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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 45 Pages
Author: Doreen Fräßdorf
Subject: Art - Painting
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Gerhard, Oktober, Umgang, Künstler, Grenzen, Malerei, Gerhard, RAF, Meinhof, Baader, Raspe, Ensslin, Fotografie, Fotos, Richter, Polke, Feldmann, Herbst, Zeitungsbilder, Beerdigung, Hungerstreik, Moderne Kunst, Hauptseminar
Year: 2007
Pages: 45
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89930-7
File size: 2155 KB
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Abstract
Gerhard Richters Gemäldezyklus umfasst fünfzehn Werke und trägt den schlichten Titel 18. Oktober 1977. Die Gemälde zeigen im Wesentlichen den Tod der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion (RAF) Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Hinzu kommen Motive damaliger begleitender Geschehnisse sowie Darstellungen von Einzelobjekten. Entstanden ist der Zyklus zwischen März und November 1988. Die Bilder wurden der Öffentlichkeit im Jahre 1989 zum ersten Mal vorgestellt und auf eine zweijährige, internationale Ausstellungstour geschickt. Kaum eine andere Einzelausstellung eines deutschen Künstlers in den 80er Jahren hat zu solch kontroversen Veröffentlichungen geführt und wurde derart heftig diskutiert. Da der Betrachter den Bilderzyklus Richters zum Tod der führenden RAF-Mitglieder historisch nur dann richtig sehen und verstehen kann, wenn er die Hintergründe zum Deutschen Herbst sowie die Ziele und Verbrechen der Terroristen kennt, werde ich zu Beginn meiner Hausarbeit eine kurze Zusammenfassung zu den damaligen historisch-politischen Ereignissen geben, um anschließend auf den Gemäldezyklus einzugehen. Hierbei lege ich großen Wert auf die Beschreibung der einzelnen Bilder des Zyklus und deren Vergleich mit den fotografischen Vorlagen, welche Richter nutzte. Dies ist die Voraussetzung für die Interpretation und für das Herausarbeiten der Intention des Künstlers, was im Punkt 3.4 erfolgt. Da sich auch andere Künstler intensiv mit der RAF auseinandergesetzt haben, werde ich im letzten Teil meiner Arbeit exemplarisch zeigen, wie mit diesem Thema umgegangen wurde, um dann einen Vergleich zu Richters Werk zu ziehen. Die Wahl ist hierbei auf Hans-Peter Feldmann und Sigmar Polke gefallen. Zum einen weil die beiden und auch Gerhard Richter die Kunstakademie Düsseldorf besuchten, zum anderen weil es offensichtliche Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten beim Bearbeiten der RAF-Thematik gibt.
Excerpt (computer-generated)
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich 09: Germanistik und Kunstwissenschaften
Institut für Kunstgeschichte
Sommersemester 2007
Hauptseminar: An den Grenzen der Malerei: Gerhard Richter
10. Juli 2007
Gerhard Richters 18. Oktober 1977 und vom Umgang anderer Künstler mit der RAF-Thematik
Doreen Fräßdorf
Fächer: Deutsche Sprache und Literatur, Kunstgeschichte
Fachsemester: 6
Gliederung
1. Einleitung 2
2. „Sechs gegen sechs Millionen“: Der politisch-historische Hintergrund 3
3. Der Gemäldezyklus: 18. Oktober 1977
3.1 Entstehung der Gemälde und Präsentation derselben 5
3.2 Betrachtung der einzelnen Bilder des Gemäldezyklus 8
3.3 Die fotografischen Vorlagen 14
3.4 Interpretation 17
4. Vom Umgang anderer Künstler mit der RAF-Thematik
4.1 Sigmar Polke: Ohne Titel (Dr. Bonn) und Sicherheitsverwahrung 20
4.2 Hans-Peter Feldmann: Die Toten 21
4.3 Vergleich mit Richter 22
5. Fazit und Ausblick 23
6. Literaturangaben 26
7. Abbildungsverzeichnis 28
8. Abbildungen 29
1. Einleitung
Gerhard Richters1 Gemäldezyklus umfasst fünfzehn Werke und trägt den schlichten Titel 18. Oktober 1977. Die Gemälde zeigen im Wesentlichen den Tod der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion (RAF) Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Hinzu kommen Motive damaliger begleitender Geschehnisse sowie Darstellungen von Einzelobjekten. Entstanden ist der Zyklus zwischen März und November 1988. Die Bilder wurden der Öffentlichkeit im Jahre 1989 zum ersten Mal vorgestellt und auf eine zweijährige, internationale Ausstellungstour geschickt.2 Kaum eine andere Einzelausstellung eines deutschen Künstlers in den 80er Jahren hat zu solch kontroversen Veröffentlichungen geführt und wurde derart heftig diskutiert.
Die vor allem in den 70er Jahren erfolgte Konfrontation mit dem Terrorismus war politisch und gesellschaftlich eines der einschneidensten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte, denn das Thema ist heute, wie Johannes Meinhardt passend anmerkt, „wesentlich stärker mit Verboten, Scham und Angst besetzt als die Verbrechen des Dritten Reiches, mit denen sich viel zu viele längst psychisch und sozial arrangiert haben“.3 So heißt es auch im Vorwort zur ersten Ausstellung des 18. Oktober 1977 im Museum Haus Esters in Krefeld, dass Richter einen für ihn „unerledigten Fall“ der neueren Geschichte wiederaufgenommen hat.4
Da der Betrachter den Bilderzyklus Richters zum Tod der führenden RAF-Mitglieder historisch nur dann richtig sehen und verstehen kann, wenn er die Hintergründe zum Deutschen Herbst sowie die Ziele und Verbrechen der Terroristen kennt, werde ich zu Beginn meiner Hausarbeit eine kurze Zusammenfassung zu den damaligen historisch-politischen Ereignissen geben, um anschließend auf den Gemäldezyklus einzugehen. Hierbei lege ich großen Wert auf die Beschreibung der einzelnen Bilder des Zyklus und deren Vergleich mit den fotografischen Vorlagen, welche Richter nutzte. Dies ist die Voraussetzung für die Interpretation und für das Herausarbeiten der Intention des Künstlers, was im Punkt 3.4 erfolgt.
Da sich auch andere Künstler intensiv mit der RAF auseinandergesetzt haben, werde ich im letzten Teil meiner Arbeit exemplarisch zeigen, wie mit diesem Thema umgegangen wurde, um dann einen Vergleich zu Richters Werk zu ziehen. Die Wahl ist hierbei auf Hans-Peter Feldmann und Sigmar Polke gefallen. Zum einen weil die beiden und auch Gerhard Richter die Kunstakademie Düsseldorf besuchten, zum anderen weil es offensichtliche Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten beim Bearbeiten der RAF-Thematik gibt.
2. „Sechs gegen sechs Millionen“: Der politisch-historische Hintergrund
Das Datum, das Gerhard Richters Gemäldezyklus seinen Titel gibt, markiert das Ende eines langen Konflikts zwischen einer Gruppe radikaler Studenten, die sich dem bewaffneten Kampf verschrieben hatten, und damit Gegner der Polizei, der Justiz, des politischem Establishments und großen Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung wurden. Es ist ein Krieg „von sechs gegen sechs Millionen“, wie der Nobelpreisträger Heinrich Böll einmal äußerte. Die sechs stehen für einen Verbund vorwiegend anarchistischer und kommunistischer Aktivisten, die um 1970 verschiedene radikal militante Gruppen bildeten.
Im Zuge der antiautoritären Studentenbewegung und außerparlamentarischen Opposition wurden besonders seit Mitte der 60er Jahre neue Protestformen wie gezielte Provokationen, friedliche Polit- Happenings oder symbolische Akte von Gewaltanwendung und dergleichen erprobt. Dies wurde von der Obrigkeit zunächst unter dem Begriff „Linksradikalismus“ zusammengefasst.5 Von staatlicher Seite sprach man später nur noch wenig vom Linksradikalismus als vielmehr allgemein von „Terror“, der gewalttätigen Form des politischen Machtkampfes.6 Die Protestbewegung machte ihrerseits dem Staat den Vorwurf des Terrors, da bei der Anti-Schah-Demonstration der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde. Ein Jahr nach dem Tod des Studenten, im April 1968, legten Andreas Baader und Gudrun Ensslin aus Protest gegen den Vietnamkrieg mehrere Brandsätze in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Im Jahre 1970 wurde eine Vereinigung mit dem Namen Rote-Armee-Fraktion mit der Übernahme des lateinamerikanischen Konzepts der aus dem Untergrund kämpfenden Stadtguerilla gegründet. Das Ziel der RAF war der revolutionäre Umsturz der gesellschaftlichen und politischen Ordnung der Bundesrepublik, die sie als „imperialistisches Herrschaftssystem“ bezeichneten, und dessen Erbauer die „Generation von Auschwitz“ war.7
Die Aktivitäten der RAF umfassten anfänglich Waffendiebstähle, Banküberfälle sowie Brand- und Bombenanschläge auf große Warenhäuser, Presse-, Armee- und Polizeigebäude, Einrichtungen der Justiz und des Strafvollzugs. Im Laufe der Zeit eskalierte die Praxis der RAF und Entführungen, Geiselnahmen und Morde kamen hinzu. Besonders auf führende Köpfe der Bundesrepublik wurden Attentate verübt.
[...]
1 Richter wurde 1932 in Dresden geboren. Umsiedlung nach Düsseldorf 1961. Studium und anschließend Professur (1971 – 1994) an der Kunstakademie Düsseldorf. Lebt seit 1983 in Köln
2 Butin: Zu Richters Oktober-Bildern, S. 5
3 Ebd.
4 König, Storck: Kat. Ausst. Gerhard Richter 18. Oktober 1977, S. 7
5 Butin: Zu Richters Oktober-Bildern, S. 9
6 Ebd.
7 Ebd.
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