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"Connasse, Câlice, Kilba" oder Ein Überblick über den Gebrauch von Schimpfwörtern weltweit und an den frankophonen Beispielgebieten Frankreich, Quebec und Marokko

Seminararbeit, 2006, 20 Seiten
Autor: Nele Bach
Fach: Romanistik - Französisch - Linguistik

Details

Veranstaltung: Linguistik 2 « Le Français hors de France
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes
Tags: Connasse, Câlice, Kilba, Gebrauch, Schimpfwörtern, Beispielgebieten, Frankreich, Quebec, Marokko, Linguistik, Français, France, Malediktologie, Sprachwissenschaft, Kanada
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 20
Note: 1,1
Literaturverzeichnis: ~ 26  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V83330
ISBN (E-Book): 978-3-638-89921-5
ISBN (Buch): 978-3-638-93964-5
Dateigröße: 172 KB
Anmerkungen :
Die Hörbeispiele sind bei mir erhältlich. Ich weiß allerdings nicht in welcher Form ich sie Anhängen kann.


Zusammenfassung / Abstract

1. Einleitung In der vorliegenden Arbeit werde ich nach einer kurzen Einführung in die Malediktologie (Kapitel 2.1) einen Überblick darüber geben, inwieweit das Schimpfen im Rahmen der Linguistik, Medizin, Pädagogik, Soziologie, Anthropologie und Psychologie erforscht ist. Dabei werde ich einige Schimpfwortkundler vorstellen und auf ihre Forschungsergebnisse eingehen. In Kapitel 2.2 folgt ein weltweiter Vergleich des Fluchverhaltens mit Beispielen des wohl wichtigsten Malediktologen Reinhold Aman aus Bayern. Ein kurzer Blick auf die Rechtslage schließt sich in Kapitel 2.3 an. Ich wurde in meiner Schulzeit nicht über das Schimpfwortvokabular des Französischen aufgeklärt. Und so stand ich manches Mal wehrlos in Frankreich und war den mir unbekannten Beschimpfungen der französischen Jugendlichen ausgeliefert. Im Französischunterricht wurden von meiner Lehrerin alle Art Kraftausdrücke unterbunden. Das tat sie mit einem Pas de mots féqualiques dans ma présence. Als Deutsche hatte sie die Vorliebe der Deutschen, fäkal zu fluchen, erkannt, doch leider verbot es ihr ihre Moral, im Unterricht über solche obszönen und vulgären Worte zu sprechen. Beleidigungen, auf die ich deshalb möglicherweise erst bei künftigen Aufenthalten in Frankreich, Quebec oder Marokko stoßen werde, sind das Thema der Kapitel 3.1 bis 3.3. Die Hörbeispiele der Audiodatei habe ich im März und April 2006 mit frankophonen Interviewpartnern aus Frankreich und Marokko selbst aufgezeichnet.


Textauszug (computergeneriert)

Universität des Saarlandes, Abgabe: 30.04.2006
Proseminar Linguistik 2 « Le Français hors de France »

"Connasse, Câlice, Kilba" oder Ein Überblick über den Gebrauch von Schimpfwörtern
weltweit und an den frankophonen Beispielgebieten Frankreich, Quebec und Marokko

von

Nele Bach

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 2

2. Das Fluchen weltweit... 2

2.1 Malediktologie... 2
2.2 Überblick über das Fluchen weltweit... 6
2.3 Die Rechtslage beim Fluchen... 9

3. Das Fluchen im frankophonen Raum... 10

3.1 Frankreich: Die wichtigsten gros mots und injures... 10
3.2 Kanada: Sacres oder kreative Gotteslästerung... 12
3.3 Marokko: Die Schändung der Mütter... 14

4. Ausblick... 16

5. Literaturverzeichnis... 18


 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich nach einer kurzen Einführung in die Malediktologie (Kapitel 2.1) einen Überblick darüber geben, inwieweit das Schimpfen im Rahmen der Linguistik, Medizin, Pädagogik, Soziologie, Anthropologie und Psychologie erforscht ist. Dabei werde ich einige Schimpfwortkundler vorstellen und auf ihre Forschungsergebnisse eingehen. In Kapitel 2.2 folgt ein weltweiter Vergleich des Fluchverhaltens mit Beispielen des wohl wichtigsten Malediktologen Reinhold Aman aus Bayern. Ein kurzer Blick auf die Rechtslage schließt sich in Kapitel 2.3 an. Ich wurde in meiner Schulzeit nicht über das Schimpfwortvokabular des Französischen aufgeklärt. Und so stand ich manches Mal wehrlos in Frankreich und war den mir unbekannten Beschimpfungen der französischen Jugendlichen ausgeliefert. Im Französischunterricht wurden von meiner Lehrerin alle Art Kraftausdrücke unterbunden. Das tat sie mit einem Pas de mots féqualiques dans ma présence. Als Deutsche hatte sie die Vorliebe der Deutschen, fäkal zu fluchen, erkannt, doch leider verbot es ihr ihre Moral, im Unterricht über solche obszönen und vulgären Worte zu sprechen. Beleidigungen, auf die ich deshalb möglicherweise erst bei künftigen Aufenthalten in Frankreich, Quebec oder Marokko stoßen werde, sind das Thema der Kapitel 3.1 bis 3.3. Die Hörbeispiele der Audiodatei habe ich im März und April 2006 mit frankophonen Interviewpartnern aus Frankreich und Marokko selbst aufgezeichnet.

2. Das Fluchen weltweit

2.1 Malediktologie

Die Malediktologie ist die Wissenschaft über das Fluchen und den Gebrauch der Schimpfwörter. Sie ist ein relativ junger Zweig der Psycholinguistik. Obwohl Flüche, Beschimpfungen und Beleidigungen schon immer einen relativ großen Platz in unserem täglichen Sprachgebrauch eingenommen haben, wurden sie in der Forschung lange vernachlässigt. In einer Zeit, in der selbst im Bundestagsprotokoll1 Schimpfwörter häufiger vorkommen, ändert sich dies allmählich. Ich stelle einige Befunde internationaler Wissenschaftler vor, die das belegen.
Reinhold Aman, 1936 in Bayern geboren, promovierter Mediävist und Philologe, gründete 1976 die Fluch-Zeitschrift Maledicta - The International Journal of Verbal Aggression, die in bereits 75 Ländern einen festen Leserkreis hat1. Das Motto seiner Zeitung ist „Die Leute sagen es - und wir drucken es“, so widerwärtig es auch sein möge. 1996 behauptete Aman in einem Interview in der Schweizer Sonntagszeitung2, dass man das Wertesystem einer Kultur an deren Fluchmanieren erkennen könne. „Man sieht genau, was in dieser Kultur als gut, als nobel, als ideal, als schön, als richtig gilt“ - spätestens dann, wenn einer aus der Reihe tanzt. Der wird dann in jeder Sprache und in jedem Dialekt jeweils anders angeflucht. Und dabei werden stets die größten Tabus der Kultur gebrochen. Offensichtlich ist die Malediktologie auch ein Zweig der deskriptiven Linguistik, denn sie widmet sich allen Wörtern und Redewendungen, die in der Gesellschaft als obszön, gotteslästerlich oder beleidigend gelten, über die lange in der Wissenschaft geschwiegen wurde, die aber genauso zu unserer Sprache gehören wie alle anderen Äußerungen auch. Alles, was Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sagen, wenn sie durch das Schimpfen emotional Dampf ablassen, findet in der Malediktologie die Beachtung, die es verdient. Während sich nach Aman der Mediziner mit Deformationen des menschlichen Körpers, z. B. Geschwüren beschäftigt, setzt sich der Malediktologe mit den Deformationen der Sprache auseinander. Die beiden Berufe unterscheiden sich für Aman vor allem im Sozialstatus3.
Auch der amerikanische Psychologie-Professor am Massachusetts College of Liberal Arts Timothy B. Jay hat sich intensiv mit dem Schimpfen beschäftigt und das Buch „Warum wir fluchen“ zu diesem Thema geschrieben4. Er fand mit statistischen Methoden heraus, wie oft geschimpft wird. Am Arbeitsplatz sind es etwa 5% der Gespräche, die aus Beschimpfungen und Flüchen bestehen und in der Freizeit bis zu 10%. Zusätzlich stellte Jay fest, dass in den 1960er Jahren etwa ein bis zwei Schimpfwörter pro Film zu erwarten waren, während bis Ende der 80er die Zahl der Schimpfwörter in einem Film auf 100 gestiegen ist5. Angesichts dieser Ergebnisse kritisiert Timothy Jay seine Kolleginnen und Kollegen wegen des riesigen Rückstands in der Fluch-Forschung.

[...]


1 Herrmann 2005 gibt als Beispiel dafür eine Provokation Joschka Fischers, der 1984 zum Bundespräsidenten Richard Stücklen sagte: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“

1 S. Huber 1996:32

2 Kern 1996

3 Huber 1996:ebd.

4 bei Freutel 2005

5 Huber 1996:29. Als ein Meilenstein des Fluchtheaters gilt laut Huber das Beziehungsdrama „Wer hat Angst vor Virgina Woolf?“ aus den 60er Jahren.


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