Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Subtitle: Das Beispiel ‚Exit’
Thesis (M.A.), 2003, 183 Pages
Author: Katja Warchold
Subject: Scandinavian Languages
Details
Tags: Konzepte, Rechtsextremismus, Norwegen, Schweden
Year: 2003
Pages: 183
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 158 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87603-2
ISBN (Book): 978-3-638-87609-4
File size: 620 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Die vorliegende Untersuchung analysiert das Exit-Konzept und seine praktische Umsetzung in Norwegen und Schweden. Dieses Konzept richtet sich an Personen, welche aus der rechtsextremen Szene aussteigen wollen, an Eltern von rechtsextremen Jugendlichen sowie an Fachpersonal im weitesten Sinne. Die Arbeit gibt eine Gesamtdarstellung der Entwicklung des Exit-Konzepts und seiner Realisierung seit 1996 bis zum Herbst 2002 wieder und dient damit gleichzeitig einer Korrektur der bisherigen Rezeption im deutschsprachigen Raum. Bei der Realisierung wurden in Norwegen und Schweden aus verschiedenen Gründen unterschiedliche Aspekte des Konzepts betont. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das Exit-Konzept Ansätze für die Prävention, die Intervention sowie die gesellschaftliche Reintegration von Rechtsextremisten und ein hohes Potenzial für einen internationalen Transfer bietet.
Excerpt (computer-generated)
Konzepte gegen Rechtsextremismus in Norwegen
und Schweden:
das Beispiel ‚Exit’
Magistraarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium
(M.A.)
im Fach Skandinavistik
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Nordeuropa-Institut
Katja Warchold
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
1.1. Fragestellung, Zielsetzung und Methode ... 4
1.2. Gliederung ... 8
1.3. Quellen und Materialien der Untersuchung ... 10
1.4. Rechtsextremismus, rechtsextreme Szene und Aussteiger – Begriffsdiskussion ... 13
2. Die rechtsextreme Szene in Norwegen ... 25
3. Das Exit-Konzept und die praktische Realisierung in Norwegen ... 35
3.1. Wissenschaftliche Grundlage des Exit-Konzept ... 39
3.1.1. Motive für den Einstieg in die rechtsextreme Szene ... 40
3.1.2. Der Sozialisierungsproze ... 46
3.1.3. Motive für den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene ... 49
3.2. Förderantrag für das Exit-Projekt ... 51
3.3. Abschlussbericht des Exit-Projekt ... 57
3.4. Das lokale Exit-Projekt in Kristiansand ... 61
3.5. Exit-Handbuch ... 72
3.6. „Kirkens Ungdomsprosjekt“ in Kristiansand als Beispiel für ein ähnliches Konzept ... 80
3.7. Das Exit-Programm ... 83
3.8. Der Diskurs in den norwegischen Medien zum Exit-Projekt und Exit-Programm ... 86
3.9. Zusammenfassung ... 88
4. Die rechtsextreme Szene in Schweden ... 91
5. Die Exit-Organisationen in Schweden ... 100
5.1. BRÅ-Evaluation 2001 ... 101
5.2. Staatliche Vorschläge zur Unterstützung von Aussteigern ... 115
5.3. Die einzelnen Exit-Organisationen ... 118
5.3.1 Exit-Stockholm ... 118
5.3.2. Exit-Motala ... 121
5.3.3. Exit-Skåne ... 127
5.4. Der Diskurs in den schwedischen Medien zu den Exit-Organisationen ... 131
5.5. Zusammenfassung ... 136
6. Exit – Ein Modell mit Zukunft? ... 137
6.1. Vergleich der Realisierung des Exit-Konzept ... 137
6.2. Perspektiven des Exit- Konzepts und seiner Realisierung nach Einschätzung der Interviewpartner ... 143
6.3. Potenziale des Exit-Konzept ... 152
6.3.1. Prävention ... 153
6.3.2. Intervention ... 155
6.3.3. Reintegration von Aussteigern ... 157
6.4. Ausblick – Rezeption und Transfer ... 159
Glossar ... 167
Quellen- und Literaturverzeichnis ... 169
1. Einleitung
1.1. Fragestellung, Zielsetzung und Methode
Die vorliegende Untersuchung widmet sich dem Exit-Konzept als einer 1996/97 in Norwegen ausgearbeiteten Strategie für den Umgang mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung des Rechtsextremismus in Norwegen und Schweden.
Ausgangspunkt dieser Arbeit war der Transfer des Exit- Konzepts von Schweden nach Deutschland im Jahre 2000. Die Verbreitung des Konzepts in Schweden, Deutschland, Finnland sowie in der Schweiz wirft die Frage nach der Besonderheit desselbigen gegenüber den bisherigen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Ansätzen gegen Rechtsextremismus auf. Rechtsextremismus äußert sich in einem erschreckenden Ausmaß von Propaganda und in Gewalttaten gegen Einwanderer, Asylsuchende, Personen jüdischen Glaubens, Homosexuelle sowie Vertreter des Staates und der Zivilgesellschaft. Vor allem Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren prägen gegenwärtig das Bild einer rechtsextremen Jugendszene.1 Aus diesem Phänomen heraus ergibt sich die Fragestellung, ob für die gegenwärtige rechtsextreme Szene die definitorische Beschreibung von Jugendszenen generell zutrifft. Jugendszenen können definiert werden als „[t]hematisch fokussierte kulturelle Netzwerke von Personen, die bestimmte materiale und/oder mentale Formen der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten an typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv stabilisieren und weiterentwickeln.“2 Ein solches Netzwerk setzt sich aus verschiedenen Gruppierungen und einzelnen Personen zusammen. Auch wenn bei vielen rechtsextremen Gruppen das konstituierende Element der Peer-Groups, die Altershomogenität, durch eine Heterogenität ersetzt ist, können sie als solche verstanden werden. Eine Peer-Group oder Clique ist „eine freiwillige, eigenständige und meist gemischt geschlechtliche Kleingruppe im Freizeitbereich, die sich durch ähnliche Ziele, Wertvorstellungen, Interessen, Geheimnisse, Stilrichtungen, Bindungen der Zuneigung und Bewunderung zusammenfindet und in der Jugendliche wesentliche Teile ihrer Freizeit gestalten.“3 Generell ist die Bildung von Gruppen ein natürlicher Entwicklungsprozess, der etwa mit dem siebten Lebensjahr mit der Hinwendung zu einer Spielgruppe einsetzt. Die Neigung zur Gruppenbildung verstärkt sich zunehmend im Jugendalter. Peer-Groups befriedigen einige wesentliche soziale und psychologische Bedürfnisse wie Sicherheit, Schutz und Zugehörigkeit. Die Gruppe kann Defizite ausgleichen, die im Elternhaus oder in der Schule entstanden sind. Peer-Groups grenzen sich gegenüber Erwachsenen und anderen Cliquen in der Regel durch eigene subkulturelle Symbole oder Elemente verschiedener jugendkultureller Stile ab und entwickeln eigenständige Wertund Normstrukturen, welche die Möglichkeit abweichenden Verhaltens einschließen können. Rechtsextreme Jugendgruppen betonen diese Abgrenzung stark und wirken in der Öffentlichkeit oftmals bedrohlich. Sie beziehen aus den verschiedenen Reaktionen ihrer Umwelt und hier insbesondere der Erwachsenen ein Teil ihrer Identität. Im Alter zwischen 18 und 25 Jahren erfolgt durch Berufseinstieg oder Partnerschaft die Loslösung aus der Peer-Group. Dieser Prozess gestaltet sich in der Regel reibungsfrei. Der Ausstieg aus rechtsextremen Gruppen ist dagegen mit verschiedenen Problemen behaftet. Manche Rechtsextremisten sehen nach mehreren Jahren in der Szene trotzt des Wunsches keine Möglichkeit auszusteigen. An diesem Punkt setzt das Exit-Konzept an.
Das Konzept basiert neben den wissenschaftlichen Studien des Sozialanthropologen Tore Bjørgo4 über die individuellen Einstiegs- und Ausstiegsmotive der Szenemitglieder auf den Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen lokalen rechtsextremen Gruppen in Norwegen. Den größten Anteil daran haben die Erkenntnisse aus dem Osloer Stadtteil Nordstrand, wo mittels niederschwelliger Strategien5 (Nordstrand-Modell6) innerhalb eines Jahres eine der größten Gruppen aufgelöst wurde. Die praktische Umsetzung des Exit-Konzepts begann 1997 in Norwegen als Exit- Projekt, auf Anregung eines Angestellten der Manglerud- Polizeistation innerhalb der Nichtregierungsorganisation „Voskne for Barn“ (VfB).
Ein Jahr später bereits nahm die Exit-Organisation in Schweden mit dem 1993 aus der rechtsextremen Szene ausgestiegenen Kent Lindahl als Leiter ihre Arbeit auf.7 Im Jahre 2000 wurde innerhalb des Berliner „Zentrum Demokratische Kultur“8 EXIT-Deutschland etabliert.
Diese Arbeit konzentriert sich auf die Untersuchung und Interpretation des Exit-Konzepts und die praktische Realisierung in Norwegen und Schweden. Im Zentrum der Arbeit stehen die Fragen nach den Schwerpunkten bei der praktischen Umsetzung des Konzepts, ob Schwerpunktverschiebungen im Realisierungsverfahren zu verzeichnen sind, welche Resultate und Erkenntnisse vorliegen und welche Perspektiven für diese Arbeitsstrategie in Norwegen und Schweden gesehen werden. Teilweise hat die Arbeit referierenden Charakter. Der Versuch einer Gesamtdarstellung wird zum einen deshalb als notwendig erachtet, weil bisher nur ansatzweise von Tore Bjørgo eine solche Arbeit geleistet wurde.9 Die Schlussfolgerungen, die sich aus dieser Magisterarbeit ergeben, können für den Transfer des Konzepts und die Umsetzung in den jeweiligen Ländern von Bedeutung sein. Zum anderen stellte sich während der Untersuchung heraus, dass die Rezeption des Exit-Konzepts und seiner Realisierung in Schweden und Norwegen im deutschsprachigen Raum nicht ausreichend differenziert erfolgt. Dies ist zum größten Teil auf die alleinige Rezeption der Vorträge und Texte des Sozialanthropologen Tore Bjørgo und des Leiters von Exit-Stockholm Kent Lindahl zurückzuführen, die Exit in den letzten Jahren auf internationaler Ebene präsentiert haben. Ihre Interpretationen führten zu einer einseitigen Rezeption, weil sie die Grenzen des Exit-Konzepts einerseits und Potenziale anderseits nicht ausreichend deutlich machen. Darum soll diese Arbeit auch als ein Beitrag zur Korrektur der bisherigen Rezeption verstanden werden. Dazu wurden vor allem die schwedisch- und norwegischsprachigen Quellen ausgewertet und Interviews mit verschiedenen Fachleuten und Exit- Vertretern in Norwegen und Schweden genutzt. Diese Interviews wurden im Rahmen eines einmonatigen Rechercheaufenthalts durchgeführt, dem eine intensive Vorbereitungszeit und Kontaktaufnahme mit den einzelnen Interviewpartner vorausging. Als Befragungsmethode wurde das Experteninterview, eine besondere Form des Leitfadengesprächs, gewählt. Der Gesprächspartner ist dabei weniger als Person interessant, sondern viel mehr in seiner Funktion als Experte für ein klar definiertes Feld bzw. eine klar umrissene Tätigkeit.10 Die Methode des Leitfadengesprächs wird in der empirischen Sozialforschung unter anderem zur Ergänzung und zur Validierung anderer Forschungsinstrumente genutzt.11 Dieses Interview basiert auf einem vorbereiteten Fragebogen, dessen Abfolge aber vom Interviewer je nach Verlauf der Befragung variiert werden kann und somit Möglichkeiten der Vertiefung eines oder mehrerer Komplexe bietet. Der Nachteil gegenüber einem stark strukturierten Interview liegt in der mangelnden Vergleichbarkeit der verschiedenen Gespräche.
[...]
1 Als Jugend wird in dieser Arbeit die Altersgruppe der etwa 13- bis 25jährigen bezeichnet. Die 20-25jährigen könnten sehr wohl als junge Erwachsene angesehen werden. Aber auf Grund des sozialen Status und des Verhaltens können die meisten noch als Jugendliche bezeichnet werden. Siehe: Schäfers, Bernhard: Soziologie des Jugendalters. Eine Einführung, Opladen 21984, S. 11. Hinsichtlich der Gewalt der rechtsextremen Szene berichtete beispielsweise die Frankfurter Rundschau am 22.11.02 über die Misshandlung eines politischen Gegners in Malmö. Siehe: Links-Aktivisten misshandelt, in: Frankfurter Rundschau, 22.11.2002.
2 Hitzler, Ronald; Bucher, Thomas; Niederbacher, Arne: Leben in Szenen. Formen jugendlicher Vergemeinschaftung heute, Opladen 2001, S. 20.
3 Klawe, Willy: Arbeit mit Jugendlichen. Einführung in Bedingungen, Ziele, Methoden und Sozialformen der Jugendarbeit, Weinheim/München 1986, S. 165.
4 Siehe u.a.: Bjørgo, Tore: Hvorfor går ungdom inn i rasistiske grupper – og hvordan kommer de seg ut igjen?, PHS-Forskning, Oslo 1998; Derselbe: Rassistische Gruppen: Die Anwerbung reduzieren und den Ausstieg fördern, Journal für Konflikt- und Gewaltforschung, 1 (2002c), S. 5-31.
5 Unter niederschwelligen Strategien wird aufsuchende Jugendarbeit verstanden. Aufsuchende Arbeit impliziert in dieser Studie, dass sich der Betreuer nicht in der Lebenswelt der Zielgruppe bewegen muss, wie in der aufsuchenden Jugend- und Sozialarbeit üblich. Viel mehr beschreibt der Begriff niederschwellige Beratungs- und Begleitungsangebote zur Organisation von Alltags- und Lebenshilfen. Im Gegensatz dazu stellt der hochschwellige Ansatz Anforderungen an eine Betreuung. So muss für eine Unterstützung durch die Exit-Organisation der Erstkontakt von den ausstiegswilligen Personen ausgehen.
6 Für eine ausführliche Darstellung des „Nordstrand-Modell“ siehe: Carlsson, Yngve; von der Lippe, Herman: Velstandsbydelen og rasisme. Hve ble gjort for å løse opp et høyreekstremt ungdomsmiljø på Nordstrand i Oslo, 1994-1997, NIBR Prosjektrapport, 1999:9, Oslo 1999.
7 Kent Lindahl hielt auf einer der ersten Konferenzen des Exit-Projekts eine Vortrag über seine Zeit in der Szene und seinen Ausstieg. Auf dieser Konferenz wurde er von Tore Bjørgo dazu ermutigt, das Exit-Konzept in Schweden zu realisieren. Siehe: Lindahl, Kent: Exit. Ein Neonazi steigt aus, München 2001, S. 229ff.
8 Das „Zentrum Demokratische Kultur“ wurde 1997 als Projekt der „Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) e.V.“ gegründet. Das ZDK sieht seine Aufgabe darin die Öffentlichkeit über die Entwicklung des Rechtsextremismus und die Möglichkeiten der Intervention zu informieren.
9 Bjørgo, Tore: Exit-suksess eller fiasko? in: Bulletin, Voskne for Barn, Juni 2002; Derselbe: Exit Neo-Nazism: Reducing Recruitment and Promoting Disengagement from Racist Groups, NUPI Paper 627, 2002; Derselbe: The ExitProject: Promoting disengagement from violent and racist groups, EUMCWorkshop „Decreasing Racial Violence“, Wien, 02.-03.07.2001.
10 Mayer, Horst O.: Interview und schriftliche Befragung. Entwicklung, Durchführung und Auswertung, München/Wien 2002, S. 37.
11 Schnell, Rainer; Hill, Paul B.; Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung, München/Wien 61999, S. 355.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: