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Von außen nach innen: Parallelstrukturen von Text und Psyche in E.T.A . Hoffmanns "Das öde Haus"

Scholary Paper (Seminar), 2005, 15 Pages
Author: Meike Kohl
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V83085
ISBN (E-book): 978-3-638-89357-2

File size: 120 KB


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Deutsche Philologie II (Neuere deutsche Literatur)
Proseminar: Geister-Seher
Wintersemester 2004/2005

Meike Maren Kohl

Von außen nach innen: Parallelstrukturen von Text und Psyche in E. T. A. Hoffmanns "Das öde Haus"

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Voraussetzungen 1

2. Aufbau der Erzählung 1

    2.1 Erzählerfunktion in Rahmen- und Binnenhandlung 1
    2.2 Struktur 2

3. Erzählräume 3

    3.1. Der imaginäre phantastische Raum 4
    3.2. Der 1. phantastische Raum: die Vision Theodors  4
    3.3. Der 2. phantastische Raum: die Erscheinung im Spiegelbild 4

        3.3.1. Belebung des toten Gegenstands 4
        3.3.2. Innere Projektion 5

    3.4. Der 3. phantastische Raum: Das Eindringen in das öde Haus 5

4. Die psychische Erkrankung 6

    4.1. Kindheitstrauma und Folgen 6
    4.2. Das Spiegelmotiv  7

        4.2.1 Enthüllung des öden Hauses 8

5. Das Heraustreten des Inneren ins Äußere  9

    5.1. Identitätskrise der Dichter 11

Literaturverzeichnis  13

 

 

1. Vorraussetzungen

Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns 1817 erschienene Erzählung Das öde Haus steht an exponierter Stelle des zweiten Teils des Zyklus Nachtstücke. Obwohl einige Ähnlichkeiten mit dem dazu im ersten Teil parallel gestellten Sandmann vorhanden sind, wird sich hier nur auf den Text des öden Hauses selbst bezogen. Nach einer strukturellen Analyse wird gezeigt, dass das öde Haus einen sehr eigenen Wirklichkeitsanspruch hat. Die Arbeit steht unter der Prämisse, dass eine klar von außen nach innen verlaufende Struktur erkennbar ist, die schon in der Form angelegt ist. Parallel dazu entwickelt sich der Krankheitsverlauf Theodors, der während dieses Fortschreitens immer tiefer in die Psyche eindringt. Der Versuch einer psychoanalytischen Deutung liegt also nahe. Strukturell kann man von einem parallel zum Krankheitsverlauf Theodors immer tiefer ins Innere fortschreitenden Äußeren sprechen. Es wird also zunächst einmal auf Form und Funktion eingegangen werden, um dann unter Berücksichtigung von stilistischen Aspekten und Motiven auf Deutungsweisen zu kommen. Am Ende wird auf die gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts übertragen. Dabei wird sich auf den Handlungsablauf konzentriert werden und nicht auf die Aufklärung der Geschehnisse am Ende, welche für die Struktur nicht von großer Bedeutung ist.

 

2. Aufbau der Erzählung

2.1. Erzählerfunktion in Rahmen- und Binnenhandlung

Die Erzählung Das öde Haus wird von einem auktorialen Erzähler berichtet, der aber nur während der Rahmenhandlung, dem Gespräch unter Freunden, auftritt. In dieser werden die „theoretischen Grundlagen“ geschaffen, indem erörtert wird, welches Prinzip mit der anschließenden Binnenhandlung veranschaulicht werden soll. Während der eigentlichen Handlung erzählt Theodor, sodass allgemeingültige Feststellungen, die letztlich unentbehrlich für die Aussage der Erzählung sind, nur anfangs und am Ende gemacht werden.

Weite Teile werden vom personalen Erzähler Theodor systematisiert vorgetragen. Das erzählende Ich zielt auf die effektivste dramatische Wirkung, und kann durch das vorherige „Niedergeschrieben-Haben“ des Erlebten1 sowie seinen, wenn auch begrenzten, Wissensvorsprung vor dem Zuhörer strukturieren, wie die häufigen, direkt an den Hörer gerichteten Einwürfe zeigen, die zugleich rechtfertigend sind, wie Sheila Dickson bemerkt: “They are passages of self-justification, or explanations which preempt criticism.“ 2 Trotzdem werden in direkter Rede die Aussagen weiterer Personen wiedergegeben, deren Beobachtungen widersprüchlich zu denen Theodors sein können, wie die des alten Mannes: „Ei ei, mein Herr, wohl habe ich mit unbewaffnetem Auge das hübsche Gesicht dort im Fenster gesehen, aber es war ja ein, wie es mir schien, recht gut und lebendig in Öl gemaltes Portrait.“3 (179) In der personalen Erzählsituation selbst entfalten sich demnach weitere personale Erzählräume. Der Gesamtüberblick über das Geschehen ist also trotz Theodors vermeintlichen Wissens nicht gegeben, auch der auktoriale Erzähler der Rahmenhandlung löst die gegebenen Rätsel nicht weiter auf. Dennoch lassen sich einige signifikante Punkte analysieren:

2.2 Struktur

Die Hoffmannsche Erzählung Das öde Haus weist eine kongruent zur Thematik des Innen und Außens verlaufende Struktur auf. In der Binnenhandlung wird das Prinzip des „von außen nach innen Dringens“ durch die Erzählform weitergeführt. Die Einzelaussagen verschiedener Personen ermöglichen dem Leser ein durch viele Sichtweisen geprägtes Wahrnehmen des Geschehens, sodass sich aus dem Ganzen ein mehr oder weniger einheitliches Bild ergibt. So wird zum Beispiel das Gesche-hen um Angelika aus mehreren Perspektiven beleuchtet4.
Die auf den ersten Blick recht lineare Struktur der Handlung führt sie also immer tiefer in sich selbst hinein. Jeder neue Abschnitt der Erzählung eröffnet kleinere Binnenerzählungen, die Stück für Stück in das tiefere Verständnis führen. Der Leser wird so in den Prozess des Verstehens, den auch der Protagonist erlebt, miteinbezogen, die Erzählung kann also gleichsam als belehrend charakterisiert werden: „aber – am Ende kommt die Moral, die euch zu Boden schlägt, horcht nur auf!“(167).


1 Vgl. Claudia Lieb, Und hinter tausend Fenstern..., S. 62.

2 Sheila Dickson, The narrator and narrative perspective, S. 173.

3 E.T.A. Hoffmann, Das öde Haus, S. 179. Alle weiteren Zitate beziehen sich auf diesen Text und werden durch die Angabe der Seitenzahl im Text gekennzeichnet.

4 Sheila Dickson, The narrator and narrative perspective, S.71.


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