"Stanislawski, Strasberg, Grotowski"

Untertitel: Eine Reflektion über die 'Kunst des Erlebens'
Autor: Nora Gielke
Fach: Theaterwissenschaft

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Details

Veranstaltung: Theatertheorien des 20. Jh.
Institution/Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 145 KB
Archivnummer: V83938
ISBN (E-Book): 978-3-638-00157-1
ISBN (Buch): 978-3-638-91676-9

Zusammenfassung / Abstract

This paper investigates the ‘menschenbild’ behind the acting theories of Strasberg and Grotowski. As well, it examines Stanislavski’s technique of accessing the ‘emotional memory’ and how this technique is used in theatrical performance. Strasberg and Grotowski are both influenced by Stanislavski, yet they each have differing opinions about how an actor can mine their subconscious. Strasberg stresses the primacy of the internal. Whereas Grotowski advocates physical and psychological self-transgression. Both theorists tend to violate the intimate boundaries of the actor. This paper argues that a should ‘menschenbild’ include respect and the inviolability of the psyche. Strasberg and Grotowski’s ideas do not guarantee an emotionally secure situation for the actor on stage. Also, it is debatable if their techniques are even effective in creating visceral performances on stage, since real experience is the aim of naturalistic theatrical performance. This paper maintains, in Stanislavski’s tradition, a performance technique that includes the outside world is essential to achieve a vivid and truthful acting style.

Textauszug (computergeneriert)

„Stanislawski, Strasberg, Grotowski“
Eine Reflektion über die ‚Kunst des Erlebens’

 

Europa-Universität Viadrina
Fakultät der Kulturwissenschaften
Seminar: Theatertheorien des 20. Jahrhunderts (BA-Vertiefung, Literaturwissenschaften)
Sommersemester 2006

Nora Gielke

Hausarbeit zum 30.09.2006

 

 

Inhalt

Stanislawski, Strasberg, Grotowski – Eine Reflektion über die ‚Kunst des Erlebens’ 3
1. Einleitung  3
2. Stanislawskis ‚System’  5
3. Strasbergs ‚Method’  9
4. Grotowskis ‚Lehre vom Heiligen Schauspieler’  11
5. Menschenbilder  14
6. Fazit  17
Bibliographie  18

 

 

„Stanislawski, Strasberg, Grotowski“ - Eine Reflektion über die ‚Kunst des Erlebens’

This paper investigates the ‘menschenbild’ behind the acting theories of Strasberg and Grotowski. As well, it examines Stanislavski’s technique of accessing the ‘emotional memory’ and how this technique is used in theatrical performance. Strasberg and Grotowski are both influenced by Stanislavski, yet they each have differing opinions about how an actor can mine their subconscious. Strasberg stresses the primacy of the internal. Whereas Grotowski advocates physical and psychological self-transgression. Both theorists tend to violate the intimate boundaries of the actor. This paper argues that a should ‘menschenbild’ include respect and the inviolability of the psyche. Strasberg and Grotowski’s ideas do not guarantee an emotionally secure situation for the actor on stage. Also, it is debatable if their techniques are even effective in creating visceral performances on stage, since real experience is the aim of naturalistic theatrical performance. This paper maintains, in Stanislavski’s tradition, a performance technique that includes the outside world is essential to achieve a vivid and truthful acting style.

 

1. Einleitung

„Man verlangt vom Helden und seinem Verhalten, sie sollen bühnenwirksam sein, aber im Leben erschießt und erhängt man sich nicht immerzu, erklärt man nicht bei jeder Gelegenheit seine Liebe, äußert man nicht dauernd tiefe Gedanken. Meistens isst und trinkt man, flirtet man und redet dummes Zeug. Man müsste Stücke schreiben, in denen die Leute kommen und gehen, Mittag essen, über Regen und schönes Wetter reden, Whist spielen, und zwar nicht, weil es der Autor so will, sondern weil es im Leben so zu geht.“ (Anton Tschechow)1

Dieses lakonische Plädoyer für einen rettenden Naturalismus auf dem Theater könnte die Assoziation eines lethargischen Sonntagnachmittags wecken, an dem nur die Zeit vergeht, sonst nichts –. Tschechows (1860-1904) Stücke, die am Moskauer Künstlertheater, an dem er neben Maxim Gorki (1868-1936) zu den ‚Hausautoren’ zählte, von Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863-1938) inszeniert wurden, sind bekannt für ihre „eigenartig schwebende Atmosphäre.“2

Nun hat man in den Inszenierungen Stanislawskis mit Sicherheit nicht nur gemeinsam ‚Mittag gegessen’. Man arbeitete vielmehr auf höchst intensive Weise an der Vervollkommnung und Weiterentwicklung eines „geistig-seelischen Naturalismus“, der sich in Stanislawkis berühmter ‚Psychotechnik’ niederschlug. Sie lieferte die Grundlage für eine „psychologischrealistische Spielweise“ und wurde von zahlreichen Theatermachern aufgegriffen und weiterentwickelt. 3

Diese Arbeit wird sich mit zweien dieser Theatermacher und „Schüler“ Stanislawskis auseinander setzen und deren Schauspielmethoden hinsichtlich ihrer psychologischen Herangehendsweise untersuchen. Nach einer Erläuterung zentraler Momente von Stanislawskis eigenem ‚System’ soll Lee Strasbergs (1901-1982) ‚method’ und Jerzy Grotowskis (1933-1999) ‚Lehre vom Heiligen Schauspieler’ hinsichtlich ihrer Orientierung an Stanislawski betrachtet werden. Es soll verglichen werden, wie beide anhand ihres eigenen Weges ins Innere des Schauspielers die „Kunst des Erlebens“ auf der Bühne praktizieren. Unweigerlich wird sich schliesslich eine Aussage über das jeweilige Menschenbild treffen lassen.

[...]


1 Stanislawski- Lesebuch, zusammengestellt und kommentiert von Peter Simhandl, Berlin, Edition Sigma Bohn, 1990, S. 18

2 Ebd., S. 19

3 Vgl. ebd., S. 11

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