eine einheitliche Definition von Staatszerfall - und damit eine klare Antwort auf die Frage, was Staatszerfall nun eigentlich ist und was ihn kennzeichnet - bisher noch in weiter Ferne.
Einige Autoren - unter ihnen William Reno - stellen gar in Frage, ob der Failed-States-Begriff überhaupt geeignet ist, die Prozesse innerhalb der so genannten Failed oder Failing States angemessen zu erfassen, weil hierbei - implizit oder explizit - stets die frühere Existenz eines wie auch immer gearteten formalen Staatskonstrukts mitgedacht wird, von dem aus ein Zerfallsprozess einsetzt. Stabile formale Staatsstrukturen werden damit zu einem erstrebenswerten Ideal stilisiert, das es zu erhalten oder zu erreichen gilt, um Staatszerfall zu verhindern (vgl. Reno, 1997, S.11). Die Entstehung alternativer, non-formaler Herrschaftsformen wird damit per se als Gefahr für Staatlichkeit deklariert, ohne die entstandenen oder gerade entstehenden informellen Herrschaftsformen als - vielleicht überaus brauchbare - Alternative zu formaler Staatlichkeit betrachten zu können (vgl. als Beispiel hierfür Mair, 2002, S.6). Im Kontext des afrikanischen Kontinents konstatiert Reno: Es „erhebt sich die Frage, ob das formale Verständnis von ‚Staat’ in seiner nahezu idealen Form in vielen politischen Gefügen Afrikas jemals existiert hat. Die Handhabung von informellen Netzwerken und die Nutzung von intermediären Strukturen hat afrikanische Regime vor dem Hintergrund schwacher Legitimität und wirtschaftlicher Knappheit schon seit Beginn der kolonialen Ära zusammengehalten“. (Reno, 1997, S.12).
Maßnahmen der Entbürokratisierung und Veränderung von Herrschaftsformen sind, der Argumentation Renos folgend, nicht das Ergebnis eines Zerfallsprozesses von Staatlichkeit, sondern vielmehr das Ergebnis eines am aktuellen politischen Bedarf orientierten Aushandlungsprozesses zwischen den Machteliten, deren Ziel es ist, ihre Macht zu erhalten (vgl. Ebenda, S.13f.). Entbürokratisierung und das Zurückfahren formal-staatlicher Strukturen führt daher nicht automatisch zu einem Macht-Vakuum oder gar zu Anarchie. Formale Herrschaftsformen werden lediglich durch informelle Herrschaftsformen ersetzt, die den Machteliten im Kontext der politischen Aushandlungsprozesse geeigneter erscheinen, um unter den gegebnen Umständen ihre Macht zu sichern (vgl. Ebenda). Insofern handelt es sich hierbei vielmehr um die Etablierung einer alternativen Herrschaftsform als um Staatszerfall.
Betrachtet man informelle Herrschaftsformen als Alternative zu formalen Herrschaftsformen, stellt sich die Frage, ob und in wie weit die beiden Herrschaftsformen hinsichtlich ihres Outputs, d.h. ihrer Leistung für die Bevölkerung einerseits, aber auch für die Machteliten andererseits, vergleichbar sind. In der hier vorliegenden Arbeit soll ein erster Schritt zur Klärung der Frage unternommen werden, indem zunächst die funktionale Äquivalenz der beiden Herrschaftsformen hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit2 untersucht werden soll. Als eine der m. E. zentralsten informellen Herrschaftsformen soll dabei primär auf das sog. Kriegsfürstentum (engl. „warlordism“) rekurriert werden3.
Die Leitfrage der vorliegenden Arbeit lautet daher: Sind informelle Warlord-Strukturen hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit ein funktionales Äquivalent zu formaler Staatlichkeit?
Zur Beantwortung dieser Frage soll im Kern auf den Rational Choice - Ansatz und das Handlungsmodell des Homo Oeconomicus in seiner erweiterten Fassung zurückgriffen werden. Die Bezugnahme auf Ansätze der Neo-Institutionenökonomie soll zudem den Zugriff auf die hier untersuchte Fragestellung erleichtern.
Da dies die theoretische Basis für alle weiteren Überlegungen darstellt, sollen im 2. Kapitel zunächst einige knappe Erläuterungen zum zu Grunde gelegten Handlungsmodell folgen (Kap. 2.1). Außerdem sollen einige basale Überlegungen zu Institutionen und ihren Funktionen für rational handelnde Akteure angestellt werden (Kap. 2.2). Kapitel 2.3 schließlich stellt in Anlehnung an Stefan Voigt (2002) verschiedene Typen von Institutionen vor, deren Differenzierung aus heuristischer Perspektive für den weiteren Verlauf interessant erscheint.
In Kapitel 3 soll, ausgehend von den vorangegangenen Überlegungen, eine nähere Bestimmung des Sicherheitsbegriffs vorgenommen werden. Dies erscheint nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil eine klare Definition des Sicherheitsbegriffs die Arbeitsgrundlage für alle folgenden Überlegungen darstellt.
Kapitel 4 steigt dann in den Vergleich der beiden Herrschaftsformen - informelle und formelle Herrschaft - ein. Das Kapitel ist zweigeteilt: Während sich Kapitel 4.1 mit den informellen Warlord-Strukturen beschäftigt, untersucht Kapitel 4.2 die formalen Herrschaftsformen der Autokratie und der Demokratie.4 Dabei wird jeweils zunächst versucht werden, die allgemeinen Definitionsmerkmale dieser informellen und formalen Herrschaftsformen herauszuarbeiten (Kap. 4.1.1 & 4.2.1), bevor dann eine Einordnung der jeweiligen Herrschaftsform in die in Kapitel 2.3 dargestellte Institutionen- Typologie vorgenommen wird (Kap. 4.1.2 & 4.2.2). Dabei soll auf Basis von Mancur Olsons Werk „Macht und Wohlstand“ (2002) untersucht werden, inwieweit die jeweilige Herrschaftsform in der Lage ist, Sicherheit zu gewährleisten.
Kapitel 5 fasst die Ergebnisse abschließend zusammen und stellt die Herrschaftsformen hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit vergleichend gegenüber. Mit Hilfe der in Kapitel 2.3 eingeführten Typologie soll hier zudem von den behandelten, konkreten Ausprägungen der Herrschaftsformen abstrahiert werden können.
[...]
1 Auf Grund der besseren Lesbarkeit werde ich in der vorliegenden Arbeit ausschließlich die männliche Form verwenden.
2 Eine genauere Klärung des Begriffes erfolgt in Kapitel 3.
3 Eine genauere Klärung des Begriffes erfolgt in Kapitel 4.1.1.
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