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Subtitle: Am Beispiel von "Le ravissement de Lol V. Stein" und "India Song"
Termpaper, 2004, 29 Pages
Author: Bettina Arzt
Subject: Cultural Studies
Details
Tags: Auslassungen, Marguerite, Duras
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-86216-5
ISBN (Book): 978-3-638-86220-2
File size: 164 KB
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Abstract
Die Romane der Marguerite Duras werden zurecht als „Werke der Leere“ bezeichnet, da sie dem Leser das Gefühl vermitteln, niemals ganz in das Geschehen eindringen zu können, ihn aber dennoch mit ihrer Undurch-dringlichkeit fesseln. Mit dieser einzigartigen „écriture feminine“ wird Marguerite Duras oftmals als Wegbereiterin des nouveau roman bezeichnet, obwohl sie selbst über ihren Schreibstil sagt, sie habe niemals bewusst die Intention verfolgt, eine neue Romanform zu erschaffen. „Von einer bewusst durch-geführten Suche nach einer neuen Romanform kann bei ihr keine Rede sein.“ Dennoch ist es ihr gelungen, eine nie zuvor da gewesene, faszinierende Art des Schreibens zu entwickeln. So wie ihre Romane als „Bücher über das Nichts“ bezeichnet werden, kann man ebenfalls über ihre Filme sagen, dass sie trotz der Reduktion von Ereignissen sowie generellen Informationen über das Geschehen den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen vermögen, obwohl sie ebenfalls „das Nichts“ thematisieren. Mit dieser für Duras charakteristischen „Ästhetik der Auslassung“ habe ich mich in der folgenden Arbeit am Beispiel ihres Romans Le Ravissement de Lol V.Stein aus dem Jahre 1964 und dem 1974 publizierten Film India Song beschäftigt.
Excerpt (computer-generated)
Zur Ästhetik der Auslassungen bei Marguerite Duras:
Am Beispiel von
„Le ravissement de Lol V. Stein“ und „India Song“
von
Bettina Arzt
Wintersemester 2003/2004
Inhalt:
1. Zu dieser Arbeit 2
2. Le ravissement de Lol V. Stein (1964) 3
3. Lola Valerie Stein 6
3.1.Lols Spaziergänge 8
4. Ein Buch der Leere 10
4.1. Jaques Hold- ein unwissender Erzähler 12
4.2. Orte 14
5. Die Ballszene 15
5.1. Die Triangle-Konstruktion 16
5.2. Die Bedeutung der Blicke 17
6. India Song (1974) 19
7. Der Film als Text über das Nichts 20
7.1.Die Langsamkeit und Statik des Films 20
8. Der Film als Text 22
8.1. Die Stimmen 23
8.2. Die Diskrepanz zwischen Bild und Ton 24
9. Abschließende Betrachtung 27
10. Bibliografie: 28
1. Zu dieser Arbeit:
Die Romane der Marguerite Duras werden zurecht als „Werke der Leere“ bezeichnet, da sie dem Leser das Gefühl vermitteln, niemals ganz in das Geschehen eindringen zu können, ihn aber dennoch mit ihrer Undurchdringlichkeit fesseln. Mit dieser einzigartigen „écriture feminine“ wird Marguerite Duras oftmals als Wegbereiterin des nouveau roman bezeichnet, obwohl sie selbst über ihren Schreibstil sagt, sie habe niemals bewusst die Intention verfolgt, eine neue Romanform zu erschaffen. „Von einer bewusst durchgeführten Suche nach einer neuen Romanform kann bei ihr keine Rede sein.“1 Dennoch ist es ihr gelungen, eine nie zuvor da gewesene, faszinierende Art des Schreibens zu entwickeln.
So wie ihre Romane als „Bücher über das Nichts“ bezeichnet werden, kann man ebenfalls über ihre Filme sagen, dass sie trotz der Reduktion von Ereignissen sowie generellen Informationen über das Geschehen den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen vermögen, obwohl sie ebenfalls „das Nichts“ thematisieren. Mit dieser für Duras charakteristischen „Ästhetik der Auslassung“ habe ich mich in der folgenden Arbeit am Beispiel ihres Romans Le Ravissement de Lol V.Stein aus dem Jahre 1964 und dem 1974 publizierten Film India Song beschäftigt.
2. Le ravissement de Lol V. Stein (1964)
Der 1964 erschienene Roman Le ravissement de Lol V. Stein ist der Beginn einer aus sieben Romanen und Filmmanuskripten bestehenden Textreihe, aus der später der Cycle de Anne Marie Stretter bzw. der India-Song-Komplex hervorgeht. Gemeint ist hiermit die aus den drei Werken, Le ravissement de Lol V. Stein (1964), Le Vive- Consul (1965) und India Song (1974) bestehende Trilogie, in der Anne Marie Stretter und Lola Valerie Stein die beiden Haupt-Frauenfiguren verkörpern. Die Namensgebung der Schlüsselfigur, Anne Marie Stretter, geht auf ein Kindheitserlebnis der Autorin zurück: Damals begegnete diese in Vinh Long einer Dame namens Elisabeth Striedter, welche eine außergewöhnliche Faszination auf die Autorin ausübte. Duras betont, dass es vielleicht allein die Ausstrahlung dieser Madame Striedter gewesen sei, welche sie zum Schreiben animierte. “Sie hat mich vielleicht dazu gebracht zu schreiben. Vielleicht ist es diese Frau.“2 Die in sich gekehrte, sehr interessante Gattin eines französischen Verwalters in Laos wurde so zum Prototyp der berühmten Romanfigur mit dem sehr ähnlich klingenden Namen, Anne Marie Stretter.
Zur Erschaffung der Figur der Lola Valerie Stein wurde Duras von einem geisteskranken Mädchen namens Manon inspiriert. Beeindruckt von Manons Schönheit, ihrem leeren ausdruckslosen Blick und ihrer ständigen innerlichen Distanz zur Welt erschuf Duras die Figur der Lola Valerie Stein. Ihre Namensgebung geht auf eine Freundin Duras’ namens Loleh Bellon zurück.3
Duras schloss den Roman am Ende einer ihrer zahlreichen Alkoholentziehungskuren ab, kurz nachdem sie sich von ihrem langjährigen Liebhaber, Gerard Jarlot, getrennt hatte. Ähnlich wie die Hauptfigur des Romans, Lola Valerie Stein, war Duras zu dieser Zeit ebenfalls auf sich allein gestellt und durchlebte einen mühsamen Prozess der Ich-Findung.
„Wie Marguerite später zugibt, durchlebte auch sie eine Phase der Hoffnungslosigkeit.“4 Duras sagt, sie habe sogar Angst davor gehabt, das Buch zu Ende zu schreiben „Es war zugleich das Buch, das fertigzustellen ich größte Lust hatte und dessen Beendigung am härtesten war5, da nach dem Abschluss der Kur eine ungewisse Zukunft auf sie wartete. Des Weiteren hatte die Autorin bereits eine Art vertraute Bindung zur der von ihr selbst erschaffenen Romanfigur entwickelt und hatte Skrupel, die Person der Lol V. Stein loszulassen. Es entstand eine sonderbare Beziehung zwischen der Autorin und ihrer Romanfigur.
[....]
1 Wilhelm, Kurt : Der Nouveau Roman. Ein Experiment der französischen Gegenwartsliteratur. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1969. S.127
2 Vircondelet, Alain : Marguerite Duras. Freiburg :Beck & Glückler Verlag 1992.S.402
3 Vgl. Adler, Laure : Marguerite Duras. Frankfurt am Main : Suhrkamp Verlag 2000. S.431
4 Vgl. Adler, Laure: Marguerite Duras. a.a.O. S.436
5 Vgl. Adler, Laure: Marguerite Duras. a.a.O. S. S.435
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