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"Durchstreiftes Gebiet frei von Juden und Partisanen - Erschossen 133. Keine Waffenbeute"

Subtitle: Massenverbrechen im Zuge der Partisanenbekämpfung am Beispiel des 'Unternehmens Bamberg' in Weißrussland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 21 Pages
Author: David Hohm
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V84134
ISBN (E-book): 978-3-638-00207-3

File size: 203 KB
Notes :
Kommentar des Dozenten: Ein wichtiges Thema, eine überzeugende Argumentation, vorgetragen in einer klaren, nüchternen Sprache sehr gut 1,3


Abstract

In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die ‚Großunternehmen’ einer militärischen Notwendigkeit entsprungen sind, oder ob sie ebenfalls ein Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung darstellen, wie es Christian Gerlach formuliert. Dazu muss zuerst auf einige wichtige und grundlegende Befehle sowie auf die Entwicklung des Kampfes gegen die Partisanen im Jahr 1941 eingegangen werden, um dann anhand des beispielhaften ‚Unternehmens Bamberg’ die Strategie dieser Aktionen und die Massenverbrechen dabei zu beleuchten. Abschließend erfolgt eine kurze Bewertung.


Excerpt (computer-generated)

FRIEDRICH-ALEXANDER-UNIVERSITÄT ERLANGEN-NÜRNBERG
INSTITUT FÜR GESCHICHTE, LEHRSTUHL OSTEUROPÄISCHE GESCHICHTE
HS DAS "UNTERNEHMEN BARBAROSSA". HITLERS LEBENSRAUM- UND VERNICHTUNGSKRIEG
SOMMERSEMESTER 2007

„DURCHSTREIFTES GEBIET FREI VON JUDEN UND PARTISANEN – ERSCHOSSEN 133. KEINE WAFFENBEUTE“
MASSENVERBRECHEN IM ZUGE DER PARTISANENBEKÄFUNG AM BEISPIEL DES ‚UNTERNEHMENS BAMBERG’ IN WEIßRUSSLAND

DAVID HOHM


6. SEMESTER

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. ‚Partisanenbekämpfung’ vom Überfall auf die Sowjetunion bis zum Beginn der ‚Großunternehmen’  4

    2.1 Voraussetzungen auf deutscher und russischer Seite 4
    2.2 Aktionen im Krieg gegen die Partisanen bis Anfang 1942 6

3. Die ‚Großunternehmen’ gegen Partisanen und die einheimische Bevölkerung 8

    3.1 Ideologische Voraussetzungen der ‚Großunternehmen’  8
    3.2 Das ‚Großunternehmen Bamberg’  9
    3.3 Die Ergebnisse der Aktion ‚Bamberg’  12

4. Zusammenfassung 16

5. Quellen und Literaturverzeichnis  18

 

1. Einleitung

Zwischen dem 24. und 26. September 1941 fand in Mogilew in Weißrussland auf Einladung von General Max von Schenckendorff eine „Fortbildungsveranstaltung“ für führende Persönlichkeiten in der Partisanenbekämpfung statt1. Anwesend waren Experten aller Gruppen, die im Rücken der Front für diese Aufgaben zuständig waren, z.B. SSBrigadeführer Arthur Nebe, Chef der Einsatzgruppe B und SS-Gruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski, Höherer SS- und Polizeiführer Russland-Mitte. Für den 25.09.1941
sah die Tagesordnung folgende Punkte vor:

25.9. 9.00 Uhr Vortrag des Gruppenführers v.d.Bach über “ Erfassen von Kommissaren und Partisanen “. Es folgen Erfahrungsberichte uzw.:
9.30 “ Rgts.Kdr. Sich. Div. 221
9.45 “ “ “ “ “ 403
[…]
12.00 “ Meinungsaustausch und Abschlußwoerte [sic.] des Befh.
12.45 “ M i t t a g e s s e n
14.00 “ Vortrag General Nebe “ Die Judenfrage “ – mit besonderer Berücksichtigung der Partisanenbewegung
14.30 “ Vortrag Gruppenführer v.d. Bach über Einsatz von V-Leuten
15.00 “ Vortrag K.Vw.Abt.Chef Dr. Tesmar über “ Behandlung der Bevölkerung unter besonderer Berücksichtigung der Partisanenunterstützung“
15.30 “ Bekanntgabe der Lage für die am 26.9. stattfindende Aushebung eines gemeldeten Partisanennestes südl. Mohilew durch Kdr. Sich.Rgt. 2.
26.9. Auf Grund von eingegangenen Meldungen über Partisanen werden Teile des Sich.Rgt. 2 eine Ortschaft umstellen und die Aushebung der Partisanen betreiben. Dabei ist Gelegenheit gegeben, nicht nur die Erfassung eines solchen Ortes, sondern auch die Ergreifung von Partisanen, Kommissaren und Kommunisten und die Durchkämmung der Bevölkerung praktisch mitzuerleben. Alle Kursusteilnehmer nehmen daran teil.
Die Aktion findet bei Morgengrauen statt, genauer Zeitpunkt der Abfahrt mit Autobus wird noch befohlen.2

Diese Tagesordnung zeigt bereits in Ansätzen die Vorhaben der Führer der Partisanenbekämpfung. Es ging offenbar nicht nur um die Ausschaltung der Partisanenbewegung aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen – keine Armee kann es sich erlauben, eine große Anzahl feindlicher Kräfte in ihrem Rücken zu haben – sondern durch die immer aktiver werdenden Partisanen war ein Vorwand gegeben, auch gegen die (jüdische) Zivilbevölkerung vorzugehen. Bei den meisten Kampfaktionen gegen Partisanen „handelte es sich ebenfalls um ein staatliches, durchorganisiertes Massenverbrechen und
nicht lediglich um eine Aneinanderreihung staatlich bloß begünstigter brutaler Übergriffe“3.

Bei der als „Praxisübung“ des Lehrgangs zu verstehenden Umstellung und Durchkämmung der Dörfer Knjashizy und Kussikowitschi am 25. und 26. September „ergab die Überprüfung der Bevölkerung [durch das Polizeibataillon 322] das Vorhandensein von 13 Juden, 27 Judenfrauen und 11 Judenkindern. Von diesen wurden 13 Juden und 19 Jüdinnen in Zusammenarbeit mit dem SD exekutiert“4. Aus einer Aktennotiz beim Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Mitte, General Schenckendorff, geht hervor, dass es darauf ankam, „die grosse Ortschaft, in der in letzter Zeit Partisanen genächtigt hatten und kommunistisch verdächtige Einwohner festgestellt waren, in der Nacht zu umstellen und mit dem Hellwerden zu säubern. […] Das Verhör der Einwohner, das Abtrennen verdächtiger Elemente und das Gewinnen von Nachrichten über Partisanentrupps war für alle Kursteilnehmer […] eine ausgezeichnete Unterrichtung“5.

[...]


1 Vgl. Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.), Verbrechen der Wehrmacht, Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 – 1944, Ausstellungskatalog, Hamburg 2002, S.462.

2 Bundesarchiv/Militärarchiv, RH 22/225, Bl.73. Als Faksimile in: Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.), Verbrechen der Wehrmacht, S.464 (Faksimile/Zitate im Folgenden zitiert als HIS, Archivbeleg, Seitenzahl).

3 Christian Gerlach, Kalkulierte Morde: die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburg 1999, S.859.

4 HIS, Militärhistorisches Archiv Prag, ohne Signatur, S.468.

5 HIS, Belorussisches Nationalarchiv Minsk, 655-1-1, Bl.9-280, Zitat Bl.279f., S.468.


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