Autor: Ishan Hegele
Fach: Indologie
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Indologie und Iranistik)
Jahr: 2007
Seiten: 25
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 185 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-88832-5
ISBN (Buch): 978-3-638-88846-2
Zusammenfassung / Abstract
Auf den folgenden Seiten soll gezeigt werden, dass der Film „Hum Aapke Hain Kaun“, ein sehr erfolgreicher Blockbuster aus der Bollywood Fabrik aus dem Jahre 1994, hindunationalistisches Gedankengut transportiert. Während des Unabhängigkeitskampfes verschärften sich zusehends die Fronten zwischen Hindus und Moslems. Die Unabhängigkeitsbestrebungen vieler hinduistischer Politiker wie die des Hindunationalisten Vinayak Damodar Savarkar, dem geistigen Vater der Hindutva-Ideologie, richteten sich nicht mehr allein gegen die englische Krone. Vielmehr wurden auch die in Indien lebenden Moslems als ‘fremd’ und für den Hinduismus als bedrohlich empfunden. Nach der Emanzipation der Inder vom briti-schen Empire und der Errichtung des Moslemstaates Pakistan fanden die politischen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems trotz allem kein Ende. Ein Grund für die andauernden Differenzen zwischen Indien und Pakistan, zwischen der hinduisti-schen und moslemischen Bevölkerung ist der Kaschmirkonflikt, der die neu erworbene Freiheit des Subkontinents bis heute überschattet. Hindunationalistische Parteien und Gruppen wie der RSS oder die Shiv Sena schürten im kolonialen wie auch im unabhängigen Indien den Hass zwischen Hindus und Moslems. Als in den 70er- und 80er-Jahren in immer mehr Haushalten Fernseher und Videorekorder Einzug fanden, dauerte es nicht lange, bis diese neuen Medien gezielt von den Politikern eingesetzt wurden. 1969 verabschiedete die indische Regierung ein Gesetz, in dem festgelegt wurde, dass Filme, die das indische Leben gemäß dem Gesetz „realistisch“ inszenierten, fortan staatlich subventioniert werden. Unter anderem hatte die Shiv Sena im Jahr 1990 Videokassetten mit populären Hinduliedern an die Bevölkerung verteilt, um hinduistische Traditionen und Vorstellungen in ihrem Sinne zu propagieren. Diese Methode der Propaganda durch die Instrumentalisierung der Massenmedien wurde mit den Jahren ausgebaut und optimiert. So beschreibt Fareed Kazmi mit den Worten „the cheapest, most accessible and effective medium of mass communication and image building“ sehr treffend das indische Kino als eine ideale Plattform, um politisches Gedankengut zu vermitteln.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München, Studienfach: Indologie
Hauptseminar: Bollywood – Eine Einführung in das populäre indische Kino
WS 2004/05
"Hum Aapke Hain Kaun": Ein Bollywoodfilm mit hindunationalistischem Gedankengut
von
Ishan Hegele
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung... 3
2 Ein Längsschnitt des Hindu-Moslem-Konflikts und der indischen Unabhängigkeitsbewegung... 5
3 Inhaltsangabe zu „Hum Aapke Hain Kaun“... 9
4 „Hum Aapke Hain Kaun“, ein Bollywoodfilm mit hindunationalistischem Gedankengut... 11
4.1 Das Frauenbild in HAHK... 12
4.2 Das Auslandsbild in HAHK... 13
4.3 HAHK als ein „clean“ Film... 14
4.4 Das Bild der „joint family“ in HAHK... 16
4.5 Das Thema „arrangierte Ehe“ in HAHK... 16
4.6 Das Thema „Selbstaufopferung“ in HAHK... 18
4.7 Die Darstellung hinduistischer Rituale und Zeremonien in HAHK... 18
4.8 Das Rāma-Bild in HAHK... 20
4.9 Das Moslem-Bild in HAHK... 21
5 Schlussfolgerungen... 23
6 Literatur... 24
1 Einleitung
Auf den folgenden Seiten soll gezeigt werden, dass der Film „Hum Aapke Hain Kaun“, ein sehr erfolgreicher Blockbuster aus der Bollywood1 Fabrik aus dem Jahre 1994, hindunationalistisches Gedankengut transportiert.
Während des Unabhängigkeitskampfes verschärften sich zusehends die Fronten zwischen Hindus und Moslems. Die Unabhängigkeitsbestrebungen vieler hinduistischer Politiker wie die des Hindunationalisten Vinayak Damodar Savarkar2, dem geistigen Vater der Hindutva-Ideologie3, richteten sich nicht mehr allein gegen die englische Krone. Vielmehr wurden auch die in Indien lebenden Moslems als ‘fremd’ und für den Hinduismus als bedrohlich empfunden. Nach der Emanzipation der Inder vom britischen Empire und der Errichtung des Moslemstaates Pakistan fanden die politischen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems trotz allem kein Ende. Ein Grund für die andauernden Differenzen zwischen Indien und Pakistan, zwischen der hinduistischen und moslemischen Bevölkerung ist der Kaschmirkonflikt, der die neu erworbene Freiheit des Subkontinents bis heute überschattet. Hindunationalistische Parteien und Gruppen wie der RSS4 oder die Shiv Sena5 schürten im kolonialen wie auch im unabhängigen Indien den Hass zwischen Hindus und Moslems. Als in den 70er- und 80er-Jahren in immer mehr Haushalten Fernseher und Videorekorder Einzug fanden, dauerte es nicht lange, bis diese neuen Medien gezielt von den Politikern eingesetzt wurden. 1969 verabschiedete die indische Regierung ein Gesetz, in dem festgelegt wurde, dass Filme, die das indische Leben gemäß dem Gesetz „realistisch“6 inszenierten, fortan staatlich subventioniert werden. Unter anderem hatte die Shiv Sena im Jahr 1990 Videokassetten mit populären Hinduliedern an die Bevölkerung verteilt, um hinduistische Traditionen und Vorstellungen in ihrem Sinne zu propagieren.7 Diese Methode der Propaganda durch die Instrumentalisierung der Massenmedien wurde mit den Jahren ausgebaut und optimiert.8 So beschreibt Fareed Kazmi mit den Worten „the cheapest, most accessible and effective medium of mass communication and image building“9 sehr treffend das indische Kino als eine ideale Plattform, um politisches Gedankengut zu vermitteln. Im Rahmen dieses hindunationalistischen Kontexts ist es nun interessant zu untersuchen, auf welche Art und Weise in „Hum Aapke Hain Kaun“ derartiges Gedankengut transportiert wird. Denn offiziell wird dieser Film nicht zur Kategorie ‘hindunationalistischer Propagandafilm’ gezählt. Dennoch weist „Hum Aapke Hain Kaun“ aufgrund von Aufbau und Thema hindunationalistisches Gedankengut auf, was im Folgenden durch entsprechende Filmszenen sowie Sekundärliteratur aufgezeigt werden soll.
Damit die Kausalitäten in Zusammenhang mit der Argumentation und Verifikation der hindunationalistischen Aspekte in „Hum Aapke Hain Kaun“ verständlicher werden, wird dem Hauptteil der Arbeit ein Längsschnitt10 des Hindu-Moslem-Konflikts vorangestellt. Unter dem Gliederungspunkt drei findet sich eine Inhaltsangabe von „Hum Aapke Hain Kaun“, die die inhaltlichen Zusammenhänge und Protagonisten des Films behandeln wird.
2 Ein Längsschnitt des Hindu-Moslem-Konflikts und der indischen Unabhängigkeitsbewegung
Die Geschichte des Islam in Südasien hat ihren Anfang im 8. Jahrhundert, als zunächst arabische Händler und wenig später muslimische Invasoren kamen, um sich auf dem Subkontinent zu etablieren.11 Im 15. Jahrhundert begründete der aus Usbekistan stammende Babur, ein Nachkomme Timur-i Längs und Dschingis Khans, die Mogul-Dynastie, deren bedeutendster Herrscher Baburs Enkel Akbar war.12 Viele der Moslemherrscher gingen brutal gegen den Hinduismus vor, indem sie Tempel der Hindugötter niederreißen ließen. „Akbar der Große“ hingegen ist ein Beispiel für einen gemäßigten Mogulführer, dem es ein Anliegen war, alle Menschen unabhängig von ihrer Religion gleich zu behandeln, indem er unter anderem die Versklavung von Hindus verbot.13
Ab dem 15. Jahrhundert entdeckten die Europäer den Subkontinent. Erste portugiesische und niederländische Händler begaben sich nach Indien, später kamen die Franzosen und Briten hinzu. Im 19. Jahrhundert wurden die Engländer zusehends mächtiger, wobei sie die Fürstentümer der indischen Herrscher annektierten und entmachteten.14 Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stimmen immer lauter, die eine Lossagung vom britischen Empire forderten. Gandhi mobilisierte die Massen Indiens und strebte eine Unabhängigkeitsbewegung an, deren oberste Maxime die ahimsā sein sollte, das Gebot der Gewaltlosigkeit gegenüber Lebewesen.
Erste Unabhängigkeitsbestrebungen wurden schon verfolgt, bevor Gandhi seinen gewaltlosen Kampf gegen die englische Krone initiierte. Um 1900 kam es im Rahmen der Unabhängigkeitsbewegung zu einer nationalistischen Mobilisierung der Massen. Indische Politiker interessierten sich verstärkt für die Unabhängigkeitsbewegungen anderer britischer Kolonien. Bal Gangadhar Tilak, ein Vertreter der militanten Richtung im Kongress, und seine Anhänger postulierten ein unabhängiges Parlament, wodurch Indiens Unabhängigkeitsbestrebungen ihren Anfang fanden.
[...]
1 „Der Terminus Bollywood verweist zwar auf den Standort Bombay (heute Mumbai), meint aber gleichzeitig die für indische Mainstream-Filme als typisch empfundenen Charakteristika glamourös, melodramatisch, laut und frivol. So genannte Bollywoodfilme müssen somit nicht zwingend hindisprachig bzw. in Mumbai produziert sein, wobei der Gebrauch des Begriffs Bollywood nicht immer einheitlich ist. Gleichzeitig beinhaltet der Terminus Bollywood eine Anspielung auf die US-amerikanische Filmproduktionsstätte Hollywood - eine Allegorie, die vor allem bei Produzenten, Künstlern und Technikern lange als tabu galt (..)“., Koch (2004).
2 vgl. Dallmayr & Devy (1998), S. 113.
3 vgl. Dalmia (1997), S. 438.
4 „Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) 1925 von den reaktionärsten Elementen der Hindu Mahasabha ins Leben gerufen. Von Nehru als die indische Version des Faschismus gebrandmarkt. Der RSS war ebenso aufgebaut wie die frühe SA der Nazis, mit einer hierarchischen Befehlsstruktur und einem unfehlbaren Führer. Nachdem zwei seiner Mitglieder Mahatma Gandhi ermordet hatten, war er einige Jahre lang verboten.“, Ali (2005), S. 461.
5 Die Shiv Sena ist eine fanatische Hindu-Partei, die in der Gegend um Bombay aktiv ist., van der Veer ( 1994), S. 7.
6 Vitali (2000): “It also promised financial support, (…), to films that were realist in their depiction of Indian life.”
7 vgl. Kazmi (1999), S. 14.
8 „ (…) the media have emerged as a powerful weapon in the arsenal of political actors to draw the agenda (…)“, ebd., S. 15.
9 ebd.
10 In Anlehnung an Joachim Wach impliziert der Begriff „Längsschnitt“ in dieser Arbeit die Betrachtung der historischen Entstehung und Entwicklung eines sozialethischen Phänomens, Wach (1924), S. 12 ff.
11 vgl. Haig (1928), S. 1-10.
12 vgl. Ross (1937), S. 10-20.
13 vgl. Hottinger (1998), S. 153.
14 vgl. Moon (21990), 3-7.
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