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Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“

Hauptseminararbeit, 2007, 21 Seiten
Autor: Kerstin Hartwich
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 21
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V83674
ISBN (E-Book): 978-3-638-90870-2

Dateigröße: 881 KB

Zusammenfassung / Abstract

Vorwort Das Gedächtnis ist die Schutzkammer des Lebens. (Cicero) Eine der bedeutendsten Mnemotechniken, deren Praxis bereits mehrere Jahrtausende überdauert hat und heute, vor allem in der Popularliteratur, wie Ratgebern, eine Renaissance erfährt, ist die des so genannten „Gedächtnispalastes“. Der Memorierende konstruiert hier ein fiktives Gebäude, dessen Räumen er einzelne Themen zuweist und diese dann mit Gegenständen anfüllt um diese wiederum mit Erinnerungen zu verknüpft. Um diese Verknüpfungen rekonstruieren zu können muss der Betreffende in der Konsequenz nur noch die einzelnen Orte seines Gedächtnispalastes aufsuchen um dort Abgelegtes abzurufen. Schon Cicero machte sich diese Methode zu Nutzen indem er beim Auswendiglernen seiner oft mehrstündigen Reden im Geiste das Forum Romanum abging. Umberto Eco konstituiert für seinen Protagonisten der „geheimnisvollen Flamme der Königin Loana“ ein ähnliches Konstrukt. Auch sein Protagonist Giammbatistna Bodoni findet einen, allerdings real-existenten, Palast des Erinnerns vor. Bodonis Palast kann nur entgegengesetzt der Praxis von dem Ciceros funktionieren. Bodoni verfügt über keine Erinnerungen an seine Vergangenheit, findet aber im Haus seiner Kinder- und Jugendzeit echte Konstrukte seiner Vergangenheit vor und muss sich auf die Suche nach deren Bedeutung machen um sein eigenes Ich zu finden. Lässt aber die Methode des „Palast des Erinnerns“ tatsächlich solche Rückschlüsse zu, oder kann sie nur in eine einzige Richtung funktionieren? Eco lädt seine Leser zu einem spannenden Gedankenexperiment ein, dessen Ausgang von vielen Faktoren wie der menschlichen Psyche, Informationen Außenstehender und nicht zuletzt dem Zufall selbst beeinflusst wird.


Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Deutsches Institut
Hauptseminar: Gedächtnisbilder
WS: 2006/2007

Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos
 „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“

Vorgelegt von:

Kerstin-Michaela Hartwich

Deutsche Philologie und katholische Theologie /Lehramt 
(10. Fachsemester)

 

 

Inhalt

1. Vorwort 2

2. Zum Werk „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“ 3
2.1. Zum Roman 3
2.2. Zum Inhalt 3
2.2.1. Erster Teil: Der Unfall 3
2.2.2. Zweiter Teil: Ein Gedächtnis aus Papier 5
2.2.3. Dritter Teil: OI NOSTOI 6

3. Die Gedächtnissysteme nach Tulving 7
3.1. Das prozedurale Gedächtnis 8
3.2. Die Priming-Form des Gedächtnisses 10
3.3. Das perzeptuelle Gedächtnis 11
3.4. Das Wissenssystem 11
3.5. Das episodisch-autobiographische Gedächtnis 12

4. Die Erinnerungsprozesse des Giambattista Bodoni 15
4.1. Die besondere Bedeutung der „geheimnisvollen Flamme der Königin Loana“ 16

5. Schlussbetrachtung 19

6. Verwendete Literatur 20

7. Abbildungsverzeichnis 20

 

 

1. Vorwort


Das Gedächtnis ist die Schutzkammer des Lebens.

(Cicero)

Eine der bedeutendsten Mnemotechniken, deren Praxis bereits mehrere Jahrtausende überdauert hat und heute, vor allem in der Popularliteratur, wie Ratgebern, eine Renaissance erfährt, ist die des so genannten "Gedächtnispalastes". Der Memorierende konstruiert hier ein fiktives Gebäude, dessen Räumen er einzelne Themen zuweist und diese dann mit Gegenständen anfüllt um diese wiederum mit Erinnerungen zu verknüpft. Um diese Verknüpfungen rekonstruieren zu können muss der Betreffende in der Konsequenz nur noch die einzelnen Orte seines Gedächtnispalastes aufsuchen um dort Abgelegtes abzurufen. Schon Cicero machte sich diese Methode zu Nutzen indem er beim Auswendiglernen seiner oft mehrstündigen Reden im Geiste das Forum Romanum abging. Umberto Eco konstituiert für seinen Protagonisten der "geheimnisvollen Flamme der Königin Loana" ein ähnliches Konstrukt. Auch sein Protagonist Giammbatistna Bodoni findet einen, allerdings real-existenten, Palast des Erinnerns vor. Bodonis Palast kann nur entgegengesetzt der Praxis von dem Ciceros funktionieren. Bodoni verfügt über keine Erinnerungen an seine Vergangenheit, findet aber im Haus seiner Kinder- und Jugendzeit echte Konstrukte seiner Vergangenheit vor und muss sich auf die Suche nach deren Bedeutung machen um sein eigenes Ich zu finden. Lässt aber die Methode des "Palast des Erinnerns" tatsächlich solche Rückschlüsse zu, oder kann sie nur in eine einzige Richtung funktionieren? Eco lädt seine Leser zu einem spannenden Gedankenexperiment ein, dessen Ausgang von vielen Faktoren wie der menschlichen Psyche, Informationen Außenstehender und nicht zuletzt dem Zufall selbst beeinflusst wird.

Im ersten Schritt meiner Arbeit möchte ich das Werk "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" vorstellen, anschließend das Gedächtnissystem des Protagonisten auf der wissenschaftlichen Grundlage der Theorien von Tulving skizzieren um anschließend, in einem dritten Schritt, beschreiben und analysieren zu können, wie und mit welchem Ergebnis Bodoni die Möglichkeiten seines realen Gedächtnispalast ausschöpft.

2. Zum Werk "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana"

2.1. Zum Roman

Umberto Eco, der selbst geschätzte 50000 Bücher besitzt und nach eigenen Angaben selbst große Teile seiner Kinder- und Jugendzeit lesend verbracht hat, legt mit "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" einen höchst autobiographischen Roman vor. Auch wenn er viele der im Buch abgebildeten Gegenstände selbst besitzt und auch einer der abgedruckten Schulaufsätze seiner eigenen Feder entsprungen sein soll, betont Eco, beispielsweise in einem Interview im Dezember 2004 1, die Biographie seiner Generation skizzieren zu wollen. Zahlreiche Abbildungen erwecken den Eindruck einer Dokumentation. Da die abgebildeten Drucke und Gegenstände zum größten Teil Eco selbst gehören, werden sie dem Leser höchst ironisch als "fremde" Erinnerungen vorgehalten, so dass der, sofern er nicht selbst Ecos Generation angehört, in die Situation des Protagonisten versetzt wird.

Eco wird selbst zum Sucher (und Finder…) seiner Erinnerungen und an gleich mehreren Stellen beschleicht den Leser der Verdacht, Eco selbst auf einem alten staubigen Speicher zu beobachten


Der Sherlock Holmes da, das war ich, in diesem selben Moment, bemüht, ferne Geschehnisse aufzuspüren und zu rekonstruieren, von denen ich vorher nichts gewusst hatte, sitzend oder stehend, zu Hause, in einem geschlossenen Raum, vielleicht sogar (man müsste all diese Seiten daraufhin durchsehen) auf einem Dachboden. Auch er, wie ich, ohne sich vom Fleck zu rühren und weltabgeschieden, reine Zeichen entziffernd. Ihm war es auf diese Weise gelungen, das verdrängen wieder ans Licht zu holen. Würde auch ich das schaffen? Immerhin hatte ich nun ein Vorbild.

(Eco 2006:168)

2.2. Zum Inhalt

2.2.1. Erster Teil: Der Unfall

Giambattista Bodoni, kurz Jambo, der Protagonist Ecos im August 2004 vorgelegten Roman "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" erwacht nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus aus dem Koma. Als er von Gratarolo, seinem Arzt, nach seinem Namen gefragt wird, kann er der Aufforderung nicht nachkommen. Er hat das Gefühl seinen Namen zu wissen, er kann ihn aber nicht artikulieren.

[....]


1 Quelle: http://www.buchtext.info/book/anzeigen.php?id_book=766


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