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Italienische Kunsttheorie des 16. und 17. Jahrhunderts am Beispiel von Giorgio Vasari und Giovanni Pietro Bellori

Bachelor Thesis, 2007, 49 Pages
Author: Christina Warneke
Subject: Art - Art Theory, General

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2007
Pages: 49
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V82560
ISBN (E-book): 978-3-638-85922-6
ISBN (Book): 978-3-638-85486-3
File size: 1308 KB

Abstract

Thema dieser Arbeit ist, die Kunsttheorie von Bellori und Vasari, - anhand ihrer Einleitungen zu ihren literarischen Werken und exemplarisch ausgewählter Künstlerlebensbeschreibungen -, herauszuarbeiten und darzulegen. Die Theorien werden anschließend verglichen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
Abteilung Geschichtswissenschaft
Veranstaltung: Italienische Kunsttheorie 1300 – ... 1700
WS 2006/2007

Bachelorarbeit

„Italienische Kunsttheorie des 16. und 17. Jahrhunderts
am Beispiel von Giorgio Vasari und Giovanni Pietro
Bellori“

Verfasserin: Christina Warneke

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 2

1. Einleitung ... 4

2. Der kunstgeschichtliche Kontext ... 7

2.1. Die Renaissance ... 7
2.2. Der Übergang zum 17. Jahrhundert ... 10

3. Die Einleitungen zu den „Viten“ Vasaris und Belloris ... 14

3.1. Vasaris „Proemio della terza parte“ ... 14
3.2. Belloris „Die Idee des Künstlers“ ... 17
3.3. Vergleich der beiden Schriften ... 20

4. Die Lebensbeschreibungen ... 23

4.1. Die Lebensbeschreibung Michelangelos von Vasari ... 23
4.2. Die Lebensbeschreibung Caravaggios von Bellori ... 27
4.3. Vergleich der Lebensbeschreibungen ... 31

5. Fazit ... 33

Anhang ... 38

„Le vite de’ più eccellenti pittori, scultori es architettori“ Frontispiz der Ausgabe 1550 ... 38
„Le vite de’ più eccellenti pittori, scultori es architettori“ Autorenporträt der Ausgabe 1568 ... 38
„Le vite de’ pittori, scultori et architetti moderni” Frontispiz ... 39
„Le vite de’ pittori, scultori et architetti moderni”
Porträt Belloris ... 39
Michelangelo Buonarroti, Pietà ... 40
Michelangelo Buonarroti, Erschaffung Adams ... 41
Michelangelo Buonarroti, Decke der Sixtinischen Kapelle ... 41
Caravaggio, Berufung des Heiligen Matthäus ... 42
Caravaggio, Verleugnung des Heiligen Petrus ... 42
Caravaggio, Die sieben Werke der Barmherzigkeit ... 43
Jacopino del Conte, Michelangelo Buonarroti ... 44
Ottavio Leoni, Bildnis Caravaggios ... 44

Abbildungsnachweis ... 45

Bibliographie ... 46

Quellen ... 46
Sekundärliteratur ... 47
Fachlexika ... 48


1. Einleitung

„Die Künstler selbst sind die ersten Kunstkritiker geworden, indem sie sich und ihre Leistungen mit denen ihrer Kollegen verglichen.[...] die Künstler richteten ihre Aufmerksamkeit in wachsendem Maße auf das Ganze, auf den Charakter, auf den geistigen Gehalt der Kunstwerke.1“ Dies sagt Dresdner über die Künstler des vierten Jahrhunderts vor Christus. Es muss also eine Kunsttheorie existieren, bevor eine Kunstkritik stattfinden kann.

Die Kunsttheorie selbst zielt darauf ab, Erscheinungen und Äußerungen der Kunst durch ein zusammenhängendes System zu erklären und zu normieren. Sie sucht das objektiv Gültige.2

Thema dieser Arbeit ist, die Kunsttheorie von Bellori und Vasari, - anhand ihrer Einleitungen zu ihren literarischen Werken und exemplarisch ausgewählter Künstlerlebensbeschreibungen -, herauszuarbeiten und darzulegen. Die Theorien werden anschließend verglichen.

Giorgio Vasaris (1511 - 1574) literarisches Werk „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“, das unter dem Kurztitel „Le Vite“ erschienen ist, wurde 1550 erstmals veröffentlicht. 1568 erschien eine zweite Edition. Die „Viten“ umfassen neben einer technischen Einleitung vier Proemien, insgesamt 159 Lebensbeschreibungen italienischer, hauptsächlich toskanischer, Künstler und eine Autobiographie. In den vier Proemien bespricht er den Paragone3. Im Folgenden geht er auf sein zyklisches Verständnis der Kunstgeschichte ein und stellt eine Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Kunst vor. Weiterhin stellt er die drei Epochen4 vor, nennt deren Charakteristiken und stellt Künstler und deren Werke dieser Epochen vor. Dabei beschreibt er seine kunsttheoretischen Vorstellungen, wobei dem disegno-Begriff besondere Aufmerksamkeit zukommt. In der technischen Einleitung widmet sich Vasari ausführlicher den bildenden Künsten Malerei, Bildhauerei und Architektur. Mit seinen „Viten“ wollte Vasari den Künstlern ein Denkmal setzen und wider das Vergessen schreiben.5 Vasari selbst war Maler, Architekt, Zeichner, Schreiber und Sammler. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Uffizien in Florenz (1560 - 1580er Jahre). Seine „Viten“ widmete er Cosimo I. de` Medici.6 Vasari war Kunstintendant am Hofe der Medicis und bedeutender Kunsthistoriker.7

Giovanni Pietro Bellori (1615 - 1696) bespricht in seinen „Vite de’ Pittori, Scultori ed Architetteti moderni“ von 1672 eine Auswahl von 12 Künstlern seit 1600. Die Künstler, denen Bellori eine Biographie widmet, sind Annibale und Agostino Carraci, Domenico Fontana, Federico Barocci, Caravaggio, Rubens, van Dyck, Francesco Duquesnoy, Domenichino, Giovanni Lanfranco, Alessandro Algardi und Poussin. Bellori beschränkt sich also nicht nur auf italienische Künstler. Die Einleitung zu den „Viten“ ist eine Rede, die Bellori 1664 vor der Accademia di San Luca in Rom unter dem Titel „l’ Idea del Pittore, dello Scultore e dell’ Architteto“ gehalten hat. In ihr diskutiert Bellori die Bedeutung der Idea und der Darstellung der Schönheit. Seine „Viten“ widmete er dem französischen Finanzminister Jean-Baptiste Colbert. Bellori war Biograph, Kunstkritiker und Kunsttheoretiker. Von ihm ist nur eine Zeichnung bekannt. Seit 1671 war Bellori Rektor der Accademia di San Luca in Rom. 1670 wurde er Commissario dell’ Antichità bei Papst Clemens X. und 1680 Bibliothekar und Antiquar bei Königin Christina von Schweden. 1689 wurde Bellori Ehrenmitglied der Académie Royale in Paris.8

Die Leitfragen der Arbeit sind, wie der perfekte Künstler aussieht, nach welchen Prinzipien und Kriterien er arbeiten und welche Disziplinen er beherrschen muss. Dazu gehört die Frage, welche Theorien Vasari und Bellori vertreten und wie diese in den kunsthistorischen Kontext einzuordnen sind.

Einführend werden die Renaissance und das 17. Jahrhundert vorgestellt, um zum Ende eine Einstufung der jeweiligen Kunsttheorien in ihre Epochen vornehmen zu können.

Im folgenden Kapitel werden die Einleitungen von Vasari und Bellori zu ihren „Viten“ betrachtet. Dabei werden die Theorien und eventuelle Besonderheiten herausgearbeitet und miteinander verglichen. Ziel ist, Übereinstimmungen und Unterschiede herauszufinden.

Im anschließenden Kapitel werden je eine Biographie von Vasari und Bellori untersucht. Dabei wird die Vorgehensweise des jeweiligen Verfassers herausgearbeitet, welche Motive und Besonderheiten verwendet werden und in wieweit sich die jeweilige Kunsttheorie in der Lebensbeschreibung widerspiegelt. Gegenstand der Untersuchung ist es, typische Motive und Vorgehensweisen aufzudecken. Interessant ist auch die Klärung der Frage, welche Intention Vasari und Bellori mit ihren Biographien verfolgen.

Als letzter Punkt folgt der Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Kapitel. So soll im Fazit festgehalten werden, was die Kernaussagen der einzelnen Schriften, also der Einleitungen und Biographien sind, welche Kunsttheorien Vasari und Bellori vertreten, in wieweit diese sich gleichen oder unterscheiden und wie diese Ergebnisse in den kunsthistorischen, beziehungsweise zeitgenössischen Kontext zu setzen sind.

Eine Arbeit in diesem Umfang kann dem gesamten literarischen Werk Belloris und Vasaris nicht gerecht werden. Deshalb beschränkt sich die Untersuchung auf „Die Idee des Künstlers“ Belloris9 und die „Proemio della terza parte“ in der Fassung von 1568 von Vasari10. Letztere wurde aus den verschiedenen Einleitungen ausgewählt, da sie Vasaris Gedanken und Vorstellungen gebündelt widerspiegelt. Von den Biographien wurden Michelangelos Vita11 von Vasari und Caravaggios Vita von Bellori12 ausgewählt. Diese Künstler stehen im Mittelpunkt des Interesses, da sie die Kunsttheorien besonderes deutlich widerspiegeln – sei es, weil der Künstler diese bis ins Detail aufgreift und umsetzt, oder weil er dieses gerade nicht tut. Dennoch lassen sich, trotz der getroffenen Einschränkungen, nicht alle Punkte der ausgewählten Schriften aufgreifen und bis ins Detail untersuchen. Die Arbeit stützt sich deshalb nur auf die wesentlichsten Punkte. Neben den deutschen Übersetzungen wurden für die Untersuchungen auch die italienischen Ausgaben13 verwendet, um eventuellen Übersetzungsschwierigkeiten entgegenzutreten.

Des weiteren stützt sich die Untersuchung unter anderem auf Arbeiten von Erwin Panofsky, der in seiner IDEA14 die Bedeutung und Ziele der Idee betrachtet. Ursprünglich kommt der Idee eine unterstützende Funktion zu, wird aber zu einem einzig akzeptierten Vorbild. Die Idee wandelt ihren Charakter von einer aus dem Naturstudium entspringenden Erkenntnis im Geist zu einer eingeborenen Urwahrheit. Zu der Thematik der Biographik ist die Arbeit von Kurz und Kris15 von Bedeutung. Sie arbeitet unter anderem typische Motive und Themen der Künstlerbiographik seit der Antike heraus. Für die Motive bietet sie jeweils Erklärungen – aus welchem Bedürfnis das jeweilige Motiv heraus aufgegriffen wurde und welche Intention seitens des Biographen dahinter stand.

[...]


1 Dresdner, Albert, Die Entstehung der Kunstkritik im Zusammenhang der Geschichte des europäischen Kunstlebens, München 1968, S. 20.

2 Vgl. Dresdner, Albert, Die Entstehung der Kunstkritik, S. 11.

3 Der Paragone ist der Rangstreit zwischen Malern und Bildhauern.

4 Vasari teilt die Zeit nach der Wiedergeburt der Künste in drei Epochen ein, die sich im Perfektionsgrad der Kunst unterscheiden.

5 Vgl. Vasari, Giorgio, Proemio di tutta l’ opera (1568), S. 27f.

6 Vgl. Kliemann, Julian, s.v. Giorgio Vasari, in: The Dictionary of Art 32 (1996), S. 10 - 25.

7 Vgl. Braunfels, Wolfgang, Kleine Italienische Kunstgeschichte, Köln 1984, S. 376.

8 Vgl. Pace, Claire, s.v. Bellori, Giovanni Pietro, in: The Dictionary of Art 3 (1996), S. 673 - 675.

9 Bellori, Giovanni Pietro, Die Idee des Künstlers, hrsg. von Kurt Gerstenberg, Berlin 1939.

10 Vasari, Giorgio, Kunstgeschichte und Kunsttheorie. Eine Einführung in die Lebensbeschreibungen berühmter Künstler anhand der Proemien, hrsg. von Matteo Burioni und Sabine Feser, Berlin 2 2004.

11 Vasari, Giorgio, Künstler der Renaissance. Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten italienischen Baumeister, Maler und Bildhauer, hrsg. von Herbert Siebenhüner, Leipzig 1940.

12 Bellori, Giovanni Pietro, The lives of the modern painters, sculptors and architects, hrsg. von Hellmut Wohl, Cambridge 2005.

13 Vasari, Giorgio, Le vite de’ più eccellenti pittori, scultori ed architettori, Florenz 1879. Bellori, Giovanni Pietro, Le vite de’ pittori, scultori et architetti moderni, Rom 1672.

14 Panofsky, Erwin, IDEA. Ein Beitrag zur Begriffsgeschichte der älteren Kunsttheorie, Berlin6 1989.

15 Kris, Ernst, Kurz, Otto, Die Legende von Künstler. Ein geschichtlicher Versuch, Frankfurt am Main 1980.


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