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Augustus in seiner Selbstdarstellung und bei Tacitus

Untertitel: Vergleich zwischen dem Monumentum Ancyranum und Annales I, 1-10

Seminararbeit, 2003, 23 Seiten
Autor: Wolfgang Kulzer
Fach: Latein

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 23
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 26  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V83899
ISBN (E-Book): 978-3-638-00140-3
ISBN (Buch): 978-3-638-91020-0
Dateigröße: 317 KB

Zusammenfassung / Abstract

Augustus, der Begründer des römischen Prinzipats, war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Herrscher der Weltgeschichte. Seine friedvolle Regierungsperiode begann im Jahre 31 v. Chr. nach der Schlacht bei Actium und endete im Jahre 14 n. Chr. Seine Bildnisse zeigen, wie er von der Mitwelt und Nachwelt gesehen sein wollte. Die berühmte, zwei Meter hohe Marmorstatue von Primaporta bei Rom stellt ihn als Weltherrscher dar; das Panzerhemd, auf dem seine Taten verherrlicht werden, der Feldherrnmantel und das Zepter sind Zeichen seiner Würde als Imperator. Sein ganzes Aussehen lässt einen mutigen, ernsten, überlegenen jugendlichen Helden erkennen. Und nicht nur von den Künstlern, sondern auch von den Dichtern seiner Zeit, nämlich Vergil, Horaz und Ovid, wurde er als Friedensbringer, mit dem das „Goldene Zeitalter“ angebrochen ist, verherrlicht. Augustus selbst verfasste einen Rechenschafts- oder Tatenbericht (Res Gestae), in dem er die eigenen politischen, militärischen und kulturellen Leistungen der Nachwelt überlieferte und damit ein Bild von sich selbst entwarf. Es ist das Ziel dieser Arbeit, vergleichend herauszuarbeiten, wie diese Selbstdarstellung des Augustus im so genannten Monumentum Ancyranum ausfällt und was der große römische Geschichtsschreiber Tacitus später in seinen Annalen (I, 1-10) über Augustus schreibt.


Textauszug (computergeneriert)

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Klassische Philologie

Augustus in seiner Selbstdarstellung und bei Tacitus
Vergleich zwischen dem Monumentum Ancyranum und Annales I, 1-10

von

Wolfgang Kulzer

 


Inhaltsverzeichnis

1. Das „Goldene Zeitalter“ des Augustus... 3

2. Das Augustusbild bei Tacitus (Annales I, 1-10)... 4

2.1 Tacitus als Autor der Annalen... 4
2.2 Vorgeschichte Roms, schriftstellerische Absichten des Tacitus im Prooemium: Augustus, der Beseitiger der republikanischen Freiheit... 4
2.3 Das Schwinden der objektiven Geschichtsschreibung mit Augustus... 5
2.4 Der Aufstieg des Augustus: Augustus – kein ehrlicher Republikaner (Ann. I, 2 und andere Stellen)... 6
2.5 Augustus‘ Wohltaten: Mittel zum Zweck der Machtergreifung, zur Bestechung, Beruhigung und Gewinnung von Volk und Heer (Ann. I, 2,1)... 6
2.6 Die Familienpolitik: Hilfsmittel der Gewaltherrschaft (Ann. I, 3)... 7
2.7 Der alte, kranke Augustus: Opfer seiner Familienpolitik: Willkür, In-trigen (Ann. I, 4-6)... 7
2.8 Tod des Augustus, Testament und „Totengericht“... 8

2.8.1 Die Heuchelei des Augustus, seine Ruhmsucht und der Verlust der altrömischen Tugenden (virtus, pietas)... 8
2.8.2 Augustus‘ Herrschsucht und der blutige Friede... 9
2.8.3 Rücksichtslosigkeit und Herrschsucht gegenüber den Göttern... 10

2.9 Positive Seiten des Augustus bei Tacitus – Notwendigkeit des Prinzipats... 10
2.10 Sprache und Stil des Tacitus als Ausdruck seiner inneren Einstellung... 11

3. Die Selbstdarstellung des Augustus im Monumentum Ancyranum im Vergleich zu Tacitus... 12

3.1 Die Res Gestae: Der Tatenbericht des Augustus... 12
3.2 Augustus als Retter des Staates und Bringer der alten Freiheit (vindex libertatis)... 13
3.3 Augustus, Prinzeps und Erneuerer der republikanischen Ordnung... 13
3.4 Augustus‘ Taten als Hinweise auf seine republikanischen Tugenden (clementia, modestia, temperantia, liberalitas, pietas, religio)... 14

3.4.1 Augustus‘ Milde... 14

3.4.2 Augustus‘ Bescheidenheit und Selbstbeschränkung... 14
3.4.3 Augustus‘ Wohltaten und Aufwendungen: ein Beweis für seine Freigebigkeit, Großzügigkeit und Fürsorge... 15
3.4.4 Augustus‘ Frömmigkeit, Pflichtgefühl und Gottesverehrung (pie-tas, religio)... 16

3.5 Augustus, Friedensbringer und gerechter Weltherrscher –seine außenpolitischen Erfolge... 17
3.6 Die Ämter und Ehrungen des Augustus: eine Folge seiner großen Leistungen und seiner auctoritas... 18
3.7 Sprache und Stil der Res Gestae... 19

4. Wer hat Recht bzw. Unrecht, Tacitus oder Augustus?... 20

5. Literaturverzeichnis... 22

 

 

1. Das „Goldene Zeitalter“ des Augustus

Augustus, der Begründer des römischen Prinzipats, war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Herrscher der Weltgeschichte. Seine friedvolle Regierungsperiode begann im Jahre 31 v. Chr. nach der Schlacht bei Actium und endete im Jahre 14 n. Chr. Seine Bildnisse zeigen, wie er von der Mitwelt und Nachwelt gesehen sein wollte. Die berühmte, 2 m hohe Marmorstatue von Primaporta bei Rom stellt ihn als Weltherrscher dar; das Panzerhemd, auf dem seine Taten verherrlicht werden, der Feldherrnmantel und das Zepter sind Zeichen seiner Würde als Imperator. Sein ganzes Aussehen lässt einen mutigen, ernsten, überlegenen jugendlichen Helden erkennen. Und nicht nur von den Künstlern, sondern auch von den Dichtern seiner Zeit, nämlich Vergil, Horaz und Ovid, wurde er als Friedensbringer, mit dem das „Goldene Zeitalter“ angebrochen ist, verherrlicht.
Augustus selbst verfasste einen Rechenschafts- oder Tatenbericht (Res Gestae), in dem er die eigenen politischen, militärischen und kulturellen Leistungen der Nachwelt überlieferte und damit ein Bild von sich selbst entwarf. Es ist das Ziel dieser Arbeit, vergleichend herauszuarbeiten, wie diese Selbstdarstellung des Augustus im sog. Monumentum Ancyranum ausfällt und was der große römische Geschichtsschreiber Tacitus später in seinen Annalen (I, 1-10) über Augustus dachte.

[Abbildung in der Downloaddatei vorhanden] Princeps Augustus (sog. Augustus von Prima Porta)

2. Das Augustus-Bild bei Tacitus (Annales I, 1-10)

2.1 Tacitus als Autor der Annalen1

Von dem größten römischen Historiker wissen wir weder das genaue Geburtsjahr noch den Geburtsort noch das Todesjahr. Er ist vermutlich um 55 n. Chr. entweder in der Transpadana oder in Gallia Narbonensis aus vornehmer Familie geboren und erhielt als junger Mann eine sorgfältige rhetorische Ausbildung. Im Jahre 77 heiratete er die Tochter des Konsuls Julius Agricola. Wie er selbst in den Annalen schreibt (XI, 11,1) war er 88 während der Gewaltherrschaft des Domitian (81-96) Prätor. Entscheidend für sein ganzes Leben wurden die negativen Erfahrungen der domitianischen Zeit, die dem talentierten Mann die Gelegenheit zur Entfaltung seiner Fähigkeiten versagte. „Allenthalben spürt man in seinen Schriften, daß er die Qualen von Anpassung und Widerstand selbst durchlitt und eine Wunde behielt, die zeitlebens nicht heilen wollte.“2 So wandte er sich mehr und mehr der Senatsopposition gegen das entartete Kaisertum zu. Im Jahre 97 bekleidete er unter Nerva (96-98) das Konsulat. Erst unter diesem Kaiser, von dem er schrieb, er habe Freiheit und Prinzipat vereinigt, und unter Trajan (98-117) war Tacitus in der Lage, seine Werke zu verfassen (Dialogus de oratoribus, Agricola, Germania, Historiae), vor allem die Annalen (zwischen 115 und 117 veröffentlicht). Der eigentliche Titel lautet Ab excessu divi Augusti. Aufgabe der folgenden Kapitel ist es zu zeigen, wie sich die schlechten Erfahrungen unter Domitian auf sein Augustusbild ausgewirkt haben.

2.2 Vorgeschichte Roms, schriftstellerische Absichten des Tacitus im Prooemium: Augustus, der Beseitiger der republikanischen Freiheit

An den Anfang seiner Annalen setzt Tacitus das Prooemium, in dem viele Informationen über den Inhalt und die schriftstellerische Absicht enthalten sind. Das Werk beginnt mit einem kurzen Gang durch die römische Geschichte vom Anfang bis zu Augustus. Tacitus betont zu Beginn, dass es in Rom nach der Königszeit immer mit kurzen Ausnahmen Freiheit gegeben habe; seit Augustus sei diese jedoch auf die Dauer verloren3. Tacitus erweist sich hier als Anhänger der Republik: Er betont die Freiheit und das durch L. Brutus eingeführte Konsulat. Schon mit dem ersten Satz (principio reges habuere) will Tacitus andeuten, dass der Anfang der römischen Geschichte unfrei war, denn im Wort reges schwingt bei ihm das Tyrannische mit.
In den nächsten Sätzen werden die geschichtlichen Ereignisse erwähnt, die legal waren und nicht grundsätzlich die Freiheit einschränkten: Dies kann man daran erkennen, dass die Begriffe potestas und consulare ius verwendet werden. Potestas ist ein positiver Begriff mit der Bedeutung „Amtsbefugnis, Amtsgewalt“. Es ist das Können, das jemand aufgrund seines Amtes besitzt. Da dieses immer auf ein Jahr verliehen wird, ist es keine Macht auf Dauer. Auch die Amtsbefugnis der Decemvirn (451 - 449 v. Chr.) bezeichnet Tacitus ausdrücklich mit potestas und deutet damit an, dass es eine legale Amtsgewalt war, die nur kurz (neque ultra biennium) dauerte und die Freiheit noch nicht beschränkt hat. Eine Kommission von zehn Männern wurde mit dieser potestas ausgestattet, um den Plebejern dadurch Rechtssicherheit zu geben4.
Die consulare ius der Militärtribunen (3-6 Mitglieder von 444-367 v. Chr.) ist ebenfalls für Tacitus keine Einschränkung der Freiheit. Obwohl sie fast 80 Jahre dauerte, sagt Tacitus, dass sie nicht lange in Kraft war (neque ... diu valuit). Die nächste Phase der Entwicklung führt von libertas und consulatus weg. Obwohl Cinna von 87-84 viermal das Konsulat hatte und Sulla von 82-79 die legale Stellung eines Diktators innehatte, bevor er freiwillig zurücktrat, bezeichnet Tacitus diese Gewalt nicht mit potestas, sondern mit dominatio (Gewaltherrschaft). Er ist also der Meinung, dass Cinna und Sulla die libertas in dominatio umwandelten, aber der Zustand dauerte nicht lange. Der Niedergang der Freiheit und der republikanischen Verfassung geht mit dem ersten und zweiten Triumvirat weiter, wobei Tacitus deren Gewalt mit potentia (persönliche Machtfülle) und arma (Heeresmacht) umschreibt, die letztlich nicht mehr wie früher auf Konsuln übergeht, sondern im Prinzipat des Augustus aufgeht. Seine Macht wird mit imperium umschrieben. Alles kommt unter seine unumschränkte Befehlsgewalt.
Am Anfang des Proömiums haben die Könige alles in ihrer Gewalt, am Schluss beherrscht der Prinzeps Augustus alles. Tacitus will damit andeuten, dass sich dominatio und imperium gegenüber der republikanischen libertas durchgesetzt haben. Diese Grundeinstellung spielt eine zentrale Rolle für die Einstellung des Tacitus zum Prinzipat. Müffling meint dazu: „Wenn (...) nicht einmal die Möglichkeit zu offener Meinungsäußerung gegeben war, weil man die Eitelkeit oder gar Rache des Herrschers befürchten mußte, (...) dann war auch diese letzte Chance für die republikanische libertas vertan.“5

2.3 Das Schwinden der objektiven Geschichtsschreibung mit Augustus

[...]


1 vgl. Weinold, H.: Tacitus Annalen, ratio Bd. 10, Schülerkommentar, S. 4-7

2 ebd., S.5

3 vgl. Klingner, Fr.: Tacitus über Augustus und Tiberius, S.5

4 vgl. Weinold, H.: ratio Bd. 10, Schülerkommentar, S. 8

5 Müffling, M. v.: Der einzelne und der Staat, S. 128; er legt dort auch dar, was Tacitus unter libertas versteht: „(...)er gebraucht zwar libertas auch im Sinne von Republik (...) und außenpolitischer Unabhängigkeit, im eigentlichen Sinn bezeichnet er damit jedoch die innere Unabhängigkeit und geistige Freiheit.“(S. 127)


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