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Subtitle: Grundlegende Einsichten für seine Moralphilosophie und Christentumskritik
Scholary Paper (Seminar), 2007, 18 Pages
Author: Philipp Einhäuser
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Religions- und Missionswissenschaft)
Tags: Wahrheit, Nietzsche, Nietzsches, Christentumskritik
Year: 2007
Pages: 18
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89829-4
ISBN (Book): 978-3-638-90470-4
File size: 157 KB
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit sollen in einem ersten Teil zentrale Aspekte des Nietzscheschen Wahrheitsbegriffes herausgearbeitet werden, um in einem zweiten Teil den Konsequenzen nachzugehen, die sich für seine Moralphilosophie respektive seine Christentumskritik daraus ergeben. Es ist mir dabei ein Anliegen, zu zeigen, auf welchen grundsätzlichen philosophischen, insbesondere antimetaphysischen Überzeugungen Nietzsches Christentumskritik fußt. Zunächst sollen anhand einiger Fragmente aus der Genealogie der Moral bzw. aus Jenseits von Gut und Böse grundlegende Elemente des Nietzscheschen Perspektivismus herausgearbeitet und unter Zuhilfenahme von sekundärliterarischen Texten A.C. Dantos und S.L. Sorgners beleuchtet werden. Im Anschluss daran folgt ein kurzer Abriss zur Nietzscheschen Kritik an traditionellen Erkenntnistheorien und eine abschließende Charakterisierung seines Wahrheitsbegriffs. Im zweiten Teil wird – unter Bezug zu Tanner und Vattimo - diese insgesamt theoretische Einführung auf den Komplex der Moral angewandt. Dabei soll zunächst Nietzsches grundsätzlich antimoralische Position näher erläutert und schließlich seiner antichristlichen Wertorientierung nachgegangen werden. Ich kann hier freilich der Fülle und Vielfalt an christlichen Traditionen nicht hinlänglich Rechnung tragen. Es soll an meiner Untersuchung lediglich deutlich werden, welche zentralen Elemente Nietzsche am Christentum als ontologischen Irrtum kritisiert. Abschließend wird in einem Ausblick, in dem ich Maras zu Hilfe nehme, die Frage angerissen werden, welche Werte Nietzsche alternativ schaffen will – fürchtet er doch nichts mehr als den von ihm prophezeiten Nihilismus. Methodisch orientiere ich mich an der Philologie, indem ich versuche, so nah als möglich an den Nietzscheschen Primärquellen zu bleiben.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Religions- und Missionswissenschaft
Interfakultärer Studiengang Religionswissenschaft
Department für Philosophie
Proseminar: Nietzsches Christentumskritik
Im Sommersemester 2007
„Wahrheit“ bei Nietzsche –
grundlegende Einsichten für seine Moralphilosophie und Christentumskritik
Philipp Einhäuser
München, den 15.10.2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Wahrheit bei Nietzsche 3
2.1 Perspektivismus 3
2.2 Nietzsches Kritik an traditionellen Erkenntnistheorien 4
2.3 Nietzsches Wahrheitsbegriff 6
3 Moralkritik 8
3.1 Nietzsches antimoralische Position 8
3.2 Kleine Christentumskritik 13
4 Ausblick: Welche Werte will Nietzsche schaffen? 15
5 Verwendete Literatur 17
1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit sollen in einem ersten Teil zentrale Aspekte des Nietzscheschen Wahrheitsbegriffes herausgearbeitet werden, um in einem zweiten Teil den Konsequenzen nachzugehen, die sich für seine Moralphilosophie respektive seine Christentumskritik daraus ergeben. Es ist mir dabei ein Anliegen, zu zeigen, auf welchen grundsätzlichen philosophischen, insbesondere antimetaphysischen Überzeugungen Nietzsches Christentumskritik fußt.
Zunächst sollen anhand einiger Fragmente aus der Genealogie der Moral1 bzw. aus Jenseits von Gut und Böse2 grundlegende Elemente des Nietzscheschen Perspektivismus3 herausgearbeitet und unter Zuhilfenahme von sekundärliterarischen Texten A.C. Dantos und S.L. Sorgners beleuchtet werden. Im Anschluss daran folgt ein kurzer Abriss zur Nietzscheschen Kritik an traditionellen Erkenntnistheorien und eine abschließende Charakterisierung seines Wahrheitsbegriffs.
Im zweiten Teil wird – unter Bezug zu Tanner und Vattimo - diese insgesamt theoretische Einführung auf den Komplex der Moral angewandt. Dabei soll zunächst Nietzsches grundsätzlich antimoralische Position näher erläutert und schließlich seiner antichristlichen Wertorientierung nachgegangen werden. Ich kann hier freilich der Fülle und Vielfalt an christlichen Traditionen nicht hinlänglich Rechnung tragen. Es soll an meiner Untersuchung lediglich deutlich werden, welche zentralen Elemente Nietzsche am Christentum als ontologischen Irrtum kritisiert.
Abschließend wird in einem Ausblick, in dem ich Maras4 zu Hilfe nehme, die Frage angerissen werden, welche Werte Nietzsche alternativ schaffen will – fürchtet er doch nichts mehr als den von ihm prophezeiten Nihilismus.
Methodisch orientiere ich mich an der Philologie, indem ich versuche, so nah als möglich an den Nietzscheschen Primärquellen zu bleiben.
2 Wahrheit bei Nietzsche
2.1 Perspektivismus
Eine zum Verständnis der Philosophie Nietzsches grundlegende Einsicht ist der Perspektivismus. Diese Theorie geht davon aus, dass es keine privilegierte Sichtweise auf die Welt gibt, sondern alle Perspektiven, aus denen interpretiert wird, nebeneinander koexistieren. Da jeder Mensch aus seiner Warte interpretierend zu einem bestimmten Abbild der Realität gelangt, das seinerseits nie deckungsgleich mit dem eines anderen Menschen ist, wird die spätestens seit Kant in der Philosophie immer wieder präsente Frage nach dem „Ding an sich“ – und das ist eine interessante und diskussionswürdige Nebenwirkung dieses Theorems - hinfällig: „Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen.“5
Die einzelnen Perspektiven ergeben sich Nietzsche zufolge aus dem Erkenntnisinteresse, das seinerseits immer von einem Willen geleitet ist und eo ipso nur perspektivisch sein kann. Hier korrelieren, das verdeutlicht Stefan L. Sorgner, Perspektivismus und Wille zur Macht, eine der großen Nietzscheschen Problemstellungen, die auch dem berühmten Werk seinen Titel geben: von den unzähligen Machtzentren, die existieren, so lautet die These, organisieren sich bestimmte Perspektiven auf die Welt. Jedes Machtzentrum, jeder Körper also, ist dabei bestrebt, seinen Einflussbereich zu vergrößern und seinen Willen zur Macht zu expandieren.6 Dieses sei hier jedoch nur am Rande erwähnt. Viel zentraler ist zunächst eine Charakterisierung des Perspektivismus von Nietzsche selbst: „Hüten wir uns nämlich, meine Herrn Philosophen“, so schreibt er in der Genealogie der Moral,
„[…] von nun an besser vor der gefährlichen alten Begriffs-Fabelei, welche ein […] reines, willenloses, schmerzloses, zeitloses Subjekt der Erkenntnis angesetzt hat […] hier wird immer nur ein Auge zu denken verlangt, das gar nicht gedacht werden kann, ein Auge, das durchaus keine Richtung haben soll, bei dem die aktiven und interpretirenden Kräfte unterbunden sein sollen, fehlen sollen, durch die doch sehen erst Etwas-Sehen wird […], es gibt nur ein perspektivisches Sehen, nur ein perspektivisches ‚Erkennen‘ […] je mehr Augen, verschiedne Augen wir uns für dieselbe Sache einzusetzen wissen, umso vollständiger wird unser ‚Begriff‘ dieser Sache, unsre ‚Objektivität‘ sein.“7
[...]
1 F. Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, in: KSA 5, München u.a. 1980. Alle weiteren Zitate und Quellenverweise aus diesem Werk beziehen sich auf diese Ausgabe.
2 F. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, in: KSA 5, München u.a. 1980. Alle weitere Zitate und Quellenverweise aus diesem Werk beziehen sich auf diese Ausgabe.
3 Fremdworte, die im Nietzsche – Diskurs eine besondere Rolle spielen oder geläufig sind, werden im Folgenden kursiv vom laufenden Text abgesetzt.
4 K. Maras, Vernunft- und Metaphysikkritik bei Adorno und Nietzsche. Univ. Diss., Tübingen, 2002.
5 A.C. Danto, Nietzsche as Philosopher [1965], New York 1980, S. 58.
6 S.L. Sorgner, Metaphysics without Truth, München 1999, S. 72f.
7 F. Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, S. 365.
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