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Subtitle: Pessach, Shavuot, Sukkot - die drei Wallfahrtsfeste in ihrer Entstehung, Entwicklung und Bedeutung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Margarete Roewer
Subject: Jewish Studies
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Judaistik)
Tags: Aspekt, Bedeutung, Sukkot-Festes, Hauptseminar, Eschatologie, Theologie, Judaistik
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89002-1
ISBN (Book): 978-3-638-89012-0
File size: 226 KB
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Abstract
„Ein Fest der Hütten sollst du für dich sieben Tage lang machen, wenn du erntest von deiner Tenne und von deiner Kelter. Und du sollst dich an deinem Feste freuen: du und dein Sohn und deine Tochter.....Sieben Tage sollst du für den Ewigen, deinen Gott, feiern, an dem Ort, den der Ewige sich erwählen wird. Denn es hat dich der Ewige, dein Gott, in all deinen Erträgen und in all dem Werk deiner Hand gesegnet – nun kannst du auch fröhlich sein.“[ Dtn 16, 13-15 ] Dieser Passus beschreibt den Erntedank-Aspekt des Sukkot-Festes und es wird deutlich, dass das Herbstfest ein Fest der Freude sein soll. Die Bezeichnung Sukkot-Fest leitet sich von sukkot ab und ist der hebräische Ausdruck für Hütten. Das Herbstfest wird auch chag ha-assif, Fest des Einsammelns genannt [ Ex 23,16; 34,22 ]. Man dankt Gott für das Einbringen der Ernte, v.a. der Obst- und Weinernte. Auch das Bitten um reichlich Regen gehört zum Zeremoniell der Feier und bezeichnet somit auch einen Fruchtbarkeitsaspekt. Denn die bei den Festumzügen mitgeführten Zweige von Bachweiden lassen an ein Fruchtbarkeits- und Regenritus denken und außerdem weist das Datum des Festes ( 15. Tischri ) auf den Beginn der feuchten Jahreszeit hin. Der herausragendste Aspekt dieses Festes aber basiert auf dem Gebot: „Sieben Tage lang sollt ihr in Laubhütten wohnen.“ [ Lev 23,42 ] Die Juden ziehen entsprechend für sieben Tage in eine vorübergehend errichtete Hütte ein. Die Hütte muss so beschaffen sein, dass sie kein festes Dach besitzt. Dabei müssen bestimmte Bauvorschriften beachtet werden. Das soll an die notdürftig erbauten Unterkünfte, in denen die Israeliten während ihrer Wanderung durch die Wüste vierzig Jahre lang lebten, erinnern, nachdem Gott sie aus Ägypten herausgeführt hatte. Durch das Errichten der Sukka und deren Behausung wird somit Zuversicht und Vertrauen in Gott erklärt und der Glauben an Gott demonstriert. Es wird schon jetzt erkennbar, dass das Sukkot-Fest mehrere Bedeutungen und Interpretationen erfahren hat. Man kann sagen, das ursprünglich agrarische Fest wurde historisch-theologisch umgedeutet. Nun stellt sich die Frage: Hat das ursprüngliche Erntedankfest tatsächlich einen eschatologischen Charakter und wenn ja, ab wann hat es diese Bedeutung erhalten und vor allem warum?
Excerpt (computer-generated)
Hauptseminararbeit
Freie Universität Berlin
Der eschatologische Aspekt in der Bedeutung des Sukkot-Festes
Pessach, Shavuot, Sukkot - die drei Wallfahrtsfeste in ihrer Entstehung, Entwicklung und Bedeutung
von Margarete Roewer
2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 2
1.1 Problemstellung ... 2
1.2 Methodischer Zugang ... 5
2 Hauptteil ... 6
2.1 Begriffsdefinition jüdische Eschatologie ... 6
2.2 Das Sukkot-Fest ... 11
2.3 Der eschatologische Aspekt in der Bedeutung des Sukkot-Festes ... 16
3 Schluss ... 24
4 Literaturliste ... 26
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
„Ein Fest der Hütten sollst du für dich sieben Tage lang machen, wenn du erntest von deiner Tenne und von deiner Kelter. Und du sollst dich an deinem Feste freuen: du und dein Sohn und deine Tochter.....Sieben Tage sollst du für den Ewigen, deinen Gott, feiern, an dem Ort, den der Ewige sich erwählen wird. Denn es hat dich der Ewige, dein Gott, in all deinen Erträgen und in all dem Werk deiner Hand gesegnet – nun kannst du auch fröhlich sein.“[ Dtn 16, 13-15 ]
Dieser Passus beschreibt zum einen den Erntedank-Aspekt des Sukkot-Festes1 und zum anderen wird deutlich, dass das Herbstfest ein Fest der Freude sein soll.
Die Bezeichnung Sukkot-Fest leitet sich von sukkot ab und ist der hebräische Ausdruck für Hütten.2 Das Herbstfest wird auch chag ha-assif, Fest des Einsammelns genannt [ Ex 23,16; 34,22 ]. Man dankt Gott3 für das Einbringen der Ernte, v.a. der Obst- und Weinernte. Auch das Bitten um reichlich Regen gehört zum Zeremoniell der Feier und bezeichnet somit auch einen Fruchtbarkeitsaspekt. Denn die bei den Festumzügen mitgeführten Zweige von Bachweiden lassen an ein Fruchtbarkeits- und Regenritus denken und außerdem weist das Datum des Festes ( 15. Tischri ) auf den Beginn der feuchten Jahreszeit hin.4
Zum anderen ist es aber auch ein Fest der Freude, denn in Dtn 16,24 heißt es:
„Du sollst dich freuen vor dem Herrn.“ Das Fest bringt Freude und Vergnügen zum Ausdruck, und ist verbunden mit der Verehrung Gottes. Die religiösen Pflichten werden folglich mit Frohsinn und Freude begangen und drücken somit auch die Liebe zu Gott aus.
Der herausragendste Aspekt dieses Festes aber basiert auf dem Gebot: „Sieben Tage lang sollt ihr in Laubhütten wohnen.“ [ Lev 23,42 ] Die Juden ziehen entsprechend für sieben Tage in eine vorübergehend errichtete Hütte ein. Die Hütte muss so beschaffen sein, dass sie kein festes Dach besitzt. Dabei müssen bestimmte Bauvorschriften beachtet werden. Das soll an die notdürftig erbauten Unterkünfte, in denen die Israeliten während ihrer Wanderung durch die Wüste vierzig Jahre lang lebten, erinnern, nachdem Gott sie aus Ägypten herausgeführt hatte.5 Durch das Errichten der Sukka und deren Behausung wird somit Zuversicht und Vertrauen in Gott erklärt und der Glauben an Gott demonstriert.
Es gibt aber verschiedene Meinungen, die sich mit der Bedeutung der Sukkot auseinandergesetzt haben. Die Rabbinen des Talmuds bspw. sehen es als zweifelhaft an, ob die Sukkot, die in der Bibel erwähnt werden, wirklich solche Hütten waren, denn für sie symbolisiert sie die göttliche Gegenwart, welche die Israeliten in der Wüste beschützte und leitete.6 Die Sukkot galten für sie folglich vielmehr sinnbildlich für den göttlichen Schutz überhaupt, auf den die Menschen angewiesen waren. Auch in ihrer Interpretation des Festes gibt es den Aspekt der Freude, denn eben dieser göttliche Schutz lässt keine Furcht aufkommen, sondern Freude.
Eine weitere Erklärung für die Sukka ist das Symbol der Armut. Da dieser Festtag die letzte Ernte in einer Jahreszeit des Überflusses feiert, soll die Sukka den Menschen an die Armut inmitten allen Wohlstandes und an diejenigen erinnern, die kaum das Notwendigste zum Leben haben, während andere sich ihres Erfolges und Reichtums erfreuen können.7 Wohlstand und Reichtum werden als von Gott gegeben betrachtet und Reichtum wird weder als das Wichtigste noch als Sicherheit angesehen, denn es ist Gottes Wille, dass es geschehe und ebenso kann er es auch wieder nehmen.8
Es wird schon jetzt erkennbar, dass das Sukkot-Fest mehrere Bedeutungen und Interpretationen erfahren hat. Man kann sagen, das ursprünglich agrarische Fest wurde historisch-theologisch umgedeutet. Nun stellt sich die Frage: Hat das ursprüngliche Erntedankfest tatsächlich einen eschatologischen Charakter und wenn ja, ab wann hat es diese Bedeutung erhalten und vor allem warum? Und wieso kann eine eschatologische Relevanz im Sukkot-Fest für die Juden so wichtig sein?
Bekannt ist nämlich, dass sich das Judentum als eine identitätsstiftende Religion begreift, die sich durch das Erinnern der biblischen Ereignisse und im Besonderen durch die theologischen Geschichtsdeutung immer wieder ihrer Existenz vergewissert.9 Es ist also ein Prozess existenzieller Erinnerung, die zum integralen Bestandteil der eigenen Existenz wird. Jüdische Geschichte fordert dazu auf, die biblische Vergangenheit in einem existenziellen-ganzheitlichen Sinne wieder zu vergegenwärtigen, zu repräsentieren. Als ein Teil der Gegenwart erinnert man sich aber nicht an die Vergangenheit, um an ihr Teil zu haben, sondern als Teil der Gegenwart wird man kraft der Erinnerung unmittelbarer Teil der Vergangenheit.10 Wiedervergegenwärtigung der eigenen Vergangenheit ist demzufolge Erinnerung an die eigene Gegenwart. Vergangene Erfahrungen und Ereignisse werden erinnert, wobei dies nicht historiographisch geschieht, sondern v. a. in der Liturgie und im Ritual wird die vergangene Geschichte präsent gemacht und aktuell neu miterlebt.11 Entsprechend wird auch Gott als ein geschichtsimmanent-handelnder Gott betrachtet, der sein Volk alle Zeit begleitet und letztlich zur Erlösung führen wird. In der Geschichte wird das Offenbarwerden des Willen Gottes deutlich. Die Geschichte wird nämlich als Theophanie gedacht und letztlich ist die Deutung der Geschichte im Glauben zu suchen.12
Berücksicht man dieses identitätsstiftende Moment in der von Erinnerung und Geschichte durchdrungenen jüdischen Religion als grundlegend, dann wird erkennbar, wie wichtig und notwendig eine eschatologische Relevanz in der Bedeutung des Sukkot-Festes wäre. Sicherlich ist eine eschatologische Hoffnung für eine Religion generell grundlegend und elementar, aber je mehr Aspekte der Eschatologie sich in einer Religion finden lassen, um so mehr garantiert diese Tatsache zum einen den weiteren Bestand einer Religion und zum anderen lässt sich das diesseitige Leben für den Gläubigen besser bewältigen. Denn letztlich impliziert eine eschatologische Immanenz auch immer einen soteriologischen Charakter, weil sie die Erlösung zum Ziel hat. Folglich würde eine begründete Eschatologie im Sukkot-Fest auch eine Hoffnungstheologie darstellen, welche die Existenzfrage der Juden stärken könnte. Auch die damit verbundene Theodizee-Problematik ließe sich unter dem Aspekt der Eschatologie besser verstehen. Auf Grund dessen kann der Sinn des Leides, sofern es diesen gibt, und der Sinn der Geschichte kritisch hinterfragt werden.
Sollte es also eine eschatologische Relevanz in der Bedeutung des Sukkkot-Festes geben, dann folgt daraus, dass die Soteriologie und die Theodizee-Frage nicht ausgeschlossen werden können. In der vorliegenden Arbeit soll erläutert und diskutiert werden, inwiefern sich ein eschatologischer Aspekt finden lässt und außerdem wird zu zeigen sein, dass eine positive Antwort darauf für die Juden notwendig und von großer Bedeutung ist, weil damit letztlich eine große Hoffnung auf das Heil für die Juden verbunden ist und schließlich auch eine Existenz- bzw. Identitätsfrage ist.
[...]
1 Anm. Das Sukkot-Fest ist in den folgenden Ausführungen synonym mit Laubhüttenfest, Herbstfest, Erntedankfest, Fest der Freude, Fest des Einsammelns, agrarisches Fest zu verstehen. Verschiedene Bezeichnungen für ein und das selbe Fest ( Sukkot-Fest ) begründen sich in den unterschiedlichen Zeitepochen und in den dazu entstandenen verschiedenen Quellen.
2 Gesenius, Wilhelm, Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch, Berlin / Göttingen / Heidelberg 9 1962, S. 543.
3 Anm. Mit Gott ist in der vorliegenden Arbeit immer der monotheistische biblische jüdische Gott gemeint.
4 Galley, Susanne, Das jüdische Jahr. Feste, Gedenk- und Feiertage, München 2003, S. 85.
5 Hannover, Joyce, Gelebter Glaube. Die Feste des jüdischen Jahres, Gütersloh 4 1998, S. 53-54.
6 Ebd., S. 54.
7 Kitov, Elijahu, Das jüdische Jahr. Gesetz und Brauch, Bd. 4, Zürich 1990, S. 160-161.
8 Ebd., S. 160.
9 Yerushalmi, Yosef H., Zachor: Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis, Berlin 3 1988, S. 17-18.
10 Ebd., S. 54-55.
11 Ebd., S. 24.
12 Ebd., S. 26.
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