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Seminararbeit, 2007, 28 Seiten
Autor: Christian Werner
Fach: Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Details
Tags: Bildlichkeit, Metapher, Allegorie, Symbol
Jahr: 2007
Seiten: 28
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-89830-0
Dateigröße: 212 KB
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Sommersemester 2007
Hauptseminar: Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik
Bildlichkeit, Metapher, Allegorie, Symbol
Christian Werner
Inhalt
1. Bildlichkeit 3
1.1. Bildlichkeit in der Literatur 3
1.2. Ikonographische Analyse 7
2. Metapher 8
2.1. Allgemeines 8
2.2. Metaphertheorien 9
2.3. Bildspender – Bildempfänger 13
2.4. Lexikalisierung 14
2.5. Kritik an der Metapher 15
3. Allegorie 16
3.1. Definitionsversuch 16
3.2. Allegorese 18
3.3. Erscheinungsformen 20
4. Symbol 22
4.1. Definitionsversuch 22
4.2. Hermeneutik des Symbols 24
5. Schlussbemerkung 27
Bibliographie 28
1. Bildlichkeit
1.1. Bildlichkeit in der Literatur
Die Verwendung des Begriffs „Bild“ im Kontext der Poesie hat sich als so komplex erwiesen, dass im Bereich der Literaturwissenschaft bis zur Gegenwart keine präzise Definition für das Konzept „Bildlichkeit“ erarbeitet werden konnte. Daher soll zunächst ein kurzer Überblick über die spezifische Problematik des Begriffs gewährt werden. Zur Diskussion gestellt sei zunächst die erste These, dass sich eine bildhafte Sprache durch die Präsenz von Figuren uneigentlichen Sprechens, den Tropen, auszeichnet.1 Diese Sichtweise im Sinne der antiken Rhetoriken charakterisiert das Wesen des literarischen Bildes aber nur teilweise. Ein bildtheoretischer Diskurs, der sich innerhalb des rhetorischen Horizonts mit der Bestimmung einzelner Tropen begnügt, muss zwangsläufig die globale Perspektive der Textästhetik aus den Augen verlieren. Zu Recht wurde immer wieder auf die Unzulänglichkeit eines solchen Ansatzes verwiesen:
„[Es] muß eine falsche Anschauung hervorrufen, als seien die Bilder – Metaphen – etwas allenfalls Entbehrliches, dem eigentlichen Stoff, aus welchem Gedichtetes besteht, äußerlich Angeheftetes. Vielmehr aber ist der uneigentliche, der bildliche Ausdruck Kern und Wesen aller Poesie: jede Dichtung ist durch und durch ein Gebilde aus uneigentlichen Ausdrücken.“2
Indem Hofmannsthal den bildlichen Ausdruck als „Wesen der Poesie“ ausmacht, weist er die Beschränkung des Bildverständnisses auf den rhetorischen ornatus als verfehlt zurück.
Wir dürfen nun nicht außer Acht lassen, dass der Terminus „Bild“ nicht exklusiv auf ein sprachliches Phänomen anspielt, sondern auch andere Sinnbereiche diesen Begriff für ihre Zwecke verwenden: es existieren weiterhin geistige (Träume, Erinnerungen, Ideen), optische (Spiegelbild, Projektionen), graphische (Gemälde, Zeichnungen, Statuen, Pläne) und perzeptuelle Bilder (Sinnesdaten, Erscheinungen).3 Würden wir außerdem nach unseren unwillkürlichen Assoziationen mit dem Konzept „Bild“ befragt, so dürften sehr wahrscheinlich die ersten Nennungen in den Bereich der Malerei fallen und sich kaum auf sprachliche Bilder beziehen. So nimmt es nicht wunder, dass unser alltägliches, vorwissenschaftliches Bildverständnis typische Eigenschaften von Gemälden wie Farbigkeit, Einprägsamkeit, Anschaulichkeit und Lebendigkeit auch mit sprachlichen Bildern in Verbindung bringt.4 Nicht zufällig sah sich die Bildlichkeit in der Dichtkunst lange Zeit normativen Zwängen, welche eine Orientierung an der Malerei verlangten, ausgesetzt, wie etwa die Horaz’sche „ut pictura poesis“-Formel illustriert.5 Im wörtlichen Sinne als „Bilder“ wahrgenommen wurden die Tropen in der deutschen Sprache jedoch erst in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts, als Sulzer („Bild. Redende Künste., 1771) und Adelung („Von dem bildlichen Style“, 1785) dem sprachlichen Ausdruck erstmals das Attribut der Bildhaftigkeit zuerkannten.6 Dennoch bleibt der Bildbegriff auch in der Folge ein unscharfes Konzept, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die Ausdrücke der bildlichen Übertragung und Repräsentation (Metapher, Allegorie, Symbol, Chiffre) einerseits als systematische Termini aufgefasst werden, andererseits jedoch mit Epochenstrukturen verbundene, historische Begrifflichkeiten darstellen. Neben den innerhalb des rhetorischen Paradigmas bestimmbaren einzelnen Bildformen werden auch ganze Textstrukturen (Allegorie, symbolische Dichtung, Figuralismus) unter dem Begriff „Bild“ subsumiert.7 Diese Problematik verschärft sich besonders mit dem Beginn des nachrhetorischen Zeitalters, das durch autonomere und komplexere ästhetische Strukturen gekennzeichnet ist und so der Verbreitung mehrdeutiger Terminologien Vorschub leistet.
In einem groben Raster lassen sich sprachliche Bilder nach dem ihnen zu Grunde liegenden Erzeugungsmuster unterscheiden. Entweder entspringen sie einem Vorgang der Übertragung (translatio; Sprung von einem Bereich in den anderen) oder sie sind Produkt eines Vergleichsprozesses (comparatio; Analogie aufgrund von Ähnlichkeit8). Als dritte Kategorie ist das Vorstellungsbild (kraft Imagination oder Phantasie) anzuführen; weiterhin umfasst das Bedeutungsspektrum die Nachahmung (imitatio, mimesis) oder das Abbild eines „Ur“-Bilds, sowie die Repräsentation komplexer bzw. ideeller Zusammenhänge (zur Veranschaulichung). Schließlich kann „Bild“ auch für indirekte Darstellung, Spiegel, Verweisung oder Bezug stehen.9
[...]
1 Vgl. Korte 1996, S. 257.
2 Vgl. Hofmannsthal, Bildlicher Ausdruck, 1899; zit. nach Ricklefs 2002, S. 260f.
3 Vgl. Bohn 1990, S. 19f.
4 Vgl. Korte 1996, S. 257.
5 Auch zu späteren Zeitpunkten behielt dieses Postulat seine Gültigkeit. Im Zeitalter des Barocks forderte Martin Opitz, dass die „Poeterey / Ein redendes Gemähld’, und Bild, das lebe“ zu sein habe; vgl. Korte 1996, S. 258.
6 Vgl. Ricklefs 2002, S. 261.
7 Ebd., S. 262.
8 Bei struktureller Ähnlichkeit liegt eine Allegorie vor, bei punktueller Ähnlichkeit spricht man von einer Metapher.
9 Ricklefs fasst die Bedeutungsvielfalt des Begriffs wie folgt zusammen: „Bild von etwas (Abbild, Simile, Simulacrum, Mimesis, ‚Porträt’); Bild für etwas (Vergleich, Gleichnis, Metapher); Bild anstelle eines Abstrakten, ontologisch Höherrangigen, Unsichtbaren; eines komplexen Zusammenhangs, eines Begriffs, einer Idee (Veranschaulichung und Repräsentation); Bilder sind Vorstellungsbilder; Bild kann Zusammenfassung eines Mannigfaltigen sein (Goethes „in’s Enge ziehen“; weiterhin Schema, Figur, Symbol); es ist Traumbild, Vision und Phantasiebild (ggf. mit unbewußter metaphorischer Entstellung und symbolischer Repräsentation des psychischen Subtexts); Bild begegnet als poetisches Gemälde und als Tableau (bedeutende Konfiguration, meist bedeutungsvoll resümierendes Schlußbild); vgl. Ricklefs 2002, S. 262f.
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