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DADA Zürich

Untertitel: Die performative Aktions-Provokationskunst der Dadaisten und ihre Destruktionsintention

Seminararbeit, 2006, 22 Seiten
Autor: Katrin Parigger
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Veranstaltung: Ästhetische Destruktion: Destruktion der Ästheten
Institution/Hochschule: Universität Wien (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Tags: DADA, Zürich, Destruktion
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V83358
ISBN (E-Book): 978-3-638-89932-1
ISBN (Buch): 978-3-638-90524-4
Dateigröße: 158 KB

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit bezieht sich besonders auf die Hypothese, dass den dadaistischen Aktionskünstlern eine prinzipiell destruktive Haltung zugrunde liegt. Das Hauptinteresse liegt also bei den künstlerischen und zugleich destruktiven Ausdrucksformen vor allem der performativen dadaistischen Aktionskunst. Nach einem generellen Einblick in den Entstehungskontext sowie in die Intention und Motivation des Dadaismus bzw. seiner Anhänger wird speziell auf die theatralen Aktivitäten und die Beziehung zum Theater eingegangen. Auf Grund der vielen Vertreter des Dadaismus und ihrer vielfältigen Ausdrucksformen muss hier im Rahmen dieser Arbeit eine Einschränkung vorgenommen werden: Im Blickfeld steht die Gründungszeit des Dadaismus, die Zeit des „Cabaret Voltaire“ in Zürich. Denn ohne diese Präsentations- und Aktionsmöglichkeit gleich zu Beginn der dadaistischen Bewegung hätte diese in einer Zeit des Krieges und der Verfolgung wohl kaum eine Chance gehabt, sich zu entwickeln und vor allem die Öffentlichkeit zu erreichen. Weiters werden die dadaistische Theatertheorie sowie die theatralen Ausdrucksformen auf theoretischer Ebene beschrieben; mit Hilfe von poetischen Beispielen wird versucht, einen genaueren Einblick in die damaligen Vorträge und Performances zu geben. Die Texte der relevanten Werke finden sich großteils als Originalzitate im Anhang der Arbeit. Abschließend wird noch einmal grundsätzlich auf die Destruktion und ihre Intentionen eingegangen. Es lässt sich dabei eine grundlegende Unterscheidung zwischen sprachlicher und aktionistischer Destruktion feststellen, deren Formen und deren Wirkung in der Öffentlichkeit ebenfalls beschrieben und veranschaulicht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die hinter den Aktionen der Dadaisten stehende Einstellung und vor allem die Intention ihrer provokanten Aktivitäten zu erarbeiten. Durch die Anführung eines konkreten Beispiels einer, genauer: der ersten, dadaistischen Performance, wie sie in der Zeit des Ersten Weltkrieges öfters im „Cabaret Voltaire“ oder in der „Galerie Dada“ in Zürich stattfanden, sowie an Hand einiger Quellenverweise auf Originaltexte von Gedichten und Vorträgen soll die Theorie untermauert und bereichert werden.


Textauszug (computergeneriert)

FOSE Ästhetische Destruktion:
Destruktion der Ästheten
SEMINARARBEIT

 

DADA Zürich:
Die performative Aktions- Provokationskunst der Dadaisten und ihre Destruktionsintention

 


Katrin Parigger

UNI Wien, WS 2005/06

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung  2

2. Dadaismus allgemein  4

    2.1 Entstehungskontext, Intention und Motivation 4
    2.2 Chronologie der Ereignisse: Dada Zürich  5
    2.3 Das Kunstwerk im Dadaismus  6

3. Dadaismus und Theater 7

    3.1 Kleine Theatergeschichte des Dadaismus  7
    3.2 Das „Cabaret Voltaire“ und seine Nachwirkungen 8
    3.3 Dadaistische Theatertheorie  9
    3.4 Theatrale Ausdrucksformen 11
    3.5 Die erste dadaistische Theateraufführung: „Sphinx und Strohmann“ von Oskar Kokoschka (1907)  13

4. Destruktion im Dadaismus 14

    4.1 Sprachliche Destruktion  15
    4.2 Aktionistische Destruktion  16

5. Schlussbemerkungen  17

6. Anhang  18

7. Literatur  20

 

 

1. Einleitung

„Dada ist eine neue Kunstrichtung. Das kann man daran erkennen, dass bisher niemand etwas davon wusste und morgen ganz Zuerich davon reden wird. Dada stammt aus dem Lexikon. Es ist furchtbar einfach. […] Ein internationales Wort. Nur ein Wort und das Wort als Bewegung. Es ist einfach furchtbar.
Wenn man eine Kunstrichtung daraus macht, muss das bedeuten, man will Komplikationen wegnehmen. Dada Psychologie, Dada Literatur, Dada Bourgeoisie und ihr, verehrteste Dichter, die ihr immer mit Worten, nie aber das Wort selber gedichtet habt. Dada Weltkrieg und kein Ende, Dada Revolution und kein Anfang.
[…]
Das heisst (sic!) auf Deutsch: die Gastfreundschaft der Schweiz ist ueber alles zu schaetzen und im Aesthetischen kommt’s auf die Norm an.
Ich lese Verse, die nichts weniger vorhaben als: auf die Sprache zu verzichten. […] Auf die Verbindung kommt es an und dass sie vorher ein bisschen unterbrochen wird. Ich will keine Worte, die andere erfunden haben. Alle Worte haben andere erfunden. Ich will meinen eigenen Unfug, und Vokale und Konsonanten dazu, die ihm entsprechen. […]
Da kann man nun so recht sehen, wie die artikulierte Sprache entsteht. Ich lasse die Laute ganz einfach fallen. […] Ein Vers ist die Gelegenheit, möglichst ohne Worte und ohne die Sprache auszukommen. Diese vermaledeite Sprache, an der Schmutz klebt wie von Maklerhaenden, die die Muenzen abgegriffen haben. […]
Das Wort, das Wort, das Weh gerade an diesem Ort, das Wort, meine Herren, ist eine oeffentliche Angelegenheit ersten Ranges.“

Hugo Ball: „Eroeffnungs-Manifest“ im Rahmen des ersten Dada-Abends am 14. Juli 1914 in Zürich1

Ein deutsch-französisches Wörterbuch, ein wahllos zwischen die Seiten gestochenes Federmesser, eine dadurch zufällig aufgeschlagene Seite, ein Wort: dada2. Bereits die überlieferte Geschichte über die Namensgebung sagt einiges über den Charakter der so benannten künstlerischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Spontaneität, Unberechenbarkeit und Zynismus sind nur einige Eigenschaften,
die in Zusammenhang mit der Dada-Revolte genannt werden können.

Der dem Dadaismus zugrunde liegende aktionistische Charakter impliziert Theatralität und Performance; der öffentliche Auftritt des Künstlers und das Kunstprodukt an sich lassen sich nicht trennen. Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf der Inszenierungsweise der Dadaisten auf die theatralen Ausdrucksformen ihrer Kunst – immer in Bezug auf destruktive Elemente, vor allem geistiger, immaterieller Art.

Diese Arbeit bezieht sich besonders auf die Hypothese, dass den dadaistischen Aktionskünstlern eine prinzipiell destruktive Haltung zugrunde liegt. Das Hauptinteresse liegt also bei den künstlerischen und zugleich destruktiven Ausdrucksformen vor allem der performativen dadaistischen Aktionskunst.
Nach einem generellen Einblick in den Entstehungskontext sowie in die Intention und Motivation des Dadaismus bzw. seiner Anhänger wird speziell auf die theatralen Aktivitäten und die Beziehung zum Theater eingegangen. Auf Grund der vielen Vertreter des Dadaismus und ihrer vielfältigen Ausdrucksformen muss hier im Rahmen dieser Arbeit eine Einschränkung vorgenommen werden: Im Blickfeld steht die Gründungszeit des Dadaismus, die Zeit des „Cabaret Voltaire“ in Zürich. Denn ohne diese Präsentations- und Aktionsmöglichkeit gleich zu Beginn der dadaistischen Bewegung hätte diese in einer Zeit des Krieges und der Verfolgung wohl kaum eine Chance gehabt, sich zu entwickeln und vor allem die Öffentlichkeit zu erreichen. Weiters werden die dadaistische Theatertheorie sowie die theatralen Ausdrucksformen auf theoretischer Ebene beschrieben; mit Hilfe von poetischen Beispielen wird versucht, einen genaueren Einblick in die damaligen Vorträge und Performances zu geben. Die Texte der relevanten Werke finden sich großteils als Originalzitate im Anhang der Arbeit. Abschließend wird noch einmal grundsätzlich auf die Destruktion und ihre Intentionen eingegangen. Es lässt sich dabei eine
grundlegende Unterscheidung zwischen sprachlicher und aktionistischer Destruktion feststellen, deren Formen und deren Wirkung in der Öffentlichkeit ebenfalls beschrieben und veranschaulicht werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, die hinter den Aktionen der Dadaisten stehende Einstellung und vor allem die Intention ihrer provokanten Aktivitäten zu erarbeiten. Durch die Anführung eines konkreten Beispiels einer, genauer: der ersten, dadaistischen Performance, wie sie in der Zeit des Ersten Weltkrieges öfters im „Cabaret Voltaire“ oder in der „Galerie Dada“ in Zürich stattfanden, sowie an Hand einiger Quellenverweise auf Originaltexte von Gedichten und Vorträgen soll die Theorie untermauert und bereichert werden.

[...]


1 In: Riha/Wende-Hohenberger (Hg.), 1992. S. 30. (Die Ausgeschriebenen Umlaute wurden dem Original entnommen, Anmerkung der Verfasserin)

2 „Dada [dada] m 1 enf Hottepferd n; 2 F fig Lieblingsthema n; Steckenpferd n“ In: Langenscheid Maxi-Wörterbuch Französisch, 2002.


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