Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Brecht und die Komponisten seiner Lehrstücke close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Brecht und die Komponisten seiner Lehrstücke

Subtitle: Zur Funktion der Musik in Brechts Lehrstücken

Termpaper, 2006, 22 Pages
Author: Sina Schmidt
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 22
Language: German
Archive No.: V82898
ISBN (E-book): 978-3-638-03745-7
ISBN (Book): 978-3-638-93530-2
File size: 264 KB

Abstract

Der extrovertierte Bertolt Brecht bedachte in seiner Lehrstücktheorie im epischen Theater auch die Musik und arbeitete im Laufe der Zeit mit vielen namenhaften zeitgenössischen Komponisten zusammen. Wie gestaltet sich der Zusammenhang zwischen Lehrstücktheorie, -praxis und den Kompositionen? Welche Funktion übernimmt die Musik im Lehrstück? Welche Faszination übte Musik auf Brecht selbst aus?


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden

Fakultät für Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften

Institut für Germanistik/Literaturwissenschaften

Seminar: ,,Brechts Lehrstücke"

Sina Schmidt

Dresden, den 21. 07. 2006

Brecht und die Komponisten seiner Lehrstücke

Zur Funktion der Musik in Brechts Lehrstücken


Gliederung

1. Einleitung 1

2. Brechts musikalische Bildung 1

3. Die Musik in der Theorie 4

4. Brecht und seine Komponisten 5

5. Hanns Eisler 8

6. Das Lehrstück 8

7. Die Maßnahme 10

8. Zusammenfassung 17

9. Bibliographie 18


1.Einleitung

Der Lyriker, Dramatiker und Theoretiker Bertolt Brecht, der durch die Entwicklung des ,,epischen

Theaters" in die Reihen der Dramentheoretiker aufgenommen wurde, zeichnet sich durch seinen

bemerkenswerten Hang zur Kollektivarbeit aus, die es in dieser Arbeit näher zu betrachten gilt.

′Brecht′, dies ist wohl eher als eine Art Markenname zu begreifen, hinter dem ein Team bestehend

aus führenden Künstlern aller Bereiche steht, die in engster Zusammenarbeit unter anderem die, um

die 1930er-Jahre entstandenen Lehrstücke konzipierten. Diese neue Form des Theaters, die aus

verschiedensten Einflüssen heraus entstanden ist, weist vor allem der Musik eine große Rolle in der

Vermittlung ihrer politischen Inhalte zu, weshalb die Arbeit zwischen Bertolt Brecht und seinen

Komponisten eine besonders intensive war. Wie entwickelte Brecht seine Lehrstücke und wie stark

war sein Einfluss auf die Musik seiner Werke? Hält der Autor sich an seine selbst publizierte

Auffassung, im epischen Theater stehen alle Künste gleichberechtigt nebeneinander

1

?

Um einer Antwort etwas näher zu kommen, ist es sehr effektiv, sich mit dem Höhepunkt des

Lehrstückschaffens zu beschäftigen, der 1930 entstandenen ,,Maßnahme", in der das Prinzip des

Lehrstücks seine größte Ausprägung erhält:

,,Die Vorführenden (Sänger und Spieler) haben die Aufgabe, lernend zu lehren."2

Aber zunächst sollte Brechts eigene Vorstellung von Musik näher beleuchtet werden.

2.Brechts musikalische Bildung

Berthold Eugen Friedrich Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn von Sophie

Brecht, geb. Wilhelmine Friederike Sophie Brenzing und dem leitenden Angestellten der

Haindl′schen Papierfabrik, der später das Amt des Verwalters der sogenannten Stiftungshäuser,

billige Wohnungen für Angestellte, Arbeiter und Rentner, bekleidete, Berthold Friedrich Brecht,

geboren.

3

Die Familie kann als wohlhabend und gut-bürgerlich bezeichnet werden. In ihrem Schoße

machte der junge Berthold erste Bekanntschaft mit zu jener Zeit in wohlsituierten Häusern üblicher

Hausmusik. Beide Söhne der Familie erhielten Klavier- und Violinenunterricht, wo unter

Umständen die spätere Abneigung gegen Streichinstrumente des Autors begründet liegen mag, der

sein Leben lang unter einem Herzleiden

4

litt und das ,,emotionale Timbre" jener Instrumente

missbilligte5. Natürlich begegneten ihm in seinem Alltag fast täglich die unterschiedlichsten Formen

1Vergleiche hierzu: Bertolt Brecht,

Kleines Organon.

2Bertolt Brecht:

Zu ,,Die Maßnahme",

in:

Schriften 4. Texte zu den Stücken.,

S. 101.

3 Vergleiche hierzu: John Fuegi,

Brecht & Co.,

S. 29ff.

4 John Lucchesi,

Die Musik bei Brecht,

S. 14ff.

5 Vergleiche hierzu: Gerd Rienäcker,

Musik oder Misuk ­ Anmerkungen zu Brechts Musik-Verstehen

, in:

Brecht

100

. 1


von Musik, so im Religionsunterricht, den Schulgesang überhaupt oder der ausgebreiteten

plebejischen Musikkultur.6 Der Schüler erlernte bald das Gitarrenspiel7, da die Gitarre als

Wanderinstrument von der Jugend der Jahrhundertwende sehr wertgeschätzt wurde. Nun konnte der

junge Dichter seine, zu dieser Zeit vor allem Lyrik, musikalisch vortragen, was sein Lebtag lang

eine ungemeine Wirkung

8

auf seine Zuhörerschaft ausüben sollte, die fast an magische Anziehung

grenzt.

Erste achtzig Lieder- und Notenskizzen sind seit 1916-1924 nachweisbar9. Bänkelsang10, Balladen,

die ,,Musik der Vorstädte"11, bayrisch-schwäbische Folklore, Kneipen- und Sauflieder, sowie

religiöse Erbauungsmusik, Schlager, Drehorgelmusik und Ausdrucksformen umherziehender

Gewerbetreibender, wie den Moritatengesängen12, die er vor allem auf Volksfesten rezipierte, hier

wohl besonders auf dem ,,Augsburger Plärrer" oder später dem ,,Münchner Oktoberfest" übten eine

ganz besondere Faszination auf ihn aus, aber auch in Hinterhöfen gesungene ,,Küchen-"13 und

,,Arbeitslieder" arbeitender Frauen boten eine tiefe Inspirationsquelle für ihn.

Im Jahre 1918 war das erste Liederbuch ,,Bert Brecht und seinen Freunden 1918." entstanden, das

bereits im Titel eine kollektive Arbeitsweise andeutete. Brecht erfand Melodien aus dem Stehgreif14,

was er später auch immens an seinen Komponisten schätzte und begleitete seine einfachen, aber

einprägsamen Melodien meist nur mit einfachen Kadenzen15, oft sogar nur mit Toninka-Dominant-

Folgen. Schon in der Schulzeit waren Kontrafakturen16 von geistlichen Chorälen sehr beliebt, die

Brechts fehlende Scheu vor Entlehnungen und Bearbeitungen anderer Werke bereits anzeigen.

Trotz musikalischer Frühbildung weigerte sich Brecht, sich die allgemeine Musiktheorie

6 Vergleiche hierzu: Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 14ff.

7 Vergleiche hierzu: Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 15.

8 Vergleiche hierzu: John Fuegi,

Brecht und Co.

9 Vergleiche hierzu: Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 14.

10 Fred Zimmermann,

Bertolt Brecht und das Volkslied:

Als Bänkelsang werden drehorgelbegleitete, melodisch relativ

monotone Lieder bezeichnet, die eine schauerliche Begebenheit zum Inhalt haben.

11 Fred Zimmermann,

Bertolt Brecht und das Volkslied:

Brecht meint hier einfache Lieder, die von der arbeitenden

Bevölkerung, vor allem von Frauen in Hinterhöfen, gesungen wurden, wie bspw. das ,,Küchenlied." Diese Lieder haben

meist eine stark lehrhaft-moralische Tendenz und unterstreichen diese an gruseligen Negativbeispielen.

12 Fred Zimmermann,

Bertolt Brecht und das Volkslied:

Als Moritatensang werden auf Jahrmärkten dargebotene

Vorträge von eintönigen, ab und zu von einfachen Instrumenten untermalt, Liedern mit kriminell-beschönigendem

Inhalt. Diese Form ist vom sogenannten ,,Zeitungslied" abgeleitet und lässt sich nicht klar vom Bänkelsang trennen.

13 Fred Zimmermann,

Bertolt Brecht und das Volkslied:

,,Küchenlieder" gehören zur ,,Musik der Vorstädte" und wurden

meist von Angestellten in feineren Häusern bei der Arbeit gesungen.

14 Vergleiche hierzu: Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 15.

15 Vergleiche hierzu: Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 15ff.

16 Als ,,Kontrafakturen" bezeichnet man das Übertragen geistlich-religiöser Musik, bspw. aus Chorälen auf einen

weltlichen, meist stark parodistischen Text oder umgekehrt. 2


anzueignen, um sie zu umgehen, schuf er sogar eine eigene Notenschrift, eine Art Stenogramm und

Erinnerungshilfe an seine musikalischen Einfälle, die er in dieser Form all seinen späteren

Komponisten vorlegte.17

,,Brecht konnte natürlich Noten lesen und schreiben, nur mit den Kreuzen statt der Noten

schien es ihm schneller zu gehen."

18

Auch die klassische Musik lernte der junge Brecht natürlich kennen, durch seinen Bruder, Freunde,

wie Georg Geyer

19

, der ihm Mozart und Beethoven am Klavier näher brachte, und sicher auch seit

1919 durch die Bekanntschaft mit seiner zukünftigen Ehefrau, der Opernsängerin Marianne Zoff,

durch die er vor allem auf die spezielle Form des Kunstliedes20 aufmerksam wurde.

Von Komponisten wie Wagner, Strauss oder gar Beethoven wandte er sich jedoch, nach

jungendlicher Zuwendung bald ab, da sie ihm zu emotional und rauschhaft erschien und wendete

sich, ganz im Sinne der ,,Neuen-Sachlichkeits-Bewegung", Johann Sebastian Bach zu, dessen

Musik durch ihr komplexes Ordnungssystem rational erschien und die Basis für die Dodekaphonie

bildete.21 Aber auch der frühe Mozart, der auf dem von Haydn geebneten Weg die Klassik

vorantrieb, sollte die Basis für die von Brecht bevorzugte Musik bilden.

Diese reichen musikalischen Einflüsse bildeten die Grundlage der musikalischen Dichtweise des

Autors, für den Musik eine enorm große Rolle spielte, vor allem, um die Wirkung seiner eigenen

Dichtung hervorzuheben.

17 Vergleiche hierzu: John Fuegi,

Brecht und Co.

18 Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 15.

19 John Fuegi,

Brecht und Co.

20 Joachim Lucchesi,

Musik bei Brecht,

S. 16.

21 Dodekaphonie: Die 12-Ton-Musik-Bewegung suchte Ordnung in die Kunst nach den Wirren des I. Weltkrieges zu

bringen. Alle harmonischen Regeln waren, vor allem durch Richard Strauss und Richard Wagner ausgereizt und durch

Beschreitung der Atonalität außer Kraft gesetzt. Die 12-Ton-Musik bildet nun ein strenges musikalisches Konstrukt, das

im Grunde nach den gleichen musiktheoretischen Satzregeln wie die des J. S. Bach funktionieren, nur eben auf der Basis

einer atonalen 12-Ton-Reihe, die nun nach musikimmanenten Regeln verarbeitet wird. 3



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Motivation von Mitarbeitern -Motivationstheorien-

Author: Thomas Mulfinger
Economics / Business: Business Management, Corporate Governance, 2000 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Jugend und Musik

Author: Osman Manyas
Sociology - Children and Youth, 2004 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Intrapreneurship

Authors: Thomas Luister, Anna Ehrmann
Economics / Business: Personnel and Organisation, 2006 Download as PDF-file for 11,99 EUR

Autonomie und neue Kontrolle

Authors: Thomas Luister, Anna Ehrmann
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation, 2006 Download as PDF-file for 11,99 EUR

Handke und das Kino

Author: Eva Forster
German Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/82898/brecht-und-die-komponisten-seiner-lehrstuecke
please wait Please wait