Subtitle: Intermediale Aspekte
Bachelor Thesis, 2005, 54 Pages
Author: Bettina Arzt
Subject: Cultural Studies
Details
Tags: Juan, Film
Year: 2005
Pages: 54
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 49 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-85887-8
ISBN (Book): 978-3-638-85445-0
File size: 506 KB
Preis: 30,- €
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Abstract
Längst steht der Name „Don Juan“ nicht mehr nur für eine berühmte spanische Dramenfigur des siglo de oro, den von einem Mönch namens Tirso de Molina erdachten „Verführer von Sevilla“, sondern wird heutzutage als symptomatische Bezeichnung für einen notorischen Frauenhelden oder Verführer verwendet. Über mehrere Jahrhunderte hinweg hat die Don Juan-Figur sowohl Schriftsteller, Opernschreiber und Regisseure in vielen verschiedenen Kulturkreisen immer wieder inspiriert, kein anderer Stoff hat so zahlreiche unterschiedliche mediale Umsetzungen erfahren wie das Don Juan-Sujet, und kaum eine andere Figur ist noch heute so präsent. Selbst im Jahre 1995, mehr als 370 Jahre nach der Uraufführung des Urdramas „Don Juan-El Burlador de Sevilla y Convidado de Piedra“, hat die Gestalt des „größten Liebhabers aller Zeiten“ für den Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Leven genug Potential dargestellt, um einen weltweit erfolgreichen Hollywood-Film mit Starbesetzungen wie Johnny Depp und Marlon Brando zu produzieren. Was aber macht die Gestalt des Don Juan über Jahrhunderte hinweg so attraktiv? Was beinhaltet der Stoff, der ihn zu einem resistenten Mythos in epischen, dramatischen, lyrischen und musikalischen Adaptionen macht, obwohl seine Herkunft längst in Vergessenheit geraten ist? Impliziert bereits das Ursprungsdrama bestimmte intermediale Ansätze, welche die umfangreichen medialen Adaptionen initiiert haben? Und wie verarbeitet der Film Levens diese dem Stoff immanente Intermedialität? In der folgenden Arbeit werde ich sowohl das Primärwerk Tirso de Molinas als auch die filmische Adaption Jeremy Levens im Hinblick auf ihre intermedialen Aspekte analysieren und das umfassende Phänomen der Transmedialität und Mythologisierung dieses Themenkomplexes erklären.
Excerpt (computer-generated)
Don Juan im Film
Intermediale Aspekte
Bachelor Thesis
vorgelegt von Bettina Arzt
Don Juan im Film: Intermediale Aspekte
1.Einleitung ... 4
2.Intermedialität:Definitionsproblematiken ... 5
3. Tirso de Molina: „Don Juan- El Burlador de Sevilla y Convidado de Piedra“ ... 6
3.1. „Der kontradiktorische Aufbau des Dramas ... 7
3.2.Der Ursprung des Stoffes ... 8
3.3. Historischer Kontext der Entstehung des Primärdramas ... 9
3.4. Das Schuld- und- Sühne- Motiv ... 10
3.5. Das Ehrmotiv ... 10
3.6. Stoffgeschichte ... 12
4. „Mythos Don Juan“- Was macht den Stoff so resistent? ... 14
4.1. Die Konturlosigkeit Don Juans ... 14
4.2. Der Mythos „Don Juan“ ... 15
5. Intermediale Aspekte des Dramas ... 16
5.1. Die Steinstatue ... 17
5.2. Die Theatralik des Schlusses ... 18
5.3. Der Brief als Medium ... 19
5.4. Intertextualität ... 20
6. Intermedialität im Theater und Film ... 21
6.1. Vorbemerkung zur Filmanalyse ... 24
7.Jeremy Leven: „Don Juan de Marco“ (1995) ... 24
7.1. Ein neuer Don Juan? Levens Doppelkonstruktion der Figur ... 25
7.1.1. Die Don Juan-Darstellung im Kinotrailer und auf dem Cover ... 26
7.2. Der Film als Don Juan-Parodie: Eine Destruktion des Mythos? ... 27
7.2.1.Don Juans Stimme im Off ... 28
7.2.2.Die Besetzung der Hauptrollen ... 28
7.3.Intermedialität durch theatralische Strukturen im Film ... 29
7.4. Intermediale Verweise auf vorherige Don Juan-Adaptionen ... 34
7.4.1.Die Plakatwand als intermedialer Verweis ... 38
8.Das Spiel mit dem Stoff auf Metaebene ... 39
8.1. Der „Film im Film“ ... 40
8.2.Die Scheinexistenz Don Juans “ ... 40
9. Das Spiel mit der Wahrheit ... 42
9.1.„Theatrum mundi“- Das Leben als Theaterinszenierung ... 45
10.Don Juan als Heiler oder: Die Intention des Films ... 46
11. Abschließende Betrachtung ... 49
12. Bibliographie ... 51
1.Einleitung
Längst steht der Name „Don Juan“ nicht mehr nur für eine berühmte spanische Dramenfigur des siglo de oro, den von einem Mönch namens Tirso de Molina erdachten „Verführer von Sevilla“, sondern wird heutzutage als symptomatische Bezeichnung für einen notorischen Frauenhelden oder Verführer verwendet. Über mehrere Jahrhunderte hinweg hat die Don Juan-Figur sowohl Schriftsteller, Opernschreiber und Regisseure in vielen verschiedenen Kulturkreisen immer wieder inspiriert, kein anderer Stoff hat so zahlreiche unterschiedliche mediale Umsetzungen erfahren wie das Don Juan-Sujet, und kaum eine andere Figur ist noch heute so präsent. Selbst im Jahre 1995, mehr als 370 Jahre nach der Uraufführung des Urdramas „Don Juan-El Burlador de Sevilla y Convidado de Piedra“, hat die Gestalt des „größten Liebhabers aller Zeiten“1 für den Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Leven genug Potential dargestellt, um einen weltweit erfolgreichen Hollywood-Film mit Starbesetzungen wie Johnny Depp und Marlon Brando zu produzieren. Was aber macht die Gestalt des Don Juan über Jahrhunderte hinweg so attraktiv? Was beinhaltet der Stoff, der ihn zu einem resistenten Mythos in epischen, dramatischen, lyrischen und musikalischen Adaptionen macht, obwohl seine Herkunft längst in Vergessenheit geraten ist? Impliziert bereits das Ursprungsdrama bestimmte intermediale Ansätze, welche die umfangreichen medialen Adaptionen initiiert haben? Und wie verarbeitet der Film Levens diese dem Stoff immanente Intermedialität? In der folgenden Arbeit werde ich sowohl das Primärwerk Tirso de Molinas als auch die filmische Adaption Jeremy Levens im Hinblick auf ihre intermedialen Aspekte analysieren und das umfassende Phänomen der Transmedialität und Mythologisierung dieses Themenkomplexes erklären.
Dabei werde ich zuerst das Ursprungsdrama im Hinblick auf den Autor sowie den historischen Kontext untersuchen und anschließend auf bestimmte Aspekte, wie das Schuld-, Sühne- das Ehrmotiv eingehen. Im Zuge der Untersuchung der intermedialen Aspekte werde ich die Stoffgeschichte des Dramas und seine medialen Adaptionen analysieren und mögliche Gründe für die variantenreiche Stoffgeschichte anführen. Im Anschluss arbeite ich die Spezifika und Gemeinsamkeiten der Medien Theater und Film sowie mögliche Problematiken von Literaturverfilmungen heraus. Den letzten Teil meiner Arbeit bildet eine komparatistische Untersuchung der im Jahre 1995 erschienenen Verfilmung des Don Juan-Stoffkomplexes mit dem Titel „Don Juan de Marco“ und des Ursprungsdramas im Hinblick auf die im Film verarbeiteten intermedialen Aspekte. Dabei steht die Dechiffrierung der von Leven konzipierten Don Juan-Gestalt in ihre Charakteristika, welche verschiedenen literarischen und dramatischen Adaptionen entnommen sind, im Zentrum. Auch die Analyse der ironischen Verkehrung des Don Juan-Typus in seiner Doppelkonzeption zwischen Fiktion und Wirklichkeit, die Parodie der Figur und Levens Filmintention stellen Teile meiner Arbeit dar.
2. Intermedialität: Definitionsproblematiken
In Anbetracht der beständigen Verschmelzung von heterogenen Künsten und der Hybridisierung von Medien wird der Begriff „Intermedialität“ in der Kultur-, Medien- und Literaturwissenschaft gegenwärtig beinahe inflationär gebraucht. Bereits im Jahre 1812 prägte der englische Dichter und Literaturkritiker Samuel Taylor Coleridge den Ausdruck „Intermedium“ und schuf damit die terminologische Basis für die gegenwärtige Intermedialitätsforschung.2 Das heutige Wortverständnis jedoch hat mit dieser Definition, die sich nur auf narratologische Phänomene bezieht, nicht mehr viel gemeinsam. Die Problematik einer eindeutigen Begriffdefinition von Intermedialität und somit einer Forschungsbasis geht auf die bereits unklare und mehrdeutige Definition des Ausdrucks „Medium“ zurück. Aus dem Lateinischen abgeleitet bedeutet „Medium“ wörtlich „das Mittlere“ und im moderneren Kontext „die Gesamtheit der Kommunikationsmittel“.3 Jedoch treten auch bei diesem Begriffsfeld definitorische Unklarheiten auf, da ein Medium demnach sowohl als technisch apparatives Objekt (Fernsehen, Radio etc.), als Vermittlungskanal für Informationen (Schrift und Sprache aber auch beispielsweise Literatur, Theater und bildende Kunst) oder aber ganz allgemein als Informationsvermittler angesehen werden kann, womit auch der menschliche Körper eine Art „Ursprungsmedium“ wäre. Aus dieser Definitionsproblematik resultieren ebenfalls Schwierigkeiten bei der terminologischen Begriffsbestimmung von „Intermedialität“: Das Konzept der Intermedialitätsforschung ist von dem Intertextualitätsbegriff der französischen Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva abgeleitet, der sich jedoch nur auf die intramediale, die textuelle Ebene bezieht. Bereits bei der Fragestellung welche medialen Phänomene unter den Begriff „Intermedialität“ fallen, bestehen noch immer Differenzen in der Forschung. Für Joachim Paech beispielsweise konstituiert sich Intermedialität durch Brüche und Intervalle zwischen den Medien, die immer dann entstehen, wenn alte Medientraditionen obsolet werden, wie es beispielsweise bei der Erfindung des Kinematographen am Ende des 20. Jahrhunderts der Fall war. Und während für den englischen Philosophen John Locke (1632-1704) bereits die vorsprachliche, unterbewusste Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn ein intermedialer Prozess ist, 4 bezeichnet Marshall Mc Luhan erst die externe Äußerung von Information durch Sprache, Bewegung und Mimik als intermedial und sieht damit ein Medium als erweiterten menschlichen Sinn an.5 Auch die Abgrenzungen der Begriffe „multi-medial“ und „intermedial“ stellen in der Forschung noch immer ein diffuses Feld dar. Im Bezug auf diese Definitionsproblematik sei hier Jürgen E. Müller erwähnt, an dessen Intermedialitätsdefinition ich mich auch in der folgenden Arbeit orientieren werde:
Ein mediales Produkt wird dann inter-medial, wenn es das multi-mediale Nebeneinander medialer Zitate und Elemente in ein konzeptuelles Nebeneinander überführt, dessen (ästhetische) Brechungen und Verwerfungen neue Dimensionen des Erlebens und Erfahrens eröffnen.6
Auch für Volker Roloff bedeutet Intermedialität nicht nur eine bloße Akkumulation von interagierenden Medien, sondern einen produktiven Zusammenschluss, der neue Perzeptionshorizonte eröffnet.7
In meiner folgenden Analyse der intermedialen Aspekte im Primärdrama des Don Juan- Motivs und der modernen Verfilmung nach Jeremy Leven werde ich trotz dieser terminologischen und konzeptuellen Unklarheiten das Zusammenspiel der verschiedenen, distinkt wahr-genommenen Medien 8 zugunsten neuer ästhetischer Möglichkeiten ausarbeiten.
[...]
1 Leven, Jeremy: Don Juan de Marco. 1995
2 Vgl: Jürgen E.: „Intermedialität als poetologisches und medientheoretisches Konzept“ In: Intermedialität: Theorie und Praxis eines interdisziplinären Forschungsgebiets. Hrsg. Von Jörg Helbig. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1998. S.17
3 Schanze, Helmut (Hrsg.): Metzler Lexikon. Medientheorie Medienwissenschaft. Ansätze- Personen Grundbegriffe. Stuttgart: Verlag J.B. Metzler 2002.S. 199
4 Vgl. Füger, Wilhelm: „Wo beginnt Intermedialität?“ In: Intermedialität: Theorie und Praxis eines interdisziplinären Forschungsgebiets. Hrsg. Von Jörg Helbig. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1998. S.42
5 Vgl.: McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media. 2. Auflage. Dresden: Verlag der Kunst 1995. S.17
6 Müller: In: Jörg Helbig. a. a. O..S.31, 32
7 Volker Roloff und Jochen Mecke: „Intermedialität in Kino und Literatur der Romania“ In: Kino-/ (Ro)Mania. Intermedialität zwischen Film und Literatur. Band 1. Siegener Forschungen zur romanischen Literatur- und Medienwissenschaft. Hrsg. Von: Volker Roloff. Tübingen: Stauffenburg Verlag 1999. S.12, 13 u. a.
8 Vgl. Irina O. Rajewsky: Intermedialität. Tübingen: Francke 2002. S.199
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