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Die Bedeutung des Kiddusch ha-Schem im jüdischen Selbstverständnis

Subtitle: Jüdische Geschichtsdeutung der Khmelnytsky-Verfolgung 1648/49

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 13 Pages
Author: Margarete Roewer
Subject: Jewish Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 13
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V82945
ISBN (E-book): 978-3-638-89003-8
ISBN (Book): 978-3-638-89013-7
File size: 191 KB
Notes :
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis erforderlich.


Abstract

Durch den Bund am Sinai werden Gott und sein heiliges Volk Israel Bundespartner. Die theologische Konzeptionen von Erwählung und Bund bilden die Grundlagen der „Heiligung des göttlichen Namens“. Erwählungsverpflichtung und Bundesschluss fordern die Nachfolge Israels auf Gottes Wegen. Die Erwählung zeichnet sich durch die Gabe und Aufgabe der Tora aus. Diese wird zum modus vivendi, der die Erfüllung des Gotteswillen, nämlich das Halten der Gebote, verlangt. Der Begriff Kiddusch ha-Schem, Heiligung des göttlichen Namens, gehört somit zum Zentrum des jüdischen Selbstverständnisses, denn Israel soll als das Volk der Erwählung Gottes durch seine Existenz den Namen Gottes heiligen. Somit liegt in seiner Bedeutung auch ein identitätsstiftender Aspekt. Im Laufe der Entwicklung wurde dieser Begriff mehr und mehr eingeschränkt im Sinne des Martyriums zur Heiligung des göttlichen Namens. Des Weiteren stellt das Martyrium Kiddusch ha-Schem die höchste Stufe der Zeugenschaft Israels für Gott dar. Meistens wird unter Kiddusch ha-schem ein Martyrium verstanden, welches den Tod zwingend impliziert. Die Heiligung Gottes hat aber eine umfassendere Bedeutung. Jeder Jude, der täglich das Schma Jisrael spricht, muss innerlich die Bereitschaft zur Selbsthingabe besitzen. Schon der Vortrag des Schma wird grundsätzlich als Kiddusch ha-Schem gewertet. Das Kiddusch ha-Schem ist also wesentlich mehr als nur ein förmliches Bekenntnis. Es ist vielmehr ein besonderes Bewusstsein der Juden, mit der ständigen Präsenz Gottes zu leben. Als auserwähltes Volk ist man davon überzeugt, dass ein in der Geschichte handelnder Gott immer mit seinem Volk ist. So wurde das Schma Jisrael zum traditionellen Märtyrerbekenntnis des Judentums. Im Augenblick des Todes hat man sich zur Einheit und Einzigartigkeit des göttlichen Namens bekannt. Das Kiddusch ha-Schem schließt aber nicht notwendigerweise den Tod ein, sondern hat das Leben als Inhalt, das Halten der Gesetze, welche nur im Leben vollzogen werden können. Weil das Kiddusch ha-Schem ein identitätsstiftendes Element im Judentum ist, lässt dies vielleicht auf einen Grund für seine Beständigkeit schließen und soll im Folgenden erschlossen werden. Auf der anderen Seite ist zu erforschen, ob und wann es einen Bedeutungswandel des Begriffes gegebenen hat und letztlich auch warum sich sein Verständnis geändert hat.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminararbeit
Frei Universität Berlin Institut für Judaistik

Die Bedeutung des Kiddusch ha-Schem im jüdischen Selbstverständnis -
Jüdische Geschichtsdeutung der Khmelnytsky-Verfolgung 1648/49

von Margarete Roewer
2006

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 1
1.1 Problemstellung ... 1
1.2 Methodischer Zugang ... 2

2 Hauptteil ... 3
2.1 Begriffsdefinition und die Grundzüge des Konzeptes von Kiddusch ha-Schem im Wandel seiner historischen Entwicklung ... 3

3 Schluss ... 11

 

 

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Durch den Bund am Sinai werden Gott und sein heiliges Volk Israel Bundespartner. Die theologische Konzeptionen von Erwählung und Bund bilden die Grundlagen der „Heiligung des göttlichen Namens“. Erwählungsverpflichtung und Bundesschluss fordern die Nachfolge Israels auf Gottes Wegen. Die Erwählung zeichnet sich durch die Gabe und Aufgabe der Tora aus. Diese wird zum modus vivendi, der die Erfüllung des Gotteswillen, nämlich das Halten der Gebote, verlangt.1
Der Begriff Kiddusch ha-Schem, Heiligung des göttlichen Namens, gehört somit zum Zentrum des jüdischen Selbstverständnisses, denn Israel soll als das Volk der Erwählung Gottes durch seine Existenz den Namen Gottes heiligen. Somit liegt in seiner Bedeutung auch ein identitätsstiftender Aspekt.
Im Laufe der Entwicklung wurde dieser Begriff mehr und mehr eingeschränkt im Sinne des Martyriums zur Weihe oder Heiligung des göttlichen Namens. Des Weiteren stellt das Martyrium Kiddusch ha-Schem die höchste Stufe der Zeugenschaft Israels für den Einen und Ewigen Gott dar.
Meistens wird unter Kiddusch ha-schem ein Martyrium verstanden, welches den Tod zwingend impliziert. Die Heiligung Gottes hat aber eine umfassendere Bedeutung. Jeder Jude, der täglich das Schma Jisrael spricht, muss innerlich die Bereitschaft zur Selbsthingabe besitzen. Schon der Vortrag des Schma wird grundsätzlich als Kiddusch ha-Schem gewertet. Das Kiddusch ha-Schem ist also wesentlich mehr als nur ein förmliches Bekenntnis. Es ist vielmehr ein besonderes Bewusstsein der Juden, mit der ständigen Präsenz Gottes zu leben. Als auserwähltes Volk ist man davon überzeugt, dass ein in der Geschichte handelnder Gott immer mit seinem Volk ist. So wurde das Schma Jisrael zum traditionellen Märtyrerbekenntnis des Judentums. Im Augenblick des Todes hat man sich zur Einheit und Einzigartigkeit des göttlichen Namens bekannt. Das Kiddusch ha-Schem, die Heiligung Gottes, schließt aber nicht notwendigerweise den Tod ein, sondern hat das Leben als Inhalt, das Halten der Gesetze, welche nur im Leben vollzogen werden können. Diese Auffassung wurde v. a. vorwiegend in der rabbinischen Tradition vertreten.
Interessant ist, dass das Konzept des Kiddush ha-Schem sich beständig und doch wandlungsfähig in der Geschichte des Judentums gezeigt hat. Weil das Kiddusch ha-Schem ein identitätsstiftendes Element im Judentum ist, lässt dies vielleicht auf einen Grund für seine Beständigkeit schließen und soll im Folgenden erschlossen werden. Auf der anderen Seite ist zu erforschen, ob und wann es einen Bedeutungswandel des Begriffes gegebenen hat und letztlich auch warum sich sein Verständnis geändert hat.
Insgesamt ist das Thema brisant und aktuell, denn es streift die Disziplinen Ethik, Religion, Theologie und Geschichte und beschäftigt sich mit allen existenziellen Fragen, dem Sinn des Lebens.
Schließlich ist somit eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Märtyrertodes zu suchen: Lässt sich eine Theodizee-Relevanz im Kiddusch ha-Schem erkennen und impliziert es somit sowohl eine eschatologische als auch eine soteriologische Dimension ?

[...]


1 Lenzen, Verena, Jüdisches Leben und Sterben im Namen Gottes, München 1995, S. 45.


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