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Der byzantinische Vandalenfeldzug

Seminararbeit, 2007, 27 Seiten
Autor: Benjamin Pommer
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

Details

Veranstaltung: Proseminar Alte Geschichte - Das Zeitalter Justinians
Institution/Hochschule: Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Tags: Vandalenfeldzug, Proseminar, Alte, Geschichte, Zeitalter, Justinians
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 27
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V82387
ISBN (E-Book): 978-3-638-88756-4
ISBN (Buch): 978-3-640-28211-1
Dateigröße: 120 KB

Zusammenfassung / Abstract

Mit der im Volksmund geläufigen Verwendung des Begriffs Vandale wird zum größten Teil ein zerstörungswütiger Mensch assoziiert. Im weiteren Sinne gelingt noch die Verknüpfung mit einem germanischen Volksstamm, der sich besonders barbarisch und grausam verhalten hatte. Die Hintergründe zu der Verbindung von Vandalen mit Zerstörung hatten zwar in dem zeitgenössischen Auftreten ihren Ursprung, jedoch erfolgte die feste Zuordnung erst zu der Zeit der Französischen Revolution durch ein Mitglied des Nationalkonvents. Henri Grégoire, der damalige Bischof von Blois, prägte den Begriff, indem er bei der Beschädigung von Kunstwerken durch radikale Jakobiner insgesamt von Vandalismus sprach. Dieser oberflächliche und gerade in Deutschland weit verbreitete Geschichtsirrtum veranlasste mit die Analyse der Herkunft des germanischen Volksstammes der Vandalen und ihres Weges, der sie zu einer Konfrontation mit dem römischen Reich führte. Die Völkerwanderung, die ihren Ursprung nicht im Zerstörungstrieb ihrer Teilnehmer hatte, sondern stattdessen eine Reaktion auf den Hunnensturm unter ihrem König Attila war, veranlasste die Vandalen genauso zur Wanderschaft in Richtung Südosteuropa wie die Angeln und Sachsen in Richtung der Britischen Inseln. Da die Analyse der Geschichte und des Handelns des Vandalenvolkes wichtig für die Motivation des Kaisers Justinian ist, erfolgt sie in einem nicht geringen Anteil in dieser Arbeit. Dabei ist sie stets im Zusammenhang des Verhältnisses mit dem römischen Reich zu sehen, da beide nicht voneinander zu trennen sind. Problematik der Analyse ist die nicht vorhandene vandalische Quellenbasis, da quellenmäßige Belege nur indirekt in den Zeugnissen ihrer Gegner vorhanden sind, wie dem byzantinischen Schreiber Prokop, dem Kleriker Hieronymus und diverser gallischer und afrikanischer Geistlicher. Die in dieser Arbeit verwendete Quelle des Prokop über die Vandalenkriege ist nur in dem zeitlichen Zusammenhang seiner Anwesenheit bei den Geschehnissen als glaubwürdig zu sehen, da er bei den Ereignissen vor seiner Zeit keinen genauen Bezug oder Quellen besaß bzw. diese nicht angab.


Textauszug (computergeneriert)

Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Universität der Bundeswehr
Proseminar Alte Geschichte: Die Epoche Justinians, Frühjahrtrimester 2007

Der byzantinische Vandalenfeldzug

von

Benjamin Pommer

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung... 3

2. Die Vandalen... 4

2.1. Das Volk bis zum Erreichen Spaniens... 4
2.2. Von Spanien bis nach Nordafrika... 6

3. Das Vandalenreich unter Geiserich... 7

3.1. Die Eroberung Nordafrikas... 7
3.2. Operationen auf See... 9
3.3. Der römische Angriff... 10

4. Die Vorraussetzungen für den Feldzug... 12

4.1. Die Lage in Karthago... 12
4.2. Die Lage in Byzanz... 14

5. Der Vandalenfeldzug unter Belisar... 16

5.1. Durchführung des Feldzuges... 16

5.1.1. Die erste Phase... 17
5.1.2. Die zweite Phase... 19

5.2. Folgen... 21

6. Die Provinz Nordafrika... 23

6.1. Die Lage nach dem Feldzug... 23
6.2. Der Aufstand Stotzas... 24

7. Zusammenfassung... 25

Quellenverzeichnis... 27

Literaturverzeichnis... 27


 

1. Einführung

Mit der im Volksmund geläufigen Verwendung des Begriffs Vandale wird zum größten Teil ein zerstörungswütiger Mensch assoziiert. Im weiteren Sinne gelingt noch die Verknüpfung mit einem germanischen Volksstamm, der sich besonders barbarisch und grausam verhalten hatte. Die Hintergründe zu der Verbindung von Vandalen mit Zerstörung hatten zwar in dem zeitgenössischen Auftreten ihren Ursprung, jedoch erfolgte die feste Zuordnung erst zu der Zeit der Französischen Revolution durch ein Mitglied des Nationalkonvents. Henri Grégoire, der damalige Bischof von Blois, prägte den Begriff, indem er bei der Beschädigung von Kunstwerken durch radikale Jakobiner insgesamt von Vandalismus sprach. Dieser oberflächliche und gerade in Deutschland weit verbreitete Geschichtsirrtum veranlasste mit die Analyse der Herkunft des germanischen Volksstammes der Vandalen und ihres Weges, der sie zu einer Konfrontation mit dem römischen Reich führte. Die Völkerwanderung, die ihren Ursprung nicht im Zerstörungstrieb ihrer Teilnehmer hatte, sondern stattdessen eine Reaktion auf den Hunnensturm unter ihrem König Attila war, veranlasste die Vandalen genauso zur Wanderschaft in Richtung Südosteuropa wie die Angeln und Sachsen in Richtung der Britischen Inseln. Da die Analyse der Geschichte und des Handelns des Vandalenvolkes wichtig für die Motivation des Kaisers Justinian ist, erfolgt sie in einem nicht geringen Anteil in dieser Arbeit. Dabei ist sie stets im Zusammenhang des Verhältnisses mit dem römischen Reich zu sehen, da beide nicht voneinander zu trennen sind. Problematik der Analyse ist die nicht vorhandene vandalische Quellenbasis, da quellenmäßige Belege nur indirekt in den Zeugnissen ihrer Gegner vorhanden sind, wie dem byzantinischen Schreiber Prokop, dem Kleriker Hieronymus und diverser gallischer und afrikanischer Geistlicher. Die in dieser Arbeit verwendete Quelle des Prokop über die Vandalenkriege ist nur in dem zeitlichen Zusammenhang seiner Anwesenheit bei den Geschehnissen als glaubwürdig zu sehen, da er bei den Ereignissen vor seiner Zeit keinen genauen Bezug oder Quellen besaß bzw. diese nicht angab. Auch ist bei Prokop zu beachten, dass er in seinen Werken über die Kriege sich um Neutralität bemühte, aber gerade in seinen Anekdota ein stark tendenziöses Bild seiner in den eben erwähnten Werken als weitestgehend neutral betrachteten Kontrahenten darstellte. Die Vandalenforschung an sich wurde in ihren Anfängen hauptsächlich durch französische Forscher geprägt, denen der französische Kolonialbesitz in Nordafrika eine ortsnahe Untersuchung erlaubte. Diese Arbeit ist grundsätzlich chronologisch aufgebaut und versucht, trotz der umfassenden Analyse der vandalischen Geschichte, die Absicht des oströmischen Kaisers Justinian in Bezug auf das Vandalenreich und seinen damit einhergehenden Feldzug dahingehend zu erörtern, ob diese Unternehmung ein geplanter erster Schritt zur Restauration des römischen Reiches in seiner vormals größten Ausdehnung oder eine kurzfristig angelegte Operation mit glücklichem Ausgang darstellte. Dabei wurde nicht nur die Vorgeschichte in Bezug auf das Verhalten der Vandalen betrachtet, sondern vielmehr auch die Folgen des Handelns Justinians und seiner unterstellten Führer in ihrem Verantwortungsbereich, so dass trotzdem hier der Raum für weitere Arbeiten zu den Folgeoperationen des Vandalenfeldzuges offen bleibt. Da die Betrachtung der byzantinischen Geschichte zugleich immer auch Kriegsgeschichte ist, ist die Rolle von Byzanz stets im Verhältnis zu den jeweiligen Machtzentren in Europa zu sehen. Der Forschungsstand wird dabei aktuell von Mischa Meier vorgegeben, der sich in seiner Abhandlung mit dem Zeitalter Justinians beschäftigt und dabei das oströmische Handeln dicht mit der Person und dem Willen des Kaisers verbindet, wobei er hier mehr reagierender als agierender ist. Auch er greift die Kontroverse über die Absicht Justinians auf, einen Feldzug gegen ein Volk trotz der Bedrohung aus dem Osten durch die Perser zu führen, auf dessen Ansatz im entsprechenden Kapitel dieser Arbeit weiter eingegangen wird.

2. Die Vandalen

2.1. Das Volk bis zum Erreichen Spaniens

Das germanische Volk der Vandalen bestand aus zwei Stämmen, denen der Hasdingen und der Sillingen.1 Die Hasdingen stellten dabei den König der Vandalen und bildeten den Großteil der Marschgruppe, die sich im Zuge der durch den Einmarsch der Hunnen unter Attila ausgelösten Völkerwanderung auf den Weg in Richtung Westen machten. Als Siedlungsgebiet und somit Ablaufpunkt des Marsches der Vandalen gibt es keinen genau eingegrenzten Raum, da sowohl Quellenlage und archäologische Funde nicht eindeutig sind. Die Bestimmung des nördlichen Teils des heutigen Rumäniens als Siedlungsraum, d.h. etwa die Region Siebenbürgen2, geschah nach Ludwig Schmidt3 durch die vorgenommene Zuordnung der hasdingischen Vandalen zum Volk der Alanen bereits vor ihrer Unternehmung, die sich aber erst auf ihrer Wanderung vorerst und in Afrika vollständig vereinigten. Über die Ursache und die Teilnehmer an der Wanderung gibt Prokop, mit der unpräzisen zeitlichen Einordnung um etwa 411 nach Christi Geburt, Aufschluss: „Die Vandalen […] trieb eine Hungersnot gegen die Germanen, die jetzt Franken genannt werden, und an den Rheinstrom vorzudringen; mit ihnen zogen die Alanen, ebenfalls ein gotischer Volksstamm.“4 Dieser Marsch, der etwa 400 begonnen haben soll, wurde laut Schmidt in einem Brief des heiligen Hieronymus indirekt erwähnt, da er über Zusammenstöße vieler germanischer Völker mit römischen Grenztruppen entlang der Donau seit Beginn des Hunnenvormarsches schrieb. Dadurch leitete Schmidt eine Bewegung aus ihrem Siedlungsgebiet entlang der römischen Grenze in Richtung Westen ab.5 Am von römischen Truppen entblößten und zugefrorenen Rhein trafen, wie Prokop auch berichtete, um die Jahreswende 406/07 die Vandalen und ihr Gefolge auf die Franken und setzten nach einer für die hasdingischen Vandalen verlustreichen Schlacht6 über die römischen Heerstrassen ihren Marsch durch Gallien in Richtung der südwesteuropäischen Provinzen fort.7 In der Phase der Durchziehung der nord- und westfranzösischen Provinzen (Belgica und Gallia Lugudunensis) und der Zerstörung und Plünderung ganzer Regionen sowie Städte, wurden bereits erste Legenden um das Volk der Vandalen geboren, die aber, wie auch Schmidt anmerkt8, zwar Tatsachen enthielten aber trotzdem stark übertreibende Tendenzen beinhalteten. Die Orientierung der Vandalen nach der Provinz Hispania dürfte verschiedene Gründe gehabt haben. Zum einen ist der weiterhin bestehende Druck durch andere sich auf Wanderschaft befindende germanische Völker, wie der Westgoten und der Sueben, zu nennen, zum anderen gab der Feldzug des durch römische Truppen in Britannia gewählten Kaisers Konstantin III. gegen die Provinz Gallia durchziehende Germanenstämme einen entsprechenden Ausschlag.9 Die Grenze zu Hispania in den westlichen Pyrenäen, die durch im Auftrage Roms stehende barbarische Truppen entblößt wurde, überschritten die Vandalen und ihre Anhänger nach Schmidt am 28.09. oder am 13.10.409 während des Zuges auf der römischen Heerstrasse bei Pamplona.10 Prokop beschreibt diese Phase in einem Satz ohne eine genaue Orts- oder Zeitangabe: „Von dort [Gallia] siedelten sie unter [ihrem neuen König] Godegisel nach Spanien über“.11

2.2. Von Spanien bis nach Nordafrika

[...]


1 Schreiber, Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. München 1979, S. 78 f.

2 Ebenda, S. 84: Herrmann Schreiber gibt als Siedlungs- und Wohnsitz etwa dieselbe Region wie Schmidt an, jedoch verwendet er die römisch-lateinischen Provinznamen Pannonia und Dakia.

3 Schmidt, Ludwig: Geschichte der Wandalen. 2. Aufl. München 1942, S. 12.

4 Prok. BV I 3.

5 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 13.

6 Ebenda, S. 16: Schmidt bezieht sich auf die Quelle des Frigidus, wonach durch den fränkischen Überfall ca. 20000 Mann und der König Godigisel gefallen sein sollen.

7 Schreiber, Die Vandalen, S. 87 f.

8 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 18.

9 Schreiber, Die Vandalen, S. 93 f.

10 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 20 f.

11 Prok. BV I 3.


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