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Ausländische Direktinvestitionen - illusionäre Wachstumshoffnungen für Lateinamerika?

Subtitle: Eine Analyse der Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern unter Berücksichtigung der aktuellen Verstaatlichungstendenzen in Lateinamerika

Bachelor Thesis, 2007, 81 Pages
Author: Sarah Linde
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2007
Pages: 81
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 73  Entries
Language: German
Archive No.: V82409
ISBN (E-book): 978-3-638-85317-0

File size: 459 KB

Abstract

Abstract This paper examines the role of Foreign Direct Investment (FDI) in promoting economic growth in Latin America. The results suggest that the impact of FDI on growth can be manifold and depends on the absorptive capacity of the host country. Using Venezuela and Chile as case studies, it is tested if the current nationalizations in Latin America may have a more growth-enhancing effect than FDI. It is shown that nationalizations are often accompanied by high costs expressed as productivity losses or punishment from the international community. The final consequences of nationalizations on economic growth depend on the purpose the additional public revenues are spend for. The coexistence of public and private enterprises seems to prove as a reasonable option for capturing the benefits and minimizing the costs of nationalizations. Keywords: Foreign Direct Investment; Economic growth; Nationalization; Latin America; Natural resources


Excerpt (computer-generated)

Universität Flensburg
Internationales Institut für Management

Ausländische Direktinvestitionen – illusionäre
Wachstumshoffnungen für Lateinamerika?

Eine Analyse der Auswirkungen von ausländischen
Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum
in Entwicklungsländern unter Berücksichtigung
der aktuellen Verstaatlichungstendenzen in
Lateinamerika

Praxisarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines
Bachelor of Arts

vorgelegt von: Sarah Linde

 

Abstract

This paper examines the role of Foreign Direct Investment (FDI) in promoting economic growth in Latin America. The results suggest that the impact of FDI on growth can be manifold and depends on the absorptive capacity of the host country. Using Venezuela and Chile as case studies, it is tested if the current nationalizations in Latin America may have a more growth-enhancing effect than FDI. It is shown that nationalizations are often accompanied by high costs expressed as productivity losses or punishment from the international community. The final consequences of nationalizations on economic growth depend on the purpose the additional public revenues are spend for. The coexistence of public and private enterprises seems to prove as a reasonable option for capturing the benefits and minimizing the costs of nationalizations.


Inhaltsverzeichnis

1 Motivation und Fragestellung ... 1

2 Zum Begriff der Direktinvestition ... 3

2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen ... 3

2.2 Klassifizierung ausländischer Direktinvestitionen ... 4
2.2.1 Substitutive und additive Direktinvestitionen ... 5
2.2.2 Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestitionen ... 5

3 Die Auswirkungen von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern ... 7

3.1 Einkommens-, Zins- und Preiseffekte von ausländischen Direktinvestitionen ... 7
3.2 Effekte einer Kapitalstockausweitung ... 14
3.3 Effekte durch Technologietransfer ... 17
3.4 Effekte auf heimische Investitionen ... 20
3.5 Lohn- und Beschäftigungseffekte ... 25
3.6 Allokationseffekte ... 31
3.7 Effekte auf die Zahlungsbilanz und den realen Wechselkurs des Gastlandes ... 33

4 Direktinvestitionen und Wachstum ... 35

4.1 Zum Begriff des Wirtschaftswachstums ... 35
4.2 Beurteilung der Wachstumswirkungen von Direktinvestitionen ... 36
4.3 Empirische Studien ... 38

5 Nationalisierung - eine erfolgversprechende Alternative für Lateinamerika? ... 45

5.1 Einführung ... 45

5.2 Das Fallbeispiel Venezuela ... 47
5.2.1 Historischer Überblick über die Verstaatlichungspolitik Venezuelas ... 48
5.2.2 Beurteilung von Kosten und Nutzen der Verstaatlichungen ... 49

5.3 Erfahrungen aus der chilenischen Kupferindustrie ... 58
5.3.1 Von der Verstaatlichung bis zur Pinochet – Piñera Doktrin ... 59
5.3.2 Beurteilung von Kosten und Nutzen der Verstaatlichung ... 61
5.3.3 Die Koexistenz von staatlichen und privaten Unternehmen ... 63

6 Fazit ... 65

Literaturverzeichnis ... 68

Anhang ... 75


1 Motivation und Fragestellung

Ausländische Direktinvestitionen gewinnen im internationalen Kapitalverkehr insbesondere seit Beginn der 80er Jahre zunehmend an Bedeutung. Dabei fließt mehr und mehr Geld von Nord nach Süd. Heute entfallen über 30% der weltweiten Direktinvestitionen auf Entwicklungsländer und bilden so deren größten Nettokapitalzufluss1. Allein 2005 wurden hier rund 334 Mrd. US-Dollar an ausländischem Kapital investiert. Viele Entwicklungsländer erhofften sich aus dieser neuen Kapitalquelle positive Wachstumseffekte und liberalisierten ihre Märkte, um so ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. In der wissenschaftlichen Diskussion werden jedoch sowohl positive als auch negative Auswirkungen von Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes erörtert. Wie die Analyse der Effekte ausländischer Direktinvestitionen auf makroökonomische Größen des Empfängerlandes zeigt, müssen FDI nicht zwangsläufig zu Wirtschaftswachstum oder Entwicklung führen. Als Reaktion auf die ausbleibenden Wachstumseffekte der gemäß des neoliberalen Wirtschaftsmodells durchgeführten Privatisierungen werden in einigen lateinamerikanischen Staaten ehemals privatisierte Unternehmen wieder verstaatlicht. Angesichts dieser Entwicklungen lautet die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit, ob die Nationalisierungen womöglich einen größeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum eines Entwicklungslandes leisten können, als es ausländische Direktinvestitionen vermögen. Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst die Verstaatlichung der Ölindustrie in Venezuela als Fallbeispiel betrachtet. Der theoretische Analyserahmen basiert dabei auf dem Vergleich von quantitativen Daten ausgewählter, ökonomischer Indikatoren vor und nach der Nationalisierung der Ölförderung. Es soll anhand von ökonomischen Kennzahlen untersucht werden, ob die theoretischen Kosten und Nutzen einer Verstaatlichung auch am konkreten Beispiel der venezolanischen Ölindustrie belegt werden können. Da die Entwicklungen in Venezuela sehr aktuell sind, lassen die vorliegenden Daten noch keine Aussage über die langfristigen Auswirkungen der Nationalisierungspolitik zu. Daher werden in einer zweiten kurzen Fallstudie die Erfahrungen der seit 36 Jahren verstaatlichten chilenischen Kupferminen ausgewertet, um so einen Ausblick auf die möglichen zukünftigen Entwicklungen in Venezuela zu geben.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen ausländischen Direktinvestitionen und dem Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes in zahlreichen empirischen Studien bereits nahezu erschöpfend analysiert wurde, kann diese Arbeit neue Erkenntnisse vermitteln, da sie im Gegensatz zur bereits vorhandenen Literatur auch die politischen Gegenmaßnahmen zur Privatisierungspolitik, namentlich die Verstaatlichungen in Lateinamerika, untersucht und bewertet. Da auf diesem Themengebiet entsprechend wenig Fachliteratur verfügbar ist, kann natürlich keine allumfassende Darstellung der Problematik gewährleistet werden. Ziel der Arbeit ist es daher sowohl einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion um die Auswirkungen von Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum des Gastlandes zu leisten, als auch neue Erkenntnisse über die ökonomischen Effekte von Verstaatlichungen zu gewinnen. Durch die Beantwortung der Fragestellung können Schlüsse für die künftige wirtschaftspolitische Ausrichtung der lateinamerikanischen Entwicklungsländer gezogen werden.

Der erste Teil der vorliegenden Abhandlung beschäftigt sich mit den definitorischen Grundlagen und der Klassifizierung ausländischer Direktinvestitionen. Dieser Abschnitt bildet den Ausgangspunkt für die nun folgende umfassende Darstellung der Auswirkungen von FDI auf makroökonomische Größen, wie Einkommen, Lohn oder Zahlungsbilanz des Empfängerlandes. Die Ergebnisse der Analyse werden im Kapitel IV der Arbeit zusammengeführt. Nach einem kurzen Einblick in die Wachstumstheorie werden die zuvor einzeln betrachteten Effekte der ausländischen Direktinvestitionen auf ihre Gesamtwirkung auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anhand von empirischen Studien belegt. Dabei richtet sich der Fokus dieser Arbeit auf die Wachstumswirkungen ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, und insbesondere in Lateinamerika. Im fünften Teil der Arbeit wird nun der Frage nachgegangen, ob Verstaatlichungen mehr Wachstumsimpulse als ausländische Direktinvestitionen schaffen und somit eine sinnvolle Option für die Ausrichtung der lateinamerikanischen Wirtschaftspolitik darstellen. Es werden Hypothesen über die Effekte der Nationalisierungspolitik herausgearbeitet und es wird versucht diese anhand von quantitativen Wirtschaftsdaten zu bestätigen, bzw. zu widerlegen. Dazu dienen die Fallbeispiele der venezolanischen Ölindustrie und der chilenischen Kupferminen. Durch die Methodik der Fallstudie können neue Hypothesen generiert und kausale Zusammenhänge entdeckt werden. Schließlich werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit in einem Fazit zusammengefasst und darauf aufbauend Anregungen für weitere Forschungsarbeiten gegeben.


2 Zum Begriff der Direktinvestition

2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen

Die OECD definiert den Begriff der ausländischen Direktinvestitionen (engl. Foreign Direct Investment, FDI) folgendermaßen:


„Foreign direct investment refers to investment that involves a long-term relationship, reflecting a lasting interest of a resident entity in one economy (direct investor) in an entity resident in an economy other than that of the investor (direct investment enterprise). The direct investor’s purpose is to exert a significant degree of influence on the management of the enterprise resident in the other economy. Direct investment involves both the initial transaction between the two entities and all subsequent transactions between them and among affiliated enterprises, both incorporated and unincorporated.”2

Ausländische Direktinvestitionen bezeichnen also die Beteiligung eines Unternehmens am Eigenkapital einer Firma in einem anderen Land. Dabei stehen zum einen das langfristige Interesse an der ausländischen Unternehmung und zum anderen das Kontrollmotiv, d.h. die Absicht des Investors einen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapitalnehmenden Unternehmens zu bewirken, im Vordergrund der Investitionsentscheidung. Dies unterscheidet Direktinvestitionen von anderen Kapitalströmen, wie beispielsweise Portfolioinvestitionen, bei denen lediglich Rendite- und Risikoüberlegungen (Ertragsmotiv) von Bedeutung sind3. Von ausländischen Direktinvestitionen (ADI) spricht man ab einer Unternehmensbeteiligung von mindestens 10%.4 Unter den Begriff der ausländischen Direktinvestition fallen nicht nur die Kapitalbeteiligung an Unternehmen, sondern auch die Kreditvergabe des Mutterunternehmens an die jeweilige Tochtergesellschaft, die Reinvestition von erwirtschafteten Gewinnen und der Transfer von Vermögenswerten. Des Weiteren vermitteln ausländische Direktinvestitionen oftmals zusätzliches Know-how, neue Technologien und Managementqualifikationen, die – wie in der Analyse der Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen in Kapitel III genauer erläutert wird – zumeist einen größeren entwicklungsökonomischen Beitrag leisten, als die bloße Erhöhung des Kapitalstocks. Direktinvestitionsdaten werden in der Zahlungsbilanz, als Teil der langfristigen Kapitalverkehrsbilanz, erfasst. Sie sind Ausdruck der Tätigkeit von multinationalen Unternehmen. Diese haben Niederlassungen in mehreren Ländern und internalisieren so den Prozess der internationalen Arbeitsteilung5. Damit gelten sie, genau wie ausländische Direktinvestitionen als Indikator der Globalisierung.

[...]


1 Vgl. UNCTAD (2006), S.4.

2 OECD (1992).


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