Felix Fabri: Ins Heilige Land und zurück. Pilgerreise und Reisebedingungen im 15. Jahrhundert

Autor: Ralf Käcks
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

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Details

Veranstaltung: Kreuzzug und Pilgerreise.
Institution/Hochschule: Universität Kassel (FB 5)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 32
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 257 KB
Archivnummer: V8325
ISBN (E-Book): 978-3-638-15318-8

Textauszug (computergeneriert)

Felix Fabri: Ins Heilige Land und zurück.
Pilgerreise und Reisebedingungen im 15. Jahrhundert

von Ralf Käcks


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Felix Fabri und sein Pilgerbericht 7

3. Ins Heilige Land und zurück 9

3.1 Reisevorbereitungen 9

3.2 Von Ulm nach Venedig - Landreise und Alpenüberquerung 12

3.3 Von Venedig nach Jaffa - Pilgerreise zu Schiff 17

3.4 Vom Heiligen Land nach Ägypten - Reisen in der Fremde 22

4. Fabri und Breydenbach - Ein gemeinsames Erlebnis? 26

5. Schlussbetrachtung 29

6. Quellen- und Literaturverzeichnis 30


1. Einleitung

Mobilität, Kommunikation und Globalität gelten heute als Schlagwörter für das nun bald anbrechende 21. Jahrhundert. Es wird nicht mit Spekulationen gespart, wie unsere Zukunft im dritten Jahrtausend wohl aussehen wird. Unverkennbar ist bei all den Betrachtungen die enorme Bedeutung von Verkehr und Transport in lokalen, regionalen und internationalen Dimensionen, ja das Reisen schlechthin steht ohne Frage jedem Mitglied der heutigen Gesellschaft offen.
Auch wenn das Ausmaß der Reisetätigkeit sicherlich erst allmählich zugenommen hat und sich besonders seit dem Aufkommen der Eisenbahn, des Autos und des Flugzeuges revolutioniert hat, lässt sich doch konstatieren, dass auch der Mensch des Mittelalters mit dem Reisen als Mittel zum Zweck, aber auch der Notwendigkeit von überregionalem Austausch durch Reisen, vertraut war. Viele Aspekte der mittelalterlichen Geschichte, die wir heute betrachten, schließen die Reisetätigkeit einzelner oder ganzer Gruppen wie selbstverständlich ein, oft ohne mit der notwendigen Aufmerksamkeit darauf zu achten, was denn das Unterwegssein in jener Zeit überhaupt bedeutete. Erst nachdem der in der heutigen Gesellschaft verwurzelte Betrachter seine modernen Vorstellungen von Mobilität zur Seite gelegt hat und Reisebedingungen mit den Augen eines Zeitgenossen betrachtet, kann ihm auch erst die ganze Bedeutung und Tragweite einzelner Gegebenheiten deutlich werden.
Bei den auch im Mittelalter bereits zahlreich reisenden Menschen lassen sich die unterschiedlichsten Motive für das Unterwegssein festmachen. Hierbei stellt Arnold Esch "die Pilgerreise als damals üblichste und meistberichtete Form der Reise für Personen jedes Standes" heraus. Norbert Ohler geht sogar noch einen Schritt weiter wenn er den Pilger als "Prototypen des mittelalterlichen Reisenden" bezeichnet. An anderer Stelle heißt es: "Das Pilgern […] gehörte zu den wenigen legitimen Reisebegründungen des sonst heimatgebundenen mittelalterlichen Menschen." Neben vielen lokalen und regionalen Pilgerzielen standen die drei Ziele der ‚peregrinationes maiores′ - Rom, Santiago de Compostela und das Heilige Land mit Jerusalem - an der Spitze der Pilgerrangliste. Aufgrund der hohen Kosten, die mit der Reise nach Jerusalem verbunden waren, stand dieses Pilgerziel meist aber nur recht wohlhabenden Pilgern offen, die auch ohne weiteres eine Abwesenheit vom Heimatort von bis zu einem Jahr oder länger einrichten konnten.
Wie Arnold Esch in seinem o.g. Zitat bereits hervorgehoben hat, liegen uns heute in der Tat zahlreiche Berichte von Jerusalempilgern vor, die sich in vielerlei Hinsicht durchaus ähneln, sich im Umfang und in der Intention jedoch oft stark unterscheiden. Besonders für die zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gibt es eine Vielzahl von erhaltenen Berichten, die aufgrund der alleinigen Reisemöglichkeit von Venedig per Schiff in das Heilige Land oft auch von ein und derselben Pilgerfahrt berichten und somit vergleichbar sind.
Vergleichbar oder nicht, die meisten der erhaltenen Pilgerberichte erzählen nur sehr wenig über die tatsächlichen Reisebedingungen mit denen der Pilger konfrontiert war. Meist erfolgen nur kurze Erwähnungen der Reiseroute und von Entfernungen, allenfalls gibt es wenige Hinweise auf das Leben auf dem Schiff, das die Pilger immerhin bis zu zwei Monate pro Reisestrecke erlebten. Insbesondere die Reisevorbereitungen und Anreise bis Venedig wurden nicht oder nur in wenigen Sätzen beschrieben. Oft lassen die Verfasser ihre Berichte auch erst in der norditalienischen Stadt beginnen. Dies lässt vermuten, dass solche Dinge wie Vorbereitungen und Alpenüberquerung vom Verfasser als selbstverständlich angesehen und nicht für erwähnenswert gehalten wurden, der ja nicht schrieb, damit sich Menschen ein halbes Jahrtausend später ein Bild vom Reiseleben im ausgehenden Mittelalter machen können. Letztendlich hat dieser Mangel in den Reiseberichten auch dazu geführt, dass bisherige Untersuchungen sich kaum mit dem Erlebnis und den Bedingungen einer solchen Pilgerreise befassen.
Die erfreuliche Ausnahme ist hier der Ulmer Dominikanermönch Felix Fabri, der seine Reise in das Heilige Land von 1483-1484 sehr ausführlich beschreibt und dabei auch sehr genau über seine Reiseerfahrungen berichtet. Aufgrund seiner Beschreibungen möchte ich in meiner Arbeit anhand seiner Wahrnehmung und Beschreibung die Reisebedingungen auf einer spätmittelalterlichen Pilgerreise in das Heilige Land und über den Sinai nach Ägypten untersuchen. Hierbei werde ich mich nach einer kurzen Biographie im Hinblick auf Fabris Reisetätigkeit und der von ihm verfassten Berichte zuerst mit den Reisevorbereitungen beschäftigen, über die Fabri ebenfalls berichtet hat. Danach steht zunächst die Landreise von Ulm bis Venedig im Vordergrund, gefolgt von der Schiffsreise von Venedig nach Jaffa samt Vorbereitungen. Hierauf folgt eine Betrachtung der Reise im Heiligen Land und durch die Wüste zum Sinai und nach Ägypten. Die Rückreise von Alexandria bis Ulm soll dann aufgrund der Tatsache, dass die Reisebedingungen denen der Hinfahrt ähnlich waren und daher in den entsprechenden Abschnitten zuvor behandelt wurden, nicht mehr gesondert betrachtet werden.

Statt dessen werde ich wenigstens punktuell versuchen, die Angaben, die Felix Fabri in seinem Bericht macht, anhand eines Parallelberichtes zu überprüfen. Der Mainzer Domherr Bernhard von Breydenbach war nämlich ebenfalls von 1484 bis 1484 auf der Pilgerfahrt nach Jerusalem. Zwar unternahmen die beiden geistlichen Pilger die Hinfahrt auf getrennten Schiffen, doch lernten sie sich in Palästina kennen und reisten in einer Gruppe von Jerusalem über den Sinai nach Ägypten und zurück nach Venedig. Ich werde daher versuchen in Breydenbachs Bericht, Gemeinsamkeiten oder Abweichungen zu Fabris Darstellungen zu finden.

2. Felix Fabri und sein Pilgerbericht

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