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Die Verwendung von Ironie in Leopoldo Alas „Claríns“ Roman „La Regenta“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 18 Pages
Author: Susanne Hasenstab
Subject: Romance Languages - Spanish Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V82317
ISBN (E-book): 978-3-638-89154-7
ISBN (Book): 978-3-638-89159-2
File size: 93 KB

Abstract

Leopoldo Alas´ „Claríns“ Roman La Regenta (1884/85) ist eines der wichtigsten Werke der spanischen Literatur im 19. Jahrhundert. Das zweibändige Werk umfasst etwa tausend Seiten. Es ist Claríns größter Erfolg (er schrieb nur einen weiteren Roman) und gleichzeitig sein am meisten kritisiertes Werk, da die Schilderungen der dekadenten, ungebildeten, machthungrigen und heuchlerischen Fin-de-Siècle-Gesellschaft der Roman-Stadt Vetusta von Lesern und Kritikern als Gesellschafts- und Schlüsselroman verstanden wurden und dem Autor heftige Anfeindungen einbrachten. Clarín war zwar schon zu Lebzeiten berühmt, aber dieser Ruhm beruhte mehr auf dem Skandalerfolg des Buchs als auf der Würdigung der künstlerischen Leistung, die nur von wenigen Zeitgenossen konstatiert wurde. Allgegenwärtig im Roman ist das Stilmittel der Ironie, derer Clarín sich meisterhaft und virtuos bedient und ohne die der Roman nicht zu dem geworden wäre, was er ist: ein Skandal für die einen, ein außerordentliches Kunstwerk für die anderen.


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Neuere Philologien-Institut für Romanische Sprachen
Fachbereich: Spanische Sprache, Literatur und Kultur
Sommersemester 2007, 5. Fachsemester
Hauptseminar: „La Regenta“

Die Verwendung von Ironie in Leopoldo Alas „Claríns“ Roman „La Regenta“

von

Susanne Hasenstab

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: La Regenta – ein Roman in der Kritik... 3

2. Das Stilmittel „Ironie“... 4

2.1 Die Definition des Begriffs „Ironie“... 4
2.2 Die Ironie: ein geschichtsphilosophischer Überblick... 4

3. Verschiedene Aspekte ironischer Darstellung in La Regenta... 5

3.1 Die ironische Beschreibung der Stadt Vetusta... 5
3.2 Die ironische Charakterisierung der Bewohner Vetustas... 7

3.2.1 Die subtile Ironie gibt die beschriebenen Figuren der Lächerlichkeit preis... 7

3.2.1.1 Ironische Charakterisierung der Personen durch deren Lektüre... 8
3.2.1.2 Die wörtliche Rede der Figuren zur Bloßlegung ihrer Unbildung... 9
3.2.1.3 Die eigene Redeweise jeder Figur... 10

3.2.2 Drei Hauptfiguren des Romans und ihre kritische Charakterisierung mit Hilfe der Ironie... 11

3.2.2.1 Don Álvaro... 12
3.2.2.2 Don Fermín... 12
3.2.2.3 Don Víctor Quintanar... 13

4. Das Ziel des Autors bei der Verwendung von Ironie... 14

4.1. Ironie als Gesellschaftskritik... 14
4.2 Ironie als humorvoller Weg zur Selbstkritik des Lesers... 16

5. Zusammenfassung... 17

6. Literaturverzeichnis... 18


 

1. Einleitung: La Regenta – ein Roman in der Kritik

Leopoldo Alas´ „Claríns“1 Roman La Regenta (1884/85) ist eines der wichtigsten Werke der spanischen Literatur im 19. Jahrhundert. Das zweibändige Werk umfasst etwa tausend Seiten. Es ist Claríns größter Erfolg (er schrieb nur einen weiteren Roman) und gleichzeitig sein am meisten kritisiertes Werk, da die Schilderungen der dekadenten, ungebildeten, machthungrigen und heuchlerischen Fin-de-Siècle- Gesellschaft der Roman-Stadt Vetusta von Lesern und Kritikern als Gesellschafts- und Schlüsselroman verstanden wurden2 und dem Autor heftige Anfeindungen einbrachten. Clarín „war zwar schon zu Lebzeiten berühmt, aber dieser Ruhm beruhte mehr auf dem Skandalerfolg des Buchs als auf der Würdigung der künstlerischen Leistung, die nur von wenigen Zeitgenossen konstatiert wurde“3. Allgegenwärtig im Roman ist das Stilmittel der Ironie, derer Clarín sich meisterhaft und virtuos bedient und ohne die der Roman nicht zu dem geworden wäre, was er ist: ein Skandal für die einen, ein außerordentliches Kunstwerk für die anderen. Ironie findet sich auf jeder Seite, in nahezu jedem Absatz des Romans, weshalb die hier zitierten Stellen nur kleine Stichproben sein können.
Der Autor selbst sieht sein Werk als moralisch durchdacht und konzipiert an: „yo creo que mi novela es moral, porque es sátira de malas costumbres“4. Eine Gesellschaftssatire also, die sich vor allem der überall durchschimmernden Ironie als Stilmittel bedient.
Im Folgenden soll näher auf die Beschaffenheit und den Zweck der Ironie in der Regenta eingegangen werden: Wo und auf welche Art und Weise setzt Clarín Ironie ein? Im Anschluss soll aufgezeigt werden, zu welchem Zweck Clarín die Ironie überhaupt verwendet und was das ständige Aufblitzen der Ironie beim Leser bewirkt.

2. Das Stilmittel „Ironie“

2.1 Die Definition des Begriffs „Ironie“

Der Begriff „Ironie“ kommt aus dem Griechischen (eironeia) und steht für „erheuchelte Unwissenheit“5. In der Literatur und in der gesprochenen Sprache bezeichnet Ironie im wörtlichen Sinn Verstellung und


Ausdruck einer Sache durch ein deren Gegenteil bezeichnendes Wort.
[…] Diese erkennt man entweder am Ton, in dem sie gesprochen
wird, oder an der betreffenden Person oder am Wesen der Sache; denn
wenn etwas hiervon dem gesprochenen Wort widerspricht, so ist es
klar, daß die Rede etwas Verschiedenes besagen will6

Der Sprecher oder Schreiber meint also, verwendet er Ironie, das Gegenteil dessen, was er sagt, oder er stimmt einem anderen Sprecher scheinbar zu, drückt aber in der ironischen Zustimmung genau das Gegenteil, also seine Ablehnung, aus. Im Gegensatz zum Humor ist die Ironie kritisch und meist nur aus dem Gesamtzusammenhang des Geschehens verständlich.7

2.2 Die Ironie: ein geschichtsphilosophischer Überblick

Zuerst wurde die Ironie als solche bezeichnet und wissentlich verwendet von den griechischen Philosophen der Antike: „The word eironeia was first used to refer to artful double meaning in the Socratic dialogues of Plato, where the word is used both as pejorative – in the sense of lying – and affirmatively, to refer to Socrates´ capacity to conceal what he really means.”8
Für den Philosophen Sokrates war Ironie eine Lebenseinstellung, die dazu diente, den Alltag und das Leben nicht einfach hinzunehmen, sondern vielmehr ständig zu hinterfragen: „His irony, or his capacity not to accept everyday values and concepts but live in a state of perpetual question, is the birth of philosophy, ethics and consciousness.”9 Jahrhundertelang wurde Ironie nicht als eigenständiges Stilmittel, sondern als Unterart der Allegorie betrachtet:


Before the explicit and extended theorisation of irony in the nineteenth
century, irony was a recognised but minor and subordinate figure of
speech. […] Until the Renaissance, irony was theorised within
rhetoric and was often listed as a type of allegory: as one way among
others for saying one thing and meaning another.10

[...]


1 Im weiteren Verlauf der Hausarbeit wird der Autor, der eigentlich Leopoldo Alas heißt, der Einfachheit halber als Clarín bezeichnet. Dies ist der Künstlername, den er sich gab und unter dem er auch bekannt wurde – der gelernte Journalist unterzeichnete seine feuilletonistischen und weiteren Artikel stets mit dem Kürzel „Clarín“.

2 Insbesondere von Seiten des Klerus schlug Clarín harsche Kritik entgegen, da seine negative Darstellung des Magistrals Don Fermín, einer der Hauptfiguren des Buches, im streng religiösen Spanien fast an Gotteslästerung grenzte. Vgl.: Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart/Weimar 2001, S. 289.

3 Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte, S. 288.

4 Martinez Cachero, José Maria: Recepción de « La Regenta » in vita de Leopoldo Alas, in: Clarín y La Regenta En Su Tiempo, actas del simposio internacional, Oviedo 1984, S.72.

5 Glück, Helmut (Hg.) : Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart/Weimar 2000, S. 319.

6 Glück, Helmut (Hg.) : Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart/Weimar 2000, S. 319.

7 Vgl.: Halder, Alois/ Müller, Max (Hg.): Kleines Philosophisches Wörterbuch, Freiburg 1971, S. 135.

8 Colebrook, Claire : Irony, London 2004, S.2.

9 Ebd.: S.7.

10 Ebd.: S.6f.


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