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Hauptseminararbeit, 1998, 21 Seiten
Autor: Anja Klein
Fach: Skandinavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Nordeuropa-Institut)
Tags: Norwegen norwegisch Literatur Hamsun Skandinavistik Skandinavien Schriftsteller Nordeuropa literarisch
Jahr: 1998
Seiten: 21
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-15394-2
ISBN (Buch): 978-3-638-74634-2
Dateigröße: 230 KB
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun. Seinen literarischen Durchbruch hatte er Anfang der 1890er Jahre. Die geistigen und literarischen Strömungen dieses Jahrzehntes hat er mit seinen Schriften entscheidend geprägt. In meinem Text beleuchte ich vor dem Hintergrund der damaligen allgemeinen Situation von Literatur und Kultur in Norwegen die literarische Programmatik Hamsuns, wie sie in seinen Texten zwischen 1888 und 1892 zum Ausdruck kommt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse des Artikels Fra det ubevidste Sjæleliv. 465 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun. Seinen literarischen Durchbruch hatte er Anfang der 1890er Jahre. Die geistigen und literarischen Strömungen dieses Jahrzehntes hat er mit seinen Schriften entscheidend geprägt. In meinem Text beleuchte ich vor dem Hintergrund der damaligen allgemeinen Situation von Literatur und Kultur in Norwegen die literarische Programmatik Hamsuns, wie sie in seinen Texten zwischen 1888 und 1892 zum Ausdruck kommt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse des Artikels 'Fra det ubevidste Sjæleliv'.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Nordeuropa-Institut
Knut Hamsuns
„Fra det ubevidste Sjæleliv“
und sein
literarisches Programm
um 1890
vorgelegt
von
Anja Klein
INHALT
1. Einleitendes 3
2. Der Durchbruch der literarischen Moderne 3
3. Die 1890er Jahre 5
3.1. Ein neues Programm 5
3.2. Literaten und literarische Formen 7
4. Hamsuns literarisches Programm 8
4.1. „Fra det ubevidste Sjæleliv“ 9
4.1.1. Allgemeines 9
4.1.2. Struktur und Inhalt 10
4.1.3. Zusammenfassung der programmatischen Elemente 16
4.1.4. Bedeutung und Wirkung 16
4.2. Vorträge zur Literatur 17
5. Abschließendes 18
Literatur 20
1. EINLEITENDES
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem norwegischen Schriftsteller Knut Hamsun (1859 - 1952). Dabei steht die Verfassertätigkeit Hamsuns während der Jahre 1888 bis 1892 und insbesondere sein literarisches Programm dieser Phase im Mittelpunkt. Letzteres ist jedoch ohne einen literaturhistorischen Kontext nur schwerlich nachvollziehbar. Daher soll zunächst eine kurze Darstellung der literarischen Situation gegeben werden, die Knut Hamsun in den 1880er Jahren vorfindet, und auf die er sein eigenes literarisches Programm aufsetzt. Daran anschließend wird ein Überblick über das folgende Jahrzehnt der 1890er Jahre mit ihrer veränderten literarischen Atmosphäre gegeben. Der eigentliche Hauptteil besteht schließlich in einer Untersuchung von Hamsuns Text „Fra det ubevidste Sjæleliv“ (1890) vor allem im Hinblick auf programmatische Elemente.
2. DER DURCHBRUCH DER LITERARISCHEN MODERNE
Die literarische Moderne hält in Norwegen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Einzug. Als Beschleuniger des modernen Durchbruchs mit all seinen literarischen Wandlungen wird gemeinhin die Reihe von Vorlesungen betrachtet, die der Däne Georg Brandes unter der Bezeichnung Hovedstrømninger i det 19de Aarhundredes Litteratur ab November 1871 an der Universität von Kopenhagen gehalten hatte. In diesen Vorträgen schilderte er unter anderem die Situation der skandinavischen Literatur und der dänischen Literatur im besonderen. Nach seiner Auffassung befanden sich diese in einem kritischen Zustand von Unproduktivität, Zurückgebliebenheit und Erstarrung: „Det vil vel neppe være vanskeligt at opnaae Enighed om, at den danske Litteratur ingensinde i dette Aarhundrede har befundet sig i en saadan Hendøen som i vore Dage.“ 1
An gleicher Stelle legte er darüber hinaus seine Vorstellungen dazu dar, wie eine neue, lebendigere Literatur aussehe und auszusehen habe. Dabei hatte er stets die Vorbilder europäischer Verfasser vor Augen. „Det, at en Litteratur i vore Dage lever, viser sig i, at den sætter Problemer under Debat. [...] At en Litteratur Intet sætter under Debat er det samme som, at den er ifærd med at tabe al Betydning.“ 2 Die Literatur sollte sich also verstärkt dem Thema Gesellschaft zuwenden und Probleme wie Religion, Ehe und das Verhältnis der Geschlechter behandeln. Brandes legte in seinen Vorträgen eine Programmatik vor, deren Forderungen die Literatur der folgenden Jahrzehnte verhaftet sein würde.
Brandes’ Ideen stießen auf viel Resonanz und bahnten den Weg für eine literarische Moderne mit ihrer damals einflußreichsten Strömung des Realismus. Zentrales Thema des Realismus wurde die Gesellschaft mit ihren verschiedensten Aspekten und Facetten. Dazu gehörten vor allem die sozialen Beziehungen der Menschen, Ehe und Familie, aber auch politische und ökonomische Fragen sowie das öffentliche Leben, Religion und Moral. Dabei war zumeist der - von Brandes geforderte - aktuelle Bezug deutlich, daneben war die Literatur ausgeprägt utilitaristisch ausgelegt: „Litteraturen ble utadvendt og aktuell. Den skulle gjøre nytte for seg og tjene framskrittet.“ 3
Herrschende literarische Ausdrucksform der 1870er und 1880er Jahre wurde das kritische und politisch engagierte Gesellschaftsdrama mit seiner Schilderung des bürgerlichen Milieus. Diese Gattung hatte mit Henrik Ibsen (1828-1906) eine nicht nur in Norwegen sondern vor allem auch im europäischen Ausland berühmte und einflußreiche Persönlichkeit. Zusammen mit Bjørnstjerne Bjørnson (1832-1910) begründete er mit seinen gesellschaftskritischen Stücken das bürgerliche Gegenwartsdrama. Daneben hatte der breit angelegte Roman die größte Bedeutung unter den literarischen Gattungen. Die bedeutendsten Vertreter dieser Form waren Alexander Lange Kielland (1849-1906) und Jonas Lie (1833-1908). Diese vier Schriftsteller („de fire store“) beherrschten die Literaturszene im Norwegen der 1870er und 1880er Jahre. Zu Beginn der 1880er Jahre machte sich mit dem Naturalismus eine andere Strömung geltend, die den Realismus zum einen um weitere Aspekte ergänzte, zum anderen einen Gegenpol dazu bildete. Das Interesse wandte sich zuvor eher vernachlässigten Seiten der Wirklichkeit zu. Geschildert wurden nun auch soziale Not, Elend, das Trieb- und Instinktleben, aber auch die Bedeutung und der Einfluß von Erbe und Milieu. Während sich die Perspektive des Realismus vor allem durch den Glauben an den freien Willen charakterisieren läßt, war der Blickwinkel im Naturalismus insgesamt deutlich deterministisch ausgeprägt, eine Eigenschaft, die nicht zuletzt aus dem Einfluß naturwissenschaftlich inspirierter Philosophien, wie dem Darwinismus oder Feuerbachs Religionskritik, herrührte. Dabei erfolgte die Schilderung wie im Realismus ohne offenbare Verfassersubjektivität, eine weitestgehend objektive Darstellung der Wirklichkeit sollte angestrebt werden. Der skandinavische Realismus/Naturalismus war mit seiner Thematik der Problemdebatte eine aufrührerische und kontroverse Dichtung und sorgte für einen Durchbruch neuer Ideen.
[...]
1 Brandes,Georg: Fra innledningsforelesningen til Hovedstrømninger i det 19de Aarhundredes Litteratur (1872), in: Aarnes,Sigurd Aa. (red.): Norsk litteratur gjennom øyenvitner. En litteraturhistorisk kildesamling 1830-1970. Universitetsforlaget, Bergen 1979, S.38.
2 Ebd.
3 Haakonsen, Daniel: Nyromantikken. Litteraturen 1890-1905. Gyldendal Norsk Forlag, Oslo 1971, S.11.
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