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Bildung und Migration

Subtitle: Über die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 28 Pages
Author: Natalia Akhabach
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V84249
ISBN (E-book): 978-3-638-00491-6
ISBN (Book): 978-3-638-91248-8
File size: 202 KB

Abstract

Die deutsche Gesellschaft steht heutzutage vor nicht wenigen Problemen, bei denen das Feld der Migration eine Rolle spielt. Ein Problemfeld ist die deutsche Bildungssituation, deutlich wurde dies im schlechten Abschneiden bei der PISA- Studie. Weiterhin hat die PISA- Studie gezeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund tatsächlich deutlich schlechter abschneiden als deutsche Kinder. Nun gilt es herauszufinden, wo die Ursachen für das Scheitern dieser Kinder liegen? Ist es das Elternhaus der Kinder, in dem zu wenig Förderung oder vielleicht sogar Abschottung stattfindet; ist es das deutsche Schulsystem, das stark selektiert oder doch ganz allgemein die deutsche Migrationspolitik, welche einer erfolgreichen (schulischen) Integration der Kinder im Wege steht? In der vorliegenden Arbeit wird auf diese Fragestellungen eingegangen und die entscheidenden Faktoren, welche die schulische Laufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund beeinträchtigen, werden herausgefiltert. Dabei liegt der thematische Schwerpunkt auf der Fragestellung, welcher Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund und der schulischen Leistung der Kinder existiert.


Excerpt (computer-generated)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Philosophischen Fakultät
Hauptkurs Bildungssoziologie im Fach Soziologie
5. Semester, Düsseldorf, 22.12.2006

Bildung und Migration

Über die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen

von

Natalia Akhabach

 


Inhaltsverzeichnis

1. Teil... 3

1.1 Einleitung... 3
1.2 Bildung und Migration: Ein Blick auf die heutige Situation... 4

2. Teil: Theorien... 7

2.1 Wohnviertel als Bildungssackgasse... 7
2.2 Die Sprache der Migrantenkinder... 9

3. Teil: Qualitative Erhebung... 12

3.1 Die Befragung... 12
3.2 Aussagen der Befragten... 12

3.2.1 Die Aussagen der Gymnasiallehrer... 12
3.2.2 Die Aussagen des MSU-Lehrers mit eigenem Migrationshintergrund... 15
3.2.3 Die Aussagen der Hauptschullehrerin und des Hauptschullehrers... 18

3.3 Auswertung der Aussagen... 20

4. Teil: Fazit... 23

5. Teil: Anhang... 24

5.1 Literaturverzeichnis... 24
5.2 Fragebogen... 26


 

1. Teil

1.1 Einleitung

Die deutsche Gesellschaft steht heutzutage vor nicht wenigen Problemen, bei denen das Feld der Migration eine Rolle spielt. Ein Problemfeld ist die deutsche Bildungssituation, deutlich wurde dies im schlechten Abschneiden bei der PISA-Studie. Weiterhin hat die PISA- Studie gezeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund tatsächlich deutlich schlechter abschneiden als deutsche Kinder. Nun gilt es herauszufinden, wo die Ursachen für das Scheitern dieser Kinder liegen? Ist es das Elternhaus der Kinder, in dem zu wenig Förderung oder vielleicht sogar Abschottung stattfindet; ist es das deutsche Schulsystem, das stark selektiert oder doch ganz allgemein die deutsche Migrationspolitik, welche einer erfolgreichen (schulischen) Integration der Kinder im Wege steht?
Ich werde nun in der vorliegenden Hausarbeit auf diese Fragestellungen eingehen und werde versuchen, die entscheidenden Faktoren herauszufiltern, welche die schulische Laufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund beeinträchtigen. Dabei lege ich meinen thematischen Schwerpunkt auf die Fragestellung, welcher Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund und der schulischen Leistung der Kinder existiert. Meine Ausgangshypothese zu diesem Themenfeld lautet: Relevant für die schulische Leistung und Laufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund sind vor allem zwei Bedingungen, erstens das Bildungsverständnis, bzw. die tatsächliche Bildung der Eltern und ihr sozial-ökonomischer Status, zweitens die strukturellen Gegebenheiten des Schulsystems. Ich gehe davon aus, dass ein Migrationshintergrund nicht notwendigerweise niedrige Bildungsabschlüsse nach sich zieht. Stammt ein Kind aus einem Elternhaus, in dem die Eltern selber über gute Bildung- und Berufsabschlüsse verfügen, vermute ich, dass der Faktor „Migrationshintergrund“ kaum negativen Einfluss auf die schulische Laufbahn des Kindes hat. Außerdem denke ich, dass der niedrige soziale Status, den viele Familien mit Migrationshintergrund besitzen, der unter anderem mit der Bildungsferne dieser Familien einhergeht, ausschlaggebend für die niedrigen schulischen Erfolge ihrer Kinder sind. Weiterhin gehe ich davon aus, dass das deutsche Schulsystem, unter anderem durch die frühe Selektierung nach der vierten Klasse, diese Kinder nicht auffangen kann, sondern ihre bereits vorhandene Benachteiligung verstärkt.
Meine Arbeit beginne ich im ersten Teil mit einer Darstellung der gegenwärtigen Situation. Dabei beleuchte ich die aktuellen Probleme, die vor allem in der PISA- Studie deutlich geworden sind. Im zweiten Teil gehe ich auf zwei theoretische Konzepte ein, die sich auf die Problematik der Migration anwenden lassen. Zusätzlich habe ich einige Lehrer und Lehrerinnen verschiedener Schulformen interviewt. Dadurch konnte ich weitere interessante und relevante Gesichtspunkte erfahren, die im dritten Teil meiner Arbeit aufgeführt sind. Ich gehe dabei zuerst auf die von mir verwendete Methode der Interviews ein, fasse die Aussagen der Lehrer zusammen und werte diese dann aus. Zuletzt werde ich abschließend eigene Schlussfolgerungen ziehen, in denen ich meine Ausgangshypothesen verifiziere oder falsifiziere.

1.2 Bildung und Migration: Ein Blick auf die heutige Situation

Eine gute Schulbildung ist der zentrale Schlüssel für das Berufsleben junger Menschen. Insbesondere gilt dies für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, denn letztlich hängt von diesem Faktor auch das Gelingen der Integration ab. Die PISAStudie hat aber gezeigt, dass der Schulerfolg im deutschen Schulsystem stark von der sozialen Herkunft und dem Sprachvermögen der Kinder abhängt, stärker als in anderen Einwanderungsländern.
Interessant ist dabei auch, wie unterschiedlich die Bildungspolitik in den verschiedenen Bundesländern mit dem Feld der Migration umgeht. In Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und auch in Schleswig-Holstein besuchen 60% der Kinder mit Migrationshintergrund die Hauptschule. Dagegen sinkt dieser Anteil in Bundesländern mit einer gut entwickelten Gesamtschulstruktur, wie Nordrhein-Westfahlen, Hessen oder das Saarland, auf einen Prozentsatz von 30 bis 40%. Aber auch hier kann man bei solchen Zahlen nicht von erfolgreicher Integration in das deutsche Schulsystem sprechen. Nach dem Datenreport 2004 sind Kinder mit Migrationshintergrund an Gymnasien bei einem Anteil von 3,9% deutlich unterrepräsentiert, an Haupt- und Sonderschulen dagegen mit jeweils 18,2 und 15,8 Prozent überproportional vertreten. Das deutsche Bildungswesen wirkt sich auch gesamtgesellschaftlich nachteilig aus, besonders für Kinder aus Migrationsfamilien. Denn bereits in der Grundschule findet eine soziale Segregation durch die Aufteilung in die verschiedenen Schulformen statt. Die Kinder, welche auf die Hauptschulen überwiesen werden und zum großen Teil einen Migrationshintergrund haben, finden sich später meist nur in Berufen in untergeordneten Positionen wieder, etwa im Handwerk oder in der Industrie, da höhergestellte Berufe höhere Bildungsabschlüsse voraussetzen. Darüber hinaus verlassen ein Fünftel der Migrationsjugendlichen die Hauptschule ganz ohne Abschluss, für die dann oft nur die Arbeitslosigkeit als letzter Ausweg bleibt.
Der Migrationsforscher und –pädagoge Georg Auernheimer geht auf diese Trennung in der Gesellschaftsordnung ein und betont, dass das deutsche Schulsystem soziale Zuschreibungen, entsprechende Identitäten und Habitusformen verfestigt. „Wo Hauptschulen zu Ausländerschulen geworden sind, wird ein Gesellschaftsbild bestätigt, in dem Migranten die unteren Positionen einnehmen“ (Auernheimer 2006, S. 13). Diese Schulen, die hauptsächlich von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden, werden durch die Selektion in die verschiedenen Schulformen zu „quasi exterritorialen, gesellschaftlich vernachlässigten Räumen, weil die Eltern in der Regel nicht in der Lage sind, die Qualität der schulischen Arbeit zu kontrollieren und gegebenenfalls zu intervenieren“ (Auernheimer 2006, S. 13).

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