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Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: M.A. Melitta Töller
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Farbsymbolik, Kinder-, Hausmärchen, Brüder, Grimm, Sammlung, Kinder-, Hausmärchen, Brüder, Grimm
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89843-0
ISBN (Book): 978-3-638-90840-5
File size: 93 KB
Kommentar des Dozenten (nach Benotung): Ihre Seminararbeit zum Thema "Die Farbsymbolik in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm" habe ich mit Spannung und großem Gewinn gelesen. Der Bezugsrahmen ihrer Beschreibungen bildete die Farbsymbolik in der christlichen Tradition [...] und Goethes Farbenlehre, die überzeugend in den Zusammenhang der Grimmschen Rezeption gebracht wird. [...] Mir hat an Ihrer Arbeit besonders gut gefallen, [...] dass Sie in der Beschreibung die Nuancierungen und Ambivalenzen sehr präzis erfasst haben und sprachlich ohne Spekulationen die Sache im Blick hatten.
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Abstract
Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung .................................................1 2. Licht und Finsternis - Die Nichtfarben.............1 2.1 Leben und Sterben - Weiß ..........................2 2.2 Trauer und Tod - Schwarz...........................4 2.3 Das Zwischenreich - Grau ...........................5 3. Aufmerksamkeitsfänger - Die reinen Farben .....6 3.1 Liebe und Gefahr - Rot ...............................6 3.2 Vernunft und Neid - Gelb.............................8 3.3 Ferne und Traumwelten - Blau .....................8 4. Seltene Akteure – Die Mischfarben.................9 4.1 Hoffnung und Gift - Grün.............................9 4.2 Das Alter - Braun ....................................10 4.3 Mäßigung und Leiden - Violett ....................11 5. Kostbarkeiten - Die metallischen Farben .......11 5.1 Reichtum und Liebe - Gold .........................12 5.2 Rein und unwirklich - Silber ........................13 6. Chaos und Neugier - Bunt ..........................13 7. Schlusswort.............................................14 8. Literaturverzeichnis ..................................15 Einleitung (Auszug) Laut Wassily Kandinsky ist Farbe „ein Mittel direkten Einfluss auf die Seele auszu-üben.“ Jede Farbe übt eine andere Wirkung auf den Betrachter bzw. Leser aus. Sie kann positive und negative Emotionen freisetzen, Gefahr signalisieren, Ruhe vermiteln und vieles mehr: Farben sind visualisierte Gefühle. Die Grimmsche Märchensammlung zeichnet sich durch eine sehr sparsam und gezielt eingesetzte Farbgebung aus: Personen, Kleidung, Gegenstände etc. die farbig auftreten, haben immer eine besondere Bedeutung und verweisen auf das Innere, den Charakter. [...] Das intuitive Wissen um die Bedeutung einer Farbe ist zum Teil angeboren, zum Teil aber auch kulturell geprägt , weswegen ich mich im Folgenden immer nur auf den europäischen, christlichen Bedeutungskreis und dessen traditionelle Farbsymbolik beziehen werde. Da in der Romantik Goethes Farbentheorie einen großen Einfluss auf die Kunsttheorie ausübte und Goethe fast 20 Jahre lang in persönlichem Kontakt mit den Gebrüdern Grimm stand, die seine Werke wiederum sehr schätzten , halte ich es für sinnvoll, neben der traditionellen Farbsymbolik auch Goethes speziele Theorien zur Bedeutung der Farben in meiner Untersuchung der Märchenfarben mit einzubeziehen.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maxmilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie – Neuere deutsche Literaturwissenschaft
HS: Die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Wintersemester 2004/2005, 6. Fachsemester
Die Farbsymbolik in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
von
Melitta Töller
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 3
2. Licht und Finsternis - Die Nichtfarben... 3
2.1 Leben und Sterben - Weiß... 4
2.2 Trauer und Tod - Schwarz... 5
2.3 Das Zwischenreich - Grau... 7
3. Aufmerksamkeitsfänger - Die reinen Farben... 7
3.1 Liebe und Gefahr - Rot... 7
3.2 Vernunft und Neid - Gelb... 9
3.3 Ferne und Traumwelten - Blau... 10
4. Seltene Akteure – Die Mischfarben... 10
4.1 Hoffnung und Gift - Grün... 10
4.2 Das Alter - Braun... 11
4.3 Mäßigung und Leiden - Violett... 12
5. Kostbarkeiten – Die metallischen Farben... 12
5.1 Reichtum und Liebe - Gold... 13
5.2. Rein und unwirklich - Silber... 14
6. Chaos und Neugier - Bunt... 14
7. Schlusswort... 15
8. Literaturverzeichnis... 16
1. Einleitung
Laut Wassily Kandinsky ist Farbe „ein Mittel direkten Einfluss auf die Seele auszuüben.“1 Jede Farbe übt eine andere Wirkung auf den Betrachter bzw. Leser aus. Sie kann positive und negative Emotionen freisetzen, Gefahr signalisieren, Ruhe vermitteln und vieles mehr: Farben sind visualisierte Gefühle.2 Die Grimmsche Märchensammlung zeichnet sich durch eine sehr sparsam und gezielt eingesetzte Farbgebung aus: Personen, Kleidung, Gegenstände etc. die farbig auftreten, haben immer eine besondere Bedeutung und verweisen auf das Innere, den Charakter. Auffallend ist, dass die Gebrüder Grimm fast nur die Grundfarben, und hier vor allem Rot, benutzten, dazu die Nichtfarben Schwarz und Weiß, sowie die metallischen Farben Gold und Silber. Mischfarben (nur Grün, Braun und Violett treten auf) sind äußerst selten und erfordern deswegen gesteigerte Aufmerksamkeit. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass fast immer nur reine Farbtöne verwendet werden, Abstufungen und Schattierungen wie Grasgrün, Zinnoberrot etc. finden sich nur sehr selten.
Das intuitive Wissen um die Bedeutung einer Farbe ist zum Teil angeboren, zum Teil aber auch kulturell geprägt3, weswegen ich mich im Folgenden immer nur auf den europäischen, christlichen Bedeutungskreis und dessen traditionelle Farbsymbolik beziehen werde. Da in der Romantik Goethes Farbentheorie einen großen Einfluss auf die Kunsttheorie ausübte und Goethe fast 20 Jahre lang in persönlichem Kontakt mit den Gebrüdern Grimm stand, die seine Werke wiederum sehr schätzten4, halte ich es für sinnvoll, neben der traditionellen Farbsymbolik auch Goethes spezielle Theorien zur Bedeutung der Farben in meiner Untersuchung der Märchenfarben mit einzubeziehen.
2. Licht und Finsternis - Die Nichtfarben
Weiß und Schwarz bezeichnet man als Nichtfarben, da sie eigentlich keine Farben, sondern nur Helligkeitsbezeichnungen sind. Sie drücken den Kontrast zwischen Licht und Finsternis aus und haben gerade deswegen einen hohen Symbolgehalt. Als Gegenpole zu allen anderen Farben sind Weiß und Schwarz besonders dazu geeignet die Bereiche jenseits der Farben, jenseits des Lebens, zu kennzeichnen.5 Beide Farben galten in der Romantik als Todesfarben: „Schwarz und Weiß, eine Totenschau“6, so Goethe.
2.1 Leben und Sterben - Weiß
Weiß ist die Farbe des Lichtes und damit prinzipiell positiv konnotiert.7 Weil die Farbe Weiß aus allen anderen Farben zusammengesetzt wird, ist sie symbolisch die Farbe der Vollkommenheit. In den „Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“ (im Folgenden kurz KHM) findet sich dieser Gedanke unter anderem in „Die weiße Schlange“ (KHM 17): Hier wird jeder, der von dem Fleisch der weißen Schlange isst, allwissend, da er den Gesprächen der Tiere lauschen kann.
Durch seine Lichtsymbolik wurde Weiß auch im Christentum zu einer wichtigen Farbe, nach der Verklärung Christi wurden dessen Kleider „weiß wie das Licht“8. Weiß ist deswegen auch Zeichen für Auferstehung und neues Leben. In „Die zwölf Brüder“ (KHM 9) sollen diese getötet werden, nur das Hissen der weißen Fahne könnte dies verhindern. Oftmals werden in den Märchen junge Königssöhne in weiße Tauben verwandelt, erst nach bestimmten Taten finden sie wieder zur alten Gestalt und zum neuen Leben zurück: In „Die Alte im Wald“ (KHM 123) muss ein armes Dienstmädchen der Taube z.B. einen goldenen Ring bringen, in „Hurleburlebutz“ (KHM Anhang, d.h. in den Ausgaben nach 1856/57 nicht mehr veröffentlichte Märchen, Nr.10) muss eine Königstochter ihr sogar den Kopf abschlagen. Weiß symbolisiert auch Unschuld und Reinheit: Das brave Mädchen in „Die weiße und die schwarze Braut“ (KHM 135) wird als Belohnung für sein gutes Herz von Gott ganz Weiß verwandelt. Weiß ist in der Bibel auch die Farbe der Heiligen und der Engel.9 „Das Mädchen ohne Hände“ (KHM 31) trifft eine „schneeweiße Jungfrau“, die sich hinterher als Engel herausstellt, und „Schneeweißchen und Rosenrot“ (KHM 161) sehen ein schönes Kind in weißglänzenden Kleidern, ihren Schutzengel. In der Romantik war Weiß eine populäre Modefarbe, die besonders von vornehmen Damen, aber auch von empfindsamen, gefühlvollen Künstlerpersönlichkeiten getragen wurde.10
[...]
1 Wassily Kandinsky in: Franz Josef Röll: Mythen und Symbole in populären Medien. Frankfurt am Main: Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik e.V., Abt. Verlag 1998, S.373. Der Maler und Theoretiker Kandinsky beschäftigte sich, neben seinen Experimenten auf dem Feld der abstrakten Malerei, mit dem Wesen und der Wirkung der Farben.
2 Nach: Röll: Mythen und Symbole in populären Medien, S. 322.
3 Nach C.G. Jung in: Röll: Mythen und Symbole in populären Medien, S.321 f.
4 Nach: Reinhold Steig: Goethe und die Brüder Grimm. Kassel: Horst Hamecher Verlag 1972.
5 Nach: Peter Schmidt: Goethes Farbensymbolik. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1965, S. 142.
6 Schmidt: Goethes Farbsymbolik, S. 142.
7 „Und Gott sah, dass das Licht gut war.“ Bibel, AT 1.Mose 1, 4.
8 Bibel, NT Matthäus 17, 2.
9 Z.B. Bibel, NT Johannes 20, 12.
10 Auch in Goethes Dichtungen, zum Beispiel in „Die Leiden des jungen Werther“, tragen edle Damen häufig weiße Kleider.
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