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Scholary Paper (Seminar), 2007, 24 Pages
Author: Nele Bach
Subject: Romance Languages - Spanish Studies
Details
Institution/College: Saarland University (Romanistisches Institut)
Tags: Erscheinungsformen, Gewalt, Peru, Jahre, Phänomen, Gewalt, Literatur, Lituma en los Andes, Mario Vargas Llosa
Year: 2007
Pages: 24
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89918-5
ISBN (Book): 978-3-638-93962-1
File size: 173 KB
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit soll herausgestellt werden, welche Erscheinungsformen der politischen Gewalt im Peru der achtziger Jahre in dem Roman Lituma en los Andes von Mario Vargas Llosa realistisch dargestellt sind, welche Ausprägungen der politi-schen Gewalt nur angeschnitten und welche Aspekte ganz ausgeklammert werden. In der Einleitung wird der Autor kurz vorgestellt (1.1), darauf folgt ein Blick auf den Aufbau des Romans (1.2) und auf politisch-soziale Hintergründe (1.3). Im Hauptteil soll an verschiedenen Textstellen aus Lituma en los Andes untersucht werden, inwiefern der Roman eine Darstellung der politischen Gewalt leistet und wel-che Interpretationsansätze er bietet. Das Hauptaugenmerk wird hierbei auf die Er-scheinungsformen zuerst der Aufstandsgewalt (2.1) und dann der staatlichen Gewalt (2.2) gelegt. Im dritten Teil der Arbeit interessiert die Frage, welche möglichen Ursachen für den internen Krieg in Peru in den achtziger Jahren der Roman liefert und welche er dem Leser schuldig bleibt. Auch hier werden Analyse und Interpretation von Textbeispielen aus Lituma en los Andes im Mittelpunkt stehen. Ein kurzes Fazit fasst die Ergebnisse zusammen.
Excerpt (computer-generated)
Romanistisches Institut der Universität des Saarlandes
Proseminars: „Das Phänomen der Gewalt
in der hispano-amerikanischen Literatur“
WS 2006/2007
Erscheinungsformen der Gewalt im Peru der achtziger Jahre
von
Nele Bach
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG... 3
1.1 Mario Vargas Llosa – ein erfolgreicher Schriftsteller, aber ein erfolgloser Präsidentschaftskandidat... 3
1.2 Lituma en los Andes – Der Aufbau des Romans im Hinblick auf die „Dämonen“ des Autors... 4
1.3 Politisch-soziale Hintergründe... 6
2 DIE POLITISCHE GEWALT, IHRE AKTEURE UND IHRE OPFER... 8
2.1 Erscheinungsformen der Aufstandsgewalt unter Sendero Luminoso... 9
2.1.1 Das Äußere der senderistas... 12
2.1.2 Die Waffen der senderistas... 13
2.1.3 Die Parolen der senderistas... 13
2.2 Erscheinungsformen und Akteure der staatlichen Unterdrückungsgewalt... 14
3 MÖGLICHE URSACHEN DER GEWALT... 18
4 FAZIT... 21
5 LITERATURVERZEICHNIS... 23
1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll herausgestellt werden, welche Erscheinungsformen der politischen Gewalt im Peru der achtziger Jahre in dem Roman Lituma en los Andes von Mario Vargas Llosa realistisch dargestellt sind, welche Ausprägungen der politischen Gewalt nur angeschnitten und welche Aspekte ganz ausgeklammert werden. In der Einleitung wird der Autor kurz vorgestellt (1.1), darauf folgt ein Blick auf den Aufbau des Romans (1.2) und auf politisch-soziale Hintergründe (1.3). Im Hauptteil soll an verschiedenen Textstellen aus Lituma en los Andes untersucht werden, inwiefern der Roman eine Darstellung der politischen Gewalt leistet und welche Interpretationsansätze er bietet. Das Hauptaugenmerk wird hierbei auf die Erscheinungsformen zuerst der Aufstandsgewalt (2.1) und dann der staatlichen Gewalt (2.2) gelegt.
Im dritten Teil der Arbeit interessiert die Frage, welche möglichen Ursachen für den internen Krieg1 in Peru in den achtziger Jahren der Roman liefert und welche er dem Leser schuldig bleibt. Auch hier werden Analyse und Interpretation von Textbeispielen aus Lituma en los Andes im Mittelpunkt stehen. Ein kurzes Fazit fasst die Ergebnisse zusammen.
1.1 Mario Vargas Llosa – ein erfolgreicher Schriftsteller, aber ein erfolgloser Präsidentschaftskandidat
Mario Vargas Llosa wurde im peruanischen Hochland in Arequipa geboren,2 ist aber mittlerweile spanischer Staatsbürger und genießt das Ansehen eines Weltbürgers3. Er gehört zu den vier produktivsten, meist gelesenen Literaten Lateinamerikas und hat zahlreiche Preise gewonnen, zum Beispiel 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels1. Er hat mittlerweile neben unzähligen Zeitungsartikeln, 15 Essay- Sammlungen, sechs Theaterstücken, drei Erzählbänden und seinen Memoiren 15 Romane veröffentlicht2.
Anders als sein Schriftstellerkollege Gabriel García Márquez wandte Mario Vargas Llosa schon früh dem Ideal des Sozialismus den Rücken und engagierte sich von da an leidenschaftlich „für Markt und westliche Demokratie”3. Als Präsidentschaftskandidat verlor er 1990 mit seinem „radikalliberalen” Programm gegen Alberto Fujimori, der das autoritaristische Regime seines Vorgängers Alan García übernahm und in neoliberalem Gewand weiterführte. Die Niederlage Mario Vargas Llosas lässt sich wohl dadurch erklären, dass sein Wahlprogramm eher die Interessen der ökonomischen Machtelite Perus als die der indigenen Mehrheit vertrat. Durch rassistische Äußerungen gegen eben diese Mehrheit, beispielsweise während der Leitung einer unabhängigen Untersuchungskommission – worauf später noch eingegangen wird–, verlor er den Großteil der Wählerschaft, denn in Peru sind 45% der Bevölkerung Indios und 37 % Mestizen4.
1.2 Lituma en los Andes – Der Aufbau des Romans im Hinblick auf die „Dämonen” des Autors
Lituma en los Andes erschien nach Vargas Llosas Rückzug aus der Politik. Das lässt vermuten, dass dieses eher als Kriminalroman daherkommende, hochpolitische Werk nicht nur einen Blick auf die verschiedenen Gewaltausprägungen im Peru der achtziger Jahre zulässt, sondern auch eine Art Abrechnung mit denen, die gegen ihn stimmten, enthalten könnte. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Vargas Llosas Erlebnissen und der überwiegend pessimistischen Weltsicht des Romans deutet sich – rückblickend – in sehr grundsätzlichen Äußerungen des Autors aus dem Jahr 2004 an:
„Die Unterwelt mit ihren Dämonen zieht mich magisch an. Gute Menschen sind aus schriftstellerischer Sicht uninteressant. Das Unvorhersehbare, Gefährliche und Mysteriöse, von dem wir uns be- droht fühlen, erzeugt Literatur. Aus der persönlichen Konfrontation mit den dunklen Mächten speist sich meine Fantasie. Als der ungezogene Junge, der ich schon immer war, werde ich vom Chronisten zum Mittäter ihrer Konspirationen und schmutzigen Geschäfte. Meine Rechtfertigung lautet: Ich werde meine Erfahrungen zu Literatur verarbeiten. Sollte ein gutes Werk daraus entstehen, möge mir vergeben werden […]1”
Solche „Dämonen” und „persönlichen Konfrontationen” werden offensichtlich auch im Roman verarbeitet. Lituma en los Andes ist relativ klar strukturiert aufgebaut. Der Roman besteht aus zwei Teilen, die jeweils aus fünf Kapiteln bestehen, wobei das letzte Kapitel als Epilog gefasst ist. Jed es Kapitel beinhaltet drei Abschnitte, die jeweils drei verschiedene Erzählstränge verfolgen. Der erste Erzählstrang verfolgt die Ermittlung der Verbrechen, die Korporal Lituma und sein Amtshelfer Tomás Carreño in Naccos, einer verkommenen Bergarbeitersiedlung, aufklären sollen. Hier werden z.B. Verhöre von Verdächtigen und Gespräche beschrieben, in denen die beiden Hauptfiguren – der „costeño” Lituma und der „cusqueño” Tomasito –, ihre Beobachtungen besprechen. Gleich am Anfang dieser „Kriminalgeschichte” zeigt sich, dass Lituma – wie viele andere Küstenbewohner – ein sehr negatives Indiobild vertritt. Für ihn verkörpern deren „caras inexpresivas” und deren „ojitos glaciales” (S. 14) Trostlosigkeit und Ohnmacht. Bereits hier wird auch der Peruanismus „serrucho” (S. 13f.) für Indio eingeführt, der dem Peruanismus für Terrorist – „terruco” (S. 15), sein Erstgebrauch folgt unmittelbar – verdächtig ähnlich ist. Auch die Politik wird in der ersten rhetorischen Frage der Hauptfigur Lituma angesprochen: „¿Qué hacía en medio de la puna, entre serruchos hoscos y desconfiados que se mataban por la política y, para colmo, desaparecían?” (S. 14).
[...]
1 Den Begriff „interner Krieg” – der spezifischer ist als z.B. „Bürgerkrieg” – in Übernahme von: Bernhard Jimi Merk; Elena Muguruza: „Bericht zur aktuellen Situation in Peru. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Peru (Teil V),URL: http://www.menschenrechte.org/beitraege/lateinamerika/beit0241a.htm.
2 Vgl. Mario Vargas Llosa: „Pagina Web Oficial”, URL: http://www.mvargasllosa.com/.
3 Z.B. bei Tobias Wenzel: „Ein Weltbürger”, URL: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/535435/.
1 Dazu Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hrsg.): „Der Preisträger 1996. Mario Vargas Llosa”, URL: http://www.freidenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/de/96671?pid=111696.
2 Vgl. Mario Vargas Llosa: „Pagina Web Oficial”, URL: http://www.mvargasllosa.com/.
3 Mario Vargas Llosa: „Freie Märkte sorgen für Gerechtigkeit. Ein Beitrag zur Debatte um die Thesen von George Soros”, URL: http://www.zeit.de/archiv/1997/08/llosa.txt.19970214.xml,.
4 S. Peter Nausester: „Peru. Informationen über das Land”.
1 Andrea Thilo (Hrsg.): „Ich habe einen Traum”, URL: http://zeus.zeit.de/text/2004/24/Traum_2fLlosa_24.
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