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Scholary Paper (Seminar), 2004, 15 Pages
Author: Corinna Roth
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Technical University of Chemnitz
Tags: Widerspruch, Sein, Schein, Heinrich, Kaufringers, Suche, Ehepaar, Proseminar, Heinrich, Kaufringer
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87035-1
File size: 80 KB
Logische Anlage der Arbeit; gründlicher Umgang mit dem Text; sehr gutes Gespür für mittelalterliche Texte. Nachweis der zitierten Stellen erfolgt normalerweise in der Mediaevistik in Fußnoten, nicht in Klammern hinter dem Zitat (=geringer formaler Mangel)
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Abstract
Heinrich Kaufringers Märe Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar (von nun an als Märe Nr. 8 bezeichnet) hat einerseits eine zentrale Stellung , andererseits eine Art Sonderstellung innerhalb der Sammlung cgm 270, in der es in der Funktion eines Vermittlers die umliegenden Erzählungen kommentiert und relativiert. (vgl. Krohn 1986/1987, 271) Es existiert kein vergleichbares Märe Kaufringers, das den Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein so drastisch aufzeigt. Mit seiner fortschrittlichen und wirklichkeitsnahen Schreibweise hebt sich Kaufringer deutlich von den anderen Autoren seiner Zeit ab. Während zur damaligen Zeit die Verwendung von zahlreichen Stereotypen weit verbreitet war, geht Kaufringer mehr auf die Gefühle der Figuren ein und erreicht damit ein realistischeres Bild. Er zeigt die Frau als „doppelpolige Figur“ (Stede 1993, 72) und reformiert das für die Zeit typische, einfache und einseitige Frauenbild (listig, durchtrieben, untreu oder heilig) durch ein komplexes, das sowohl gute als auch schlechte (‚frümkait’ vs. ‚karkhait’) (Sappler 1972, v. 31, 39) Eigenschaften beinhaltet. Die Polarität, die oft große Gegensätze im Charakter der Figuren und in den gesellschaftlichen Zuständen aufzeigt, stellte für ihn offenbar keinen Widerspruch dar. Ein weiterer Beweis dafür ist die Komposition von frommen und schwankhaften Mären. (vgl. Grubmüller 1996, 26)
Excerpt (computer-generated)
TU Chemnitz
Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Sommersemester 2004
Proseminar: Heinrich Kaufringer
Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem
Schein in Heinrich Kaufringers
„Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar“
29. Mai 2004
von
Corinna Roth
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Bedeutung der Stellung des Märe Nr.8 innerhalb der Sammlung cgm 270 ... 3
3. Analyse der Widersprüche zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein anhand des Aufbaus des Stückes 4
3.1 Promythion 4
3.2 Rahmenhandlung 5
3.3 1. Binnenhandlung 7
3.4 2. Binnenhandlung 10
3.5 Epimythion 12
4. Zusammenfassung 13
5. Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Heinrich Kaufringers Märe Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar (von nun an als Märe Nr. 8 bezeichnet) hat einerseits eine zentrale Stellung , andererseits eine Art Sonderstellung innerhalb der Sammlung cgm 270, in der es in der Funktion eines Vermittlers die umliegenden Erzählungen kommentiert und relativiert. (vgl. Krohn 1986/1987, 271) Es existiert kein vergleichbares Märe Kaufringers, das den Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein so drastisch aufzeigt.
Mit seiner fortschrittlichen und wirklichkeitsnahen Schreibweise hebt sich Kaufringer deutlich von den anderen Autoren seiner Zeit ab. Während zur damaligen Zeit die Verwendung von zahlreichen Stereotypen weit verbreitet war, geht Kaufringer mehr auf die Gefühle der Figuren ein und erreicht damit ein realistischeres Bild. Er zeigt die Frau als "doppelpolige Figur" (Stede 1993, 72) und reformiert das für die Zeit typische, einfache und einseitige Frauenbild (listig, durchtrieben, untreu oder heilig) durch ein komplexes, das sowohl gute als auch schlechte (‚frümkait′ vs. ‚karkhait′) (Sappler 1972, v. 31, 39) Eigenschaften beinhaltet.
Die Polarität, die oft große Gegensätze im Charakter der Figuren und in den gesellschaftlichen Zuständen aufzeigt, stellte für ihn offenbar keinen Widerspruch dar. Ein weiterer Beweis dafür ist die Komposition von frommen und schwankhaften Mären. (vgl. Grubmüller 1996, 26)
Kaufringers Stücke weisen den Ansatz einer psychologisierenden Erzählweise auf. Das heißt, dass die "Emotionen und Handlungsmotive" der Figuren geschildert werden. (vgl. Stede 1993, 320, Hervorhebung im Original) In Kombination mit dem Versuch die "jeweilige Geschichte plausibel erscheinen zu lassen" fordert er den Rezipienten implizit auf, [...] "das Erzählte auf seine eigene Lebenssituation zu beziehen und auf sein persönliches Handeln zu übertragen." (Stede 1993, 321, Hervorhebung im Original) Indem er in einigen Stücken die moralische Schlussfrage offenlässt, regt er das Publikum zum Nachdenken an und überlässt dem Leser die Entscheidung.
Im folgenden Kapitel werde ich einen kurzen Überblick über die Bedeutung der Stellung des Märe Nr. 8 innerhalb der Sammlung cgm 270 geben und danach in einem weiteren Kapitel zum einen die Polarität der Figuren (sofern vorhanden) und zum anderen die Widersprüche zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein anhand des Aufbaus des Stückes analysieren.
2. Bedeutung der Stellung des Märe Nr. 8 innerhalb der Sammlung cgm 270
Die Sammlung cgm 270 umfasst 17 Stücke. Es wird angenommen, dass es sich um eine bewusste Anordnung der Stücke handelt, die entweder vom Autor selbst oder von einem Sammler vorgenommen wurde. (vgl. Krohn 1986/1987, 258)
"Die meisten Erzählungen der vorliegenden Sammlung entsprechen dem Grundtyp des ‚schwankhaften Märe′ [...]". (ebd., 258)
Das Märe Nr. 8 - Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar - lässt sich nicht so eindeutig diesem Grundtyp zuordnen wie die vorangegangenen Erzählungen. Krohn (ebd., 265) schreibt, dass es etwa "die numerische Mitte" des Mären-Corpus bezeichnet. [...] (Nr. 3-7 haben zusammen 2656 Verse; Nr. 9-15 kommen auf 2547 Verse)". Es hat somit eine zentrale Stellung, die noch dadurch unterstrichen wird, dass dieses Stück als "ein kommentiertes Zwischenspiel für die ganze Sammlung" fungiert. (ebd., 268)
Krohn (ebd., 267) bezeichnet in diesem Zusammenhang die Verzahnung der einzelnen Mären als "chiastische Verschränkungen". Das heißt, dass die Stücke, die dem Märe Nr. 8 sowohl vorangehen als auch folgen, thematisch miteinander verknüpft sind. (vgl. ebd.., 267)
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