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Das Recht in Sprichwörtern und Sagen

Scholary Paper (Seminar), 2000, 20 Pages
Authors: Matthias Altmannsberger, Kathrin Hösl, Sonja Achatz
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Event: Seminar: Recht vom Mittelalter zur Neuzeit
Institution/College: University of Regensburg (Philosophische Fakultät)
Tags: Recht, Sprichwörtern, Sagen, Seminar, Recht, Mittelalter, Neuzeit
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 20
Grade: 1
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V8426
ISBN (E-book): 978-3-638-15401-7
ISBN (Book): 978-3-638-64042-8
File size: 245 KB

Abstract

Einst stand im Regensburger Rathaus zu lesen: "Ein jeder Rathsherr, der da gaht, Von seines Ampts wegen in den Rath, Soll seyn ohn alle böse Affect, Dardurch sein Hertz nit wird bewegt, Als Freundschafft, Zorn und Heuchlerey, Neyd, Gunst, Gewalt und Tyranney, Uns seyn durchaus ein gleiche Person, Dem armen und dem reichen Mann, Durch Sorgen für die gantze Gemeyn, Derselben Nutz betrachten rein. Dann, wie er richten wird auff Erden, So wird ihn Gott auch richten werden Am Jüngsten Tag nach seinem Rath, Den ewig er beschlossen hat." (zitiert nach GASSNER 1996: 66) Menschen hatten seit jeher einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Vorstellungen aber, wie Recht und Gerechtigkeit letztendlich auszusehen haben, unterliegen den subjektiven Anschauungen und Empfindungen der Menschen einer bestimmten Zeitepoche. Die Werte "Recht" und "Gerechtigkeit" mögen nichts an ihrer Anziehungskraft als Ideale für die Menschheit verloren haben, ihre inhaltliche Bedeutung jedoch ist im Laufe der Zeit einem stetigen Wandel unterworfen. So werden wir heute, wenn wir von alten Rechtsbräuchen und Rechtsvorstellungen lesen, so manches mal ganz ungläubig den Kopf schütteln. Die Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen des Mittelalters sind uns bis heute nicht nur in den Rechtsbüchern wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel erhalten geblieben, sondern auch noch in zahlreichen Sprichwörtern und Sagen mündlich überliefert. Den Ausdruck "Alles, was recht und billig ist" kennen wir noch heute. Er bedeutet so viel wie "Alles, was dem geschriebenen Gesetz und dem ′Gefühl für Gerechtigkeit′ entspricht" (Vgl. BROCKHAUS WAHRIG 1983: 309). Was aber entsprach diesem Gefühl für Gerechtigkeit im Mittelalter? Was bedeutet überhaupt "Recht", und wie hat es sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit entwickelt? Die vorliegende Arbeit will versuchen, an Hand von ausgewählten Rechtssprichwörtern und Rechtssagen ein Bild der popularen Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Mittelalters zu vermitteln. Dass so mancher Sünder nicht ungeschoren davonkam und dass die Strafen für so manches Vergehen richtig grausam waren wird sich zeigen. Zuerst jedoch soll die Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter kurz dargestellt werden und eine Definition des Begriffs "Recht", wie er im heutigen Sinne gebraucht wird.


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg
Philosophische Fakultät IV
Seminar: Recht vom Mittelalter zur Neuzeit

Verfasser: Sonja Achatz, Matthias Altmannsberger, Kathrin Hösl
SS 2000


Das Recht in Sprichwörtern und Sagen


Inhalt:

1. Einleitende Bemerkungen

2. Zum Rechtsbegriff
2.1. Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter
2.2. Recht im 21. Jahrhundert

3. Recht in Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten
3.1. Rechtssprichwörter
3.1.1. Zum Begriff "Rechtssprichwort"
3.1.2. Deutsche Rechtssprichwörter
3.1.2.1. Rechtsformeln mit lateinischer Entsprechung
3.1.2.2. Rechtssprichwörter - Aussagen des Gewohnheitsrechts
3.1.2.3. Rechtssprichwörter, die nur noch für Rechtshistoriker verständlich sind
3.1.2.4. Rechtssprichwörter, die nicht übereinstimmen
3.1.2.5. Rechtssprichwörter, die bis heute erhalten sind
3.1.2.6. Kritik und Witz in Rechtssprichwörtern
3.1.2.7. Unrechtssprichwörter
3.1.2.8. Allgemeine Rechtsgrundsätze
3.2. Recht in sprichwörtlichen Redensarten
3.2.1. Eigentumsrecht .
3.2.2. Grenzbestimmungen
3.2.3. Das Gericht betreffend
3.2.4. Urteil
3.2.5. Ehebruch
3.2.6. Ehrenstrafen
3.2.7. Freiheitsstrafe
3.2.8. Rechtsinstitutionen
3.3. Fazit

4. Recht in Sagen
4.1. Zum Begriff "Rechtssagen"
4.2. Deutsche Rechtssagen .
4.2.1. Von rechtlichen Maßen und Symbolen
4.2.2. Die Grenzmarkierung
4.2.3. Der Schall
4.2.4. Die Wette
4.2.5. Symbolik der Bekleidung
4.2.6. Stab und Keule
4.2.7. Das Aussetzen der Kinder und das Töten der Greise
4.2.8. Todes- und Lebensstrafen
4.2.9. Die Sühne
4.2.10. Freiheitsstrafen, Bann und das Asylrecht
4.2.11. Ehrenstrafen
4.2.12. Das Recht in der Ehe
4.2.13. Die Sage von den treuen Weibern
4.2.14. Gottesurteile

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literatur

 

1. Einleitende Bemerkungen

Einst stand im Regensburger Rathaus zu lesen:

"Ein jeder Rathsherr, der da gaht,
Von seines Ampts wegen in den Rath,
Soll seyn ohn alle böse Affect,
Dardurch sein Hertz nit wird bewegt,
Als Freundschafft, Zorn und Heuchlerey,
Neyd, Gunst, Gewalt und Tyranney,
Uns seyn durchaus ein gleiche Person,
Dem armen und dem reichen Mann,
Durch Sorgen für die gantze Gemeyn,
Derselben Nutz betrachten rein.
Dann, wie er richten wird auff Erden,
So wird ihn Gott auch richten werden
Am Jüngsten Tag nach seinem Rath,
Den ewig er beschlossen hat."
(zitiert nach GASSNER 1996: 66)

Menschen hatten seit jeher einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Vorstellungen aber, wie Recht und Gerechtigkeit letztendlich auszusehen haben, unterliegen den subjektiven Anschauungen und Empfindungen der Menschen einer bestimmten Zeitepoche. Die Werte "Recht" und "Gerechtigkeit" mögen nichts an ihrer Anziehungskraft als Ideale für die Menschheit verloren haben, ihre inhaltliche Bedeutung jedoch ist im Laufe der Zeit einem stetigen Wandel unterworfen. So werden wir heute, wenn wir von alten Rechtsbräuchen und Rechtsvorstellungen lesen, so manches mal ganz ungläubig den Kopf schütteln.

Die Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen des Mittelalters sind uns bis heute nicht nur in den Rechtsbüchern wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel erhalten geblieben, sondern auch noch in zahlreichen Sprichwörtern und Sagen mündlich überliefert.
Den Ausdruck "Alles, was recht und billig ist" kennen wir noch heute. Er bedeutet so viel wie "Alles, was dem geschriebenen Gesetz und dem ′Gefühl für Gerechtigkeit′ entspricht" (Vgl. BROCKHAUS WAHRIG 1983: 309). Was aber entsprach diesem Gefühl für Gerechtigkeit im Mittelalter? Was bedeutet überhaupt "Recht", und wie hat es sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit entwickelt?

Die vorliegende Arbeit will versuchen, an Hand von ausgewählten Rechtssprichwörtern und Rechtssagen ein Bild der popularen Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Mittelalters zu vermitteln. Dass so mancher Sünder nicht ungeschoren davonkam und dass die Strafen für so manches Vergehen richtig grausam waren wird sich zeigen.
Zuerst jedoch soll die Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter kurz dargestellt werden und eine Definition des Begriffs "Recht", wie er im heutigen Sinne gebraucht wird.

2. Zum Rechtsbegriff

2.1. Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter

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