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Seminararbeit, 2006, 21 Seiten
Autor: Rebekka Hahn
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaft)
Tags: Aspekte, Spracherwerbs, Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb
Jahr: 2006
Seiten: 21
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-00413-8
ISBN (Buch): 978-3-638-91162-7
Dateigröße: 191 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im 7. Jahrhundert vor Christus – so überliefert es Herodot – ordnete der ägyptische König Psammetich I. ein wissenschaftliches Experiment an, mit dem er herausfinden wollte, welches „die Ursprache der Menschheit sei“ (Zimmer 1986: 7). Er übergab zwei Neugeborene einem Ziegenhirten und wies ihn an, die Jungen inmitten seiner Herde aufzuziehen, jedoch niemals auch nur ein Wort zu ihnen zu sprechen. Als man sie nach zwei Jahren zurückholte, riefen die Buben, so Zimmer, nichts außer der Silbe <bec>, mit der sie wohl nur das Meckern der Ziegen nachahmten. Der König ließ nachforschen, ob das Wort becos in irgendeiner Sprache eine Bedeutung habe und erfuhr, dass die Phryger das Brot mit diesem Namen bezeichneten. Psammetich I. war nun davon überzeugt, dass die Phryger das älteste Volk der Erde sein müssten, und ihre Sprache die Ursprache aller Menschen. Im 13. Jahrhundert ließ der deutsche Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen ein ähnliches Isolationsexperiment an Waisenkindern durchführen. Gut zweihundert Jahre nach ihm versuchte Jakob IV. von Schottland die Existenz einer Ursprache so nachzuweisen. Die These von einer gemeinsamen Ausgangssprache aller Völker hat sich bis heute nicht bestätigt. In den Experimenten zeigt sich jedoch schon früh ein Bewusstsein des Menschen dafür, dass die „Kindersprache ein Schlüssel zum Verständnis des menschlichen Geistes“ (Klann-Delius 1999: 9; Hv.i.O.) und damit zum menschlichen Selbstverständnis ist. Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Spracherwerbs liefern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung. Spracherwerbstheorien, die Stadien des Erstspracherwerbs und Formen des Zweitspracherwerbs werden ebenfalls kurz behandelt.
Textauszug (computergeneriert)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaft
Proseminar: Erstspracherwerb – Zweitspracherwerb kontrastiv, Wintersemester 2005 /2006
Aspekte des Spracherwerbs - Ein Überblick
von
Rebekka Hahn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 4
2. Die Geschichte der Spracherwerbsforschung... 5
2.1 Überblick über die Sprachphilosophie von der Antike bis Humboldt... 5
2.1.1 Platon (428-348 v.Chr.)... 5
2.1.2 Aristoteles (384-321 v.Chr.)... 6
2.1.3 Augustinus (354-430)... 7
2.1.4 Descartes (1596-1650)... 7
2.1.5 John Locke (1632-1704)... 8
2.1.6 Immanuel Kant (1724-1804)... 8
2.1.7 Wilhelm von Humboldt (1767-1835)... 9
2.2 Die Frage nach dem Ursprung der Sprache... 9
2.2.1 Johann Peter Süßmilch (1707-1767)... 9
2.2.2 Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)... 10
2.2.3 Johann Gottfried Herder (1744-1803)... 10
2.2.4 Dietrich Tiedemann (1748-1803)... 10
2.3 Der Beginn der Spracherwerbsforschung... 11
2.3.1 Clara und William Stern (1877-1948; 1871-1938)... 11
2.3.2 Karl Bühler (1879-1963)... 12
2.3.3 Benjamin Lee Whorf (1897-1941) und Edward Sapir (1884-1939)... 12
2.3.4 Roman Jakobson (1896-1982)... 13
3. Erklärungsmodelle zum Erstspracherwerb... 14
3.1 Behaviorismus... 14
3.2 Nativismus... 14
3.3 Kognitivismus... 15
3.4 Interaktionismus... 15
3.5 Mehrsprachigkeit... 16
4. Stadien des Erstspracherwerbs... 17
4.1 Die Lautentwicklung... 17
4.2 Die Entwicklung des Wortschatzes... 17
4.3 Der Syntaxerwerb... 18
5. Aspekte des Zweitspracherwerbs... 18
5.1 Gesteuerter Zweitspracherwerb... 18
5.2 Ungesteuerter Zweitspracherwerb... 19
6. Schlussbemerkung... 19
Literaturverzeichnis... 20
1. Einleitung
Im 7. Jahrhundert vor Christus – so überliefert es Herodot – ordnete der ägyptische König Psammetich I. ein wissenschaftliches Experiment an, mit dem er herausfinden wollte, welches „die Ursprache der Menschheit sei“ (Zimmer 1986: 7). Er übergab zwei Neugeborene einem Ziegenhirten und wies ihn an, die Jungen inmitten seiner Herde aufzuziehen, jedoch niemals auch nur ein Wort zu ihnen zu sprechen. Als man sie nach zwei Jahren zurückholte, riefen die Buben, so Zimmer, nichts außer der Silbe bec, mit der sie wohl nur das Meckern der Ziegen nachahmten. Der König ließ nachforschen, ob das Wort becos in irgendeiner Sprache eine Bedeutung habe und erfuhr, dass die Phryger das Brot mit diesem Namen bezeichneten. Psammetich I. war nun davon überzeugt, dass die Phryger das älteste Volk der Erde sein müssten, und ihre Sprache die Ursprache aller Menschen. Im 13. Jahrhundert ließ der deutsche Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen ein ähnliches Isolationsexperiment an Waisenkindern durchführen. Gut zweihundert Jahre nach ihm versuchte Jakob IV. von Schottland die Existenz einer Ursprache so nachzuweisen.
Die These von einer gemeinsamen Ausgangssprache aller Völker hat sich bis heute nicht bestätigt. In den Experimenten zeigt sich jedoch schon früh ein Bewusstsein des Menschen dafür, dass die „Kindersprache ein Schlüssel zum Verständnis des menschlichen Geistes“ (Klann-Delius 1999: 9) [Hervorhebung im Original] und damit zum menschlichen Selbstverständnis ist. Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Spracherwerbs liefern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung. Spracherwerbstheorien, die Stadien des Erstspracherwerbs und Formen des Zweitspracherwerbs werden ebenfalls kurz behandelt.
2. Die Geschichte der Spracherwerbsforschung
Das Gebiet der Spracherwerbsforschung berührt verschiedenste Wissenschaftsbereiche. Nicht nur die Psycholinguistik sondern auch die Psychologie, die Pädagogik und selbst die Naturwissenschaften befassen sich mit dem Phänomen des Kindspracherwerbs. Als Wissenschaft begründet wurde die Kindersprachforschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch genaue Beobachtung und systematische Datensammlung wollte man die gesamte Entwicklung des Kindes nachzeichnen, darin eingeschlossen den Spracherwerb.
Das Nachdenken über Sprache hatte jedoch schon lange vorher begonnen. Bereits in der Antike versuchte die Sprachphilosophie das Wesen der Sprache zu ergründen. Im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion standen die Frage nach der Entstehung von Sprache sowie das Verhältnis von Sprache und Denken. Obwohl dabei die Sprechkompetenz des Erwachsenen als Bezugspunkt diente, lieferten die gewonnenen Erkenntnisse wichtige Anhaltspunkte für die spätere Wissenschaft der Kindersprachforschung.
2.1 Überblick über die Sprachphilosophie von der Antike bis Humboldt
2.1.1 Platon (428-348 v.Chr.)
In der Debatte über das Wesen der Sprache bilden sich in der griechischen Sprachphilosophie schon früh zwei gegensätzliche Meinungen heraus. Die eine Seite sieht Sprache als natürlich an (griech.: phýsei), d.h. als von Geburt an im Menschen veranlagtes Wissen. Für die andere Seite ist Sprache konventionell (griech.: thései), also das Ergebnis von Überlieferung und Aneignung. Diskutiert wird über „das Verhältnis von Sprache, Erkenntnis und Wirklichkeit“ (Coseriu 2003: 37). Drückt Sprache das aus, was tatsächlich ist, oder ist sie nur ein Spiegel dessen, wie wir die Welt begreifen? Die Sprachphilosophie spricht hierbei von der Wahrheit oder Falschheit der Namen (vgl. Coseriu 2003: 34).
Im Dialog Kratylos erörtert Platon das Problem auf der Wortebene, wobei er einen natürlichen Bezug zwischen dem Wort und dem bezeichneten Gegenstand herstellt. Zwar sei das Wort nicht gleich dem Gegenstand, den es benenne. Jedoch stehe hinter jedem Gegenstand eine höhere Wahrheit, die durch das Wort benannt werden könne. Sowohl Name als auch Benanntes hätten Anteil an dieser Wahrheit und stünden deshalb in einer natürlichen Beziehung zueinander. Diese Auffassung spiegelt sich auch in Platons Ideenlehre wider, nach der das konkrete, vergängliche Ding Anteil hat an der universellen und unvergänglichen Wirklichkeit seiner Idee (vgl. Borsche 1996: 25). Den Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Sprache erläutert Platon im Dialog Sophistes. Er behauptet, dass sowohl Wahres als auch Falsches gesagt werden könne. Damit richtet sich Platon gegen die damals vorherrschende Meinung, dass „Falsches Sagen gleichzusetzen [sei] mit dem Sagen von Nichtseiendem“ (Borsche 1996: 27). Platon macht auf den Unterschied zwischen Falschem und Nicht-Seiendem aufmerksam. Das Nicht-Sein existiert nicht, das Falsche jedoch kann durchaus existieren, nur ist es in der konkreten Rede unzutreffend. Denn jede Rede, die eine Aussage enthält, verneint zugleich alle Aussagen, die sie nicht enthält (vgl. Coseriu 2003: 63). Obwohl Platon sich in seinen Schriften nicht explizit mit der Entstehung und dem Erwerb von Sprache beschäftigt, gibt die Ideenlehre Aufschluss über seine Ansichten dazu. Das Wissen von den Dingen beruht Platon zufolge auf dem Wissen von den Ideen dieser Dinge, die der Mensch bereits in einem früheren Leben sehen durfte. „Menschliches Wissen [...] ist demnach [...] Wiedererkennen eingeborener Ideen, die Sprache zum Ausdruck bringt“ (Klann-Delius 1999: 4).
2.1.2 Aristoteles (384-321 v.Chr.)
[...]
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