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"Hören, lauschen, lernen" - Sinnvolles Trainingsprogramm zur Schulung der phonologischen Bewusstheit?

Hauptseminararbeit, 2005, 20 Seiten
Autor: Katrin Keller
Fach: Germanistik - Didaktik

Details

Veranstaltung: Legasthenie?
Institution/Hochschule: Bergische Universität Wuppertal
Tags: Hören, Sinnvolles, Trainingsprogramm, Schulung, Bewusstheit, Legasthenie
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V84072
ISBN (E-Book): 978-3-638-00472-5
ISBN (Buch): 978-3-638-91240-2
Dateigröße: 335 KB

Zusammenfassung / Abstract

Bis in die achtziger Jahre hinein war die Rechtschreibdidaktik der Auffassung, dass Kinder sich beim Schreiben- und Lesenlernen „Wortbilder“ bzw. zwei Symbolsysteme (Laute und Buchstaben) einprägen und deren Zusammenhänge (Phonem-Graphem-Korrespondenzen) im Gedächtnis speichern würden. Aus diesem Grund achteten die Lehrer strikt darauf, dass die Kinder nichts schrieben, was der Norm nach falsch war. Hatten die Kinder Probleme beim Schriftspracherwerb, so wurde dies auf auditive und visuelle „Teilleistungsstörungen“ zurückgeführt. Heute weiß man, dass das Hauptproblem beim Schriftspracherwerb ein kognitives ist. Die Kinder müssen den Aufbau und die Funktion unserer alphabetischen Schrift verstehen. Das Grundprinzip lässt sich darin sehen, dass die Schrift Informationen über die phonologische Gestalt der Wörter enthält. Den Phonemen unserer Sprache sind Grapheme (dies können Buchstaben sein, aber auch Kombinationen von Buchstaben wie beim <sch> oder beim <ie>) zugeordnet. Um ein Wort schreiben zu können, müssen die Kinder lernen, von der Bedeutung des Worts zu abstrahieren und sich auf dessen Klang zu konzentrieren. Dies ist für die Kinder nicht einfach, da sie Wörter auf die Bedeutung und den Handlungszusammenhang beziehen: „Geburtstag heißt Geburtstag, weil man dann Geschenke bekommt“. Es bedarf einer hohen Abstraktionsleistung, vom Handlungs- und Bedeutungskontext abzusehen und sich auf die lautliche Gestalt eines Wortes zu konzentrieren. Schwierigkeiten bei der Einsicht in den Phonemaufbau von Wörtern und den analytischen Umgang mit Phonemen gelten heute unter dem Begriff „phonologische Bewusstheit“ als Kernproblem der Lese- Rechtschreibschwäche. Vor allem die kognitionspsychologisch orientierte Forschung beschäftigt sich mit der Bedeutung von Teilleistungen, zu der die phonologische Bewusstheit zählt, für den Schriftspracherwerb. Es wird betont, dass ein frühes Training der phonologischen Bewusstheit, die als Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb verstanden wird, positive Wirkungen auf die Lese- und Rechtschreibkompetenzen in der Grundschule hat. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Trainingsprogramme, die das Ziel verfolgen, das phonologische Bewusstsein von Kindern zu verbessern. In dieser Arbeit wird das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ zur Förderung der phonologischen Bewusstheit für Kinder im Vorschulalter vorgestellt und kritisch betrachtet.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Wuppertal, Seminar: Legasthenie?
SS 2005, Semester: 6

"Hören, lauschen, lernen" -
Sinnvolles Trainingsprogramm zur Schulung der phonologischen Bewusstheit?

von

Katrin Keller

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung... 3

2 Phonologische Bewusstheit... 4

3 Würzburger Trainingsprogramm... 6

3.1 Teilbereiche des Würzburger Trainingsprogramms... 7

4 Ideen-Kiste „Schrift-Sprache“... 15

4.1 Die acht Lernfelder der „didaktischen Landkarte“... 16

5 Schlussbetrachtung... 18

6 Literaturverzeichnis... 19


 

1 Einleitung

Bis in die achtziger Jahre hinein war die Rechtschreibdidaktik der Auffassung, dass Kinder sich beim Schreiben- und Lesenlernen „Wortbilder“ bzw. zwei Symbolsysteme (Laute und Buchstaben) einprägen und deren Zusammenhänge (Phonem-Graphem-Korrespondenzen) im Gedächtnis speichern würden. Aus diesem Grund achteten die Lehrer strikt darauf, dass die Kinder nichts schrieben, was der Norm nach falsch war. Hatten die Kinder Probleme beim Schriftspracherwerb, so wurde dies auf auditive und visuelle „Teilleistungsstörungen“ zurückgeführt.
Heute weiß man, dass das Hauptproblem beim Schriftspracherwerb ein kognitives ist. Die Kinder müssen den Aufbau und die Funktion unserer alphabetischen Schrift verstehen. Das Grundprinzip lässt sich darin sehen, dass die Schrift Informationen über die phonologische Gestalt der Wörter enthält. Den Phonemen unserer Sprache sind Grapheme (dies können Buchstaben sein, aber auch Kombinationen von Buchstaben wie beim <sch> oder beim <ie>) zugeordnet. Um ein Wort schreiben zu können, müssen die Kinder lernen, von der Bedeutung des Worts zu abstrahieren und sich auf dessen Klang zu konzentrieren. Dies ist für die Kinder nicht einfach, da sie Wörter auf die Bedeutung und den Handlungszusammenhang beziehen: „Geburtstag heißt Geburtstag, weil man dann Geschenke bekommt“ 1. Es bedarf einer hohen Abstraktionsleistung, vom Handlungs- und Bedeutungskontext abzusehen und sich auf die lautliche Gestalt eines Wortes zu konzentrieren. Schwierigkeiten bei der Einsicht in den Phonemaufbau von Wörtern und den analytischen Umgang mit Phonemen gelten heute unter dem Begriff „phonologische Bewusstheit“ als Kernproblem der Lese- Rechtschreibschwäche. Vor allem die kognitionspsychologisch orientierte Forschung beschäftigt sich mit der Bedeutung von Teilleistungen, zu der die phonologische Bewusstheit zählt, für den Schriftspracherwerb. Es wird betont, dass ein frühes Training der phonologischen Bewusstheit, die als Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb verstanden wird, positive Wirkungen auf die Lese- und Rechtschreibkompetenzen in der Grundschule hat. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Trainingsprogramme, die das Ziel verfolgen, das phonologische Bewusstsein von Kindern zu verbessern. In dieser Arbeit wird das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ 2 zur Förderung der phonologischen Bewusstheit für Kinder im Vorschulalter vorgestellt und kritisch betrachtet.

2 Phonologische Bewusstheit

Phonologie ist die Lehre von der Funktion der Sprachlaute. Danach ist die phonologische Bewusstheit die Bewusstheit um die Phonologie der Sprache. Konkret versteht man unter phonologischer Bewusstheit die Fähigkeit, sich von der Bedeutung eines Wortes zu lösen und seine Aufmerksamkeit auf die formalen Eigenschaften der Sprache zu lenken. Die empirische Forschung zur phonologischen Bewusstheit hat eine Vielzahl von Ergebnissen hervorgebracht. Es gibt Befunde, in denen die phonologische Bewusstheit als Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb gedeutet wird. So ist es bereits vielen Vorschulkindern möglich, gesprochene Wörter in Silben zu zerlegen oder den Anlaut eines Wortes herauszuhören. Andere Forschungen ergeben, dass die phonologische Bewusstheit erst durch den Schriftspracherwerb initiiert wird, wenn sich das Kind aktiv mit Schrift auseinandersetzt. Durch die Unterscheidung der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne und der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne lassen sich diese Unstimmigkeiten weitgehend auflösen.
Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne umschreibt die Fähigkeiten, die eher sprechrhythmisch zu bewältigen sind, wie das Segmentieren von Wörtern in Silben und das Reimen. Diese frühe Stufe der phonologischen Bewusstheit, die schon vor der Einsicht in den Aufbau der Schriftsprache entwickelt wird, ist die Basis dafür, dass sich überhaupt ein Phonemverständnis entwickeln kann. Wenn bei Kindern im Vorschulalter auffällt, dass sie Schwierigkeiten haben, Wörter in Silben zu zerlegen oder Reime zu erkennen, ist es wahrscheinlich, dass ihnen auch der Schriftspracherwerb schwerfallen wird.
Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne bezeichnet Fähigkeiten, die mit der Phonemanalyse und –synthese sowie der Manipulation von Lauten gekennzeichnet werden können. Anspruchsvolle Aufgaben, wie beispielsweise das Weglassen oder Ersetzen von Lauten oder das vollständige Zerlegen eines Wortes in seine Laute, verlangen wenigstens grundlegende Einblicke in die Schriftsprache. Ohne Kenntnis der Phonem-Graphem-Korrespondenz sind einzelne Phoneme, die abstrakte linguistische Elemente sind, nicht aus der Sprache zu isolieren. Schriftkundige sind sich dessen oft nicht bewusst, da sie der Meinung sind, sie würden beim Reden einzelne Laute hintereinander sprechen oder beim Zuhören einzelne Laute nacheinander wahrnehmen, weil sie sich am vorgestellten Schriftbild orientieren. Beim Reden werden aber die einzelnen Laute miteinander verschmolzen.3

[...]


1 Vgl. Valtin, Renate: Ein Entwicklungsmodell des Rechtschreibenlernens, in: Valtin, Renate (Hrsg.): Rechtschreiben lernen in den Klassen 1 – 6. Grundlagen und didaktische Hilfen, Frankfurt am Main 2000, S. 17

2 Küspert, Petra / Schneider, Wolfgang: Hören, lauschen, lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter. Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache, 3. Auflage, Göttingen 2002

3 Andresen hierzu: „Die Silbe und nicht der Einzellaut bildet die artikulatorische Grundeinheit. D.h., dass innerhalb der Silbe benachbarte Laute sich gegenseitig beeinflussen; die abstrakten, auf der Ebene der Sprachstruktur wohl unterschiedlichen Phoneme verschmelzen auf dem Wege der Realisierung miteinander. Man kann es an sich selbst beobachten: Artikuliert man das Wort blasen, so nimmt die Zunge, schon bevor der Verschlusslaut, der am Anfang steht, realisiert wird, die Stellung zur Artikulation des Folgelauts ein. Daher ist die Zungenstellung bei der Artikulation Boot vom Beginn an eine andere.“ (zitiert nach: Valtin, Renate: Ein Entwicklungsmodell des Rechtschreibenlernens, in: Valtin, Renate (Hrsg.): Rechtschreiben lernen in den Klassen 1 – 6. Grundlagen und didaktische Hilfen, Frankfurt am Main 2000, S. 18)


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