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Die Mafia im ‚Paten’

Subtitle: Eine Untersuchung der Inszenierung des Phänomens Mafia in der Filmtrilogie 'Der Pate'

Bachelor Thesis, 2007, 57 Pages
Author: Matthias Weber
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2007
Pages: 57
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 55  Entries
Language: German
Archive No.: V83583
ISBN (E-book): 978-3-638-88426-6
ISBN (Book): 978-3-638-88884-4
File size: 757 KB

Abstract

Es geht in dieser Arbeit weniger um eine fundierte Analyse des Begriffes Mafia als vielmehr um die Motive und Konzepte, die der Film damit verbindet, ergo was Der Pate dem Zuschauer als Mafia präsentiert. Die Trilogie gilt als einflussreiches und bedeutendes Werk. Der erste Teil machte seinen Regisseur und v.a. Al Pacino als Schauspieler bekannt, Marlon Brando gelang mit der Rolle des Don ein umjubeltes Comeback. Im zweiten Teil ging der Stern des jungen Robert De Niro auf, der für seine Interpretation des jungen Patriarchen einen Oscar erhielt. Die Filme waren auch an der Kinokasse sehr erfolgreich und wurden von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Dass Der Pate im medialen Diskurs immer noch zitiert wird, spricht für seine starke kulturhistorische Wirkung. Beispiele, wie das erst im letzen Jahr veröffentlichte Videospiel „The Godfather: The Game“ oder die in Deutschland in diesem Jahr ausgestrahlte Episode der Zeichentrickserie Die Simpsons mit dem Titel „Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer“ (vgl. Simpsonspedia Website, Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer: 2007, online), in der direkt auf das filmische Vorbild Bezug genommen wurde, deuten auf ein nach wie vor bestehendes Interesse am Thema hin. Hauptsächliches Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Versuch zu unternehmen, den Erfolg der Filme zu begründen und zumindest partiell ihre Faszinationskraft zu dechiffrieren. Die angewandte Methodik kann dabei nicht als empirisch bezeichnet werden. Es handelt sich vielmehr um heuristische Überlegungen, aufbauend und referierend auf Untersuchung anderer Autoren. Zur Gliederung dieser Arbeit muss erläuternd erwähnt werden, dass die Kapitel-Themen relativ intuitiv ausgewählt wurden, einerseits aufgrund des vorhandenen Quellenmaterials, andererseits da sie am interessantesten anmuteten und dem Anspruch, dem Phänomen Der Pate, so weit es im diesem Rahmen einer Bachelorarbeit möglich ist, am nächsten zu kommen schienen. Als größtes Problem kristallisierten sich dabei thematische Überschneidungen heraus, die hoffentlich einer strukturierten und nachvollziehbaren Rezeption nicht allzu sehr im Wege stehen.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Chemnitz

Philosophische Fakultät
Professuren Medienkommunikation/Mediennutzung

Bachelorarbeit

Die Mafia im ‚Paten’

Eine Untersuchung der Inszenierung
des Phänomens Mafia in der
Filmtrilogie Der Pate

vorgelegt von Matthias Weber

Modul III

Chemnitz, 20. September 2007

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 5

2 Faszinationsgründe ... 9

2.1 Sympathie mit Gangster ... 9

2.2 Gewalt – Mord – Macht ... 10

2.3 US-kulturspezifisches Verständnis ... 11

2.4 Geheime Verschwörung ... 13

2.5 Reale Bezüge ... 13
2.5.1 Die ‚echten’ Paten ... 14
2.5.2 Die ‚echten’ Mafiosi ... 16
2.5.3 ‚Wahre’ Begebenheiten ... 18
2.5.3.1 Sinatra ... 18
2.5.3.2 Komitees ... 19
2.5.3.3 Kuba ... 21
2.5.4 Zeitgeist ... 22

3 Don ... 26

3.1 Macht ... 26

3.2 Parallelgesellschaft ... 26

3.3 Patronage – Klientelismus ... 28

3.4 Selbstjustiz – Helfer ... 29

3.5 Kapitalismus ... 31

3.6 Werte ... 33

3.7 Marlon Brando ... 36

4 Inszenierung ... 37

4.1 Parallelisierung ... 37

4.2 Theatralik ... 38

4.3 Kolorit ... 39

4.4 Generationswechsel – Rise and Fall ... 40

5 Schlussbemerkung ... 45

6 Quellenverzeichnis ... 46

6.1 Literatur ... 46

6.2 Internet ... 48

6.2 Sondermedien ... 51

7 Anhang ... 52

8 Eidesstattliche Erklärung ... 58

 

 

1. Einleitung

„(…) I am not writing about the Mafia; I am writing about (…) a mystique.“ (Smith 1975, S. 3).

Der Terminus Mafia im Titel dieser Arbeit ist in kursiver Schrift abgedruckt, weil die Recherchen diesbezüglich (besonders Dwight C. Smiths Buch „The Mafia Mystique“) ergaben, dass sich Mafia, ohne an dieser Stelle auf etymologische Analysen einzugehen, zu einem irreführenden Label entwickelt hat und mit seiner ursprünglichen Bedeutung nur noch wenig verbindet sowie inflationär gebraucht wird. „(...)‚Mafia’ has now become one of the most ubiquitos labels in American Society.“ (Smith 1975, S. 4).

Nicht nur in den USA, auch hierzulande ist die Etikettierung so stark stereotypisiert, dass auch bei geringstem Bezug zum Thema organisierte Kriminalität z.B. Analogien folgender Art gebildet werden: „Die Fußball-Mafia“ titulierte die Osterländer Volkszeitung in ihrer Wochenendausgabe vom 20./21. Mai 2006 einen Bericht über die Geschehnisse um den italienischen Fußballskandal vor der Weltmeisterschaft, „Massaker nach Mafia-Manier“ heißt ein Artikel in der Online-Ausgabe des Spiegels vom 5. Februar 2007 (Spiegel Online Website, Blutbad im China-Restaurant: 2007, online), in dem es um den sechsfachen Mord in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen geht, „Die Russen-Mafia – Das gefährlichste Verbrechersyndikat der Welt“ oder „Gejagt von der Polenmafia“ nannte Jürgen Roth, ein deutscher Publizist und angeblicher Experte in Sachen organisiertes Verbrechen, zwei seiner Bücher.

Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig erweitern und deutet tatsächlich auf eine allgegenwärtige Präsenz der Vokabel auch in der hiesigen Medienlandschaft hin: „Der Begriff Mafia wird in der Öffentlichkeit für zahlreiche Verbrechersyndikate und -banden in aller Welt verwandt, oft synonym für die Organisierte Kriminalität.“ (Bornpower Website 2007, online).

Das Wort Mafia taucht nur selten explizit in der Filmtrilogie Der Pate auf, z.B. in einer Szene in Der Pate – Teil 2, in der Michael Corleone von einem Untersuchungsausschuss eine Erklärung verliest, in der er sich von den an ihn gerichteten Anschuldigungen distanziert: „That no proof linking me to any criminal conspiracy whether it is called Mafia or Cosa Nostra or whatever other name you wish to give has ever been made public.“ (Der Pate – Teil 2).

Aber implizit war dem US-amerikanischen Zuschauer klar, um wen es auf der Leinwand geht. Nicht ohne Grund forderte die Italian-American Civil Rights League, eine Organisation, deren Absicht es u.a. war, das Vorurteil zu bekämpfen, alle Italiener seien Mafiosi (vgl. Wikipedia Website, Der Pate (Film): 2007, online), dass im Film Der Pate die Wörter Mafia und Cosa Nostra nicht vorkommen: „The league also secured an agreement from Al Ruddy, the producer of The Godfather, to omit the terms ‚Mafia’ and ‚Cosa Nostra’ from the film’s dialogue (…).“ (Wikipedia Website, Italian-American Civil Rights League: 2007, online).

Auch in der Dokumentation „The Godfather and the Mob“ wird die Angst vieler Italo-Amerikaner vor einer Diskreditierung ihrer Bevölkerungsgruppe durch das im Film vermittelte Image thematisiert. Im Hollywood-Streifen selbst findet die Problematik Widerhall in einem Plädoyer des Senators Geary für den Unterschied zwischen italienischstämmigen US-Bürgern und Mafiosi. Die Bemühungen der Italian-American Civil Rights League zeigen deren Befürchtung einer falschen, generalisierenden Verwendung des Labels Mafia, der ich in meiner Arbeit keinen Vorschub leisten möchte und deswegen das Wort Mafia immer markiere.

Für den Autor des Romans und Co-Autor des Drehbuchs Der Pate, Mario Puzo, spielte die Bezeichnung Mafia wohl eine untergeordnete Rolle: „The ‚Mafia’ label for Puzo was less important than a story about men whose criminal identification (…) had been presaged by what Joe Valachi told the McClellan subcommittee in 1963 about ‚families’, ‚dons’, ‚wars’ and ‚soldiers’ (…).“ (Smith 1975, S. 253; vgl. Kapitel ‚2.5.3.2 Komitees’). Aber unabhängig von der Bezeichnung, muss er sich doch den Vorwurf gefallen lassen, bestimmte Vorstellungen in der öffentlichen Meinung zu bedienen und damit ein unrealistisches Bild von der Mafia zu zeichnen, wenngleich sein Roman natürlich eigentlich nur fiktionalen Charakter besitzt: „The Godfather as a contributor to generally held images about organized crime (…).“ (Smith 1975, S. 277; vgl. Kapitel ‚2.5.3.2 Komitees’). Unbestreitbar ist und bleibt die Wirkung seiner Erzählung auf das Image, dass viele Zuschauer nach dem Film mit dem organisierten Verbrechen sizilianischen Typus in den USA verknüpfen: „(…) the reflected glory of Mario Puzo’s Vito Corleone. His success is evidence of the impact, that a sufficiently credible fictional narrative can have on our view of the real world. “ (Smith 1975, S. 90).

Es geht in dieser Arbeit weniger um eine fundierte Analyse des Begriffes Mafia als vielmehr um die Motive und Konzepte, die der Film damit verbindet, ergo was Der Pate dem Zuschauer als Mafia präsentiert.

Die Trilogie gilt als einflussreiches und bedeutendes Werk. Der erste Teil machte seinen Regisseur und v.a. Al Pacino als Schauspieler bekannt, Marlon Brando gelang mit der Rolle des Don ein umjubeltes Comeback. Im zweiten Teil ging der Stern des jungen Robert De Niro auf, der für seine Interpretation des jungen Patriarchen einen Oscar erhielt. Die Filme waren auch an der Kinokasse sehr erfolgreich und wurden von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Dass Der Pate im medialen Diskurs immer noch zitiert wird, spricht für seine starke kulturhistorische Wirkung. Beispiele, wie das erst im letzen Jahr veröffentlichte Videospiel „The Godfather: The Game“ oder die in Deutschland in diesem Jahr ausgestrahlte Episode der Zeichentrickserie Die Simpsons mit dem Titel „Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer“ (vgl. Simpsonspedia Website, Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer: 2007, online), in der direkt auf das filmische Vorbild Bezug genommen wurde, deuten auf ein nach wie vor bestehendes Interesse am Thema hin.

Hauptsächliches Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Versuch zu unternehmen, den Erfolg der Filme zu begründen und zumindest partiell ihre Faszinationskraft zu dechiffrieren. Die angewandte Methodik kann dabei nicht als empirisch bezeichnet werden. Es handelt sich vielmehr um heuristische Überlegungen, aufbauend und referierend auf Untersuchung anderer Autoren.

Um den Inhalt der filmischen Handlung grob zu skizzieren, sei an dieser Stelle die Erzählung kurz zusammengefasst: In Der Pate lehnt es Don Corleone ab, ins Rauschgiftgeschäft einzusteigen, woraufhin man einen Mordanschlag auf ihn ausübt und sein ältester Sohn in eine tödliche Falle gerät. Ausgerechnet sein jüngster Sohn Michael, der sich stets von den Machenschaften seiner Familie distanziert, tritt Don Corleones Nachfolge an. (vgl. Dieter Wunderlich Website, Der Pate: 2007, online). Der zweite Teil stellt den Werdegang des Vaters Vito Corleone vom einsamen sizilianischen Immigrantenkind zum Boss einer mächtigen Mafia-Organisation der Entwicklung seines Sohnes Michael gegenüber, der versucht seinen Geschäftsbereich zu erweitern und sich dabei aber von seiner Familie entfernt. In Der Pate – Teil 3 strebt Michael schließlich die komplette Legalisierung seines Unternehmens an und versucht, mittels eines bestechlichen Kardinals in eine von der Vatikan-Bank dominierte Immobiliengesellschaft einzukaufen (vgl. Dieter Wunderlich Website, Der Pate III: 2007, online). Am Ende wird seine geliebte Tochter durch einen an ihn gerichteten Anschlag getötet.

Zur Gliederung dieser Arbeit muss erläuternd erwähnt werden, dass die Kapitel-Themen relativ intuitiv ausgewählt wurden, einerseits aufgrund des vorhandenen Quellenmaterials, andererseits da sie am interessantesten anmuteten und dem Anspruch, dem Phänomen Der Pate, so weit es im diesem Rahmen einer Bachelorarbeit möglich ist, am nächsten zu kommen schienen. Als größtes Problem kristallisierten sich dabei thematische Überschneidungen heraus, die hoffentlich einer strukturierten und nachvollziehbaren Rezeption nicht allzu sehr im Wege stehen.

Die einleitenden Gedanken abschließend sei noch auf die persönliche Motivation an der Beschäftigung mit der Filmtrilogie hingewiesen. An der einen oder anderen Stelle erkennt der Autor durchaus Parallelen zu eigenem Erlebten bzw. hat Verständnis für das Gezeigte, was für den Verfasser eine ganz besondere Faszinationskraft ausübt und auch nach mehrfacher Rezeption wenig von seiner unerklärlichen und starken Wirkung verloren hat.

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