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Kriegserfahrungen in der Literatur - Gustavo Adolfo Bécquer, La Promesa

Termpaper, 2004, 23 Pages
Author: Bettina Arzt
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V82160
ISBN (E-book): 978-3-638-01355-0
ISBN (Book): 978-3-638-91711-7
File size: 286 KB

Abstract

Die Epoche der Romantik: Die Epoche der Romantik lässt sich grob in die Zeit vom Ende des 18. bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts einordnen, wobei jedoch auch diese Ein-grenzung relativ ist, da die Romantik zwar ein gesamteuropäisches Phänomen, in den einzelnen Ländern Europas jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt war. So wurde Spanien vergleichsweise erst sehr spät von den geistesgeschichtlichen Fundamenten der Romantik erreicht. Zwar waren bereits Mitte des 18.Jahr-hunderts romantische Tendenzen in der spanischen Literatur festzustellen, die Vertreter dieser modernen Strömung wurden jedoch während der absolutistischen Regierung Fernandos VII (1818-1833) ins Exil getrieben, so dass Spanien von den literarischen Entwicklungen in Europa vorerst größtenteils ausgeschlossen blieb. Im Jahre 1934 unter der liberaleren Regierung Isabells II, der Tochter Fernandos VII, und ihrer Mutter Maria Christina (1833-1868) wurde vielen Exilanten ihre Rückkehr in die Heimat ermöglicht, wo sie sich, beeinflusst besonders durch romantische Ideen aus England und Frankreich, literarisch entfalten konnten. Aber auch deutsche Romantiker wie zum Beispiel Goethe oder Heine hatten Einfluss auf viele spanische Schriftsteller, wobei man erwähnen muss, dass die aus Deutschland stammenden romantischen Einflüsse damals als eher dunkel, phantastisch und sogar dämonisch angesehen wurden. Die eigentliche Blütezeit der Romantik in Spanien umfasste dennoch nur ca. 15 Jahre (1835-1850). Auch die literarische Karriere Gustavo Adolfo Bécquers, mit dem ich mich in dieser Arbeit näher befassen werde, begann erst nach dem Zenit der romantischen Strömung in Spanien. Im Zentrum der romantischen Ideen stand, im Gegensatz zur Vernunftbetontheit und dem Erkenntnisoptimismus der Aufklärung, der fühlende Mensch mit seinen Träumen und Freiheitsbedürfnissen. Auch die menschliche, schöpferischen Kraft, die Idee der Selbstentfaltung und das Recht zur Individualität waren Themen, die in der Literatur der Romantik thematisiert wurden. Während in der Epoche der Klassik sowohl in der Lyrik als auch in Prosa und Drama eine sehr strenge Regelästhetik vorherrschte, trat in der Romantik das Allgemeinverbindliche zugunsten des Individuellen und Außergewöhnlichen in den Hintergrund. Nach und nach nahmen die spanischen Romantiker die Abstand von den traditionellen Versformen und die lernten so die allgemeine dichterische Freiheit kennen.


Excerpt (computer-generated)

Esperienze di guerra. Der Krieg und seine Reflexion

Wintersemester 2003/2004

Gustavo Adolfo Bécquer:

"La Promesa"

Bettina Arzt

Universität Siegen


Gustavo Adolfo Bécquer: La Promesa

Inhalt:

1.

Die Epoche der Romantik S.3

2.

Kurzdefinition: Legende S.5

3.

Biographie Bécquers S.6

3.1.

,,Introducción Sinfonica" S.8

4.

Bécquer als Postromantiker S.9

5.

La Promesa S.11

5.1.

Inhalt S.11

5.2.

Kriegsszenario S.12

5.3.

Liebeskonzeption S.14

5.4.

Perspektive S.16

5.5.

Orient und Gotik S.18

5.6.

Das Symbol der Hand S.19

6.

Abschließende Betrachtung S.20

7.

Bibliographie S.22

2


Gustavo Adolfo Bécquer:

La Promesa

1.Die Epoche der Romantik:

Die Epoche der Romantik lässt sich grob in die Zeit vom Ende des 18. bis zum

ersten Drittel des 19. Jahrhunderts einordnen, wobei jedoch auch diese Ein-

grenzung relativ ist, da die Romantik zwar ein gesamteuropäisches Phänomen, in

den einzelnen Ländern Europas jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt war. So

wurde Spanien vergleichsweise erst sehr spät von den geistesgeschichtlichen

Fundamenten der Romantik erreicht. Zwar waren bereits Mitte des 18.Jahr-

hunderts romantische Tendenzen in der spanischen Literatur festzustellen, die

Vertreter dieser modernen Strömung wurden jedoch während der absolutistischen

Regierung Fernandos VII (1818-1833) ins Exil getrieben, so dass Spanien von den

literarischen Entwicklungen in Europa vorerst größtenteils ausgeschlossen blieb.

Im Jahre 1934 unter der liberaleren Regierung Isabells II, der Tochter Fernandos

VII, und ihrer Mutter Maria Christina (1833-1868) wurde vielen Exilanten ihre

Rückkehr in die Heimat ermöglicht, wo sie sich, beeinflusst besonders durch

romantische Ideen aus England und Frankreich, literarisch entfalten konnten. Aber

auch deutsche Romantiker wie zum Beispiel Goethe oder Heine hatten Einfluss auf

viele spanische Schriftsteller, wobei man erwähnen muss, dass die aus

Deutschland stammenden romantischen Einflüsse damals als eher dunkel,

phantastisch und sogar dämonisch angesehen wurden.1 Die eigentliche Blütezeit

der Romantik in Spanien umfasste dennoch nur ca. 15 Jahre (1835-1850). Auch

die literarische Karriere Gustavo Adolfo Bécquers, mit dem ich mich in dieser Arbeit

näher befassen werde, begann erst nach dem Zenit der romantischen Strömung in

Spanien.

Im Zentrum der romantischen Ideen stand, im Gegensatz zur Vernunftbetontheit

und dem Erkenntnisoptimismus der Aufklärung, der fühlende Mensch mit seinen

Träumen und Freiheitsbedürfnissen. Auch die menschliche, schöpferischen Kraft,

die Idee der Selbstentfaltung und das Recht zur Individualität waren Themen, die in

1 Vgl: Hoffmeister, Gerhart: Spanien und Deutschland. Geschichte und Dokumentation der

literarischen Beziehungen. 1. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1976.S.145

3


der Literatur der Romantik thematisiert wurden. Während in der Epoche der Klassik

sowohl in der Lyrik als auch in Prosa und Drama eine sehr strenge Regelästhetik

vorherrschte, trat in der Romantik das Allgemeinverbindliche zugunsten des

Individuellen und Außergewöhnlichen in den Hintergrund. Nach und nach nahmen

die spanischen Romantiker die Abstand von den traditionellen Versformen und die

lernten so die allgemeine dichterische Freiheit kennen.

Ein weiterer Unterschied zur Klassik: In der klassischen Literatur spielten vor allem

der Adel und gehobene Gesellschaftsschichten eine große Rolle; die Romantiker

hingegen versuchten das Volkstümliche, die regionale Folklore und das Interesse

an den kleinen Leuten wieder zu beleben. In Form von Legenden oder Volksliedern

über vergangene Zeiten besinnte man sich zurück auf die eigene Historie und

Kultur. Auf diese Weise wurde auch in Spanien die galizische und katalanische

Kultur wiederbelebt. In Anbetracht dieses Pluralismus zwischen einerseits der

Hinwendung zur Volkspoesie und andererseits den modernen Freiheitsideen und

dem weltzugewandten Pragmatismus sahen sich viele Romantiker in einem

Zwiespalt. Zwar wurden alten Traditionen und allgemeingültigen Moralvorschriften

viel Respekt zugesprochen, andererseits aber eine Art Ich-Kult2 geschaffen und die

Individualität des Einzelnen über die Gemeinschaft gestellt. Für viele Romantiker

bestand die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der modern geprägten

Gegenwart in den Lehren ihrer Werke, welche sich zwar auf das Vergangene

bezogen, aber den Leser zur kritischen Betrachtung seiner Umwelt inspirieren

sollten.

,,In Spanien hat das historische Interesse allerdings meist auch einen

Gegenwartsbezug, insofern am Beispiel der Vergangenheit zugleich der Sinn für

die Gegenwart geschärft wird."3

Auch das Mittelalter und die gotische Kunst wurden in vielen Werken der Romantik

neu aufgegriffen und verarbeitet. Immer wieder tauchen Beschreibungen von

gotischen Bauten oder anderen Kunstwerken auf. So ist zum Beispiel auch in der

Legende

,,La Promesa"

von Bécquer an vielen Stellen ein Bezug zum Mittelalter

feststellbar. Zu begründen ist dieser mittelalterliche Bezug in der für die Epoche der

Romantik typischen Sehnsucht nach dem Unendlichen, für welche viele

2 Vgl. Kreutzer, Winfried: Spanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts in Grundzügen. 1. Auflage.

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1982. S.10

3 Spanische Literaturgeschichte. Hrsg. Von Hans-Jörg Neuschäfer. Stuttgart: Carl Ernst Poeschel

Verlag GmbH 1997. S. 240

4


Romantiker in der gotischen Kunst, beispielsweise in den riesenhaften Gebäuden

oder den engelhaften Figuren, eine Entsprechung fanden. Aus diesem Streben

nach überweltlichen Wahrheiten heraus, die für viele romantische Schriftsteller im

Katholizismus nicht zu finden waren, entwickelte sich dann eine besondere Art des

romantischen Schreibens, die

Schauerromantik.

In diesen Werken wurde der

traditionelle katholische Glaube zwar niemals angezweifelt, Gott und das Jenseits

jedoch in unheimlicher Weise mit dem Irdischen verbunden. Die Existenz des

unbestimmbaren Jenseits drückten viele romantische Schriftsteller beispielsweise

durch die geheimnisvolle, unstillbare Liebessehnsucht der Menschen im Diesseits

aus.4 In Form von Schreckensvisionen, lebendigen Toten und geheimnisvollen

Kräften wurde so die Suche nach etwas idealem, absoluten außerhalb der Normen

des Katholizismus verschriftlicht.

Des weiteren bildeten pathetische Beschreibung der ungeformten Naturschönheit

sowie ihrer faszinierenden Phänomene und die starke Betonung von Phantasie und

Gefühl eine thematische Basis der romantischen Literatur. Vor allem Liebes- oder

Naturerlebnisse wurden in Lyrik und Prosa auf sehr ausführliche Art beschrieben,

weshalb der Begriff der Romantik heutzutage oft fälschlicherweise auf alles

Sentimentale oder Märchenhafte ausgedehnt wird.

2. Kurzdefinition: Legende

Unter einer Legende versteht man eine

historisch nicht belegte, unwahrscheinliche

Geschichte, die meist auf mündlicher Überlieferung basiert oder aber, wie am

Beispiel der Legende

,,La promesa"

von Gustavo Adolfo Bécquer, so verfasst ist,

dass es scheint, als sei sie vor vielen Jahren einmal erzählt worden. Beispielsweise

findet man oftmals Formulierungen wie ,,

Es geht von Mund zu Mund" oder ,,Man

erzählt, dass einst..."

, welche die Legenden einleiten.

Mit Elementen des Mythos, der Parabel und des Märchens wird in Legenden von

geheimnisvollen, transzendenten Mächten erzählt, die mit volkstraditionellen

Handlungsräumen verbunden werden. So enthalten

Legenden die für die Romantik

typische Verbindung zwischen der Realität und einer Überwelt. Diese Darstellung

des Gespenstischen aus dem Jenseits, welches sich mit dem Alltag der kleinen


Leute verknüpft, führt meist zu einem halboffenen und geheimnisvollen Ende, das

4 Vgl. Neuschäfer, Hans-Jörg: Spanische Literaturgeschichte. a.a.O. S.240

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