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Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Familie?

Scholary Paper (Seminar), 2007, 22 Pages
Author: Stefanie Meyer
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V83320
ISBN (E-book): 978-3-638-89915-4
ISBN (Book): 978-3-638-90514-5
File size: 151 KB

Abstract

Die rückläufigen Eheschließungszahlen, die stetig ansteigende Zahl der Scheidungen, der drastische Rückgang der Geburten, die wachsende Zahl an Einelternfamilien beziehungsweise an Alleinerziehenden, der steigende Anteil an Einpersonenhaushalten und die deutlich angestiegene Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutsch-land legen die Vermutung nahe, dass die Institution der Familie in eine Krise geraten sein oder auch zunehmend an Bedeutung verloren haben könnte. Die eben beschriebenen Sachverhalte werfen jedoch einige weiterführende Fragen auf: Was versteht man unter „Familie“, wie lässt sie sich definieren? Welche Funktionen und Aufgaben hat sie? Welche verschiedenen familialen Lebensformen gibt es? Wie hat sich die Struktur der Familie verändert? Aus welchen Gründen? Befindet sich die Fami-lie in einer Krise oder sogar im Verfall? In der hier vorliegenden Arbeit werde ich neben diese Fragestellungen auch eine bestimmte familiale Lebensform näher betrachten, nämlich die der nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Ich habe diese ausgewählt, da sie in den letzten Jahrzehnten einen sehr starken Zuwachs erfahren hat. Woher kommt dieser Anstieg? Ist er etwa eine Folge der strukturellen Veränderungen der Familie und falls ja, in welchem Ausmaß? Sind sie sogar erst durch den Strukturwandel entstanden? Oder hat es diese Form der Partner-schaft schon immer gegeben? Wie ist diese Form des nichtehelichen Zusammenlebens entstanden, wie hat sie sich entwickelt? Welche Absichten und Ziele werden durch sie verfolgt, welche Aufgaben und Funktionen hat sie? Welche Menschen entscheiden sich für diese Lebensform? In meinen Ausführungen werde ich mich ausschließlich auf die Entwicklungen in Deutschland beziehen.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Seminar zur Allgemeinen Soziologie
Sommersemester 2007, Fachsemester: 7

Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Familie?

von

Stefanie Meyer

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 4

2. Familie... 5

2.1 Definition von Familie... 5

2.2 Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie... 5
2.3 Der Strukturwandel der Kernfamilie... 6

2.3.1 Die Entwicklung der Geburtenziffer... 7
2.3.2 Die Entwicklung der Eheschließungen und Ehescheidungen... 8
2.3.3 Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Zahlen... 9

2.3 Ursachen des Strukturwandels der Familie... 10

2.3.1 Die Veränderung des Verhältnisses von Ehe und Familie... 10
2.3.2 Die Individualisierungsthese... 11
2.3.3 Die Theorie sozialer Differenzierung... 11
2.3.4 Reformen des Familienrechts... 12

3. Nichteheliche Lebensgemeinschaften... 14

3.1 Die historische Entwicklung der nichtehelichen Lebensgemeinschaften... 14
3.2 Die Motive für die Gründung einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft... 15
3.3 Eigenschaften und Besonderheiten der nichtehelichen Lebensgemeinschaften... 16

4. Fazit... 19

5. Literaturverzeichnis... 21


 

1. Einleitung

Die rückläufigen Eheschließungszahlen, die stetig ansteigende Zahl der Scheidungen, der drastische Rückgang der Geburten, die wachsende Zahl an Einelternfamilien beziehungsweise an Alleinerziehenden, der steigende Anteil an Einpersonenhaushalten und die deutlich angestiegene Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland legen die Vermutung nahe, dass die Institution der Familie in eine Krise geraten sein oder auch zunehmend an Bedeutung verloren haben könnte. Die eben beschriebenen Sachverhalte werfen jedoch einige weiterführende Fragen auf: Was versteht man unter „Familie“, wie lässt sie sich definieren? Welche Funktionen und Aufgaben hat sie? Welche verschiedenen familialen Lebensformen gibt es? Wie hat sich die Struktur der Familie verändert? Aus welchen Gründen? Befindet sich die Familie in einer Krise oder sogar im Verfall?
In der hier vorliegenden Arbeit werde ich neben diese Fragestellungen auch eine bestimmte familiale Lebensform näher betrachten, nämlich die der nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Ich habe diese ausgewählt, da sie in den letzten Jahrzehnten einen sehr starken Zuwachs erfahren hat. Woher kommt dieser Anstieg? Ist er etwa eine Folge der strukturellen Veränderungen der Familie und falls ja, in welchem Ausmaß? Sind sie sogar erst durch den Strukturwandel entstanden? Oder hat es diese Form der Partnerschaft schon immer gegeben? Wie ist diese Form des nichtehelichen Zusammenlebens entstanden, wie hat sie sich entwickelt? Welche Absichten und Ziele werden durch sie verfolgt, welche Aufgaben und Funktionen hat sie? Welche Menschen entscheiden sich für diese Lebensform? In meinen Ausführungen werde ich mich ausschließlich auf die Entwicklungen in Deutschland beziehen.

2. Familie

2.1 Definition von Familie

Es ist sehr schwierig, den Begriff „Familie“ zu definieren, da eine Definition einer immensen historischen und kulturellen Vielfältigkeit an Familienformen gerecht werden müsste.
Für die Familiensoziologien Rosemarie Nave-Herz werden Familien durch drei verschiedene Kriterien charakterisiert. Die erste Eigenschaft einer Familie ist, dass sie neben ihren beiden wichtigsten Funktionen der Reproduktion und Sozialisation auch noch weitere gesellschaftliche Funktionen übernimmt, die jedoch kulturell variieren. Weiterhin ist Familie durch ein spezifisches, besonders enges und festes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis zwischen ihren Mitgliedern gekennzeichnet. Daraus resultiert schließlich auch der Gruppencharakter der Familie, der wiederum den Mitgliedern spezifische, kulturabhängige Rollen zuweist. Der letzte wesentliche Aspekt ist die Generationendifferenzierung, das heißt, jede Familie umfasst mindestens zwei Generationen (Nave-Herz, 1997).
Diese Abgrenzung berücksichtigt die große kulturelle und historische Vielfalt von Familien, Familienbeziehungen und familialer Lebensformen. Unter diese Definition fällt nicht nur der am weitesten verbreitete, eine Monopolstellung inne habende Typus der traditionellen, bürgerlichen Kleinfamilie, oftmals auch als Normalfamilie oder Kernfamilie bezeichnet (damit gemeint sind verheiratete Eltern mit Kind oder Kindern), sondern auch die sich immer stärker verbreitenden Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, Fortsetzungsfamilien und nichteheliche Lebensgemeinschaften.

2.2 Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie

Einen ersten tief greifenden Wandel ihrer Strukturen und Funktionen erfuhr die Familie beim Übergang von der Ständegesellschaft zur Industriegesellschaft. Vor der industriellen Revolution war sie nicht nur eine soziale, sondern auch eine rechtliche, politische und vor allem wirtschaftliche Einheit. Die vorindustrielle Wirtschaft war überwiegend Familienwirtschaft, das heißt die meisten vorindustriellen Familien waren in erster Linie Produktionsstätten. Die damaligen Familien waren patriarchalisch strukturiert. Mehrere Generationen der Familie lebten, je nach Stand, zusammen mit Knechten, Mägden, Lehrlingen, Gesellen oder dann im Bürgertum mit Dienstpersonal unter einem Dach. Allerdings gab es zu der Zeit auch eine große Zahl Alleinlebender, da oftmals die materiellen Voraussetzungen zur Gründung einer Familie fehlten.
Im 19. Jahrhundert entstand in den Städten langsam die bürgerliche Kleinfamilie. Sie ist erstmals durch die Trennung von Wohnung und Arbeitsstätte charakterisiert. Die Produktionsfunktion wurde durch die Erholungs- und Entlastungsfunktion ersetzt. Der Mann wurde zum Ernährer der Familie, die Frau war für Haus und Kinder zuständig. Bei den Industriearbeiterfamilien war die Arbeit zwar mittlerweile auch aus der Wohnstätte herausgelöst, jedoch mussten auch die Frauen und Kinder zum Erwerb des Lebensunterhalts beitragen.

[...]


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