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Das Reformpapsttum und die Bekämpfung der Simonie und des Nikolaitismus

Hauptseminararbeit, 2007, 30 Seiten
Autor: Jochen Brandt
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Details

Veranstaltung: Canossa – Erschütterung der Welt?
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Historisches Seminar)
Tags: Reformpapsttum, Bekämpfung, Simonie, Nikolaitismus, Canossa, Erschütterung, Welt
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 30
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 32  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V82520
ISBN (E-Book): 978-3-638-89818-8

Dateigröße: 135 KB

Zusammenfassung / Abstract

Zu den zentralen Aspekten der kirchlichen Erneuerungsbewegung des 11. Jahrhunderts, die sich letztlich über die gesamte westeuropäische Christenheit ausbreitete, gehören sicherlich die von Seiten des Papsttums unternommenen Anstrengungen, die Missstände im kirchlichen Alltag zu beseitigen, die in besonders ausgeprägter Weise den Regeln des Neuen Testament, aber auch der kirchenrechtlichen Tradition widersprachen. Ins Zentrum der Kritik gerieten hierbei die weit verbreitete Missachtung des Zölibatsgebot, die seit den Streitigkeiten mit der Ostkirche zunehmend als Nikolaitismus bezeichnet wurde, sowie der immer häufiger praktizierte Handel mit geistlichen Ämtern, Gütern und Sakramenten – die Simonie. Warum entwickelte sich erst Mitte des 11. Jahrhunderts ein intensiver Kampf gegen diese Missstände im Klerus, bzw. warum war dieser in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor, trotz bestehender kirchenrechtlicher Normen, kaum von Erfolg gekrönt? Welche Rolle spielte in diesem Zusammenhang die zunehmend selbstbewusstere Haltung des apostolischen Stuhls? Worauf war dieses höhere Selbstwertgefühl der klerikalen Schicht und damit auch der Reformer in Rom begründet? Wie gelang es dem Kreis der Reformer, dem neuen Selbstbewusstsein Wirkung zu verschaffen? Und welchen Einfluss hatte das salische Königshaus hierauf? War das gesteigerte Selbstbewusstsein auch mit einem ethisch-moralischen Anspruch an die Lebensführung des einzelnen Geistlichen verbunden, gerade im Hinblick auf Simonie und Nikolaitismus? Welche Rolle spielte die Lebensführung der Geistlichen für die Gültigkeit der von ihnen gespendeten Sakramente? Und welche Auswirkungen hatte schließlich die Bekämpfung der Simonie auf das Verhältnis zwischen Papsttum und dem deutschen Königshaus? Diese maßgebenden Fragen werden in der vorliegenden Arbeit diskutiert.


Textauszug (computergeneriert)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Historisches Seminar
HS: Canossa – Erschütterung der Welt?
Wintersemester 2006/2007

Das Reformpapsttum und die Bekämpfung der Simonie und des Nikolaitismus

von

Jochen Brandt

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 3

2. Historische Voraussetzungen... 5

3. Erste Reformansätze im frühen 11. Jahrhundert... 8

4. Die Synode von Sutri und die Bedeutung Heinrichs III. für die Anfänge des Reformpapsttums... 10

5. Bedeutung und Selbstverständnis des Klerus in einer funktionalen Gesellschaftsordnung... 12

6. Motu Proprio – Politik des eigenen Antriebs... 14

7. Die Verbindung zwischen der Frage nach der Gültigkeit der Sakramente und einer tadellosen Lebensführung des Klerus... 16

7.1. Die Simonie und die Frage nach der Gültigkeit der Sakramente... 16

7.1.1 Petrus Damiani – Liber Gratissimus... 17
7.1.2 Humbert von Silva Candida – Adversus Simoniacos... 19

7.2. Nikolaitismus und die Frage nach der Gültigkeit der Sakramente... 21
7.3. Die Lateransynode von 1059... 22

8. Ausblick: die praktische Umsetzung der Reformbemühungen... 23

9. Zusammenfassung... 25

10. Quellenverzeichnis... 27

11. Literaturverzeichnis... 28


 

1. Einleitung

Dass du verdammt werdest mit samt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt!1

Zu den zentralen Aspekten der kirchlichen Erneuerungsbewegung des 11. Jahrhunderts, die sich letztlich über die gesamte westeuropäische Christenheit ausbreitete, gehören sicherlich die von Seiten des Papsttums unternommenen Anstrengungen, die Missstände im kirchlichen Alltag zu beseitigen, die in besonders ausgeprägter Weise den Regeln des Neuen Testament, aber auch der kirchenrechtlichen Tradition widersprachen. Ins Zentrum der Kritik gerieten hierbei die weit verbreitete Missachtung des Zölibatsgebot, die seit den Streitigkeiten mit der Ostkirche zunehmend als Nikolaitismus bezeichnet wurde, sowie der immer häufiger praktizierte Handel mit geistlichen Ämtern, Gütern und Sakramenten – die Simonie.2 Warum entwickelte sich erst Mitte des 11. Jahrhunderts ein intensiver Kampf gegen diese Missstände im Klerus, bzw. warum war dieser in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor, trotz bestehender kirchenrechtlicher Normen, kaum von Erfolg gekrönt? Welche Rolle spielte in diesem Zusammenhang die zunehmend selbstbewusstere Haltung des apostolischen Stuhls? Worauf waren dieses höhere Selbstwertgefühl der klerikalen Schicht und damit auch der Reformer in Rom begründet? Wie gelang es dem Kreis der Reformer, dem neuen Selbstbewusstsein Wirkung zu verschaffen? Und welchen Einfluss hatte das salische Königshaus hierauf? War das gesteigerte Selbstbewusstsein auch mit einem ethisch-moralischen Anspruch an die Lebensführung des einzelnen Geistlichen verbunden, gerade im Hinblick auf Simonie und Nikolaitismus? Welche Rolle spielte die Lebensführung der Geistlichen für die Gültigkeit der von ihnen gespendeten Sakramente? Und welche Auswirkungen hatte schließlich die Bekämpfung der Simonie auf das Verhältnis zwischen Papsttum und dem deutschen Königshaus? Diese maßgebenden Fragen sollen im Folgenden diskutiert werden.
Die vorliegende Arbeit wird sich zunächst mit den historischen Voraussetzungen des Kampfes gegen Simonie und Nikolaitismus auseinandersetzen (Kapitel 2). Hierbei soll festgestellt werden, worauf dieser begründet war, und warum die Maßnahmen sich in der frühmittelalterlichen Kirche nicht durchsetzen ließen. Im darauffolgenden Kapitel (3) sollen erste Reformansätze betrachtet werden, die mit dem beginnenden 11. Jahrhundert zunahmen, und die in der Synode von Sutri 1046 mit der Absetzung eines simonistisch ins Amt gekommenen Papstes ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Die Ereignisse um die Synode von Sutri, und der Einfluss des deutschen Herrschers hierauf werden in Kapitel 4 geschildert. Daraufhin (5) soll zunächst der Ursprung des neuen Selbstbewusstseins des Papsttums betrachtet werden, um daran anschließend das Vorgehen des Reformpapsttums bezüglich der Umsetzung seiner Ziele zu untersuchen, da diese letztlich die Intensivierung des Kampfes gegen Ämterhandel und Priesterehe erst ermöglichten (6). Im Mittelpunkt des siebten Kapitels steht die für die Bekämpfung der Missstände zentrale Frage nach der Verbindung zwischen einer tadellosen Lebensführung der Geistlichen und der Gültigkeit der gespendeten Sakramente. Es werden hierfür exemplarisch die Schriften Liber Gratissimus3 von Petrus Damiani sowie Adversus Simoniacos4 von Humbert von Silva Candida analysiert und verglichen. Danach wird die Lateransynode von 1059 betrachtet, die uns u.a. durch die Vigilantia universalis5 überliefert ist, und die als Abschluss der theoretischen Diskussionen gelten kann. Schließlich (8) soll in einem kurzen Ausblick deren praktische Umsetzung untersucht werden, wobei besonderes Augenmerk auf die Simonieprozesse und deren Bedeutung für den salischen König gelegt wird. In einem abschließenden Kapitel (9) sollen Ergebnisse zusammengefasst und im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit bewertet werden.

2. Historische Voraussetzungen

Bereits seit dem späten 4. Jahrhundert gab es Beschlüsse regionaler Synoden oder päpstliche Sendeschreiben an einzelne Bischöfe, sogenannte Dekretalen, die das Zölibat verpflichtend einführten.6 Begründet sah man dies in der Bibel, denn nach Matthäus war die Ehelosigkeit „um des Himmelsreich willen“7 ein hohes Gut. Auch im Brief des Paulus an die Korinther wurde herausgestellt, dass sich nur „wer ledig ist,[...] um die Sache des Herrn“ kümmere, wohingegen der Verheiratete „geteilten Herzens“ sei, da er sich allein „um die Dinge der Welt“ sorge, und darum „wie er seiner Frau“ 8 gefalle.
Auch der Kampf gegen die Simonie war in der Kirche schon lange thematisiert. Man verstand darunter den Handel mit jeglichen geistlichen Gütern, darin inbegriffen Sakramente und Ämter. Man berief sich auch hierbei auf die heilige Schrift: Die Apostelgeschichte erzählt von dem Magier Simon, der versucht hatte, die Vollmacht der Geistesspendung, derer nur die Apostel fähig waren, für Geld zu erwerben, woraufhin Petrus ihm entgegnete: „Dass du verdammt werdest mit samt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt.“9 Ferner war bei Matthäus zu lesen, dass Jesus den Aposteln verbot jeglichen Handel mit ihren Fähigkeiten zu treiben, denn „umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch“10.
So entwickelten sich bereits zur Wende von der Spätantike zum frühen Mittelalter zahlreiche theologische und rechtliche Normen von Seiten des Papsttums, welche die Simonie sowie die Missachtung des Zölibats mit harten Strafen bedachten, da man sich ja stets im Einklang mit dem Neuen Testament wusste.11 Für die Einhaltung der Zölibatsidee trat vor allem Leo I. (440-461)ein, der das Zölibatsgebot auf die Subdiakone ausgeweitet wissen wollte, nachdem es zuvor nur Bischöfen, Priestern und Diakonen verboten war, eine Frau zu ehelichen.12 Im Hinblick auf das Simonieproblem war es in erster Linie Gregor I. (590-605), der das Verbot konkretisierte. So stellte er statt nur einer insgesamt drei Formen der Simonie heraus:

[...]


1 Apg, 8,20, in: Die Bibel. Mit Apokryphen, übers. von Martin Luther, Stuttgart 1999.

2 Vgl. zur Wortentstehung des Nikolaitismus Kapitel 7.2, sowie der Simonie Kapitel 3.

3 Vgl.: Petrus Damiani, Liber Gratissimus, Briefe 1, Nr. 40, S. 384-509; im folgenden teilweise auch zitiert aus Petrus Damiani, Liber Gratissimus (Auszüge), in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch-Deutsch), hrsg. von Johannes Laudage und Matthias Schrör, Köln 2006, S. 50- 52.

4 Vgl.: Humberti cardinalis libri tres adversus Simonicos, ed. F. Tahner, in: MG 1.d.1. 1, S. 95-253; im Folgenden zitiert aus: Humbert von Silva Candida, Adversus Simoniacos (Auszüge), in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch-Deutsch), hrsg. von Johannes Laudage und Matthias Schrör, Köln 2006, S. 54-61.

5 Das Synodalschreiben Vigilantia universalis Papst Nikolaus’ II. (1059), in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch-Deutsch), hrsg. von Johannes Laudage und Matthias Schrör, Köln 2006, S. 62-65.

6 Vgl.: Schimmelpfennig, Bernhard, Zölibat und Lage der „Priestersöhne“ vom 11. bis 14. Jahrhundert, in: HZ 227 (1978), S. 5.

7 Mt 19,12, in: Die Bibel. Mit Apokryphen, übers. von Martin Luther, Stuttgart 1999.

8 1 Kor 7, 32-33, in: Die Bibel. Mit Apokryphen, übers. von Martin Luther, Stuttgart 1999.

9 Apg 8, 20, in: Die Bibel. Mit Apokryphen, übers. von Martin Luther, Stuttgart 1999.

10 Mt 10, 8, in: Die Bibel. Mit Apokryphen, übers. von Martin Luther, Stuttgart 1999.

11 Vgl.: Laudage, Reform, S. 60.

12 Vgl.: Schimmelpfennig, Zölibat, S. 5.


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