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Subtitle: Bildungskarrieren von Migranten im Ost-West-Vergleich
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Daniel Bosse
Subject: Pedagogy - Intercultural Pedagogy
Details
Institution/College: Otto-von-Guericke-University Magdeburg (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: Migranten, Zeiten, PISA, Bildungssituationen, Minderheiten, Vergleich
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 23 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-90952-5
File size: 295 KB
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Abstract
Seit dem durchschnittlichen Abschneiden der deutschen Schüler bei den letzten OECD PISA – Studie (Programme for International Student Assessment) ist man auf der Suche nach Gründen für diese Ergebnisse. In alle Himmelsrichtungen sind Bildungsforscher und Pädagogen ausgeströmt, um den Aufbau der Hierbei möchte der Autor nicht in den Chor der Kritiker der HeterogenBildungseinrichtungen sowie die unterschiedlichen Lehrpläne der vermeintlichen PISA-Bestplatzierten zu studieren. Aber auch im Inland wird nach den Ursachen der „Bildungsmisere“ gesucht. Dabei wird oft der hohe Anteil von MigrantInnen an den Schulen und in den Klassenverbänden und deren Einstellung zur Schule als Grund genannt. Dieses ist nicht unbedingt ein falsches Argument, wenn man lediglich den hohen Anteil von MigrantInnen an Haupt- und Sonderschulen auf der einen Seite und den niedrigen an Gymnasien auf der anderen betrachtet. Gleichwohl fällt in den Schulstatistiken auf, dass der relative Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an Gymnasium in den neuen Bundesländern höher ist als in den alten Bundesländern, respektive der niedrige Anteil von Migrantenkindern an Sonderschulen in den neuen Bundesländern . Ebenfalls zeigen die unterschiedlichen Studien, dass der Bildungserfolg von Kindern besonders an den wirtschaftlichen Erfolg der Eltern gebunden ist und daher in Anbetracht der hohen Arbeitslosenzahlen unter den verschiedenen Einwanderungsgruppen (teilweise doppelt so hoch wie bei Einheimischen), deren Kinder – entgegen der propagierten Chancengleichheit – besonders stark betroffen sind. Zudem wird die Existenz von Schülern mit Migrationshintergrund nicht als Bereicherung für alle empfunden, sondern eher als eine Belastung für das Schulsystem. In der folgenden Arbeit soll die oben genannte Tatsache, dass der relative Anteil von Migrantenkindern an Gymnasien in Ländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt fast doppelt bis viermal so hoch ist als in den anderen Ländern, untersucht werden. Welche Gründe gibt es hierfür? Liegt es an der Beschaffenheit des föderalen Schulsystems, an der unterschiedlichen Zusammensetzung des Migrantenmilieus oder ist es auf die in den alten Ländern tradierte Anwendung der „institutionellen Diskriminierung“ zurückzuführen.
Excerpt (computer-generated)
MANUALOtto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Erziehungswissenschaften
Lehrbereich: Vergleichende und historische Erziehungswissenschaften
Hauptseminar: Die Bildungssituationen ethnischer
Minderheiten im internationalen Vergleich
8. Fachsemester
Migranten in Zeiten von PISA
Bildungskarrieren von Migranten im Ost-West-Vergleich
von
Daniel Bosse
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung... 4
2 Theoretischer Rahmen... 5
2.1 Milieustruktur... 6
2.2 Schulsystem... 10
2.3 Institutionelle Diskriminierung... 13
2.3.1 Begriffsklärung... 14
2.3.2 Primärbereich... 15
2.3.3 Sekundarbereich... 17
3 Bildungskarrieren im Ost-West-Vergleich – eine Auswertung... 18
4 Literatur... 23
1 Einleitung
Seit dem durchschnittlichen Abschneiden der deutschen Schüler bei den letzten OECD PISA – Studie (Programme for International Student Assessment) ist man auf der Suche nach Gründen für diese Ergebnisse. In alle Himmelsrichtungen sind Bildungsforscher und Pädagogen ausgeströmt, um den Aufbau der Bildungseinrichtungen sowie die unterschiedlichen Lehrpläne der vermeintlichen PISA-Bestplatzierten zu studieren. Aber auch im Inland wird nach den Ursachen der „Bildungsmisere“ gesucht. Dabei wird oft der hohe Anteil von MigrantInnen an den Schulen und in den Klassenverbänden und deren Einstellung zur Schule als Grund genannt. Dieses ist nicht unbedingt ein falsches Argument, wenn man lediglich den hohen Anteil von MigrantInnen an Haupt- und Sonderschulen auf der einen Seite und den niedrigen an Gymnasien auf der anderen betrachtet. Gleichwohl fällt in den Schulstatistiken auf, dass der relative Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an Gymnasium in den neuen Bundesländern höher ist als in den alten Bundesländern, respektive der niedrige Anteil von Migrantenkindern an Sonderschulen in den neuen Bundesländern1. Ebenfalls zeigen die unterschiedlichen Studien, dass der Bildungserfolg von Kindern besonders an den wirtschaftlichen Erfolg der Eltern gebunden ist und daher in Anbetracht der hohen Arbeitslosenzahlen unter den verschiedenen Einwanderungsgruppen (teilweise doppelt so hoch wie bei Einheimischen), deren Kinder – entgegen der propagierten Chancengleichheit – besonders stark betroffen sind. Zudem wird die Existenz von Schülern mit Migrationshintergrund nicht als Bereicherung für alle empfunden, sondern eher als eine Belastung für das Schulsystem. In der folgenden Arbeit soll die oben genannte Tatsache, dass der relative Anteil von Migrantenkindern an Gymnasien in Ländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt fast doppelt bis viermal so hoch ist als in den anderen Ländern, untersucht werden. Welche Gründe gibt es hierfür? Liegt es an der Beschaffenheit des föderalen Schulsystems, an der unterschiedlichen Zusammensetzung des Migrantenmilieus oder ist es auf die in den alten Ländern tradierte Anwendung der „institutionellen Diskriminierung“ zurückzuführen. Hierbei möchte der Autor nicht in den Chor der Kritiker der Heterogenität sowie der Befürworter der Homogenität einstimmen, sondern vielmehr versuchen, Argumente für einer gelenkte Heterogenität zu finden. Den Heterogenität ist nach dessen Auffassung ein Gewinn hinsichtlich der Entwicklung und Erfahrung aller und kann - wenn nicht sogar MUß - gefördert werden, um eine größtmöglichen Vorteil zu erlangen. Anhand von ausgewählten Bundesländern möchte der Autor darstellen, wie sich die Zusammensetzung der Bevölkerungsstruktur, die Schulgesetzgebung sowie diskriminierende Mechanismen auf die Bildungskarrieren von Kindern nicht-deutscher Herkunft auswirken. Wobei hier nicht die in der PISA- Studie dargelegten Kompetenzen bzw. die Lernleistung der Schüler im Mittelpunkt der Diskussion stehen, sondern eher die ermöglichten Chancen von Migrantenkindern, eine erfolgreiche Bildungskarriere zu durchlaufen. Also die Ursachen der signifikanten Statistik der einzelnen Bundesländer, wie z.B.: der relative Anteil von Schülern nicht-deutscher Herkunft an allen Migrantenschülern an Gymnasien ist in Brandenburg mit 16,59 Prozent fast doppelt so hoch wie in Nordrhein-Westfalen mit 8,59 Prozent, gegenüber 2,15 Prozent zu 28,09 Prozent an Haupt- und Sonderschulen.2
2 Theoretischer Rahmen
Um die Argumente der Befürworter der Homogenität, dass Klassen, in denen Schüler mit Migrationshintergrund überrepräsentiert sind, sich ungünstig auf die Lernerfolge von Einheimischen auswirken, zu entkräften, sollen die soziokulturellen Beschaffenheiten sowie die Schulgesetze der einzelnen Länder betrachtet werden. Ebenfalls werden die Zusammensetzung der Bevölkerung sowie die Erwerbsquote innerhalb dieser Gruppen mit herangezogen, da dies - nach Meinung des Autors - im Sinne der Humankapitaltheorie für die Investition in die Ressource Bildung unabdingbar ist. Denn oft wird darauf hingewiesen, dass die Bildungskarrieren von SchülerInnen in keinem andern Land so abhängig vom sozialen Status der Eltern sind wie in Deutschland. Sozialer Status und Bildungsstand der Eltern führen bereits bei einheimischen Kindern zu ungleichen Entwicklungsmöglichkeiten und wirken sich umso stärker bei zugewanderten Menschen aus, bei denen noch die Herkunft ein erschwerendes Kriterium sein könnte.3
2.1 Milieustruktur
In Deutschland leben derzeit fast 10 Millionen Menschen nicht-deutscher Herkunft, das ist ein Anteil von fast 12 Prozent an der Gesamtbevölkerung und „in absoluten Zahlen hat Deutschland damit mehr im Ausland geborene Einwohner als das klassische Einwanderungsland Kanada.“4 Wenngleich sich die Zahlen deutlich innerhalb der Bundesrepublik unterscheiden, so hat Thüringen mit 1,3 Prozent den niedrigsten und Hamburg mit über 18 Prozent den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund.5 Dabei ist der Zuzug von Migranten in den neuen Bundesländern weniger durch ökonomische Motive zu begründen, sondern vielmehr auf die Zuteilung von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen zurückzuführen. Als eine weitere Ursache wäre die Möglichkeit der Familienzusammenführung zu nennen, die es Migranten - nach dem Anwerbestopp der 70iger Jahre - ermöglichte, ihre Familien nach Deutschland zu holen. Dadurch hat sich nicht nur die Struktur der Migrantencommunity im Besonderen sondern auch die Bevölkerungsstruktur der Bundesrepublik im Allgemeinen verändert.
[...]
1 Siehe Tabelle 1, S.
2 ebd.
3 Vgl. Gogolin, Ingrid:2001, Sprachlich-kulturelle Differenz und Chancengleichheit – (un)versöhnlich im staatlichen Bildungssystem, in: Lohmann, Ingrid/ Rilling, Rainer (Hrsg.), Privatisierung des Bildungsbereichs, Dietz Verlag, Berlin sowie Bade, Klaus J./ Bommes, Michael: 2004, Migration – Integration – Bildung – Grundfragen und Problembereiche, IMIS- Beiträge, Heft 23/ 2004, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Osnabrück, http://www.imis.uniosnabrueck. de/pdffiles/imis23.pdf, 10.05.2005
4 Bade, Klaus J./ Münz, Rainer: 2002, Migrationsreport 2002 – Fakten – Analysen – Perspektiven, Campus Verlag, Frankfurt/ M., New York, S. 11
5 Vgl. Münz, Rainer/ Seifert, Wolfgang/ Ulrich, Ralf: 1999, Zuwanderung nach Deutschland – Strukturen, Wirkungen, Perspektiven, Campus Verlag, Frankfurt/ M., New York, S. 72
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