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Subtitle: Von der ästhetischen Spurensuche
Thesis (M.A.), 2007, 149 Pages
Author: Kristine Ricken
Subject: Art - Pedagogy
Details
Tags: Biografiearbeit, Prozess
Year: 2007
Pages: 149
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 97 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88241-5
File size: 1856 KB
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Abstract
Das Fundament der Arbeit bildet ein Verständnis von prozess- und handlungsorientierter ästhetischer Praxis, die durch eine jeweilig individuelle Subjektivität geleitet ist. Überdies wird eine ganzheitliche Ausbildung von ‚Kopf, Herz und Hand’ (frei nach Pestalozzi) als bildungsrelevant erklärt. Die Begründung von ästhetischen Prozessen soll ebenso untersucht werden wie ihre Wirkung. In diesem Rahmen wird eine so verstandene ästhetische Praxis, insbesondere die spezifische Form der ästhetischen Biografiearbeit behandelt.
Excerpt (computer-generated)
Lehrstuhl für Kunst/ Kunstpädagogik
Biografiearbeit als ästhetischer Prozess?
Von der ästhetischen Spurensuche
Abschlussarbeit zur Erlangung des akademischen Grades
Magister Artium (M.A.)
vorgelegt von: Kristine Ricken
Abgabetermin: 2007-08-28
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Begriffliche Klärung ... 6
2.1 Aspekte der Ästhetik ... 6
2.2 Aspekte der Bildung ... 9
2.3 Aspekte der ästhetischen Bildung ... 11
2.4 Aspekte der ästhetischen Erfahrung ... 16
2.4.1 Prozesshaftigkeit und SubjektOrientierung ... 19
2.4.2 Funktionen von ästhetischer Erfahrung ... 20
2.5 Aspekte der Biografie und ästhetischen Biografiearbeit ... 22
3. Ästhetischer Prozess ... 26
3.1 Einfindung ... 26
3.1.1 Persönliche Sinngebung ... 31
3.1.2 Subjektive Voraussetzungen und Eigenschaften ... 34
3.2 Positionen und Bezüge ... 37
3.2.1 Position Vallentin ... 38
3.2.2 Position KolhoffKahl ... 40
3.2.3 Position Blohm ... 42
3.2.4 Position Otto ... 45
3.2.5 Position Selle ... 48
3.2.6 Querschnitt ... 52
3.3 Betrachtungen der Praxis – Gedankenbündelungen ... 56
3.3.1 Anleitung ästhetischer Prozesse ... 57
3.3.2 Darstellung ästhetischer Prozesse ... 62
4. Biografiearbeit – Eine ästhetische Umsetzung ... 65
4.1 Ästhetische Erinnerungsprozesse ... 65
4.2 Rekonstruktion von Vergangenheit ... 70
4.3 Biografisches Material im künstlerischen Umgang ... 72
4.3.1 Fiktive Inszenierungen ... 74
Christian Boltanski ... 74
Sophie Calle ... 77
4.3.2 Autobiografische Inszenierungen ... 79
Louise Bourgeoi ... 80
Marina Abramovicz ... 82
4.3.3 Sammlungen und Archive ... 83
Karsten Bott ... 85
4.3.4 ReadyMade ... 88
4.4 Biografische Spuren als Anlass für ästhetische Praxi ... 90
4.4.1 Bilder des Selbst Bilder des Anderen: Bilder zum Ich ... 91
4.4.2 Wirksamkeit biografischen Materials ... 95
4.4.3 Das Konzept KämpfJansens Ästhetische Forschung ... 99
Konstituenten ... 99
Stichproben ... 102
5. Diskussion ästhetischer Prozess und Kunstanspruch ... 108
6. Biografischer Zusatz ... 111
7. Resümee ... 114
Abbildungsverzeichnis und Bildmaterial ... 118
.a Abramović , Marina ... 118
.b Boltanski, Christian ... 120
.c Bott, Karsten ... 121
.d Bourgeois, Louise ... 123
.e Calle, Sophie ... 124
.f Duchamp, Marcel ... 126
Literaturverzeichnis ... 127
Anhang ... 137
1. Einleitung
Der Kunstpädagogik wird im Allgemeinen kein hoher bildungsrelevanter Nutzwert zugestanden. Es wird ein Bildungsweg angestrebt, der seine oberste Priorität nicht in den subjektiven Bedürfnissen und der individuellen Ausbildung findet, sondern ein Weg, der auf Begründbarkeit und Abschließbarkeit von Wissen beruht und somit handlungsorientierter Praxis entgegensteht.
Kunstpädagogik ist jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil allgemeiner Bildung. Durch die Auseinandersetzung mit Kunstwerken, ästhetischem Alltagsgeschehen und selbstständigem ästhetischem Handeln vermittelt sie wahrnehmungs- und gestaltungsästhetische Kompetenzen, Bildwissen und -umgang, sowie elementare Beiträge zur Persönlichkeitsentwicklung. Dabei ist die prozess- und handlungsorientierte Ausbildung von ästhetischer Wahrnehmung und der Sinne von enormer Bedeutung. Diese Form der Ausbildung von Individuen weicht jedoch in einem Großteil institutioneller Bildungsorte einem Bildungsverständnis, das auf einer vorwiegend verbreiteten Favorisierung rein kognitiver Bildungsbereiche und messbarer Kompetenzen beruht. Mit der zielführenden Produkt- und Leistungsorientierung wird folglich einer Ausbildung der Sinne immer weniger Beachtung entgegengebracht.
Diese Entwicklung steht dem Grundgedanken dieser Arbeit entgegen. Infolgedessen beschäftigt sich die vorliegende Magisterarbeit mit der aktuellen Diskussion in der Kunstpädagogik zum Thema Ästhetischer Bildung.
Die Themenfindung entstand aus Diskussionen der letzten Jahre bezüglich der Legitimation von Kunstpädagogik und der häufigen Bedrohung des Faches Kunst, aus Schule und Hochschule verdrängt zu werden. Diese Entwicklung wird im Kontext dieser Arbeit als bedenklich erachtet, da der Wert kunstpädagogischen Handelns innerhalb subjektorientierter, ästhetischer Prozesse liegen sollte!
Das Fundament der Arbeit bildet demnach ein Verständnis von prozess und handlungsorientierter ästhetischer Praxis, die durch eine jeweilig individuelle Subjektivität geleitet ist. Überdies wird eine ganzheitliche Ausbildung von ‚Kopf, Herz und Hand’ (frei nach Pestalozzi) als bildungsrelevant erklärt. Die Begründung von ästhetischen Prozessen soll ebenso untersucht werden wie ihre Wirkung. In diesem Rahmen wird eine so verstandene ästhetische Praxis, insbesondere die spezifische Form der ästhetischen Biografiearbeit behandelt.
Die ästhetische Biografiearbeit stellt eine von vielen Möglichkeiten der ästhetischen Praxis dar. Sie bietet innerhalb kunstpädagogischer Arbeit ein breites Spektrum an Umsetzungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Bedeutung die ästhetische Biografiearbeit hat. Hier gilt das Interesse ihrer Bildungsrelevanz und Wirksamkeit. Es wird beleuchtet, wie ästhetische Biografiearbeit durch künstlerische Umsetzung zu verstehen ist, wie sie auf Menschen und ihre ästhetische Bildung wirkt.
Aufgrund des aktuellen kunstpädagogischen Diskurses2 basiert ein Großteil der verwendeten Literatur auf jungen Veröffentlichungen der letzten Jahre. Kunstpädagogische Debatten stehen aktuell im Fokus von Fachtagungen und –kongressen. Beispielhaft sei der im Frühjahr 2007 durchgeführte Bundeskongress der Kunstpädagogik an der Universität Dortmund genannt, der an die kunstpädagogischen Kongresse in München 2003 und Leipzig 2005 anschloss. Besondere Gewichtung erhielten hier die durch Kultur und Gesellschaft geprägten Rahmenbedingungen von Kunstvermittlung, sowie die Frage nach der Darstellung kunstpädagogischer Situationen vor dem Hintergrund der praktischen Handlungsfelder und Handlungsmöglichkeiten3.
Weitere Bemühungen zeigt die 2003 gegründete Jugendinitiative ‚Kinder zum Olymp!’, die zur intensiven Aufmerksamkeit für die ästhetisch- kulturelle Bildung in Deutschland anregt und aufmerksam macht4. Im Juni 2007 findet ein Kongress dieser Initiative zum Thema ‚Kunst vermitteln: der Bildungsauftrag der Kultur’ im Saarländischen Staatstheater Saarbrücken statt. Im Zusammenhang dieser Tagungen und Kongresse, formuliert der Kunstpädagoge Selle5, dass sich „Klammheimlich, jedenfalls kaum bemerkt“6, am Rande der fachdidaktischen Diskussion eine Formel abzeichnet, „die an das Zentrum kunstpädagogischer Reflexionen rücken könnte oder dorthin gehört: ästhetische Biografie.“7. So steht die ästhetische Biografiearbeit auch im Fokus beispielsweise vieler Aufsätze in der von Blohm8 herausgegebenen Reihe ‚Diskussionsbeiträge zur Ästhetischen Bildung’ 9.
Die vorliegende Magisterarbeit greift dieses aktuelle Zeitgeschehen thematisch auf. Ebenso richtet sich der Fokus auf ein mögliches Potential der ästhetischen Biografiearbeit für kunstpädagogische Prozesse. Zur Klärung dienen diesbezüglich entwickelte Verfahren aus kunstpädagogischem Bereich für ein verändertes, ästhetisches, forschendes Lehren und Lernen.Diese Arbeit beginnt mit einer Einleitung, auf die drei Kapitel, sowie ein abschließendes Resümee folgen. Im Anhang befinden sich Verzeichnisse und Bildmaterial, ebenso ist hier thematisch angrenzendes Zusatzmaterial beigefügt. Kapitel 2 widmet sich der Einführung in die Thematik und der Definition der für diese Arbeit bedeutsamen Begrifflichkeiten. Da diese Arbeit eine Vielschichtigkeit von Begriffen gebraucht, soll hier ein Überblick gegeben werden. Die Begriffsfelder, beispielsweise der Ästhetik oder der Bildung, sind sehr komplex, facettenreich und unterliegen einem historischen Wandel. Daher werden im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich relevante Auslegungen und Assoziationen in Form von Nahaufnahmen und Anrissen aufgeführt, die nicht auf Vollständigkeit hin angelegt sind, sondern dahingehend, dass sie in ihrer Funktion für den ästhetischen Prozess und die ästhetische Biografiearbeit fokussierend erläutert werden.
Das folgende Kapitel 3 untersucht den ästhetischen Prozess und seine Bedeutung. Eine einführende Einordnung stellt die spezifischen Attribute eines ästhetischen Prozesses heraus. Zur Veranschaulichung dient das Beispiel eines ästhetischen Gestaltungsprozesses einer studentischen Arbeit. Weitere Merkmale und spezifische Besonderheiten des ästhetischen Prozesses, wie persönliche Sinngebung und subjektive Vorrausetzungen, werden in diesem Abschnitt ebenfalls beleuchtet. Unterstützend vermitteln die Auffassungen und Feststellungen von unterschiedlichen Kunstpädagogen weitere Attribute und Kennzeichen des ästhetischen Prozesses. Den Ausführungen folgen Überlegungen zur Praxis, die die Rolle des Lehrenden, die Initiierung und das Sichtbar machen eines ästhetischen Prozesses thematisieren.
Im 4. Kapitel werden zunächst Prozesse der Erinnerung und deren ästhetische Umsetzungsmöglichkeit präsentiert. Mit ´biografischen Spuren ´ leiten sich die Methode der Rekonstruktion von Vergangenheit und damit die Klärung, Erläuterung und Bestimmung der ästhetischen Biografiearbeit ein. Des Weiteren teilt sich das Kapitel in zwei Unterkapitel, durch deren Gegenüberstellung die Unterscheidung zwischen künstlerischer und kunstpädagogischer Basis ermöglicht werden soll. Hierzu wird ein Bezug auf die künstlerische Praxis genommen, und ausgewählte Werke von zeitgenössischen, biografisch arbeitenden Künstlern werden vorgestellt, untersucht, erkundet und präsentiert. Im Fokus stehen dabei ihre individuellen Umsetzungen mit biografischem Material. So sollen die vielschichtigen Möglichkeiten der ästhetischen Arbeit mit Erinnerungen innerhalb der aktuellen Kunst beleuchtet werden. Diesbezüglich stellt ebenso die Nutzbarkeit von aktueller Kunst für neue Blicke und Handlungsweisen für pädagogische Prozesse einen anregenden Aspekt dar. Außerdem bildet das Thema der ästhetischen Praxis mit ihrem Umgang und Umsetzung biografischer Spuren das Gegenstück. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Konzept der Ästhetischen Forschung von Kämpf-Jansen10. Darüber hinaus steht die ästhetische Umsetzung der Biografiearbeit im Zentrum des Interesses und es stellt sich die Frage: Wie wirksam ist biografische Spurensuche?
Die Debatte um künstlerische und ästhetische Begründungen und deren Unterschiede wird im Hauptteil ebenso thematisiert, wie die Frage nach der Nutzbarkeit aktueller Kunst für neue Blicke und Handlungsweisen. Darüber hinaus wird die Begründbarkeit von Biografiearbeit als ästhetischer Prozess und dessen Bildungsrelevanz diskutiert. Diese Magisterarbeit schließt mit einer Anregung zur Erarbeitung weiterführender ästhetischer Prozesse, sowie einer Reflektion und den damit verbundenen Erfahrungen.
[...]
2 vgl. z.B. Blohm 2002; Kämpf-Jansen 2000
3 BDK e.V. Fachverband für Kunstpädagogik, 28.6.2007
4 ebenda
5 Selle, Gert, Prof. em. ist erimitierter Professor für Theorie, Didaktik und Praxis ästhetischer Erziehung an der Universität Oldenburg. Er brachte den Begriff der Ästhetischen Intelligenz in die Debatte über ästhetische Bildung ein.
6 Selle 2002, S.17
7 Selle 2002, S.17
8 Blohm, Manfred Prof.Dr.phil. studierte und promovierte bei Gert Selle. Seit 1995 ist er Professor für Bildende Kunst an der Universität Flensburg, seit 2005 Prorektor.
9 vgl. u.a. Blohm 2000, Band 1, Kämpf-Jansen 2000, Band 2 und Blohm 2002, Band 3
10 Kämpf-Jansen, Helga, Prof. Dr. lehrt an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn im Lehrbereich: Kunst und ihre Didaktik
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